Hüft-TEP - Kompletter Gelenkersatz für ein schmerzfreies Leben

Wenn die Schmerzen überhandnehmen und konservative Therapien nicht den gewünschten Erfolg liefern, kann ein künstliches Gelenk neue Lebensqualität schenken. Bei einer Hüft-TEP (Hüfttotalendoprothese) handelt es sich um den kompletten Ersatz des kranken Hüftgelenks mit einer Endoprothese.

Sämtliche Bestandteile des natürlichen Hüftgelenks werden dabei durch künstliche Materialien ersetzt. Eine Hüft-TEP setzt sich aus einem Hüftpfannenersatz, der in das Becken implantiert wird, einem Hüftschaft, der in den Oberschenkelknochen eingesetzt wird und einem Kugelkopf, der auf den Hüftschaft aufgesetzt wird, zusammen.

Mehr Informationen zur Hüft-TEP, den Ablauf der Implantation sowie erfahrene Spezialisten der Endoprothetik finden Sie weiter unten.

Übersicht

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Hüft-TEP - Weitere Informationen

Einsatzmöglichkeiten einer Hüft-TEP - meist bei Arthrose

In den meisten Fällen kommt eine Hüft-TEP zum Einsatz, wenn das natürliche Hüftgelenk durch eine Hüftgelenksarthrose geschädigt ist. Dabei wird der Knorpel geschädigt und abgetragen. Die Knochen reiben in der Folge aufeinandern. Diese Verschleißerkrankung des Hüftgelenks kommt vor allem bei Patienten in einem Alter ab 55 Jahren.

Die Koxarthrose, wie die Erkrankung auch genannt wird, ist also in der Regel eine Alterserscheinung. Rund 10 Prozent der Frauen und 17 Prozent der Männer bekommen diese Diagnose, bei einem Drittel der Betroffenen sind sogar beide Hüftgelenke erkrankt. Die Hüftgelenksarthrose kann ohne Operation nicht rückgängig gemacht werden. Konservative Therapien können nur vorübergehend helfen. Über eine Operation und den Einsatz eines künstlichen Gelenks sollte rechtzeitig mit dem Arzt gesprochen werden.

Arthrose Hüftgelenk - Koxarthrose
Verschleißerkrankung Hüftgelenksarthrose © catsnfrogs / Fotolia

Es ist erwiesen, dass 77% der Patienten mit diagnostizierter Koxarthrose bereits ein vorgeschädigtes Hüftgelenk hatten. Dann spricht der Mediziner von einer Sekundärarthrose, beziehungsweise einer Arthrose mit sekundärer Genese. Typische Sekundärarthrosen sind:

  • Subluxationskoxarthrosen/Dysplasiekoxarthrosen
  • Koxarthrose nach Morbus Perthes, Epiphyseolysis capitis femoris juvenilis oder idiopathischer Hüftkopfnekrose
  • Protusionskoxarthrose
  • Postkoxitische Koxarthrose
  • Posttraumatische Koxarthrose

Die drei verschiedenen Schmerzformen bei der Hüftgelenksarthrose

Die Arthrose des Hüftgelenkes weist, ähnlich der Arthrose anderer Gelenke drei verschiedene Schmerzformen auf:

  • Belastungsschmerz - die häufigste Schmerzform bei Hüftgelenksarthrose
  • Anlaufschmerz - zu Beginn von Bewegungen
  • Ruheschmerz - Beschwerden ohne Gelenkbewegung

Dabei wird der Schmerz meistens in die Leistengegend, in den Bereich des Trochanter major oder in die Gesäßregion projiziert. Teilweise strahlt der Schmerz aber auch in den Oberschenkel oder sogar in das Kniegelenk aus.

Durch die Schmerzen, die von der erkrankten Hüfte ausgehen, bringt sich der Patient oft in eine Schonhaltung. Diese unphysiologische Körperhaltung soll das Schmerzgefühl reduzieren. Allerdings können dadurch bestimmte Muskeln geschwächt werden (Muskeldysbalance) und die Beweglichkeit wird noch eingeschränkter.

Arthrose im Hüftgelenk und Kniegelenk
© Henrie / Fotolia

Bei der Untersuchung durch den Arzt gibt es standardisierte Bewegungstests (sogenannte Zeichen), die Schmerzen durch bestimmte Positionen auslösen. Bei der Hüftgelenksarthrose geschieht dies insbesondere beim Einwärtsdrehen oder beim Abspreizen des Hüftgelenkes. Kommt es aufgrund einer Schmerzvermeidungsfehlhaltung zu einer muskulären Schwäche können auch Duchénne- und Trendelenburgzeichen positiv sein.

Bei fortgeschrittener Koxarthrose kann eine deutliche Muskelatrophie (Muskelschwund) sowie eine Beuge-Außenrotations-Adduktionskontraktur bestehen. Bei dieser Fehlstellung durch verkürzte und geschwächte Muskeln und Sehnen kommt es zudem zu einer funktionellen Beinverkürzung.

