Myalgie: Wenn die Muskeln schmerzen

Einen Muskelkater nach großer körperlicher Anstrengung kennt wahrscheinlich jeder. Während diese lästige Erscheinung relativ schnell wieder verschwindet, halten die Muskelschmerzen bei einer Myalgie ungewöhnlich lange an und treten in einer stärkeren Intensität auf. Muskelschmerzen dieser Art können verschiedene Ursachen haben - doch wann steckt womöglich eine ernstere Erkrankung dahinter und sollte dann ärztlich untersucht werden?

Wie Sie Ihre Schmerzen besser verstehen, einordnen und behandeln können, erfahren Sie hier!

Übersicht

Empfohlene Spezialisten

Myalgie - Weitere Informationen

Was ist eine Myalgie?

Der Begriff Myalgie (ICD-Code: M79.1) kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "Schmerz in der Muskulatur". In der Regel sind Myalgien die Folge von Überanstrengungen in Alltag, Beruf und Sport. Sie können jedoch auch als unspezifisches Symptom von zugrundeliegenden Erkrankungen auftreten. Diese Erkrankungen können neurologische sein und dabei ist eine beschädigte Skelettmuskulatur nicht der eigentliche Auslöser der Schmerzen. Einen Überblick über die Muskulatur des menschlichen Körpers bietet das folgende Video:

 

 


Wenn Muskeln schmerzen, können diese Beschwerden unterschiedlich auftreten. Mediziner unterscheiden lokal begrenzte Muskelschmerzen von diffusen Myalgien, je nachdem ob der Schmerz örtlich, das heißt an einer bestimmten Körperstelle, verspürt wird oder uneinheitlich, also im ganzen Körper, vorkommt.

Myalgie: Symptome und Art der Schmerzen

Myalgien können in ganz unterschiedlichen Schmerzformen auftreten. Häufig sind es muskelkaterähnliche Schmerzen. Viele Menschen erleben die Schmerzen in den Muskeln jedoch auch als stechend, elektrisierend oder brennend.

Muskelschmerzen
© underdogstudios / Fotolia

Das Spektrum der verschiedenen Schmerzgefühle reicht von einem unangenehmen Begleitschmerz bis hin zu unerträglichen Schmerzen, die auch durch herkömmliche Schmerztabletten nicht gelindert werden.

Gelegentlich kommen diese Symptome hinzu:

  • Krämpfe
  • Entzündungsgefühle
  • Probleme mit der Motorik
  • Lähmungen

Je nach Grunderkrankung lässt auch die Stärke der Muskulatur nach (Muskelschwund). Die Muskelschmerzen können nur bei Belastung auftreten oder ständig spürbar sein, auch in Ruhe. Hat der Schmerz eine motorische Ursache, z.B. bei einem Bandscheibenvorfall oder einem schweren Muskelkater, ist er zumeist lokal begrenzt. Der Patient kann den Schmerzort mehr oder weniger mühelos bestimmen.

Liegt eine systemische (den gesamten Körper betreffende) neuromuskuläre Problematik vor, kann meist gar nicht genau gesagt werden, wo sich die Schmerzen befinden. Das bedeutet, der Patient erlebt den Muskelschmerz diffus am ganzen Körper. Bei neuromuskulären Beschwerden kommt es zusätzlich zum Muskelschmerz auch zu Missempfindungen (Parästhesien) wie Brennen oder dem sogenannten Ameisenlaufen.

Ursachen: verschiedene Erkrankungen lassen die Muskeln schmerzen

Wenn die Muskeln schmerzen, können ein Muskelkater oder Verspannungen die einfachste Erklärung für eine Myalgie sein. Überlastungen in Sport oder Beruf gehen den Schmerzen dann direkt voraus. Auch Fehlhaltungen und Bewegungsmangel lassen die Muskeln verspannen. Starke Verspannungen mit Verhärtungen und punktuellen Verdickungen des Muskels (Triggerpunkte) werden auch Muskelhartspann (Myogelosen) genannt. Diese treten beim myofaszialen Schmerzsyndrom (MSS) auf. 

