Hexenschuss: akuter Rückenschmerz bei Lumbago

Eine falsche Bewegung und plötzlich spüren Sie einen enormen, einschießenden Schmerz im unteren Rücken. Im ersten Moment merken Sie, dass sich etwas vollkommen anders anfühlt als zuvor. Der Hexenschuss ist da und zwingt Sie buchstäblich in die Knie. Doch was geschieht dabei genau? 

Bis ins Alter erleiden die meisten Menschen mindestens einmal in ihrem Leben eine Lumbago, so wird der Hexenschuss auch genannt. Dabei zieht sich die Muskulatur reflexartig zusammen, um die Wirbelsäule zu schützen. Es kommt zu einer Zerrung oder einer Blockade. Der heftige Schmerz lässt Patienten dann schnell das Schlimmste befürchten. Dabei ist ein einfacher Hexenschuss ungefährlich und reversibel. Binnen kurzer Zeit können Sie eine starke Verbesserung erzielen und Ihre Rückengesundheit voll und ganz wiederherstellen.

Was bei einem Hexenschuss genau passiert, wie Sie mit ihm umgehen und was Sie präventiv dagegen unternehmen können, erfahren Sie hier.

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Hexenschuss: Was ist eine Lumbago?

Die Lumbago (ICD-Code: M54.5), im Volksmund gerne Hexenschuss genannt, ist der Begriff für akute Rückenbeschwerden vor allem im unteren Rücken, dem Lendenwirbelbereich. Die Lumbalregion hat ihren Namen vom lateinischen lumbus, was Lende bedeutet.

Der Hexenschuss wird oft als eigenständige Erkrankung und Synomym für Rückenschmerzen angesehen. Tatsächlich ist das schmerzhafte Phänomen ein Schutzreflex des Körpers und hängt in erster Linie mit der Muskulatur zusammen. Die Rückenmuskulatur verkrampft sich, um die Wirbelsäule zu stützen. Der plötzliche Bewegungsstop mit dem Schmerz als Warnsignal heißt für Betroffene, dass es an der Zeit ist, etwas zu ändern und auf Spurensuche zu gehen, wie sie die persönliche Rückengesundheit zukünftig verbessern können.

Da Rückenschmerzen eine Vielzahl von Ursachen haben können, ist es wichtig, die Gründe für die individuellen Beschwerden herauszufinden. Dann können Sie Ihren Schmerzen die richtige Behandlung entgegensetzen.

Hexenschuss Lumbago
Typisch für den Hexenschuss ist der gebückte Gang. © CNF / Fotolia

Symptome eines Hexenschusses

Der Hexenschuss zeichnet sich vor allem durch plötzliche, zuweilen stechende Kreuzschmerzen aus. Meistens kommt auch eine Druckschmerzhaftigkeit der betroffenen Körperregion vor. Zusätzlich ist die Rückenmuskulatur stark verspannt.

Charakteristisch für einen Hexenschuss ist der gebückte Gang. Die Schonhaltung sorgt zwar im ersten Moment gefühlt für Entlastung, kann jedoch die Beschwerden sogar noch verschärfen, da sie zu einer Fehlbelastung des Körpers beiträgt. Deshalb ist es wichtig, die richtigen Behandlungsschritte zu beginnen, um es gar nicht so weit kommen zu lassen.

Der Schmerz strahlt häufig von der Lendenwirbelsäule nach oben und unten aus. Betroffene verspüren daher häufig auch Schmerzen in den Beinen und im Bereich der Brustwirbelsäule. Aufgrund des umfangreichen Symptomkomplexes sprechen Mediziner auch vom Lumbalsyndrom.

 

 



Häufig tritt eine Lumbago in Verbindung mit einer Ischialgie auf. Typisch für eine Lumboischialgie ist ein umfassender Ischiasschmerz. Der Ischiasnerv ist der größte Nerv des Körpers und verläuft vom unteren Rücken über das Hüftgelenk ins Bein. Gerade in der Beckenregion verläuft der Ischias durch kräftige größere und kleinere Muskeln (z.B. den Piriformis). Sind diese Muskeln verspannt, drücken sie auf den Ischias und lösen neuralgische Schmerzen aus. Daher begleiten bei einer Lumboischialgie Hüft- und Beinschmerzen die Rückenschmerzen.


Verlauf des Ischiasnervs: Schmerz bei Lumboischialgie

Ursachen für eine Lumbago

Schnell ist es passiert - zumeist bescheren Alltagsbewegungen wie Bücken oder Heben dem Patienten einen Hexenschuss. Auch beim Sport kann eine ungünstige Bewegung eine Lumbago verursachen.

