Muskelfaserriss: Plötzlicher Muskelschmerz

Wenn der Muskel beim Sport plötzlich und unvermittelt schmerzt, steckt vielleicht ein Muskelfaserriss dahinter. Diese unangenehme Verletzung muss allerdings nicht zwangsläufig beim Sport entstehen. 

Erfahren Sie hier, wie ein solcher Riss der Muskelfaser entsteht, wie Sie einen Muskelfaserriss von anderen Muskelverletzungen unterscheiden und wann Sie wieder bereit sind für die nächste Sporteinheit.

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Muskelfaserriss - Weitere Informationen

Was ist ein Muskelfaserriss?

Zur Muskulatur des Menschen gehören über 600 einzelne Muskeln. Der Muskel besteht aus einzelnen Muskelfasern, die wiederum aus Myofibrillen aufgebaut sind und parallel vorliegen. Diese Muskelfasern sind wieder zu mehreren Muskelfaserbündeln zusammengefasst, die letztendlich den Muskel bilden. Die Bündel weisen zudem eine bindegewebsartige Muskelfaszie auf, welche sie umhüllt. Das Video zeigt den Aufbau eines Muskels:

 

 

Bei einer Verletzung des Muskels durch Überlastung oder eine andere Ursache reißt das ganze Muskelfaserbündel. Durch die Verletzung entstehen Blutungen, die in den Muskel einströmen und ihn anschwellen lassen. In einigen Fällen reißen hingegen nur einzelne Muskelfasern, was jedoch ebenfalls schmerzhaft ist.

Muskelfaserriss, Muskelzerrung oder Muskelbündelriss?

Eine Muskelzerrung gehört neben dem Muskelkater zu den leichteren Muskelverletzungen. Bei einer Zerrung werden nur die Sarkomere des Muskels verletzt. Dabei handelt es sich um die kleinsten funktionellen Einheiten des Muskels. Allerdings bleibt das Gewebe des Muskels intakt, es ist lediglich stark überdehnt.

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Aufbau eines Muskelbündels aus Muskelfasern.

Beim Muskelfaserriss zerreißen einzelne oder mehrere Muskelfasern. 

Außerdem gibt es noch den Muskelbündelriss, der schwerwiegender und schmerzhaft ist. Hierbei reißt das gesamte Muskelbündel. 

Kommt es zum Muskelriss (Muskelabriss), ist der komplette Muskel durchtrennt. Damit ist die Muskelkraft vollständig erloschen und es kommt zu starken Einblutungen.

Warum entsteht ein Muskelfaserriss?

Der Muskelfaserriss ist vorrangig eine Sportverletzung. Insbesondere taucht er auf, wenn es zum plötzlichen Richtungswechsel kommt oder wenn Sie die Muskulatur stark belasten.
Das kommt bei vielen Menschen beispielsweise während eines Sprints vor.
Eine weitere Ursache für einen Riss der Muskelfasern ist ein falsches Verhalten beim Training, zum Beispiel:
  • kein oder unzureichendes Aufwärmen
  • mangelnde Fitness
  • schlechter Gesundheitszustand (Training bei Krankheit)
  • extreme oder ungewohnte Belastungen
  • Übermüdung der Muskulatur

Trainingsfehler vermeiden mit richtigen Schuhen und Aufwärmen
Muskelfaserriss muss nicht sein - geeignete Schuhe und Aufwärmen vor dem Sport sind sinnvoll. © Dmytro Panchenko

Weitere Faktoren können Einfluss darauf nehmen, ob Sie einen Muskelfaserriss erleiden, darunter:
  • Mangelzustände (vor allem Magnesium, Eisen, Folsäure, Vitamin B2, B6, B12 und C sind für die Muskeln wichtig)
  • orthopädische Erkrankungen, insbesondere Fußfehlstellungen (zum Beispiel ein Plattfuß)
  • ungeeignete Schuhe beim Training
  • schlechte Bodenverhältnisse, vor allem beim Laufen und Joggen
  • bestimmte Sportarten: Tennis, Handball (durch schnelles Beschleunigen und Abbremsen), Fußball (die Wadenmuskulatur wird im Wechsel stark angespannt und entspannt)
  • Entzündungsherde (beispielsweise eine Muskelentzündung oder Myositis, aber auch Entzündungen anderer Organe)
Entzündungen anderer Organe führen zu Muskelentzündungen, wenn Sie diese lange Zeit nicht behandeln. So treten Erreger beispielsweise aus den Nebenhöhlen oder aus den Mandeln über das Blut in die Muskeln über. Dort verursachen sie eine Muskelentzündung. Diese wiederum ist ein Risikofaktor für einen Muskelfaserriss.

Welche Körperregionen sind besonders häufig von einem Muskelfaserriss betroffen?

Häufig kommt es bei größeren Muskelgruppen zu Verletzungen. So reißen die Muskelfasern in den Waden und am Oberschenkel besonders oft, da diese großen Belastungen standhalten müssen. Hierbei kann sowohl der Oberschenkel hinten als auch der Oberschenkel vorn betroffen sein.

Seltener kommt es auch zu einem Muskelfaserriss am Rücken, am Oberarm, in der Schulter oder im Bereich des Bauches. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn Sie diese Körperregionen nicht gut trainiert haben und Sie sie plötzlich stark belasten.
Ein bekanntes Beispiel hierfür ist, wenn Menschen spontan sehr schwere Gegenstände heben. So erleiden Sie vielleicht eher solche Muskelverletzungen, wenn Sie umziehen oder das Haus renovieren.

