Hammerzehen - nicht nur ein kosmetisches Problem

Unter einem Hammerzeh (Digitus malleus) versteht man eine Zehenverformung, bei der eine Kleinzehe (meist die zweite und dritte Zehe neben der Großzehe) krallenartig gebeugt ist. Für die Entstehung von Hammerzehen und auch den etwas anders geformten Krallenzehen gibt es verschiedene Ursachen. Diese können sowohl mechanisch bedingt sein (Fehlstellung des Rückfußes, Muskelungleichgewicht) oder auch eine andere Ursache (zum Beispiel Nervenerkrankungen) haben. Hohe Absätze und zu enge Schuhe können die Fehlstellung begünstigen und insbesondere die Beschwerden, wenn die Zehe dann an verschiedenen Regionen reibt. Die frühere Meinung, dass allein zu kleine Schuhe für die Fehlstellung ursächlich sind, wird heute in Fachkreisen nicht mehr geteilt. Häufig verursachen Hammerzehen indirekt belastungsabhängige Beschwerden am Vorfußballen, die beim Abrollen und unter längerer Belastung auftreten.


Medizinischer Fachlektor Dr. med. Daniel Krapf

Dieser Artikel wurde nach den Vorgaben aktueller medizinischer Fachliteratur, Leitlinien und wissenschaftlichen Standards verfasst und sorgfältig von Medizinern geprüft.

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Hammerzehen - Weitere Informationen

Hintergrundinformationen zu Hammerzehen

Unsere Füße tragen uns im Laufe unseres Lebens rund dreimal um den Erdball. Oft ist das Schuhwerk, welches der Mode entspricht (High Heels, Stilettos & Co.), denkbar ungünstig für einen gesunden Fuß. Untersuchungen haben gezeigt, dass weit über die Hälfte der Frauen einen Schuh trägt, der mindestens eine halbe bis eine Nummer zu klein für die Fußlänge ist. Als Folge einer unpassenden Schuhwahl und infolge von Veränderungen im Fußskelett (Knick-Senkfuß, Ballenhohlfuß) treten häufig Fehlstellungen der Zehen auf, die als Hammerzehen und Krallenzehen bezeichnet werden. In seltenen Fällen entstehen diese Fußfehlstellungen im Rahmen von anderen Erkrankungen, wie beispielsweise neurologischen Krankheiten, bei chronischer Polyarthritis oder nach Frakturen im Unterschenkel oder Sprunggelenk.

Was sind Hammerzehen?

Bei einem Hammerzeh ist der Zeh so weit aufgrund einer Beugung im Endgelenk gekrümmt, dass der Zehenknochen wie der Kopf eines Hammers Richtung Boden zeigt. Meist ist der zweite Zeh betroffen. In schlimmen Fällen führt die Fehlstellung der Gelenke dazu, dass sich mehrere Zehen überlagern.

Hammerzehe
© Henrie / Fotolia

Von den Hammerzehen zu unterscheiden sind die Krallenzehen. Bei dieser Fehlstellung kommt es zu einer Überstreckung im Grundgelenk bei gleichzeitiger Beugung im Mittel- und Endgelenk der betroffenen Zehe. Die Folge: Die Zehe wölbt sich wie eine Kralle nach oben und die Zehenspitze verliert den Kontakt zum Boden.

Häufig geht der Hammerzeh mit weiteren Fußdeformationen einher - wie beispielsweise dem Knick-Senkfuss, dem Hohlfuß oder dem Hallux valgus (Fehlstellung des großen Zehs). Bei einem Hallux valgus tritt der Ballen des großen Zehs deutlich seitlich hervor (Ballenzeh). Der erste Mittelfußknochen des großen Zehs verschiebt sich immer weiter nach außen, während der Großzeh sich nach innen Richtung kleiner Zeh neigt und zu einer Schiefzehe wird. Der Schwerpunkt beim Gehen verschiebt sich immer weiter zum Mittelfuß. Anfänglich macht der Ballenzeh noch keine Probleme, doch je weiter die Fehlstellung fortschreitet, desto mehr Schmerzen treten auf. Oft hilft dann nur noch eine Operation.

Welche Symptome treten bei einem Hammerzeh auf?

Im Anfangsstadium bereiten Hammerzehen meist keine Beschwerden. Oft gehen Betroffene nur zum Arzt, weil sie ihren Fuß optisch nicht mehr ansprechend finden. Schreitet die Verformung jedoch fort, können an den betroffenen Stellen Reizzustände auftreten und es kommt zu Druckschmerzen, Schwielen und Hühneraugen, meist über dem Zehenmittelgelenk. Kommt es zu Läsionen der Haut durch das Reiben, kann es auch zu einer Infektion kommen mit Risiken wie der Blutvergiftung und der Knochenentzündung, welche im schlimmsten Fall eine Amputation erforderlich machen können. Das Tragen von normalen Schuhen ist dann oftmals nicht mehr möglich. Zudem können durch die Deformation andere Zehen verdrängt werden, was dazu führen kann, dass Zehen in ihren Grundgelenken ausgerenkt werden (Luxation).

Um festzustellen, wie ausgeprägt die Verformung der Zehen ist, wird eine Röntgenuntersuchung durchgeführt. So kann der Arzt sehen, wie weit die Deformation fortgeschritten ist, welche Gelenke betroffen sind und ob bereits Zehluxationen vorhanden sind. Außerdem zeigt das Röntgenbild, ob mögliche entzündliche Veränderungen (Arthritis) mit der Fehlstellung einhergehen.