Diagnose der Hüftgelenksarthrose

Die Anfertigung von Röntgenaufnahmen des erkrankten Hüftgelenkes ist unentbehrlich und kommt routinemäßig zum Einsatz. Die Hüfte wird dabei von vorn (anterior-posterior) und von der Seite (lateral) geröngt. Hier lassen sich zumeist alle radiologischen Kriterien einer Arthrose (Gelenkspaltverschmälerung, Sklerosen, subchondrale Zysten, osteophytäre Anbauten) sicher nachweisen. In seltenen Fällen kommen bei schwierigen anatomischen Verhältnissen auch Spezialaufnahmen des Schenkelhalses (nach Rippstein) oder des Pfannendaches (Faux-Profil nach Lequesne) zum Einsatz, wobei hier ein Computertomogramm (ggf. mit 3D-Rekonstruktion) weitere Aufschlüsse geben kann.

Hüftgelenk
© dimdimich / Fotolia

Konservative Therapie der Hüftgelenksarthrose

Die konservative Therapie besteht abwechselnd aus einem das Hüftgelenk belastenden und einem entlastenden Anteil. Zu befürworten sind Sportarten mit Bewegungsabläufen ohne Stauchungen, wie etwa Radfahren, Schwimmen oder Gymnastik. Bei Übergewicht ist eine Gewichtsreduktion dringend zu empfehlen. Zusätzliche Unterstützung kann durch physiotherapeutische Bewegungsübungen gegen Kontrakturen sowie Manuelle Therapie gegeben werden. Wenn dies zu keiner adäquaten Schmerzlinderung führt, kann eine Injektion mit einem Lokalanästhetikum, auch mit Kortison, durchgeführt werden. Dies kann aber nur zu einer vorübergehenden Besserung der Beschwerden führen.

Eine Langzeitschmerztherapie mit nichtsteroidalen Antirheumatika ist sehr verbreitet, ist aber aufgrund der Nebenwirkungen für den Magen-Darm-Trakt nicht ungefährlich. Selektive COX-2-Hemmer kommen auch zum Einsatz, sind aber aufgrund der möglichen kardiopulmonalen Nebenwirkungen nicht für jeden Patienten geeignet. Die Prognose kann von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein und ist schwer vorhersehbar. Ein Großteil der Koxarthrosepatienten muss letztlich jedoch operativ versorgt werden.

Gelenkerhaltende Operationen bei der Hüftgelenksarthrose

Diese sind in Umstellungsoperationen (Osteotomien) im Bereich des Oberschenkelknochens (Femur) und des Beckens unterteilt. Intertrochantäre Femurosteotomien korrigieren Fehlstellungen im Bereich des proximalen Femurs und sorgen damit für eine Senkung des transartikulären Druckes, eine Rezentrierung des Kraftflusses und eine Optimierung der Drehmomente. Umstellungsosteotomien können varisierend, valgisierend, extendierend, derotierend, flektierend oder in Kombination erfolgen. Osteotomien im Bereich des Beckens haben zum Ziel, eine fehlende Überdachung des Hüftkopfes und der damit verbundenen punktuellen Be- und Überlastung des Gelenkknorpels zu korrigieren. Hier seien die Operation nach Salter und Chiari sowie die Tripleosteotomie genannt. Festzustellen ist, dass diese Operationstechniken nur den Patienten von dauerhaftem Nutzen sind, welche noch über intakten Gelenkknorpel verfügen. Somit sind dritt- und viertgradige Arthrosen eine Kontraindikation.

Künstlicher Gelenkersatz: die Hüft-TEP

Die Wahl der Operationsmethode, der Implantate und deren Verankerungsmechanismen erfolgt durch den Operateur. Dieser sollte bei seiner Entscheidung den Arthrosegrad, die Anatomie der Hüfte, Nebenerkrankungen, Alter und Habitus des Patienten berücksichtigen. Einen Überblick über die offene und minimal-invasive Operationstechnik sowie verschiedene Prothesenformen finden sie in den folgenden Abschnitten.

Zugänge zum Hüftgelenk: offen oder minimal-invasiv

Standardmäßig kann der Zugang zum Hüftgelenk über mehrere Wege erfolgen, welche abhängig von der Schnittführung eine Lagerung des Patienten in Rücken- oder Seitenlage erfordert. Beim seitlichen (lateralen) Zugang kann der Patient sowohl in Rückenlage als auch in Seitenlage operiert werden. Hier liegt die Schnittführung über dem Bereich des großen Rollhügels (Trochanter major) und er erfordert die Durchtrennung des Tractus iliotibialis sowie einem Teil der Gesäßmuskulatur (Mm. glutei medius et minimus). Beim hinteren (dorsalen) Zugang projiziert sich der Schnitt dorsal des Trochantermassives was eine Seitlagerung des Patienten erfordert. Auch hier müssen Muskeln (M. piriformis) abgelöst und später wieder refixiert werden.

