Osteomalazie: Wenn die Knochen demineralisieren

Die Osteomalazie oder Knochenerweichung ist eine Erkrankung der Knochen, die im Erwachsenenalter auftritt. Die Diagnose gestaltet sich schwierig, da die verschiedenen Knochenerkrankungen teilweise schwer voneinander abzugrenzen sind. Hauptursache sind Mangelzustände verschiedener Mineralstoffe und dem für die Knochen sehr wichtigen Vitamin D.

Informieren Sie sich hier, wie die umfassende Diagnose aussieht. Wir erklären Ihnen auch, was eine Osteomalazie eigentlich genau ist, wie sie entsteht und wie sich die optimale Therapie gestaltet.

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Osteomalazie - Weitere Informationen

Was ist Osteomalazie?

Das menschliche Skelett besteht aus rund 206 unterschiedlich starken und geformten Knochen. Voraussetzung für einen stabilen Körperaufbau sind starke Knochen. Dazu gehört eine ausreichende Versorgnung mit Nährstoffen und ein gesunder Stoffwechsel.

 

 

Die Osteomalazie ist eine Mineralisationsstörung der Knochen bei Erwachsenen, die meistens von einem Vitamin-D- oder Calcium-Mangel hervorgerufen wird. Dadurch werden die Mineralien Calcium und Phosphor in unzureichender Menge in die Knochen eingebaut. Die Folge sind eine Demineralisierung und eine Knochenerweichung, verbunden mit diversen Skelettveränderungen. Dazu gehören Kniefehlstellungen, wie X- oder O-Beine oder die Skoliose

Der Unterschied zur Osteoporose: Bei der Osteomalazie sinkt der Mineralgehalt des Knochens, nicht das Volumen. Die Grundsubstanz der Knochen bleibt somit erhalten. Bei der Osteoporose baut sich die Knochendichte ab. Von einer Osteomalazie sind ausschließlich Menschen im Erwachsenenalter betroffen. Bei Kindern bezeichnen Mediziner das gleiche Krankheitsbild als Rachitis.

Skelettsystem des Menschen
Knochen als stabiles Grundgerüst des Körpers. © Alexandr Mitiuc / Fotolia

Ursachen und Risikofaktoren für Osteomalazie

Die Hauptursache für eine Knochenerweichung oder Osteomalazie ist ein Vitamin D-Mangel. Vitamin D hat eine große Bedeutung für den menschlichen Körper: Es fördert die Aufnahme von Calcium aus dem Darm (Resorption). Dieses Calcium fehlt dann im Organismus und wird nicht in ausreichender Menge in die Knochenmatrix eingelagert.

Ein Vitamin D-Mangel entsteht aus zwei Gründen:

  • keine ausreichende Aufnahme von Vitamin D über die Ernährung
  • keine ausreichende Sonnenbestrahlung der Haut

Bei der Einstrahlung von Sonnenlicht auf die Haut passiert Folgendes: Aus den Vorstufen von Vitamin D (7-Dehydro-Cholesterin) wird im Organismus in mehreren Schritten das aktive Vitamin D, chemisch Calcitriol oder auch Vitamin D3 gebildet. Gewöhnlich werden 80 % des Bedarfs an Vitamin D so über die Haut gedeckt. Ein regelmäßiger Aufenthalt, Spaziergang oder sogar Sport im Freien sind also ein aktiver Beitrag für den Vitamin D-Haushalt und damit die Knochengesundheit.
Bei mangelnder Sonnenexposition, beispielsweise im Winter, bei älteren oder bettlägerigen Personen oder durch ständige Benutzung von Sonnenschutzcremes kommt es zu einem Mangel an aktivem Vitamin D. Dieser führt mitunter über eine verminderte Calcium-Resorption im Darm zur Osteomalazie.

Sonne gegen Vitamin D Mangel
© John Smith / Fotolia

Neben Mangelerscheinungen durch unzureichende Ernährung oder verminderte Sonnenexposition führen auch folgende Umstände zur Knochenerweichung:

  • Darmerkrankungen wie Zöliakie, Colitis ulcerosa und das Kurzdarm-Syndrom
  • Nierenfunktionsstörungen
  • angeborene Enzymdefekte
  • Medikamente wie Antiepileptika, Fluoride, Aluminium und Lithium

Welche Beschwerden treten bei einer Knochenerweichung auf?

Einige der bei Osteomalazie auftretenden Symptome entstehen durch den Mineralienmangel. Andere Begleiterscheinungen sind Folgen der entmineralisierten Knochenstruktur.
Ein Hauptsymptom der Knochenerweichung sind dumpfe, anhaltende Schmerzen. Besonders die unteren Extremitäten (Ober- und Unterschenkel), die Hüfte, der Brustkorb (Thorax) und die Wirbelsäule sind davon betroffen. Diese Körperteile tragen einen Großteil des Körpergewichtes. Daher macht sich die Osteomalazie hier meist zuerst bemerkbar.

Weitere Symptome sind:

  • Verformungen aufgrund der geringeren Knochendichte (unter anderem die Krümmung der Wirbelsäule, O- und X-Beine)
  • Muskelschwäche
  • schnelle Ermüdbarkeit
  • erhöhte Anfälligkeit für Knochenbrüche, insbesondere Oberschenkelhalsbruch.