Die Symptome einer Lumbago umreißen bereits die Ursachen für den stechenden Kreuzschmerz, nämlich Muskelverspannungen, ISG-Blockade oder im Ernstfall ein Bandscheibenschaden.

Hexenschuss durch Muskelverspannungen

Der Rücken besitzt verschiedene Muskelgruppen, oberflächliche und tief liegende, die zusammen für die Körperhaltung und Bewegung zuständig sind. Eine falsche Belastung der Muskulatur wirkt auch auf die tieferliegenden Stützmuskeln. Da diese Tiefenmuskulatur mit der Wirbelsäule verbunden ist, stabilisieren sie diese, können aber auch Zug ausüben oder bei Verspannung die Beweglichkeit der Wirbel vermindern.

Muskelverspannungen und Wirbelblockaden entstehen bei:

  • Überlastungen;
  • plötzlichen Bewegungen bei Kälte;
  • zu schwacher Muskulatur;
  • schwacher Dehnbarkeit oder
  • ungeeigneten Bewegungen mit schlagartig variierenden Anforderungen an die Muskulatur (z.B. verbreitet in Schnellkraftsportarten wie Fußball oder Tennis)

Rückenmuskulatur
Verspannungen oder Zerrungen der Rückenmuskulatur: häufiger Grund für einen Hexenschuss. © bilderzwerg / Fotolia

Hexenschuss durch ISG-Blockade

Gelegentlich entsteht das Lumbalsyndrom aus einer Blockade des Iliosakralgelenks (ISG). Das ISG, oder auch Kreuzdarmbeingelenk genannt, ist eine Gelenkfuge zwischen Kreuzbein und Darmbein. Dieses Plattengelenk ist die stabilisierte und dennoch flexible Verbindung zwischen der Wirbelsäule und dem Becken. Das Iliosakralgelenk sorgt für die Beweglichkeit des Beckens beim Laufen. Wenn es blockiert, kann es nicht mehr den normalen Bewegungsabläufen folgen. Sie spüren diese ISG-Blockade als schmerzhafte und wie erstarrte Unbeweglichkeit, bei der kleinste Bewegungen für stechende Schmerzen sorgen.

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Das Iliosakralgelenk ist eine Verbindungsfuge und anfällig für Blockaden.

Wenn eine Blockade des ISG Ursache für die Lumbago ist, besteht das Risiko, dass die Beschwerden chronisch werden. Das ISG ist auch nach der Heilung anfälliger für erneute Blockade, sodass sich ohne konstante Gegenmaßnahmen ein chronischer Hexenschuss herausbilden kann.

Ein Hexenschuss ist kein Bandscheibenvorfall

Es ist wichtig, die Lumbago vom Bandscheibenvorfall abzugrenzen. Tatsächlich zeigen ernstere Verletzungen des Bewegungsapparates wie die Bandscheibenvorwölbung (Protrusion) oder der Bandscheibenvorfall (Prolaps) oftmals ein ähnliches Beschwerdebild. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Sie Ihre Beschwerden von einem Orthopäden begutachten lassen, um die Verwechslungsgefahr zu reduzieren. Die richtige Diagnose sichert die bestmögliche Behandlung.

Liegt statt einer Lumbago ein Bandscheibenvorfall vor, müssen teilweise andere Behandlungsmethoden (im Ernstfall sogar eine OP) eingesetzt werden. Anders als bei einem Hexenschuss erfordert ein Bandscheibenvorfall einige Wochen Schonung, bis Sie, je nach individueller Intensität des Vorfalls, mit professionell angeleiteten Übungen zur Dehnung, Mobilisation und Kräftigung beginnen. Des Weiteren ist eine ärztliche Behandlung der Beschwerden unverzichtbar für die langfristige Gesundheit.

Physiotherapie Rückenschmerz
Mobilisierung bei Hexenschuss und Lumboischialgie © RioPatuca Images / Fotolia

Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) äußern sich in manchen Fällen auch in Ausfallerscheinungen der Nerven. Dabei kommt es zu Missempfindungen (Parästhesien), wie Hitze- oder Kältegefühl oder Lähmungen (Paresen) im Unterkörper. Treten diese Beschwerden bei Ihnen auf, handelt es sich nicht um einen einfachen Hexenschuss, sondern womöglich um einen Bandscheibenvorfall mit Nervenschädigung.

Wie kann eine Hexenschuss diagnostiziert werden?

