Morbus Ahlbäck - Medizinische Experten

Als Morbus Ahlbäck wird ein spontaner Abbau von Knochengewebe im unteren Bereich des Oberschenkelknochens (Femur) bezeichnet. Zum Knie hin verbreitert sich der Oberschenkelknochen und zeigt jeweils an der Innen- und Außenseite einen mit Gelenkknorpel überzogenen Fortsatz.

Diese Fortsätze bezeichnet man als Femurrollen (Femurkondylen). Stirbt an der zur Körpermitte zeigenden, innenseitigen Femurrolle Knochengewebe ab (Nekrose), sprechen Mediziner von einem Morbus Ahlbäck. Die damit einhergehenden Beschwerden ähneln denen einer Kniearthrose.

Übersicht

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Morbus Ahlbäck - Weitere Informationen

Da das Absterben des Knochengewebes nicht durch eine Infektion ausgelöst wird, zählt der Morbus Ahlbäck entsprechend zu den aseptischen Knochennekrosen. Die Gründe für den Gewebeuntergang sind bislang nicht geklärt, es wird aber eine Durchblutungsstörung als Ursache vermutet. Infolge der gestörten Durchblutung kann das Knochengewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Es stirbt ab. Begünstigende Faktoren sind:

Die Erkrankung tritt vorwiegend nach dem 60. Lebensjahr auf.

Kniegelenk

Die Symptome eines Morbus Ahlbäck

Ein Morbus Ahlbäck ist durch folgende Beschwerden gekennzeichnet:
  • Schmerzen auf der Innenseite des Kniegelenks
  • Gelenkerguss mit Bewegungseinschränkung
  • zunehmende O-Bein-Stellung (Varusdeformität) mit Fortschreiten der Erkrankung

Die Erkrankung zeigt sich typischerweise anhand plötzlich auftretender Schmerzen im vorderen und zur Körpermitte hin liegenden Bereich des Kniegelenks. Diese nehmen zumeist unter Belastung zu. Je nach Ausdehnung des betroffenen Knochenbereichs sind die Beschwerden leicht bis sehr stark ausgeprägt. Auch der weitere Verlauf kann sehr unterschiedlich sein. Ist beispielsweise lediglich ein kleiner Bereich betroffen, beruhigt sich das Gelenk nach einer schmerzhaften Akutphase oftmals wieder.

Mit Fortschreiten der Erkrankung bricht das absterbende Knochengewebe ein. Es kommt zu Frakturen, durch die die schmerzhaften Reizzustände des Knies anhalten. Langfristig gehen die Knocheneinbrüche mit einer zunehmenden Deformierung der oberen Gelenkflächen einher. Die führen wiederum zu Haltungsfehlern und können in ausgeprägten Fällen zu einer Beeinträchtigung der gesamten Körperachse führen.

Darüber hinaus entwickeln sich nicht selten Gelenkergüsse, die zu Schwellungen und Bewegungseinschränkungen im betroffenen Kniegelenk führen.

Die Diagnose eines Morbus Ahlbäck

Der Arzt tastet das Knie im Rahmen der körperlichen Untersuchung ab und führt verschiedene Funktionstests durch. Bei Vorliegen eines Morbus Ahlbäck haben Patienten im inneren Kniegelenksbereich Schmerzen. Dies wird beim sogenannten positiven Rotations-/Kompressionstest der innenseitigen Femurrolle geprüft.

Im fortgeschrittenen Stadium kann der knöcherne Defekt anhand eines Röntgenbilds bildlich dargestellt werden. Frühe Stadien sind dagegen mithilfe einer Kernspintomographie feststellbar, bei der auch eine genaue Beurteilung der Ausdehnung des Gewebeuntergangs stattfindet. Ergänzend kann zudem eine Knochenszintigraphie zum Einsatz kommen. Hierbei wird dem Patienten eine radioaktive Substanz in die Vene injiziert, die sich anschließend in Knochenbereichen mit hoher Stoffwechselaktivität (u. a. krankhaft verändertes Knochengewebe) anlagert.

Ahlbaeck

Wenige Stunden nach der Injektion wird der Körper mithilfe einer speziellen Kamera abgetastet und die Verteilung der injizierten Substanz erfasst. Durch die Anlagerung in den Bereichen mit verändertem Knochenstoffwechsel kann ein Morbus Ahlbäck bereits früh diagnostiziert und dessen genaues Ausmaß beurteilt werden.