Die Schmerzen der Knochen werden häufig mit denen einer Rheumaerkrankung verwechselt. Daher ist eine korrekte und umfassende Diagnose hier besonders wichtig.

Knochen Schmerzen
© wavenbreak3 / Fotolia

So erfolgt die richtige Diagnose

Erste Hinweise auf eine Knochenerweichung ergeben sich aus der ärztlichen Allgemeinuntersuchung. Dabei wird der Zustand des Körpers ebenso betrachtet wie die vom Patienten geschilderten Symptome. Der Arzt wird zudem fragen, ob es in der Familie bereits Fälle von Osteomalazie gab.

Im Rahmen einer Blutuntersuchung werden wichtige Laborparameter überprüft. Bei einer Knochenerweichung sind das Enzym Alkalische Phosphatase und der Parathormonspiegel im Blutserum stets erhöht. Zudem haben Patienten häufig einen niedrigen Vitamin D- und Calcium-Spiegel. Wurde die Osteomalazie durch eine Nierenerkrankung ausgelöst, zeigen sich außerdem verminderte Phosphatwerte.

Eine Röntgenuntersuchung gibt weitere Hinweise darauf, ob eine Knochenerweichung vorliegt. Hier zeigen sich die bereits verformten Knochen mit einer verwaschenen Struktur.

Bei einer Skelettszintigraphie ist ein erhöhter Knochenstoffwechsel messbar. Die Messung der Knochendichte bestätigt die Diagnose durch einen geringen Gehalt an Mineralien in der Knochenmatrix.

Sollte die Diagnose nach diesen Untersuchungsverfahren immer noch unklar sein, steht dem Arzt die Möglichkeit einer Knochenbiopsie zur Verfügung. Diese trägt dazu bei, die Knochenerweichung von anderen Knochenerkrankungen wie Osteoporose abzugrenzen.

Therapie und Prognose bei Osteomalazie: Vitamin D und Calcium

Die genaue Prognose bei einer Knochenerweichung hängt davon ab, zu welchem Zeitpunkt der Erkrankung die Diagnose erfolgt. Generell ist die Osteomalazie eine Krankheit, die gut behandelbar und heilbar ist. Je früher Mangelzustände oder eine beginnende Osteomalazie erkannt und behoben werden, umso geringer sind die Folgen der Demineralisierung. Die Osteomalazie ist häufig in vier bis sechs Monaten ausgeheilt.

Seltener führen Ärzte bei Osteomalazie orthopädische oder chirurgische Eingriffe durch. Diese kommen infrage, wenn die Knochen sehr verformt sind und der Patient darunter leidet.
Sind die Knochen bereits stark angegriffen, sind Orthesen eine Möglichkeit zur Linderung. Dabei handelt es sich um medizintechnische Hilfsmittel, welche die Glieder stützen, entlasten und korrigieren. Sinnvoll sind unterstützend auch Physiotherapie und Krankengymnastik, um eine stabile und gesunde Körperhaltung zu erlernen und zu stabilisieren.

Vitamin D Mangel vorbeugen
Genügend Vitamin D aus der Ernährung stärkt die Knochen. © bit24 / Fotolia

Die optimale Therapie einer Osteomalazie fördert die Remineralisierung der Knochenstruktur. Dies geschieht über folgende Wege, die idealerweise kombiniert werden:

  • Gabe von Vitamin D-Präparaten oder Injektionen (empfohlen wird eine tägliche Gesamtzufuhr von 5 µg Vitamin D, bei vorliegendem Mangel eventuell nach Absprache mit dem Arzt höher)
  • regelmäßiger Aufenthalt an der Sonne (mindestens 15 Minuten täglich, dabei am Besten das Gesicht, Arme und Beine ohne Sonnenschutzmittel bescheinen lassen)
  • Phosphatzufuhr und alkalisierende Substanzen bei Nierenfunktionsstörungen
  • Einnahme von Calcium-Präparaten und calciumreiche Ernährung
  • Vitamin D-reiche Lebensmittel auf den Speiseplan setzen.

Viel Vitamin D enthalten Fisch (zum Beispiel Lachs, Hering, Forelle oder Sardinen), Milchprodukte (Käse, Butter, Milch), außerdem Eier, verschiedene Pilze (Champignons, Steinpilze, Pfifferlinge), Avocados, Hülsenfrüchte und Vollkorngetreide

Tierische Produkte liefern Vitamin D in der Form D3, pflanzliche Produkte enthalten Vitamin D als D2. Die chemische Form Vitamin D3 entspricht der Variante des Vitamin D, das in der Haut durch Sonneneinstrahlung gebildet wird. Deshalb kann es vom Körper gut verwertet werden. 

Generell gilt, dass über die Ernährung zwar konstant Vitamin D aufgenommen werden kann, viele Lebensmittel allerdings eher wenig Vitamin D enthalten. Eine ärztliche Kontrolle des Vitamin D-Spiegels kann je nach individueller Konstitution und Beschwerdelage, besonders im Frühling nach den sonnenarmen Wintermonaten, sinnvoll sein.