Handendoprothetik - Medizinische Experten

Sportverletzungen, Fehlstellungen oder altersbedingte Arthrose – die Liste der möglichen Ursachen für Gelenkschäden ist lang. In besonders schweren Fällen ist die kurative Behandlung des geschädigten Gelenkes nicht mehr möglich. Dann kommt die sogenannte Endoprothetik ins Spiel, der Ersatz von Gelenken und Körperstrukturen durch künstliche „Ebenbilder“. Besonders schwierig ist dabei der Handgelenkersatz oder auch als Handendoprothetik bezeichnet.


Medizinischer Lektor Dr. rer. nat. Marcus Mau

Dieser Artikel wurde nach den Vorgaben aktueller medizinischer Fachliteratur, Leitlinien und wissenschaftlichen Standards verfasst und sorgfältig von Medizinern geprüft.

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Handendoprothetik - Weitere Informationen

Handgelenkersatz dank Handendoprothetik

Ein Blick in die Operationsstatistiken verrät: Die Zahl der Endoprothesen steigt alljährlich weiter. In Deutschland ist am häufigsten das Knie betroffen, dicht gefolgt vom Hüftgelenksersatz. Darüber hinaus gibt es heutzutage aber ebenso Möglichkeiten, z. B. das Schultergelenk oder das Handgelenk endoprothetisch zu versorgen. Längst sind davon nicht mehr nur alte Menschen betroffen. Auch immer mehr junge, sportliche Menschen benötigen frühzeitig einen Gelenkersatz, meist an Knie, Hüfte oder im Schulterbereich.

Schwachstelle Handgelenk

Im Alltag ist die Hand und damit auch das Handgelenk ein wahres „Hochleistungsorgan“ des Körpers. Wir fühlen, tasten, arbeiten und tragen Lasten mithilfe unserer Hand. Umso schmerzlicher spüren wir, wenn durch einen Unfall oder eine jahrzehntelange Überbeanspruchung des Handgelenks, dieses versagt oder nur noch Schmerzen bereitet. Recht häufig treten Bänderrisse auf oder es kann durch Stürze und Unfälle zum Bruch der feinen Gelenkknochen kommen. Ist das Handgelenk operativ nicht mehr zu erhalten, muss es durch eine Handendoprothese ersetzt werden.

Materialien für die Handendoprothetik

Ein künstliches Gelenk muss im Allgemeinen viele Bedingungen erfüllen, um sicher eingesetzt werden zu können. Es soll beispielsweise körperbeständig sein, d. h. es wird sich auch nach Jahren im Körper nicht verändern. Darüber hinaus muss ein künstliches Gelenk verträglich sein, sodass es weder zu Immunreaktionen noch zu Organschäden kommt. Eine gewisse Stabilität gegen Brüche und eine leichte Bauweise gehören selbstverständlich ebenso dazu.

Mittlerweile stehen Patienten auch bereits eine ganze Reihe möglicher Materialien für eine Handendoprothese zur Verfügung. Am besten erforscht sind bisher die Metalllegierungen, z. B. aus Eisen, Kobalt und Titan. Hinzu kommen Kunststoffe, wie Polyethylen, Keramik oder Knochenzement.

Bisher ist es der Forschung jedoch noch nicht gelungen, die natürlicherseits im Gelenk vorkommende Gelenkschmiere nachzuahmen. Durch die fehlende Schmierwirkung kommt es beim Gelenkersatz je nach verarbeitetem Material zu Reibung und Spiel im Knochen, der sowohl Abrieb als auch Lockerung der Endoprothese im Knochen nach sich ziehen kann. Ebenso sind Granulome sowie Metall- und Keramikbrüche bereits beschrieben worden. Aufgrund des feucht-warmen Körpermilieus ist teilweise mit Korrosionserscheinungen zu rechnen.

Forscher weltweit arbeiten jedoch daran weiter, um einen immer natürlicheren Gelenkersatz zu entwickeln, der den Anforderungen nach Langlebigkeit und niedriger Komplikationsrate erfüllt.

Mögliche Komplikationen nach Handendoprothetik

Leider sind Komplikationen trotz sehr guter Versorgungsstrukturen an spezialisierten Kliniken für Gelenkersatz nie ganz auszuschließen. Bei älteren Patienten kommt es beispielsweise in einigen Fällen aufgrund einer ungenügenden Knochenregeneration zur Prothesenlockerung. Dies betrifft in etwa 8% aller Gelenkendoprothesen innerhalb eines Zeitraums von 10 Jahren nach der Implantation. Die Prothesenlockerung macht das gesamte versorgte Gelenk instabil, weshalb die oft einzig verbleibende Maßnahme die erneute Operation ist.

Ebenso möglich ist aber auch der Prothesenabrieb. Dabei wird Material der Prothese durch die erhöhte Reibung an den Gelenkfläche freigesetzt. Studien zu Kniegelenksprothesen zeigten beispielsweise zuvor, dass Titanpartikel aus der Endoprothese abgerieben wurden und sich dann in Zellen des Immunsystems anreicherten, sodass es zu Entzündungsreaktionen am Gelenkersatz kommen kann.

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