Haglundferse - Medizinische Experten

Welche „tragende“ Rolle die Füße in unserem Leben spielen, wird uns oft erst bewusst, wenn sie sich durch Schmerzen bemerkbar machen. Etwa jeder fünfte Deutsche ist von Fersenschmerzen betroffen. Oftmals ist eine sogenannte Haglundferse (ICD-Code M77.3) die Ursache. Hierbei handelt es sich um eine abweichende Form des Fersenbeins, die zu Schmerzen und zur Entzündung des zwischen dem Knochen und der Achillessehne liegenden Schleimbeutels führt.

Weitere Informationen zur Haglundferse finden Sie im Text weiter unten.

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Haglundferse - Weitere Informationen

Was ist eine Haglundferse und was unterscheidet sie vom Fersensporn?

Bei manchen Menschen ist der hintere/obere Teil des Fersenbeins spitzer ausgeformt und ragt weiter heraus als gewöhnlich. Dadurch entsteht zwischen dem Knochen und der hinter diesem verlaufenden Achillessehne ein Engpass, durch den es leichter zu einem Druck und einer Belastung der Weichteile kommt. Hieraus resultieren eine höhere Empfindlichkeit, Irritationen und Schwellungen in diesem Bereich. Ein zwischen dem Fersenbein und der Achillessehne befindlicher Schleimbeutel, der als Art Stoßdämpfer fungiert, ist häufig gereizt und schwillt an.

Achillessehnenverletzungen und Haglundferse
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Erstmals beschrieben wurde das Krankheitsbild im Jahr 1928 durch den schwedischen Orthopäden Patrik Haglund. Anders als beim Fersensporn ist hierbei nicht nur der Ansatz der Achillessehne am oberen Fersenbein entzündet. Es besteht auch eine knöcherne Vorwölbung an der Ansatzstelle, durch die sich die Zugverhältnisse der Sehne am Fersenbein verändern. Der veränderte Zug bewirkt in Verbindung mit dem erhöhten Schuhdruck das sogenannte Haglund-Syndrom, das sich durch Schmerzen sowie Schwellung, Rötung und Überwärmung der Ferse äußert.

Wie entsteht die Haglundexostose und was sind die Ursachen?

Fehlstellungen des Fußes wie ein Hohlfuß oder ein Rückfuß und ungeeignetes Schuhwerk wie Stöckelschuhe kommen als Auslöser für die Haglundexostose ebenso infrage wie Überlastungen beim Sport. Die hieraus resultierende Druckreizung der Achillessehne löst oftmals eine Schleimbeutelentzündung zwischen der Sehne und dem Fersenbein aus. Darüber hinaus betrifft die Exostose (Überbein) häufig auch die Achillessehne selbst und die Knochenhaut des Fersenbeinkörpers. Halten der Druck und die Irritation lange an, schwellen unter Umständen alle Weichteile in diesem Bereich an, sodass eine deutlich sichtbare Beule entsteht.

Durch welche Symptome äußert sich das Haglund-Syndrom?

Die Haglundferse tritt sowohl einseitig als auch beidseitig auf. Dort wo das Fersenbein an der Innenseite des Schuhs reibt, kommt es zu Druckschmerzen und Schwellungen. Zu Beginn der Erkrankung verspüren Sie lediglich bei den ersten Schritten Schmerzen (Anlaufschmerzen), die schnell wieder verschwinden. Bei Nichtbeachtung dieses Alarmzeichens nehmen die Beschwerden und die Entzündung in vielen Fällen zu. Auf längere Sicht sind Sie nicht mehr in der Lage, normal zu gehen oder zu laufen. Oftmals wird das gesamte Areal rot und schwillt an. An der Ferse ist der herausragende obere Teil des Fersenbeins erkennbar.

Schmerzen im Sprunggelenk
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Wie erfolgt die Diagnose der Haglundferse?

In der Regel erkennen Mediziner das Vorhandensein der Haglundexostose bereits an den geschilderten Symptomen, die sowohl unter Belastung als auch in Ruhe auftreten. Durch eine seitliche Röntgenaufnahme können die Spezialisten den Nachweis erbringen, dass die schmerzhaft geschwollene Ferse tatsächlich ein knöchernes Überbein aufweist. Klar definierte diagnostische Kriterien, die eine besondere Ausprägung des Fersenbeins zur pathologischen Haglundferse avancieren lassen, gibt es bislang nicht. Deshalb erfolgt die Beurteilung immer unter Berücksichtigung der klinischen Beschwerden und der Fersenschmerzen.

Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung klären die Ärzte den Zustand der Achillessehne ab. Sie untersuchen die Sehne auf eine Verdickung, an der erkennbar ist, in wieweit sie bereits in den Krankheitsprozess der Haglundexostose einbezogen ist. Diese Untersuchung zeigt außerdem vorhandene Schleimbeutelentzündungen und -schwellungen.

Nahezu unabdingbar für die stadiengerechte Behandlung der Haglundferse ist die Durchführung einer Magnetresonanztomographie mit Kontrastmittel. Mit dieser haben die Ärzte die Möglichkeit, die betroffenen Weichteile, also die Achillessehne und den Schleimbeutel, genau zu begutachten. Gleichzeitig macht die Untersuchung Kalkablagerungen in die Achillessehne sichtbar.