Wie können Hammerzehen behandelt werden?

Wenn noch keine komplette Versteifung der Zehen vorliegt und die einzelnen Zehen noch passiv gestreckt werden können, versucht der Arzt, die Beschwerden mit konventionellen Methoden zu beheben. Folgende Behandlungsversuche können unternommen werden:

  • Beseitigung der Ursache
  • Krankengymnastik
  • Manuelle Therapie
  • Orthopädische Schuheinlagen
  • Polsterung und Pflege der Druckstellen (Druckschutz und Lagerungsorthesen)
  • Zügelverbände
  • Auswahl von speziell weichen Schuhen aus Leder, Schuhanpassung und orthopädische Serienschuhe
  • Speziell angefertigtes Schuhwerk

Mit der Zeit wird die Fehlstellung häufig rigide und eine Korrektur mit oben genannten Maßnahmen kann nicht mehr erreicht werden. Wenn die Hammerzehen im fortgeschrittenen Stadium durch chronische Entzündungen und Versteifungen immer mehr Probleme machen, sollte eine Operation durch einen Fußchirurgen in Betracht gezogen werden, bei der je nach Verfahren der Zeh begradigt, Sehnen verlängert oder verlagert werden, ein Teil des Knochens entfernt, Knochen durchtrennt und verschoben und/oder das Gelenk versteift wird. Der operative Eingriff kann häufig ambulant durchgeführt werden. Der Arzt kann Sie bezüglich verschiedener Operationsmethoden beraten. Die Auswahl hängt davon ab, wie stark der Zeh gekrümmt beziehungsweise versteift ist, welche Ursachen und andere Fehlstellungen/Beschwerden am Fuß bestehen und ob sich das Gelenk noch bewegen lässt.

Die Arthrodese

Bei dieser Methode erfolgt eine operative Gelenkversteifung. Sie kann bei Hammerzehen mit Komplettversteifung oder in Fällen, bei denen mehrere Zehen betroffen sind, angewendet werden. Bei einer Arthrodese wird das Gelenk (nach der Begradigung) mithilfe eines Drahtes, einer Metallklammer oder eines Implantates verstärkt. Der Vorteil: Die Schmerzen und die Gefahr der Ödembildung sind geringer als bei anderen Eingriffsmethoden. Jedoch kann die Nachbehandlung etwas länger dauern.

Operation nach Hohmann

Bei dieser Operationsmethode werden der Zehenknochen durch die Entfernung des am Gelenk beteiligten Grundgliedkopfes verkürzt und die Beugesehne aufgedehnt. Als Folge davon wird ein neues Gelenk angelegt und so die Zehenstellung korrigiert. Deshalb wird die Methode auch Resektionsarthroplastik genannt. Der Zeh muss ggf. für einige Wochen mit einem Draht fixiert werden, der äußerlich sichtbar ist. Durch die Verkürzung der Knochenstrecke erfolgt eine Entlastung der Weichteilstrecke. Nachteile dieser Methode: Es besteht eine häufige Schwellungsgefahr und es kann zu schmerzhaften Reizzuständen im Gelenk kommen. Von Vorteil sind dagegen die kürzere Nachbehandlungszeit und der relativ einfache technische Aufwand.

Sehnenverlagerungen

In speziellen Fällen der Hammerzehen (noch beweglich und ohne relevante zusätzliche Fehlstellung) kann es möglich sein, durch einen reinen Weichteil-Eingriff mit Verschiebung der einzelnen Zehen die Funktion der Beugung in Streckung umzukehren und somit ohne eine Versteifung die Fehlstellung zu korrigieren.

Verkürzung der Metatarsale Knochen (z.B. Weil-Osteotomie)

Bei diesen traditionellen Verfahren wie zum Beispiel der Weil-Osteotomie wird ein Mittelfußknochen (in verschiedenen Techniken) verkürzt. Dies kann erforderlich sein, um die Belastung am Vorfuß zwischen den verschiedenen Knochen besser zu balancieren oder um einen ausgehängten (luxierten) Zehen wieder im Gelenk in Position zu bringen.

Vor einer solchen Operation kann auch eine biomechanische Analyse sinnvoll sein, um zu erkennen, ob eine mögliche Belastung einer bestimmten Region vorliegt.

Minimal invasive Operationen

In den letzten Jahren haben sich für verschiedene Fehlstellungen (unter anderem auch Hammerzehen und Hallux valgus (krumme Großzehe) Verfahren etabliert, bei denen durch kleine Hautschnitte und spezielle Techniken eine größere Operation vermieden werden kann und auch oft die Nachbehandlung für den Patient erleichtert wird. Ob eine solche Operation im einzelnen Fall sinnvoll ist oder eine klassische Operation empfehlenswert ist, kann Ihnen Ihr behandelnder Fußchirurg erläutern.

Literatur

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  • Grifka J, Krämer J (2013) Orthopädie Unfallchirurgie. 9. Aufl., Springer, Heidelberg
  • Waizy H (2015) Die aktuelle S2e-Leitlinie zum Hallux valgus. Bayerisches Ärzteblatt 12:656-660
  • Kaipel M, Krapf D, Wyss C., Metatarsal length does not correlate with maximal peak pressure and maximal force. Clin Orthop Relat Res. 2011 Apr;469(4):1161-6.