Nicht immer eine Achillesferse - Schleimbeutelentzündung am Fersenbein

Fersenschmerzen sind eine lästige Begleiterscheinung im Alltag oder Sport. Oft lassen sie schmerzfreies Gehen oder Trainieren nicht mehr zu. In der meist unfreiwilligen Ruhepause stellen sich Betroffene die Frage, was hinter diesen Schmerzen im Fuß stecken könnte. Nicht immer ist es die Achillessehne - ein kleiner Schleimbeutel am Fersenbein kann sich entzünden und für die Schmerzen sorgen. 

Hier erfahren Sie Interessantes zum Schleimbeutel am Fersenbein, warum es zu einer Entzündung kommt und wie sie behandelt werden kann!

Übersicht

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Schleimbeutelentzündung am Fersenbein - Weitere Informationen

Funktion der Schleimbeutel - speziell der Schleimbeutel am Fersenbein

Schleimbeutel sind kleine Gewebesäckchen, die mit Gelenkflüssigkeit gefüllt sind. Sie finden sich im menschlichen Bewegungsapparat überall dort, wo Knochen, Gelenke und Sehnen einem erhöhten mechanischen Druck oder Zug ausgesetzt sind. Die verschieblichen Strukturen liegen dem Knochen direkt auf und fungieren dort als Polster. Schleimbeutel mindern den Druck und die Reibung zwischen dem Knochen und den dazugehörigen Strukturen wie Muskeln, Sehnen oder Haut.

Schleimbeutel Fersenbein
 Schleimbeutel am Fersenbein: vor und hinter der Achillessehne © bilderzwerg / Fotolia

Der Schleimbeutel zwischen Fersenbein und Achillessehne enthält rund 1,5 ml Flüssigkeit. Wenn der Fuß im Sprunggelenk in Richtung Fußrücken (Dorsalextension) herangezogen wird, erhöht sich der Druck im Schleimbeutel. Die Gegenbewegung (Plantarflexion), also wenn der Fuß gestreckt wird, reduziert den Druck. Der Schleimbeutel am Fersenbein soll Stöße abfangen und die Belastung, der das Fersenbein beim Gehen und Laufen ausgesetzt ist, gleichmäßig auf das Sprunggelenk verteilen.

Was ist eine Schleimbeutelentzündung am Fersenbein?

Eine Schleimbeutelentzündung am Fersenbein, in der medizinischen Fachsprache als Bursitis des Fersenbeins (ICD-Code: M77.5) oder als Bursitis Calcanea bezeichnet, ist mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verbunden. Zusammen mit einer Entzündung der Achillessehne gehört die Bursitis am Calcaneus zu den häufigsten Ursachen für Fersenschmerzen.

Bei der Bursitis Calcanea entzündet sich der Schleimbeutel, der hinter und unterhalb der Ferse liegt (Bursa Tendinis Calcanei). Besonders häufig sind Sportler von der Schleimbeutelentzündung betroffen. So belasten vor allem Jogger und Fußball- oder Handballspieler ihre Ferse so stark, dass es zu einer Überbeanspruchung des Schleimbeutels und der umliegenden Strukturen kommen kann. Auch falsches Schuhwerk kann den Fersenbereich reizen und so eine Entzündung provozieren. (Sport-)Schuhe, die eine zu harte Fersenschale oder Abnäher haben, drücken auf die Ferse und beanspruchen so den Schleimbeutel. Ebenso wirken sich Fehlstellungen der Beine oder Füße (zum Beispiel X- oder O-Beine oder der Knick-Senk-Fuß) ungünstig aus. Knicken die Füße beim Gehen oder Laufen nach innen oder außen ist der Schleimbeutel zusätzlichen Belastungen ausgesetzt.

Risiko Sportverletzung
Risiko Schleimbeutelentzündung durch sportliche Überlastung und drückende Schuhe © pavel1964 / Fotolia

Doch nicht nur Fehlbelastungen oder Überbeanspruchungen können eine Bursitis am Fersenbein hervorrufen, auch Vorerkrankungen können die Entzündung ebenfalls begünstigen. So können autoimmunbedingte Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises (Rheuma) wie beispielsweise Morbus Bechterew Ursache für ständig wiederkehrende Schleimbeutelentzündungen sein. Auch die Stoffwechselerkrankung Gicht, die mit erhöhten Harnsäurewerten im Blut einhergeht, führt häufig zu Schleimbeutelentzündungen im Fußbereich.
Basiert die Schleimbeutelentzündung am Fersenbein auf einer Infektion mit Bakterien wie Staphylokokken oder Streptokokken, liegt eine sogenannte septische Entzündung vor. Die Bakterien können über die Blutbahn oder unmittelbar über eine offene Wunde in den Schleimbeutel gelangen.

Symptome

Leitsymptom der Schleimbeutelentzündung am Fuß ist ein stechender Schmerz im Fersenbereich, der vor allem bei Bewegung auftritt. Weitere Symptome sind:

  • eine Schwellung im Bereich der Ferse
  • Überwärmung und Rötung der entsprechenden Stelle
  • ein punktueller Druckschmerz
  • je nach Ausprägung der Entzündung ein ziehender oder stechender Wadenschmerz

Wann zum Arzt? Diagnose Bursitis am Fersenbein

Bei Fersenschmerzen sowie Schwellungen und Überwärmung im Fersenbereich sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um den Beschwerden auf den Grund zu gehen und passend zu behandeln. Dieser wird zunächst in einem Anamnesegespräch die genaue Symptomatik und mögliche Auslöser erfragen.