Minimalinvasive Implantationsverfahren

Neuere minimalinvasive Implantationsverfahren dagegen schonen hauptsächlich weichteilige Strukturen wie den Tractus iliotibialis sowie die Glutealmuskulatur. Sie zeichnen sich durch den vollständigen Verzicht auf eine partielle, subtotale oder totale Durchtrennung bzw. Ablösung der Muskulatur aus und tragen damit entscheidend dazu bei, die Patienten postoperativ schneller zu mobilisieren und muskuläre Insuffizienzen zu verhindern. Zurzeit kommen diese Operationsverfahren in wenigen Spezialkliniken zur Anwendung.

Sehen Sie im nachfolgenden Video, wie eine Hüft-TEP vorgenommen wird:

Prothesenformen und -materialien bei einer Hüft-TEP

Die einzelnen Schaftmodelle unterscheiden sich in einer Vielzahl von Parametern, wie etwa:

  • Material (Titan und dessen Legierungen, Kobaltbasislegierungen, Stahl)
  • Zementiert oder zementfrei
  • Beschichtung (Reintitan, Hydroxylapatit)
  • Oberflächenstruktur (Mikro- oder Makrostrukturierung)
  • Schaft-Hals-Winkel (CCD-Winkel)
  • Form (Kurzschaft, Geradschaft, anatomischer Schaft)
  • Abstand des Drehzentrums zur Schaftachse

Zementfreie vs. Zementierte Hüft-TEP

Bei den Gelenkpfannen wird prinzipiell zwischen zementierten und unzementierten unterschieden, wobei die zementierten Varianten zumeist als Polyethylen-Monoblockvarianten existieren, während die zementfreien Pfannen eine metallische Pfannenschale aufweisen und durch Pressfit-Verankerung oder als Schraubenverankerung implantiert werden.

Als Gleitpaarung (Pfanneninlay/Prothesenkopf) können eine Vielzahl von Materialienkombinationen zum Einsatz kommen, welche untereinander Vor- und Nachteile besitzen. Standardmäßig werden vor allem Polyethylen (PE)/Keramik, PE/Metall, Metall/Metall und Keramik/Keramik genutzt.

Zementfreie Endoprothetik bei einer Hüft-TEP

Bei dieser Implantationstechnik wird durch eine entsprechende Vorbereitung des kortikospongiösen Prothesenlagers mittels Fräsen (Pfanne der Prothese) oder so genannte Impaktoren (Prothesenschaft), nach dem anschließenden Einbringen der Prothese ein Press- oder Formfit erreicht. Durch diese „Verklemmung“ der Hüft-TEP wird eine Primärstabilität erreicht, welche ein sekundäres Einwachsen von spongiösen Knochenstrukturen ermöglicht. Eine sofortige Belastung der Prothese ist möglich.

Bei dieser Verankerungsart ist eine gesunde Knochenmatrix eine Voraussetzung für gute Langzeitergebnisse. Osteoporosen oder Knochenstoffwechselstörungen jeglicher Genese sind jedoch Kontraindikationen. Beim Hüftschaft entscheidet das Design der Prothese über den Kraftfluss und somit über die Belastung des die Prothese umgebenden Knochens und dessen Umbauprozesse. Schenkelhals- und Kurzschaftprothesen leiten die Kraft schon im Bereich des Schenkelhalses ein, was einen deutlichen Zuwachs der Knochendichte in diesem Bereich zur Folge hat, während bei Geradschaftprothesen der Kraftfluss deutlich unter dem Schenkelhals liegt und es damit auf lange Sicht aufgrund der Inaktivität zu einem Knochenverlust im Bereich des Schenkelhalses und der Trochantaeren kommt. Dies kann bei Wechseloperationen zu Problemen führen.

Zementierte Endoprothetik bei einer Hüft-TEP

Hier dient ein Kunststoff (Knochenzement) als Verbindung (Interface) zwischen der Knochenmatrix und der Hüft-TEP. Nach ihrer Implantation kann diese Hüft-TEP voll belastet werden. Diese Implantationstechnik erfolgt bei Patienten, bei denen aufgrund einer verminderten Knochenqualität/ -dichte eine zementfreie Endoprothese nicht indiziert ist.

Hybrid-Endoprothetik bei einer Hüft-TEP

Hier wird eine Mischform von zementfreier und zementierter Endoprothetik angewandt, die die jeweiligen Vorteile der beiden Implantationstechniken miteinander verbindet. Die Hüftpfanne wird zementfrei implantiert, da sich Knochenstoffwechselstörungen mit Abnahme der Knochendichte erst spät im Bereich der Pfanne manifestieren. Der Schaft dagegen wird zementiert und erreicht durch den Knochenzement eine sofort belastbare Anbindung, sogar an bereits qualitativ geminderten Knochen. Eine Ausnahme bildet hier der Oberflächenersatz, hier wird die Kappe zementiert und die Gelenkpfanne zementfrei implantiert. Eine postoperative Vollbelastung ist hier möglich.

Autoren: Dr. med. Alexander Hagel, Prof. Dr. med. Werner Hein