Myalgien können allerdings auch aus vielen verschiedenen Erkrankungen hervorgehen, so zum Beispiel:

  • Verletzungen am Bewegungsapparat (Skelett und Muskeln),
  • Entzündungen, wie die Polymyalgia Rheumatica,
  • Infektionen (z.B. mit Borreliose oder dem Epstein-Barr-Virus),
  • Autoimmunerkrankungen (u.a. Rheuma oder Multiple Sklerose),
  • Stoffwechselerkrankungen, wie Diabetes oder eine Schilddrüsenerkrankung,
  • Krebserkrankungen.

Muskulatur Muskeln
Rund 650 Muskeln besitzt der Mensch - Bei Myalgie kann es in jedem Muskel zu Schmerzen kommen. © adimas / Fotolia

Motorische Schäden an den Gliedmaßen wie Muskelrisse oder Teilrisse verursachen lokalen Schmerz. Beeinträchtigungen der Wirbelsäule können dagegen ausstrahlen und Schmerzen in entfernten Körperregionen hervorrufen. Gerade Schäden an der Halswirbelsäule äußern sich in umfassenden Schmerzen, die selbst in den Füßen spürbar sind.

Muskelentzündungen zeichnen sich meistens in lokal begrenzten Schmerzen ab, die mit dem Entzündungsherd in Verbindung stehen. Auslöser für diese Entzündungen können Infektionen mit Viren, Bakterien oder Parasiten sein. Dazu gehören die Bornholm-Erkrankung durch das Coxsackie-B5-Virus, die Bakterien Staphylokokken und Borrelien oder die Trichinose, die durch die Fadenwürmergattung Trichinen verursacht werden. Myalgien aufrund einer Staphylokokken-Infektion sind die weltweit häufigsten Muskelentzündungen.

Eine wichtige Ursachengruppe stellen die Autoimmunerkrankungen dar. Dazu zählen die Multiple Sklerose oder Krankheitsbilder aus dem rheumatischen Formenkreis. Bei der Polymyalgia rheumatica sind besonders Senioren über 60 Jahre betroffen. Das Leiden beginnt akut innerhalb von 14 Tagen und zeigt dann meist ein erhöhtes C-reaktives Protein (CRP) im Blutbild. Autoimmunerkrankungen sind oftmals progredient, das heißt mit fortschreitendem Krankheitsverlauf. Ohne Behandlung neigen sie dazu, im Laufe der Zeit schlimmer zu werden. Auch Tumoren verursachen systemische Muskel- und Gelenkschmerzen, die sogenannten Tumorschmerzen.

Die Ursachen für Muskelschmerzen sind so vielfältig, dass einige Auslöser von der Medizin übersehen werden. Ein eher weniger beachteter Urheber von Muskelschmerzen ist die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD), ein asymmetrisches Verhältnis in der Kaumuskulatur. Die so verursachten Schmerzen und Verspannungen können den gesamten Körper belasten. Die CMD zeichnet sich häufig durch nächtliches Zähneknirschen aus und wird mittels einer Knirscherschiene und spezieller Physiotherapie behandelt.

Wenig erforscht ist außerdem der sogenannte generalisierte Faser-Muskel-Schmerz, die Fibromyalgie. Diese beschreibt eine bis heute nicht gänzlich erforschte Krankheit ohne einheitliche Heilungschance. Fibromyalgie verursacht Schübe, während derer sich Betroffene krank, schlapp und entzündet fühlen. Charakteristisch sind starke Schmerzen im ganzen Körper, in den Muskeln und Sehnenansätzen. Hinzu kommt eine erschlagende Müdigkeit.

Nicht zu vergessen sind chronische Mängel an Mineral- und Vitalstoffen. Besonders wenn Magnesium oder Vitamin D im Körper fehlen, können die Muskeln schmerzen, begleitet von Muskelkrämpfen und einem Gefühl der Kraftlosigkeit. Eine ausgewogene Ernährung und die gezielte Ergänzung von fehlenden Vitaminen und Mineralien können ein erster Schritt sein, Myalgien zu behandeln. Ein Blutbild beim Arzt verrät Ihnen, ob Sie Mangelerscheinungen haben. Ein Mangel an Vitamin D kann Myalgie begünstigen - die fettlösliche Form von Vitamin D wird besonders gut verwertet.

