Schleimbeutelentzündung in der Hüfte - Medizinische Experten

Wenn das Treppensteigen zur Qual wird und die Hüfte bei jedem Schritt schmerzt, kann das an einer Schleimbeutelentzündung im Hüftgelenk, auch Bursitis Trochanterica (ICD M70.7) genannt, liegen. Mit der schmerzhaften Erkrankung ist nicht zu spaßen. Denn ist eine Bursitis der Hüfte erst mal chronisch geworden, kann die Behandlung langwierig sein oder gar eine Operation erforderlich machen.

Woran Sie eine Schleimbeutelentzündung in der Hüfte erkennen und was Sie dagegen tun können, lesen Sie im Text weiter unten.

Übersicht

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Schleimbeutelentzündung in der Hüfte - Weitere Informationen

Schleimbeutel – Stoßdämpfer der Hüfte

Wie an all unseren Gelenken befinden sich auch in der Hüfte Schleimbeutel, die eine vielschichtige Aufgabe übernehmen. Stellen wir uns Schleimbeutel als kleine flache Gewebekissen vor, die eine gelartige Flüssigkeit enthalten. Sie bilden eine Art federnden Puffer, der die Belastungen des Gelenks kompensiert und den Druck darauf abfängt. Außerdem fungieren Schleimbeutel als Gleitschicht, auf der sich Knorpel und Knochen des Gelenks reibungslos bewegen. An der Hüfte sind gleich mehrere dieser kleinen Stoßdämpfer zu finden:

  • am Sitzbeinhöcker,
  • an der Hüftgelenkskapsel und
  • an der hüftnahen Innen- und Außenseite des Oberschenkelknochens (Trochantor major).

Entzünden sich die Schleimbeutel, sammelt sich in ihrem Inneren vermehrt Gewebsflüssigkeit an, die den Schleimbeutel anschwellen lässt. Diese Schwellung drückt nun auf das umliegende Gewebe – es kommt zu Schmerzen, die meist mit einer Bewegungseinschränkung verbunden sind.

Schleimbeutel Hüftgelenk

© bilderzwerg / Fotolia

Ursachen für eine Schleimbeutelentzündung in der Hüfte

Die Ursachen einer Bursitis trochanterica sind häufig in mechanischer Überbelastung zu finden. Besonders anfällig sind Sportler und Menschen, die das Hüftgelenk durch ungewohnt viel Laufen, Gehen oder Radfahren überfordern. Ebenso tragen Fehlbelastungen und Fehlstellungen zu einer Schleimbeutelentzündung bei.

Mitunter sind auch Viren oder Bakterien für eine Bursitis in der Hüfte verantwortlich. In diesem Fall handelt es sich um eine sogenannte septische Bursitis. Hierbei dringen Krankheitserreger aus dem Blutkreislauf durch die verkapselte Membran in den Schleimbeutel ein und lösen dort eine Infektion aus.

Bei Menschen in der zweiten Lebenshälfte steht eine Schleimbeutelentzündung in der Hüfte nicht selten mit rheumatischen Erkrankungen oder Gicht in Zusammenhang.

Symptome: Welche Beschwerden löst eine Bursitis trochanterica aus?

Je nach Lokalisation des betroffenen Schleimbeutels verursacht eine Bursitis diffuse oder lokal begrenzte Schmerzen an der Außenseite der Hüfte oder seltener in der Leiste. Die Hüftschmerzen bei einer Bursitis trochanterica sind nicht bewegungsabhängig – treten also auch im Ruhezustand auf. Allerdings verstärken sich die Beschwerden deutlich, wenn das Bein belastet und bewegt wird. Ist der Schleimbeutel im äußeren Hüftbereich entzündet, schmerzt die Hüfte auch in der Seitenlage.

Anders als bei sonstigen Schleimbeutelentzündungen ist eine Hüftbursitis für den Laien meist nicht von außen an entzündungstypischen Anzeichen wie Schwellung, Erwärmung und Rötung zu erkennen. Hier liegt der Entzündungsherd zu tief unter Muskulatur und Gewebe verborgen. Allerdings schmerzt die betroffene Stelle auf Druck.