Die Behandlung eines Morbus Ahlbäck

Bei etwa einem Fünftel der Betroffenen schreitet ein Morbus Ahlbäck nicht voran bzw. heilt eigenständig wieder aus. Bei ausbleibendem Fortschreiten der Erkrankung ist eine konservative Therapie oder eine gelenkerhaltende Operation in vielen Fällen ausreichend.

Nichtoperative Behandlung bei Erkrankungsstillstand

Schreitet ein Morbus Ahlbäck nicht voran, genügt in aller Regel eine konservative Therapie, die vor allem auf die Schonung des betroffenen Beins durch Stützen und Sportverzicht abzielt. Bei Beinfehlstellungen (O- bzw. X-Bein) kommt eine Anpassung der Schuhe mit Erhöhung des äußeren Rands zum Einsatz, die die Kniefehlstellung korrigieren und das Knie entlasten kann.

Darüber hinaus werden physiotherapeutische Maßnahmen zum Erhalt der Mobilität des Kniegelenks und zur Stärkung der Beinmuskulatur empfohlen. Zur Verbesserung der Durchblutung und Schmerzminderung kann zusätzlich eine hyperbare Sauerstofftherapie (HBO-Therapie) dienen. Knochenaufbauende Medikamente (u. a. Biphosphonate) können die Vitalität und Regenerationsfähigkeit des betroffenen Knochengewebes zusätzlich fördern.

Gelenkerhaltende Operation bei Erkrankungsstillstand

Zum operativen Erhalt des Gelenks können verschiedene chirurgische Verfahren zum Einsatz kommen. So kann der Chirurg zum Beispiel die Region mit Untergang des Knochengewebes anbohren (Entlastungsbohrung), um das Knochengewebe zur Selbstheilung anzuregen.

Eine weitere Methode stellt die Transplantation von gesundem Knochengewebe (Spongiosatransplantation) aus einem anderen Körperbereich zum Ersatz des zerstörten Gewebes dar. Zur Entlastung des von der Nekrose betroffenen Bereichs kann die Position von Oberschenkelknochen und Schienbein zueinander verändert werden. Zugleich bohrt der Chirurg auch in diesem Fall oftmals den Nekroseherd an, um die Regeneration des Knochengewebes zu stimulieren (valgisierende Umstellungsosteotomie).

Behandlung bei Fortschreiten des Morbus Ahlbäck

Bei etwa vier Fünftel der Betroffenen schreitet ein Morbus Ahlbäck voran und die nekrotischen Knochenareale brechen ein. In diesen Fällen wird eine Entfernung des betroffenen Knochenbereichs und Einsatz einer Knieteilprothese bzw. Knietotalprothese empfohlen, um das weitere Fortschreiten des Gewebeuntergangs zu unterbinden.

Knieschmerzen

Postoperative Behandlung

Nach jedem chirurgischen Eingriff sollte eine Physiotherapie durchgeführt werden. Im Rahmen dieser Therapie wird das Kniegelenk schrittweise immer stärker belastet, bis wieder eine normale Alltagsbelastung möglich ist. Zudem wird durch spezielle Übungen die das Kniegelenk stabilisierende Beinmuskulatur trainiert.

Morbus Ahlbäck: Prognose und Heilungsverlauf

Die Prognose des Morbus Ahlbäck ist vom Alter des Patienten sowie dem Fortschritt der Erkrankung und der Wahl der Behandlung abhängig. In frühen Erkrankungsstadien können in einigen Fällen Spontanheilungen beobachtet werden. Mit zurückgehender Durchblutungsstörung bildet sich neues Knorpelgewebe und die Schmerzen gehen zurück.

Der Untergang des Knochengewebes schreitet allerdings in 80 Prozent der Fälle voran und führt unbehandelt zu zunehmenden Schmerzen und einer Kniearthrose. Aufgrund der Regenerationsfähigkeit von Knochengewebe ist aber selbst beim Einsatz eines Kunstgelenks die Prognose in aller Regel gut, auch wenn der Heilungsverlauf langwierig sein kann.