So wird ein Muskelfaserriss diagnostiziert: Symptome und Diagnose

Ein Muskelfaserriss wird durch eine ärztliche Untersuchung diagnostiziert. Der Arzt wird zudem die vorhandenen Symptome und wenn möglich den Unfallhergang in die Diagnose miteinbeziehen.
Diese Anzeichen deuten auf einen Muskelfaserriss hin:
  • plötzlich auftretende, stechende Schmerzen
  • die Schmerzen sind nadelstich- oder messerstichartig
  • lokalisierbarer Schmerz an einem Punkt im Muskel
  • Bewegungsunfähigkeit
  • der Muskel ist nicht belastbar
Darüber hinaus untersucht der Arzt die betroffene Stelle auf Dellen. Hinter diesen verbergen sich Blutergüsse (Hämatome). Sie sind als Schwellung im Muskel zu ertasten und deuten auf einen Faserriss hin. 
Der Arzt unterscheidet zwischen verschiedenen Schweregraden der Verletzung. Dafür führt er einen Bewegungstest durch. Dieser weist auf das genaue Ausmaß der Sportverletzung hin.

Arzt untersucht Muskeln
© JPC-PRO / Fotolia

Ist eine genauere Untersuchung nötig, greift Ihr Arzt zum Ultraschall (Sonographie) Dieser erlaubt es ihm, Rückschlüsse über die nötige Heilungszeit zu ziehen.
In seltenen Fällen erfolgt zudem eine Röntgenuntersuchung. Diese wird dann durchgeführt, wenn der Arzt zusätzlich Verletzungen der Knochen vermutet.
Ebenfalls selten wird ein MRT  (Magnetresonanztomografie / Kernspin) angewiesen. Hierzu greifen Mediziner eher bei professionellen Sportlern, um noch genauere Aussagen über den Heilungsverlauf und dessen Dauer zu treffen.

Behandlung: So sieht die Therapie eines Muskelfaserrisses aus

Wichtig für eine verkürzte Heilungsdauer ist die Erstversorgung nach dem PECH-Schema. Dieses Schema wird für mehrere Sportverletzungen empfohlen. Die Buchstaben stehen für:
  • P - Pause
  • E - Eis
  • C - Compression
  • H - Hochlagerung

Die Kälte sorgt gemeinsam mit Druck dafür, dass kein Bluterguss entsteht. Ideal sind hierfür kühlende Druckverbände. Der verletzte Muskel wird zudem für mindestens drei Tage komplett ruhiggestellt. Bei einem Muskelfaserriss am Bein greifen Sie am besten zu einer Unterarmgehstütze, damit der Muskel tatsächlich nicht belastet wird.

Weiterhin gehören zu einer umfassenden Therapie schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente. Bewährt haben sich etwa Ibuprofen und Diclofenac, die Sie bei Bedarf auch als Salbe kühlend und schmerzlindernd auftragen.

Unterstützend dazu bieten sich Lymphdrainagen, Kälteanwendungen und Übungen zur Muskelentspannung an. Letztere erlernen Sie beispielsweise bei einem Physiotherapeuten oder beim Sportmediziner.

Vorbeugung: Vorbereitet und gesund trainieren

Muskelfaserrisse können verhindert werden, wenn einige Punkte beachtet werden. Am wichtigsten ist, wirklich nur dann Sport zu treiben, wenn der Gesundheitszustand es erlaubt. Wenn Sie fit genug sind, um zu trainieren, ist das gründliche Aufwärmen davor unerlässlich. So vorbereitet sind die Muskeln gut durchblutet, geschmeidig und bereit für aktive Bewegungen. 

 

 

Wenn Mangelerscheinungen an Vitaminen und Mineralstoffen erkannt und behoben sind, tut das den Muskeln ebenfalls gut.

Geeignete Sportschuhe sind sehr wichtig für gesundes Training.

Wie lange dauert die Heilung?

Sie leiden unter einem Muskelfaserriss? Dann möchten Sie mit Sicherheit wissen, wann Sie den verletzten Muskel wieder einsetzen dürfen.
Grundsätzlich gilt: Je mehr Muskelfasern gerissen sind, desto länger dauert deren Heilung.

Eine schnelle Versorgung direkt nach der Verletzung ist sehr wichtig: Sie verringert die Dauer des Heilungsprozesses. Die Maßnahmen wie Kälte und Ruhigstellung verhindern, dass Blut aus den verletzten Gefäßen in die Muskulatur austritt. Dies führt nämlich zu einer Narbe im Muskel, welche die Heilung erschwert.

Bis Sie nach einem Muskelfaserriss wieder Sport treiben dürfen, dauert es etwa drei bis sechs Wochen. In schweren Fällen dauert der Heilungsprozess bis zu 16 Wochen. Wichtig ist, dass Sie die Muskulatur wirklich erst belasten, wenn Sie keinerlei Schmerzen mehr verspüren. Ein zu früher Start bedeutet häufig, dass die Muskelfasern wieder reißen. So verlängert sich die Heilungszeit nochmals unnötig.

Gönnen Sie sich daher die Ruhe, die Ihr Muskel benötigt. Beachten Sie die Informationen zu Therapiemaßnahmen und zur Vorbeugung. So kommt es in Zukunft auch beim ambitionierten Sport seltener zu einer solchen Verletzung.