Knochenbruch - Arten und Behandlung einer Fraktur

Knochen zählen zum Härtesten und Widerstandsfähigsten, was der menschliche Körper zu bieten hat – kein Wunder, müssen sie doch sehr große Belastungen. Dennoch können Knochen brechen. Es gibt unterschiedliche Arten einer Fraktur, die einer individuellen Behandlung bedürfen. Welche dies sind und was bei einem Knochenbruch ebenfalls beachtet werden muss, wird im folgenden Text weiter unten aufgezeigt.

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Was ist ein Knochenbruch?

Von einem Knochenbruch (ICD-Code: T14.2) spricht man, wenn die knöchernen Strukturen und deren Verlauf geschädigt werden. Zum Beispiel kann es durch einen Sturz, ein Verdrehen oder durch einen Stoß dazu kommen, dass ein Knochen bricht.

Wie das menschliche Skelett vom kleinen Zeh bis zum Schädel aufgebaut ist, zeigt das Video:

 

 

Dabei ist nicht jeder Knochen gleich empfindlich. Ein Knochen muss nicht immer vollständig brechen. Zudem gibt es auch Prellungen, Stauchungen und Haarrisse. Bricht ein Knochen, kann die Fraktur in eine bestimmte Klassifikation eingeteilt werden. So werden unter anderem folgende Brucharten voneinander unterschieden:

  • offene Fraktur
  • Querfraktur
  • Ermüdungsfraktur
  • Schrägfraktur
  • Kompressionsfraktur
  • Abrissfraktur
  • Biegungsfraktur

Bei Kindern bis zu 8 Jahren kann es zur sogenannten Grünholzfraktur oder Toddler-Fraktur (von englisch toddler - Kleinkind) kommen. Die kindlichen Knochen sind noch relativ biegsam und zart, so dass gerade Kleinkinder, die gerade das Laufen beginnen, einen Knochenbruch von einem ansonsten harmlosen Sturz oder Stoß bekommen können. Knochenbrüche bei Kindern, insbesondere im jüngsten Alter, sollten von Kinderärzten oder der Kinderchirurgie behandelt werden. Sie heilen in der Regel unkompliziert und rasch aus.

Knochenbruch - Frakturarten
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Je nach Lage des Knochenbruchs im Körper verläuft die Verletzung unterschiedlich schwer und sind verschiedene spezialisierte medizinische Fachbereiche dafür zuständig:

  • Der Oberschenkelknochen etwa gilt als sehr stark und stabil, so dass große Kräfte notwendig sind, um eine Fraktur herbeizuführen. Bei relativ kleinen Knochen - wie etwa an der Zehe - können schon bei verhältnismäßig unspektakulären Traumata Frakturen auftreten.
  • Auch das Handgelenk (Kahnbeinbruch oder Distale Radiusfraktur) oder der Fuß (Fußfraktur oder Sprunggelenksfraktur) können brechen.
  • Häufigste Oberarm- und Schultergürtelverletzung ist die Humeruskopffraktur.
  • Ein Kieferbruch ist äußerst schmerzhaft und aufgrund der Gesichtsstrukturen, wie Augen, Zähne und Nerven ein Fall für die Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG-Chirurgie).
  • Ein Kniescheibenbruch (sogenannte Patellafraktur) ist häufig Folge eines Unfalls oder Sturzes. Gefährlich aufgrund seiner Lage zum Rückenmark kann ein Wirbelbruch werden - dann behandeln Wirbelsäulenchirurgen den Patienten.

Wie macht sich ein Knochenbruch bemerkbar?

Bei einem Knochenbruch können verschiedene Symptome auftreten. Findet sich in der verletzten Region eine "Delle" oder eine Fehlstellung, kann man davon ausgehen, dass der Knochen Schaden genommen hat. Bei einem offenen Bruch stellt sich die Frage nicht, da der Knochen aus der Haut herausragt. Natürlich ist eine Fraktur oft mit heftigen Schmerzen verbunden, die zudem mit einer starken Schwellung einhergehen. Diese Schwellung ist umso stärker, wenn zusätzlich zum Knochen auch noch andere Strukturen der betroffenen Stelle durch ein Trauma beschädigt wurden.

