Schleimbeutelentzündung der Schulter

Schleimbeutelentzündungen treten sehr häufig im Schultergelenk auf und sind äußerst schmerzhaft. Wer einmal davon betroffen war, weiß, wie sehr eine Bursitis im Alltag einschränkt. Schließlich ist die Schulterpartie an jeder Bewegung beteiligt – ob wir beim Laufen unsere Arme schwenken, uns bücken oder alltäglichen Beschäftigungen nachgehen.

Doch was steckt hinter einer Schleimbeutelentzündung und wie werden Sie die schmerzhafte Erkrankung wieder los?
Erfahren Sie hier mehr zur Diagnose, den Symptomen und der Behandlung einer Schleimbeutelentzündung in der Schulter.

Übersicht

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Schleimbeutelentzündung in der Schulter - Weitere Informationen

Was sind Schleimbeutel und wozu dienen sie?

Schleimbeutel (medizinisch: bursa) übernehmen eine wichtige Rolle bei der Beweglichkeit unserer Gelenke. Sie sitzen überall dort, wo harte auf weiche Strukturen treffen – vor allen Dingen an den Gelenken. Die kissenartigen Schleimbeutel sind mit einer gelartigen Gewebsflüssigkeit gefüllt und an der Oberfläche mit einer Gleitschicht versehen.

Orthopädische Erkrankungen der Gelenke
Alle Gelenke des Körpers sind von Schleimbeuteln geschützt. © freshidea / Fotolia

Wie macht sich eine Schleimbeutelentzündung im Schulterbereich bemerkbar?

Schleimbeutel fungieren als eine Art Dämpfer und sitzen zwischen den Knochen und Sehnen im Schultergelenksdach. Dadurch verhindern sie, dass beide Komponenten bei Bewegung aneinander reiben. Auf diese Weise sorgen Schleimbeutel dafür, dass sich das Gelenk ohne Reibungsverlust bewegen lässt und geschmeidig bleibt.

Anatomie der Schulter
© bilderzwerg / Fotolia

Ist der Schleimbeutel bei einer Bursitis subacromialis (ICD-Code: M75.5) im Schultergelenk angegriffen, zeigen sich typische Anzeichen einer Entzündung:

  • Der betroffene Bereich ist leicht bis deutlich angeschwollen und reagiert bei Druck schmerzhaft.
  • Außerdem ist die Haut meist gerötet und fühlt sich warm an.
  • Durch die Schwellung des Schleimbeutels ist der Bewegungsspielraum der Sehne stark eingeschränkt.
  • Dadurch entstehen oft schon bei der kleinsten Bewegung des Arms starke Schmerzen.
  • Meistens ist dabei die Bewegung im Schultergelenk stark eingeschränkt. 

Schulterschmerzen

Welche Ursachen hat eine Bursitis subacromialis?

Die Gelenke gehören zu den meist beanspruchten Stellen unseres Körpers. Sie machen ein Leben lang Tag für Tag jede unserer Bewegungen mit. Am häufigsten entsteht eine Schleimbeutelentzündung im Schulterbereich durch Überbelastung des Schultergelenks.

Sie geht meist auf einen ungewohnten Dauerreiz zurück. Führen wir bei einer bestimmten Tätigkeit unzählige Male dieselbe Armbewegung aus, gleiten Sehnen und Gelenke immer wieder an den schützenden Schleimbeutelkissen entlang.

Durch das ständige Reiben kommt es zu Reizungen der Schleimbeuteloberfläche. Daraus entsteht in der Folge häufig eine akute Entzündung, die sich bei Fortsetzung der Belastung nicht selten zu einer chronischen Bursitis entwickelt.

Verletzung durch Arbeit oder Unfall

Es sind nicht nur körperlich anstrengende Verrichtungen, die zu einer Schleimbeutelentzündung im Schultergelenk führen. Hier reicht es schon aus, über längere Zeit hinweg die stets gleiche Armbewegung zu machen – so zum Beispiel beim Streichen einer Wand. Auch einseitige Belastung, bei der ein Muskel stetig Druck auf den Schleimbeutel ausübt, kann einer Bursitis Vorschub leisten.

Doch auch eine Schulterprellung, ein Stoß oder Sturz ist mitunter für eine Bursitis subacromialis verantwortlich. In seltenen Fällen ist auch eine bakterielle Infektion an der Schleimbeutelentzündung im Schulterbereich schuld.

Schleimbeutelentzündungen in der Schulter treten meist bei Personen mittleren Alters auf. Bestimmte Grunderkrankungen wie Rheuma, Arthritis oder Gicht erhöhen das Risiko, eine Bursitis zu bekommen.

Wie lässt sich eine Schleimbeutelentzündung behandeln?

Meist heilt eine Schleimbeutelentzündung in der Schulter nach einigen Tagen von selbst aus. Allerdings funktioniert das nur, wenn Sie das Schultergelenk für mindestens drei Tage kaum bewegen oder den Arm mit einer Schlinge gänzlich ruhigstellen. Belasten Sie das Schultergelenk trotz bestehender Entzündung weiter, wird sich mit aller Wahrscheinlichkeit keine Besserung einstellen. Dann besteht die Gefahr, dass die Bursitis chronisch wird.