Konservative Therapie der Haglundferse

Das Ziel der Behandlung besteht darin, den Fersenschmerz zu lindern und die Belastbarkeit des Fußes im Alltag oder beim Sport wiederherzustellen. Um Ihren Fersenbereich möglichst schnell zu entlasten, empfiehlt sich das Tragen hinten offener Schuhe. Einlagen zur Absatzerhöhung um etwa einen Zentimeter nehmen ebenfalls den Druck vom schmerzenden Bereich und verringern zugleich den Achillessehnenzug am Fersenbein. Laufsportler sollten so lange auf ihr Training verzichten, bis sich eine Linderung einstellt. Um einen Verlust an Ausdauer und Kraft zu verhindern, ist es ratsam, während der trainingsfreien Zeit auf Aquajogging umzusteigen.

Schmerzstillende und entzündungshemmende Mittel wie Ibuprofen und Aspirin helfen gegen Schwellungen und Schmerzen im Gelenk. Darüber hinaus bieten sich für die konservative Behandlung der Haglundferse verschiedene Verfahren aus dem Bereich der physikalischen Therapie an, beispielsweise Stromanwendungen, Stoßwellentherapie oder Ultraschalltherapie. Für die Selbsttherapie empfehlen sich Eispackungen und kühle Quarkwickel.

In besonders schweren Fällen ist eine völlige Ruhigstellung des Fußes in einem Gips oder einer Orthese nötig, um das das Sprunggelenk ausreichend zu entlasten und die Entzündung zu stoppen. Häufig muss die konservative Therapie über einen längeren Zeitraum erfolgen, bis sich ein Behandlungserfolg einstellt.

Operative Behandlung der Haglundexostose

Bringen die konventionellen Methoden nach sechs Monaten noch keine zufriedenstellende Besserung, empfiehlt sich ein chirurgischer Eingriff. Eine Operation ist insbesondere dann erforderlich, wenn Sie eine hohe Trainingsbelastung haben und eine dauerhafte Entlastung des Gelenks nicht möglich oder erwünscht ist. Eine operative Behandlung ziehen die Ärzte auch dann in Betracht, wenn sich der Dauerdruck bereits schädigend auf Ihre Achillessehne auswirkt. Meist erfolgt der Eingriff unter Teilnarkose.

Für die Operation der Haglundferse gibt es folgende Verfahren:

  • Abtragung der Haglundexostose
  • Entfernung des entzündeten Schleimbeutels
  • Debridement (Säuberung) bei entzündeter oder verkalkter Achillessehne

Das Abtragen des Knochenvorsprungs am Fersenbein reduziert den Druck der Ferse gegen den Schuhinnenrand und damit auch den Druck auf Achillessehne, Schleimbeutel und die angrenzenden Weichteile dauerhaft. Dadurch können Sie wieder beschwerdefrei Schuhe tragen und auch leichter in Schuhen trainieren. Bei dieser Operationsvariante setzt der Arzt zunächst einen drei bis vier Zentimeter langen Schnitt seitlich der Achillessehne. Dann zieht er diese beiseite, um die Rückseite des Fersenbeins und den Schleimbeutel freizulegen und diese zu entfernen. Zum Abschluss vernäht er die Stelle und stellt sie mit einem Gips ohne Belastung ruhig. Das Ziehen der Fäden erfolgt nach etwa zwei Wochen. Anschließend erhalten Sie einen Gehgips.

Bei der herkömmlichen Operation der Haglundferse meißelt der Arzt nicht nur den unter der Haut befindlichen Knochenvorsprung ab, sondern entfernt auch das Gewebe, auf welchem die Achillessehne über den Knochen gleitet. Dies führt zu einer zusätzlichen Belastung der Sehne nach dem Eingriff. Heute kommt in der Regel die indirekte Entfernung der Haglundexostose zur Anwendung, bei der das Weichteilgewebe unter der Achillessehne vollständig erhalten bleibt. Hierfür klappt der Mediziner das Fersenbein auf und entnimmt einen Knochenkeil in dessen Innerem. Dadurch vermindert er das Volumen des Knochens, ohne die für die Gleitfähigkeit und die Funktion der Achillessehne wichtige Weichteilstruktur an der Oberfläche zu schädigen.

Begründet sich die Haglundferse in einer Fehlstellung des Fußes, zählt die Umstellung des Fersenbeines zu den maßgeblichsten Therapiekonzepten. So ist es möglich, eine Hohlfußfehlstellung durch eine Fersenbein-Osteotomie zu korrigieren und die dadurch verursachte Exostose effektiv zu behandeln. Hierfür bietet die Orthopädie verschiedene Umstellungsoperationen, die sich exakt an den Einzelfall des Patienten anpassen lassen. Nach einer solchen Operation folgen eine sechs- bis achtwöchige Entlastung oder Trainingspause und ein anschließender schrittweiser Wiederaufbau der Belastung im Fuß und im Fersenbereich.

Fazit

Die Haglundferse ist zwar sehr schmerzhaft, klingt aber bei ausreichender Entlastung meist von allein ab. Nach einer Operation ist die Prognose ebenfalls gut, allerdings ist der Genesungsprozess relativ lang.