Schmerzen Handgelenk
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Liegt zum Beispiel eine Kapselverletzung vor, können die Schmerzen ebenfalls stark und mit einer Schwellung verbunden sein. Apropos Kapsel: Auch dann, wenn nur die Kapsel verletzt ist, kann es sogar zu stärkeren Schmerzen als bei einem reinen Knochenbruch kommen. Von daher ist es wichtig, eine Verletzung unbedingt von einem Spezialisten – in der Regel einem Facharzt für Orthopädie oder Unfallchirurgie – abklären zu lassen, um einen Knochenbruch erkennen oder ausschließen zu können.

Wie wird ein Knochenbruch behandelt?

Bevor die Behandlung eines Knochenbruchs erfolgen kann, muss zunächst eine gesicherte Diagnose gestellt werden. Diese erfolgt neben klinischen Tests in der Regel auch per Röntgenaufnahme oder Computertomografie (CT). Je nachdem, um was für eine Art von Fraktur es sich handelt, müssen unterschiedliche Maßnahmen ergriffen werden. Bei glatten und normalen Brüchen stehen Stabilisierung und Schonung im Mittelpunkt. Eine medikamentöse Behandlung sowie "Erste Hilfe" durch Kühlung können Schwellungen und Schmerzen lindern.

Die Stabilisierung eines Bruches erfolgt oft mittels Schiene oder Gips. Handelt es sich um kompliziertere Brüche, kann auch ein operatives Richten der Bruchstelle nötig sein, welches nicht selten unter Narkose durchgeführt werden muss. Auch eine Operation, in der die Bruchstelle gerichtet und anschließend mit Schrauben oder Drähten fixiert wird, kann bei komplizierten Frakturen angezeigt sein.

Handgelenksfraktur mit Plattenfixierung und Schrauben
Schrauben und Plattenfixierung einer Fraktur im Handgelenk © Whyona / Fotolia

Handelt es sich gar um einen offenen Bruch, ist schnelles Handeln angesagt, denn durch die geschädigte Haut können Keime und Bakterien eindringen. Im schlimmsten Fall kann es zu weiteren Krankheiten - zum Beispiel zu einer Sepsis (Blutvergiftung) - kommen.

Bei längerer Schonung nach einer Fraktur muss später Stück für Stück die Belastung gesteigert und die durch Ruhigstellung verlorengegangene Muskulatur wieder aufgebaut werden. Auch Kraftaufbau und Koordinationstraining stehen im Fokus der physiotherapeutischen Behandlung, vor allem bei Leistungssportlern.

Wann ist ein Knochenbruch ausgeheilt?

Eine gesicherte Antwort auf diese Frage gibt es im Grunde nicht, da die Heilungsdauer von verschiedenen Faktoren abhängig ist. Zum Beispiel spielt es eine Rolle, wie gut die Blutversorgung der Bruchstelle ist. Natürlich kommt es auch darauf an, ob begleitende Verletzungen des Kapsel-Bandapparats und anderer Strukturen vorliegen, oder ob die Bruchstellen nah genug beieinander sind.

Ebenfalls wichtig ist die betroffene Stelle selbst. So kann etwa ein Bruch des Schlüsselbeins bei konservativer Behandlung in drei bis vier Wochen ausheilen, wohingegen die Heilung des starken Oberschenkelknochens mehrere Monate in Anspruch nehmen kann. Die Frage, ob eine Fraktur konservativ oder operativ behandelt wird, hat ebenfalls einen Einfluss auf die Heilungsdauer. Schließlich muss man bei einer Operation die Wundheilung mit einkalkulieren. Zu guter Letzt ist eine unterstützende Mitarbeit des Patienten (Compliance) vonnöten.

Folgende Punkte sind also für die Dauer der Heilung maßgeblich:

  • konservative oder operative Behandlung
  • betroffenes Körperteil
  • begleitende Verletzungen von Kapsel, Knorpel, Nerven oder Bändern
  • Abstand der Bruchenden
  • Blutversorgung der Bruchstelle
  • Disziplin und Verhalten des Patienten

Welche Rolle spielen Medikamente und Ernährung?

Medikamente haben keinen Einfluss auf die Heilungsdauer, können aber wertvolle Dienste bei der Schmerztherapie leisten. Gerade in der ersten Zeit nach einer Fraktur kommen sie zum Einsatz.

Vitamin D Mangel vorbeugen
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Eine gesunde Ernährung, in der vor allem ausreichend Kalzium und Vitamin D zugeführt werden, kann die Widerstandsfähigkeit der Knochen erhöhen sowie einen wichtigen Beitrag zu deren Versorgung mit essentiellen Bausteinen leisten.