Kahnbeinbruch - Fraktur im Handgelenk

Ein Sturz, ob im Alltag oder beim Sport, wird oft reflexartig mit der ausgestreckten Hand abgefangen und schon ist es passiert. Schmerzen und Schwellungen der Hand sind eindeutige Zeichen für eine Verletzung des Handgelenks. Dieses besteht aus vielen einzelnen unregelmäßig geformten Knochen und Gelenkflächen. Einer der 8 Knochen der Handwurzel ist das Kahnbein. Der Kahnbeinbruch zählt zu den am häufigsten vorkommenden Frakturen der Handwurzel und ist damit eine oft behandelte Verletzung in der Unfallchirurgie

Wie ein Kahnbeinbruch entsteht und behandelt wird und wann Sport wieder erlaubt ist - hier erfahren Sie mehr zum Kahnbeinbruch!

Übersicht

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Kahnbeinbruch (Hand) - Weitere Informationen

Das Kahnbein der Handwurzel

Der menschliche Körper besitzt streng genommen zwei unterschiedliche Kahnbeine. Diese sind das Os scaphoideum an der Hand sowie das Os naviculare an der Fußwurzel. Allerdings zeigt sich die Verletzung deutlich häufiger an der Hand, sodass sie mit dem Begriff Kahnbeinbruch gleichgesetzt wird. Mediziner sprechen auch von einer Skaphoidfraktur.

Anatomie Handgelenk
Anatomie der linken Hand © bilderzwerg / Fotolia

Der Kahnbeinknochen zählt zu den acht Handwurzelknochen und ist Teil des Handgelenks. Mit seinem Unterrand stellt das Kahnbein die Gelenkfläche in Richtung Speiche dar.

Kahnbeinbruch - Häufige Sportverletzung

Beim Kahnbeinbruch (ICD-Code: S62.0) handelt es sich um die häufigste Bruchverletzung der Handwurzel. Dabei erreicht die Verletzung unter den Handwurzelbrüchen einen Anteil von rund 75 Prozent. Besonders betroffen von einem Kahnbeinbruch sind Sportler zwischen 20 und 30 Jahren, wobei es sich bei etwa 90 Prozent aller Patienten um Männer handelt.

Ursachen für eine Kahnbeinfraktur

Verursacht wird ein Bruch des Kahnbeins an der Hand durch starke und direkte Krafteinwirkung. Stürzt ein Mensch und streckt dabei seine Hand aus, kommt es durch die Kraftübertragung des Unterarms beim Aufprall oftmals zu einem Bruch des Kahnbeins oder der Speiche. An welcher Stelle das Kahnbein bricht, richtet sich nach dem Ausmaß der Überstreckung sowie nach den Bewegungen der Hand während des Aufpralls.
Besonders häufig treten Kahnbeinbrüche bei sportlichen Aktivitäten auf. Als typische Risikosportarten gelten Inline-Skating oder Snowboarden, weil diese häufig mit Stürzen verbunden sind.

Schmerzen Handgelenk
© yodiyim / Fotolia

Welche Symptome treten auf?

Als typisches Symptom eines Kahnbeinbruchs gelten Schmerzen an der Hand. Diese machen sich vor allem an der Hinterseite der Hand sowie an der Daumenseite bemerkbar. Außerdem schwillt das Handgelenk an und tut besonders bei Bewegungen weh. Oft nimmt die betroffene Person deswegen eine Schonhaltung an.

Des Weiteren besteht eine erhöhte Druckempfindlichkeit der Tabatiere. Dabei handelt es sich um die Region auf der Rückseite des Handgelenks am Handgelenksspalt zwischen den beiden Sehnen, die für das Abspreizen des Daumens zuständig sind. Liegt an dieser Stelle ein Druckschmerz vor, wird dies als deutliches Anzeichen für eine Kahnbeinfraktur gewertet. Das gilt selbst dann, wenn der Bruch auf der Röntgenaufnahme nicht eindeutig zu erkennen ist.

Die meisten Menschen, die unter einem Kahnbeinbruch leiden, verlagern die betroffene Hand meist dicht an den Körper, damit sie keinerlei Erschütterungen ausgesetzt ist. Der Patient kann nur schwer greifen und leidet dabei unter erheblichen Schmerzen. Je nachdem, ob der Betroffene Rechts- oder Linkshänder ist, hat eine Kahnbeinfraktur oft erhebliche Auswirkungen auf das Alltagsleben. So sind zum Beispiel das Schreiben oder das Zähneputzen nur noch mit der anderen Hand möglich.

Wie wird ein Kahnbeinbruch diagnostiziert?