Erste Hilfe bei Bursitis

Als erste Maßnahme empfiehlt es sich, die Schulter mit Eis zu kühlen. Kühlen wirkt der Schwellung entgegen und lindert die Beschwerden. Legen Sie das Kühlpad jedoch nie direkt auf die Haut – sonst drohen Erfrierungen. Auch kühlende Gels und Salben aus der Apotheke erfüllen ihren Zweck. Treten Schmerzen auf, tun gängige Schmerzmittel wie Paracetamol gute Dienste. Zunächst ist eine Bewegungspause sinnvoll - bis die ersten Schmerzen nachlassen.

 

Salbe
Kühlung, Schmerzlinderung und Pause: erste Hilfe bei Schleimbeutelentzündung. © motorolka / Fotolia

Nach einigen Tagen Dauer klingen Schmerzen und der Entzündungsprozess in der Regel allmählich ab. Dann ist es Zeit, die Schulter wieder vorsichtig mit speziellen Übungen zu mobilisieren. Denn Gelenke versteifen sich schneller als gedacht, wenn sie zu lange nicht in Bewegung sind. Dazu fassen Sie den erkrankten Arm und führen ihn in drei verschiedenen Übungseinheiten jeweils nach oben, nach außen und zur Körpermitte. Führen Sie die Bewegung so aus, dass Sie zwar an die Schmerzgrenze kommen, aber nicht darüber hinaus.Halten Sie diese Position für einige Sekunden. Wiederholen Sie jede Übungseinheit mehrere Male täglich 5 – 10 mal.

Wann ist ein Arztbesuch unabdingbar?

Tritt trotz Ruhigstellen des betroffenen Arms nach 4 – 5 Tagen keine deutliche Besserung der Beschwerden ein, suchen Sie bitte einen Arzt auf. Er wird in der Regel zunächst entzündungshemmende Medikamente verordnen, die dem Entzündungsprozess in der Schulter Einhalt gebieten. Eine weitere Behandlungsoption sind Injektionen mit Kortisonsteroid, die der Arzt direkt ins Schultergelenk oder in den Schleimbeutel injiziert. Dadurch ist häufig eine rasche Verbesserung der Beschwerden zu erzielen. Meist empfehlen Ärzte zusätzlich Physiotherapie. Sie macht das Schultergelenk wieder in vollem Umfang beweglich.

Selten sammeln sich als Folge der Entzündung umfangreiche Flüssigkeitsdepots im Schleimbeutel an, die deutlich als Schwellung zu tasten sind. Bilden sich diese im Heilungsverlauf nicht von selbst zurück, ist eine Punktion erforderlich. Hierbei zieht der Arzt mit einer dünnen Kanüle die gespeicherte Gewebeflüssigkeit ab.

Besonders älteren Menschen ist bei Verdacht auf eine Schleimbeutelentzündung ein Arztbesuch anzuraten. Denn hier gilt es zunächst, eine Schleimbeutelentzündung von möglichen anderen Erkrankungen abzugrenzen. Auch Arthrose, Rheuma oder Gicht gehen mit ähnlichen Symptomen einher. Im Zweifel wird der Arzt zur sicheren Diagnose eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) oder Röntgenaufnahme heranziehen. Ist das Ergebnis nicht eindeutig, nimmt er möglicherweise zusätzlich eine Blut- und Urinuntersuchung vor.

Blutwerte Check-Up-Untersuchung
© Alexander Raths

Operation bei Bursitis

Wenn die Schleimbeutelentzündung sich als so hartnäckig erweist, dass sie trotz ärztlicher Behandlung nach 3 – 6 Wochen nicht weichen will, zieht der Arzt einen operativen Eingriff in Erwägung. Auch bakterielle Schleimbeutelentzündungen machen mitunter einen chirurgischen Eingriff erforderlich. Bei der Operation entfernt der Chirurg einen Teil des Schleimbeutels und glättet gegebenenfalls die Oberfläche des Knochens. Der Eingriff erfolgt in einer offenen Operation oder minimalinvasiv mit Schlüssellochtechnik. Bei einer minimalinvasiven Operation verläuft der Heilungsprozess deutlich schneller.

Vorbeugen ist besser als heilen

Es liegt ganz bei Ihnen, einer Schleimbeutelentzündung durch Überbelastung vorzubeugen. Lebensumstände ändern sich. Mit einer neuen Tätigkeit oder einem neuen Hobby sind häufig auch neue Bewegungsabläufe verbunden, die unser Körper nicht gewöhnt ist. So führen wir bei Sportarten wie Tennis oder Rudern über Stunden immer wieder die gleiche Bewegung aus. Sind diese Wiederholungsbewegungen für uns ungewohnt, stellt das eine enorme Belastung für die Schultergelenke dar.

Hier ist es empfehlenswert, die Gelenke nicht zu überfordern. Legen Sie, wenn möglich, immer wieder einige Minuten Pause ein – sei es bei der Arbeit oder beim Sport. Nur so hat der Körper die Chance, sich langsam an neue Bewegungsabläufe zu gewöhnen und Belastungen unbeschadet zu überstehen.

Auch regelmäßiger Ausgleichssport, der die Gelenke fit hält, verringert das Risiko, an einer Bursitis zu erkranken. Denn Menschen, die sich im Alltag wenig bewegen, sind am anfälligsten für eine Schleimbeutelentzündung. Eingerostete unbewegliche Gelenke entzünden sich bei neuen ungewohnten Belastungen besonders schnell.