Hüftschmerzen

Das können Sie selbst tun

In der Eigentherapie erweisen sich kühlende Gels und Salben oder aufgelegte Kühlpads als schmerzlindernd. Im akuten Stadium ist es hilfreich, das Gelenk für einige Tage ruhigzustellen, um der Entzündung entgegenzuwirken. Beschränken Sie Ihre Bewegungen in dieser Ruhephase auf das Nötigste. Beugen Sie die Hüfte so wenig wie möglich und vermeiden Sie unnötige Laufwege. Um das Hüftgelenk zu stabilisieren und zu entlasten, ist auch Tapen mit speziellen Y-Tapes eine begleitende Maßnahme, um den Heilungsprozess zu unterstützen. Tritt trotz Schonung des Gelenks nach einigen Tagen keine Besserung ein, konsultieren Sie besser einen Arzt.

Wie sieht die Diagnose aus?

Bei Hüftschmerzen ist ein Arzt für Orthopädie die richtige Adresse. Denn bei der Diagnostik ist es nicht ganz einfach, eine Bursitis von anderen Erkrankungen wie Hüftarthrose oder Abnutzungserscheinungen abzugrenzen. Oft lassen diffuse Schmerzen im Hüftbereich zunächst nicht eindeutig auf eine Schleimbeutelentzündung schließen. Da bei einer Bursitis häufig eine Überlastung des Hüftgelenks zugrunde liegt, wird Sie der Arzt zunächst zu veränderten Gewohnheiten oder Aktivitäten befragen.

Anschließend wird er überprüfen, ob an der entsprechenden Stelle ein Druckschmerz auszulösen ist. Möglicherweise wird er anhand einer Blutuntersuchung die Entzündungswerte bestimmen. Daran kann er erkennen, ob es sich um eine Bursitis durch Überbelastung oder eine durch Krankheitserreger verursachte Bursitis handelt. Möglicherweise zieht der Arzt auch eine Ultraschalluntersuchung oder andere bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Magnetresonanztonografie (MRT) zurate, um eine eindeutige Diagnose zu stellen.

Behandlung: Medikamente, Ruhe, Bewegung

Die ärztliche Therapie orientiert sich vorrangig daran, um welche Form der Bursitis trochanterica es sich handelt. Eine septische Bursitis, also eine durch Krankheitserreger hervorgerufene Schleimbeutelentzündung, wird anders behandelt als eine belastungsbedingte Bursitis. Doch auch andere Parameter fließen in die Behandlung ein. Hier gilt es zu unterscheiden, ob sich die Bursitis im Anfangsstadium befindet, akut ist oder bereits chronisch geworden ist. Auch das Alter des Patienten und mögliche andere Grunderkrankungen wie Rheuma, Arthrose oder Gicht, die Einfluss auf die Therapie nehmen könnten, spielen hier eine Rolle.

Handelt es sich um eine septische Bursitis, ist die Einnahme von Antibiotika unerlässlich. Bei einer Schleimbeutelentzündung, die durch Überbelastung des Hüftgelenks bedingt ist, verordnet der Orthopäde neben Ruhigstellung der Hüfte entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente. Sie haben die Aufgabe, den Entzündungsprozess nachhaltig einzudämmen. Nach der Ruhepause wird Ihnen der Arzt spezielle Übungen empfehlen, die die Hüfte langsam und schonend wieder mobilisieren.

Wie lange der Heilungsprozess dauert, hängt ebenfalls von den oben genannten Faktoren ab. Am schnellsten ist der Heilungsverlauf bei einer Bursitis, die auf mechanische Belastung zurückzuführen ist. Hier ist binnen einer Woche bereits mit einer deutlichen Besserung zu rechnen. Bei chronischen Verläufen nimmt die Behandlung mitunter mehrere Wochen in Anspruch.

Weitere Behandlungsoption: die Operation

In seltenen Fällen hat eine Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten keinen Erfolg. Dann bleibt nur eine Operation, um den Entzündungsprozess zu stoppen und eine dauerhafte Bewegungseinschränkung zu verhindern. Hierbei entfernt der Chirurg Teile des entzündeten Schleimbeutels, um eine Heilung zu ermöglichen.