Anschließend tastet er im Rahmen der körperlichen Untersuchung den Fuß sowie den Unterschenkel ab. Der Arzt kann durch Druck auf den entzündeten Bereich einen Schmerz auslösen und zudem den mit Flüssigkeit gefüllten Schleimbeutel ertasten. Bleibt die Ursache trotz der ausführlichen Befragung zur Krankengeschichte unklar oder treten wiederholt Schleimbeutelentzündungen am Fersenbein auf, ordnet der Arzt in der Regel eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) an. Auch eine Röntgenuntersuchung kann Hinweise auf mögliche Ursachen wie beispielsweise krankhafte Veränderungen des Sprunggelenks oder Verletzungen des Fersenbeins liefern. Eine Blutuntersuchung hilft ebenfalls, mögliche Auslöser wie eine Stoffwechselerkrankung oder eine rheumatische Erkrankung zu identifizieren.

Behandlungsmöglichkeiten bei einer Fersenbein-Bursitis

Die Schleimbeutelentzündung am Fersenbein lässt sich in der Regel gut behandeln und heilt relativ schnell aus.

Erste Hilfe - Schnell reagieren bei Bursitis

Das PECH-Schema gilt als Faustregel zur ersten Hilfe:

  • P - Pause. Für eine unkomplizierte Heilung ist es wichtig, den entzündeten Bereich zu schonen. Eine vorübergehende Ruhigstellung verhindert eine zusätzliche Reizung des Schleimbeutels. Damit die Bewegungseinschränkungen nicht zu lange andauern, sollte diese Ruhigstellung allerdings nur über eine kurzzeitig, also nur so lange wie nötig, erfolgen.
  • E - Eis. Kalte Umschläge oder kühlende Auflagen können die Schmerzen lindern und der Entzündung entgegenwirken. Auch eine kühlende Salbe kann die Schwellung reduzieren. In Absprache mit Ihrem Arzt können Sie ferner entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente mit Wirkstoffen wie Ibuprofen oder Diclofenac einnehmen.
  • C - Compression. Leichter Druck wirkt gegen Schwellungen, ideal in Verbindung mit einem Eispack oder Salbenverbänden. Eine Alternative stellt das Tapen dar. Tapes an der Ferse und an der Wade können das Fußgelenk stabilisieren und den gereizten Bereich entlasten.
  • H - Hochlagern. Wenn das betroffene Bein hochgelagert wird, kann die Schwellung besser abklingen und der Schleimbeutel sich schneller regenerieren.

Bei hartnäckiger Schleimbeutelentzündung

Nicht immer schwillt der Schleimbeutel nach abgeklungener Entzündung wieder von alleine ab. In diesem Fall kann eine Punktion sinnvoll sein. Bei diesem minimal-invasiven Eingriff saugt der Arzt mit einer Spritze die Entzündungsflüssigkeit aus dem Schleimbeutel. Anschließend wird entzündungshemmendes Kortison in die Schleimbeutelhülle gespritzt. Die Punktion ist eine wirkungsvolle Maßnahme bei langwierigen Entzündungen, allerdings müssen Nutzen und Risiken sorgfältig abgewogen werden. Durch die Einstichstelle können nämlich wiederum bakterielle Erreger in den ohnehin schon gereizten Schleimbeutel gelangen.

Ist die Fersenbein-Bursitis durch Bakterien verursacht, ist eine operative Eröffnung des Schleimbeutels erforderlich. Der Chirurg legt dabei eine Drainage, die dafür sorgt, dass die gesamte Entzündungsflüssigkeit aus dem Beutel fließen kann. Zudem verordnet er Antibiotika, die dem Bakterienwachstum entgegenwirken. Haben andere rheumatische oder Stoffwechselerkrankungen die Entzündung ausgelöst, richtet sich die Therapie der Bursitis nach der Grunderkrankung.

Eine operative Entfernung des entzündeten Schleimbeutels (Bursektomie) ist dann anzuraten, wenn die Entzündung länger als drei bis sechs Monate anhält oder immer wieder auftritt. Zur Entfernung ist lediglich ein kleiner chirurgischer Eingriff nötig, der jedoch eine nachfolgende Ruhigstellung und unter Umständen die Einnahme von Antibiotika erfordert.

Vorbeugung einer Schleimbeutelentzündung am Fersenbein

Schleimbeutelentzündungen am Fersenbein können ganz unterschiedliche Ursachen haben. Daher gibt es einige Möglichkeiten, es gar nicht erst zur Bursitis kommen zu lassen:

  • Dehn- und Kräftigungsübungen zur Stärkung der Muskulatur stabilisieren und schützen die Gelenke und  Schleimbeutel.
  • Schuhe sollen den Fuß ebenfalls schützen und stabilisieren. Achten Sie auf gut passende und für Sie geeignete Schuhe für spezielle Aktivitäten und auch den Alltag. Insbesondere beim Kauf von Laufschuhen oder Wanderschuhen kann eine professionelle Beratung mit Bewegungsanalyse hilfreich sein, um mögliche Schwachstellen aufzudecken.
  • Um einer Entzündung des Schleimbeutels vorzubeugen, sollten Sie auf einseitige Belastungen verzichten und Überbeanspruchungen vermeiden. Legen Sie beim Sport und auf der Arbeit regelmäßige Pausen ein und trainieren Sie keinesfalls gegen den Schmerz an.
  • Bei Schleimbeutelentzündungen durch Grunderkrankungen kann eine bewusste und für Sie passende Ernährung helfen, Entzündungsprozesse im Körper zu reduzieren. 

Eine Schleimbeutelentzündung am Fersenbein ist zwar äußerst schmerzhaft, lässt sich aber in der Regel gut behandeln. Wenn Sie Rücksicht auf Ihren Körper nehmen, lässt sich die Bursitis auch gut vorbeugen.