Der Arzt führt zuallererst eine Anamnese durch und fragt Sie nach möglichen Ereignissen oder Aktivitäten vor dem Hexenschuss. Anschließend folgen motorische und neurologische Untersuchungen, um schwerwiegendere Probleme wie einen Bandscheibenvorfall auszuschließen. Führen diese Untersuchungen nicht zu einer eindeutigen Diagnose, greifen Mediziner auf bildgebende Verfahren (Computertomografie bzw. Magnet-Resonanz-Tomografie - MRT) zurück. Dort können Bandscheibenschäden oder Erkrankungen an der knöchernen Wirbelsäule, zum Beispiel bei Spondylose, erkannt werden.

Ob Sie einen Hexenschuss oder Bandscheibenvorfall haben, ist wichtig für die anschließende Therapie. Zur Unterscheidung helfen diese Kriterien:

  • Bandscheibenvorfälle können zunächst symptomlos auftreten, Hexenschüsse zeigen akute Beschwerden
  • Lähmungserscheinungen und stärkere Neuralgien (Missempfingungen durch Nervenschädigung) nur bei einem Bandscheibenvorfall
  • Bandscheibenvorfälle sind dringend behandlungsnotwendig, Hexenschüsse nicht

Hexenschuss behandeln und vorbeugen: Bewegung, Wärme, Schmerztherapie

Viele Menschen neigen dazu, den Körper bei einem Hexenschuss zu schonen. Der akute Schmerz lässt zudem kaum etwas anderes als die Schonhaltung zu. Eine erste kurze Pause ist natürlich erlaubt, dennoch sollten Sie, sobald es geht, wieder aktiv sein.

Für die Genesung ist es sehr wichtig, in Bewegung zu bleiben und den Körper zu aktivieren. Nach einer ersten Pause lockert Bewegung die verkrampfte Muskulatur und löst die Blockade. Ideal sind lockeres Spazierengehen - eine kleine Auszeit in der Natur entspannt und mobilisiert zudem das Iliosakralgelenk.

Wenn der Rücken schmerzt, werden Wärmeanwendungen als sehr wohltuend empfunden. Eine Wärmflasche, wärmende Schmerzsalbe zum Beispiel mit Chiliextrakt oder ein heißes Bad mit durchblutungsfördernden, muskellockernden Zusätzen können wahre Wunder bewirken. Ruhe und sanfte Bewegung fördern Ihre Genesung

Für das akute Schmerzempfinden eignen sich lokale Analgetika wie Diclofenac, welche Sie z.B. als Salbe auf die betroffene Stelle auftragen können. Bei schwereren Schmerzen wenden Mediziner auch Injektionen an, zum Beispiel mit Kortison. Dieses wird zur Entlastung direkt in die Schmerzregion injiziert. Wenn Bewegung und Schmerzmittel alleine nicht ausreichen, verschreiben Mediziner manchmal Muskelrelaxantien. Diese Medikamente entspannen die Muskulatur und erleichtern die Lockerung des verkrampften Muskelgewebes. Sie gehen jedoch mit vorübergehender Schlaffheit, Müdigkeit und Muskelschwäche einher und werden deshalb vorsichtig eingesetzt.

Wenn der akute Hexenschuss abgeklungen ist, ist aktive Vorbeugung die beste Strategie für Ihren Rücken. Dazu gehören unbedingt Bewegung, vom einfachen Spazierengehen bis hin zu Fitnesstraining. Kräftige Rumpfmuskeln, dazu gehören die Bauch- und Rückenmuskeln, schützen Ihren Rücken. Des Weiteren sollten Sie alle Körperpartien regelmäßig dehnen. Die Dehnung lockert die Muskulatur und macht sie geschmeidig. Geschmeidige Muskeln sind funktionstüchtiger und verkrampfen seltener. Mit Hilfe von Dehnübungen und regelmäßiger Bewegung können Sie das Risiko für eine Lumbago signifikant minimieren.

Dauer und Prognose: In der Regel kein Grund zur Sorge

Ein Hexenschuss ist normalerweise ein harmloses Syndrom. Der Schmerz klingt bei der richtigen Behandlung nach ein paar Tagen bis wenigen Wochen ab. Eine nachhaltige Schädigung der Lendenwirbelsäule ist unüblich.

Mehr Sport, weniger Sitzen und eine regelmäßige Mobilisierung der Wirbelsäule durch Dehnen und Kräftigungsübungen helfen, Hexenschüsse in Zukunft zu verhindern.