Um eine Kahnbeinfraktur festzustellen, nimmt der Arzt zunächst eine körperliche Untersuchung der betroffenen Hand vor. Dabei achtet er darauf, an welcher Stelle die Schmerzen auftreten und ob eine Schonhaltung der Hand vorliegt. Zu den Untersuchungsoptionen gehört der Watson-Shift-Test. Bei diesem Verfahren wird die Hand des Patienten zum Daumen hin bewegt. Liegt ein Bruch des Kahnbeins vor, ist ein kleines Klicken oberhalb des Knochens zu verspüren, dem sich ein stechender Schmerz im Handgelenk anschließt.

Bildgebende Verfahren

Wichtig für das Stellen der Diagnose sind bildgebende Untersuchungsmethoden wie das Anfertigen von Röntgenaufnahmen in vier Ebenen. Allerdings lässt sich nicht in jedem Fall eine Kahnbeinfraktur auf den Röntgenaufnahmen erkennen. Nicht selten werden frische Brüche übersehen. Geben die Röntgenbilder nicht genug Aufschluss, besteht die Möglichkeit einer Computertomographie (CT), in deren Rahmen vom Handgelenk feine Schichtaufnahmen gemacht werden. Dadurch erhält der Arzt die Gelegenheit, die Bruchlinie zu erkennen und zu beurteilen. Nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden eine Kernspintomographie (MRT) sowie eine Skelettszintigraphie, die einen erhöhten Knochenstoffwechsel anzeigt.

Wie verläuft die Behandlung einer Kahnbeinfraktur?

Behandelt wird der Kahnbeinbruch entweder konservativ oder durch eine Operation. Für welche Therapieform sich der Arzt letztlich entscheidet, ist individuell unterschiedlich und davon abhängig, an welcher Stelle der Hand sich die Verletzung zeigt. Während die konservative Therapie eine längere Heilungsdauer beansprucht, bestehen bei einem chirurgischen Eingriff bestimmte Risiken.

Konservative Therapie: Geduld und Ruhe

Haben sich die Bruchfragmente des Kahnbeins nicht verschoben, besteht die Behandlung der Fraktur in der Ruhigstellung der betroffenen Hand. Das bedeutet, dass die Hand lediglich mit einem Gips oder einem Verband aus Kunststoff versehen wird. Nach rund zwei bis drei Wochen fertigt der Arzt erneut Röntgenaufnahmen an, um den Verlauf der Heilung zu überprüfen. Der Kahnbeinbruch braucht jedoch seine Zeit, um abzuheilen. So dauert die Ruhigstellung in der Regel zwei bis drei Monate.
Im Anschluss an die Behandlung ist meist das Durchführen einer Physiotherapie sinnvoll.

Operation

Ein chirurgischer Eingriff gilt als notwendig, wenn getrennte Bruchfragmente vorliegen oder sich die Kahnbeinfraktur in unmittelbarer Nähe der Unterarmgelenkfläche befindet. Grund dafür sind die schlechten Heilungsaussichten bei diesen Bruchvarianten. Aus diesem Grund erfolgt in solchen Fällen eine Operation, in deren Verlauf der Chirurg die beiden Bruchfragmente durch Schrauben wieder miteinander verbindet. Zu diesem Zweck verwendet der Operateur eine spezielle durchbohrte Schraube, die mit zwei Gewinden ausgestattet ist und verschiedene Steigungen aufweist. Mit dieser Schraubenform lässt sich eine Kompression der Bruchfragmente erzielen.

Kahnbeinfraktur OP mit Schraube
Operation einer Kahnbeinfraktur (links) mit Schrauben (rechts)

Die Schrauben, die für dieses Verfahren am besten geeignet sind, tragen die Bezeichnung Herbert-Schraube und Boldschraube. Für die Osteosynthese führt der Chirurg normalerweise einen geringfügigen Schnitt an der Handgelenkbeugeseite durch. Mit diesem minimal-invasiven Eingriff wird der Bruch stabil versorgt und die Nachbehandlung deutlich verkürzt.

Nach der Operation

Im Anschluss an den operativen Eingriff erhält der Patient für rund vier Wochen einen Gips. Prinzipiell verläuft die Heilung nach einer Operation schneller als bei der konservativen Therapie. Bei den meisten Patienten bleibt die Schraube für das restliche Leben im Handgelenk.

Heilungsdauer und Prognose

Wie lange es letztlich dauert, bis der Kahnbeinbruch an der Hand verheilt ist, hängt davon ab, an welcher Stelle die Fraktur erfolgte. Eine wichtige Rolle spielt außerdem das Lebensalter, denn je jünger der Patient ist, desto schneller schreitet die Heilung voran. Eine generelle Prognose für die Heilungsdauer lässt sich jedoch aufgrund der zahlreichen ausschlaggebenden Einzelfaktoren nicht treffen.
Ist der Bruchverlauf unkompliziert und der Patient jung, fällt die Prognose der Kahnbeinfraktur meist günstig aus. In manchen Fällen besteht allerdings das Risiko einer Pseudarthrose, bei der der Knochenbruch nur unvollständig verheilt.