Vitamin D Mangel vorbeugen
© bit24 / Fotolia

Diagnose von Myalgien

Da Muskelschmerzen so viele Ursachen haben können ist eine gründliche und umfassende Diagnose durch einen Arzt wichtig, besonders dann, wenn die Myalgie heftig oder langandauernd auftritt. Der Arzt erfasst zunächst in der Anamnese die Krankengeschichte des Patienten und führt eine körperliche Untersuchung durch. Dabei wird die anatomische Lokalisation, die Stärke und die Verteilung der Schmerzen beobachtet und mögliche Triggerpunkte festgehalten. Auch Begleitumstände, die Schmerzen verstärken oder lindern, sind von Interesse. Der Arzt beachtet außerdem den Zustand der Haut. 

Für die weiterführende Diagnose ist ein Blutbild angezeigt und bei Verdacht auf vorliegende Stoffwechsel- oder Grunderkrankungen auch die Untersuchung von weiteren Laborparametern (Schilddrüsenwerte, Untersuchung nach Bakterien, Viren oder Parasiten oder immunologischen Faktoren).

Ergänzend können bildgebende Verfahren (MRT und Ultraschall) oder Gewebeuntersuchungen (Muskelbiopsie) eingesetzt werden.

Blutwerte Check-Up-Untersuchung
© Alexander Raths / Fotolia

Behandlung von Muskelschmerzen

Die Muskulatur trägt, stützt und bewegt den Körper in jeder Lebenssituation. Umso beschwerlicher wird der Alltag, wenn die Muskeln schmerzen. Wenn Ihre Muskelschmerzen durch einen Muskelkater entstanden sind, genügt eine kurze Regenerationspause, leichtes Ausdauertraining oder die Intensität des Trainings zu reduzieren. Auch die durchblutungsförderne und zugleich kühlende Pferdesalbe mit Kräuterextrakten und Kampfer kann wohltuend sein.

Massagen sind ein weiterer Baustein der Therapie von Muskelschmerzen. Bei Triggerpunkten, den punktuellen druckempfindlichen Schmerzpunkten, werden auf Druck die Schmerzen über das verkürzte Muskelbündel weitergeleitet. Durch gezielte Massage können diese Triggerpunkte aufgelöst werden. Das Video zeigt dieses Prinzip: 

 

 

Wenn Ihre Muskelschmerzen ganz plötzlich, also akut auftreten, über mehrere Wochen bestehen bleiben, sich ungewohnt oder sehr stark anfühlen, sollten Sie zum Arzt. Eine Verletzung, wie ein Muskelfaserriss muss gezielt behandelt und eine eventuelle chronische Grunderkrankung sollte erkannt werden.

Die Behandlung von Muskelschmerzen richtet sich nach den jeweiligen Ursachen. Deshalb ist es so wichtig, die Auslöser für Ihre schmerzenden Muskeln zu erkennen.

  • Haltungsschäden und Myogelosen erfordern neben muskelentspannenden Arzneimitteln (Muskelrelaxantien) normalerweise eine längere Physiotherapie, um die betroffenen Körperpartien zu lockern, zu mobilisieren und zu kräftigen.
  • Bei Bandscheibenvorfällen ist eine gezielte Physiotherapie, Schmerztherapie und Muskelrelaxantien sowie manchmal eine Operation angeraten.
  • Bei Autoimmunerkrankungen verschreiben Mediziner in der Regel Medikamente wie Kortison oder NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika).
  • Infektionen bekämpfen Mediziner zumeist mit Antibiotika (z.B. Doxycyclin bei der Borreliose).
  • Bei der Fibromyalgie kommt in erster Linie die Schmerztherapie zum Einsatz. Schmerztherapeuten lindern die Schmerzen im Körper und führen Betroffene wieder an ein normales Körpergefühl heran, so dass Bewegungen und Aktivitäten wieder möglich sind.

Ein gesunder Lebensstil kann außerdem dabei helfen, chronische Erkrankungen vorzubeugen. Daher lohnt es sich, ausgewogen zu essen, genügend zu trinken und Sport zu treiben. Gesundheitsschädliche Genussmittel sollten gemieden werden. Aber auch wenn eine Erkrankung schon vorliegt, trägt ein gesunder Lebenswandel zu einer Linderung der Beschwerden bei.

Bei Infektionen gilt es, Stress zu vermeiden und den Heilungsprozess zu fördern. Verletzungen am Bewegungsapparat benötigen zumeist in den ersten Tagen oder Wochen Ruhe, ehe Sie mit einem leichten Training unter Anweisung eines ausgebildeten Spezialisten beginnen.