Ganglion: harmlose Zyste an Sehne und Gelenk

Plötzlich bemerken Sie eine kleine Kugel oder Beule an der Hand oder dem Fuß. Ist dieser “Knubbel” nur ein Schönheitsfehler oder steckt eine ernste Erkrankung dahinter? Handelt es sich dabei um ein Ganglion, können Sie beruhigt sein. Diese Form der Zyste ist harmlos und kann wieder genauso verschwinden, wie sie gekommen ist. Schmerzen verursacht ein Ganglion in der Regel auch nicht. Trotzdem fragen Sie sich zu Recht, was sie tun können und wie ein Ganglion behandelt werden kann.

Was es tatsächlich mit dem Ganglion auf sich hat und wann ein Arzt zur gesicherten Diagnose und Therapie hinzugezogen werden sollte, erfahren Sie hier.

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Was ist ein Ganglion?

Das Ganglion (ICD-Code: M67.4) ist allgemein als Überbein bekannt. Dieser Begriff ist jedoch irreführend, denn ein Ganglion ist kein zusätzlich gewachsenes Knochenmaterial.
Ein Ganglion ist ein zystischer, das heißt mit Gelenkflüssigkeit (Synovialflüssigkeit oder Synovia) gefüllter Hohlraum, der sich an einem Gelenk oder einer Sehne gebildet hat. Diese Synovialzyste ist grundsätzlich gutartig – es besteht also kein Risiko, dass das Überbein bösartig entartet. Das Ganglion ist demnach kein Tumor.

Von außen betrachtet erinnert das Ganglion an eine Beule, die wenige Millimeter bis Zentimeter groß ist. Ein Ganglion kann also die Größe einer Erbse oder Kirsche erreichen. Im Inneren, also am Enstehungsort des Ganglions unter der Haut, besteht das Ganglion aus einem Kapselstiel und einer Kapselausbuchtung

Wo kann ein Ganglion entstehen?

Ganglien treten am häufigsten an der Handaußenseite, am Handgelenk oder an einem Finger auf. In rund zwei Drittel aller Fälle handelt es sich um ein Handgelenksganglion. Ebenfalls möglich, aber wesentlich seltener, sind Ganglien am Fuß, am Knie, an der Hüfte oder an der Wirbelsäule.
Darüber hinaus unterscheiden Mediziner zwischen arthrogenen Ganglien, die das Gelenk betreffen, und tendinogenen Ganglien, die an einer Sehnenscheide entstehen. Diese Form des Überbeins wird auch als Sehnenscheidenganglion bezeichnet. In seltenen Fällen bildet sich das Überbein innerhalb eines Knochens. In diesem Fall spricht der Arzt von einem intraossären Ganglion.

Ganglion an der Hand
Ein Ganglion entsteht besonders oft an der Hand. © Henrie / Fotolia

Was sind die Ursachen für ein Ganglion?

Warum ein Ganglion überhaupt entsteht, kann individuelle Gründe haben. Meist ist eine Fehlbelastung des Gelenks oder schwaches Bindegewebe die Ursache dafür, dass eine Zyste entsteht. Bei einer Bindegewebsschwäche können sich an der Sehnenscheide oder an der Gelenkkapsel leichter Risse und Aussackungen bilden. Hier tritt dann Gelenkflüssigkeit aus und sammelt sich in der entstandenen Erweiterung - ein Ganglion entsteht, da die Flüssigkeit nicht zurückfließen kann. Menschen aller Altersgruppen können ein Ganglion bekommen. Frauen scheinen häufiger ein Ganglion zu bekommen, wegen ihres oft lockeren Bindegewebes.

Es gibt bestimmte Risikofaktoren für ein Ganglion. Dazu zählen beispielsweise:

  • wiederholte Verletzungen der Bänder/Sehnen
  • gestörte Mechanik des Gelenks/der Sehne
  • Arthrose, Rheuma, Gicht
  • Abnutzungsschäden
  • Fehlbelastung oder Überlastung

Sportarten, bestimmte Hobbys oder Handarbeiten - gleichförmige Bewegungen begünstigen ein Ganglion. 

Vorbeugung ist durch einen gesunden Lebensstil möglich, um krankhafte Veränderungen des Bewegungsapparats von vornherein zu vermeiden. Dazu zählen gesunde Bewegungsmuster und eine sinnvolle Balance zwischen Ruhe und Belastung. Monotone oder einseitig belastende Tätigkeiten können die Entstehung eines Ganglions vor allem am Handgelenk begünstigen.

Welche Symptome verursacht ein Ganglion?

In vielen Fällen verursacht ein Ganglion keinerlei Beschwerden. Dann ist das Ganglion vor allem ein kosmetisch empfundener Makel.

Welche Symptome auftreten, ist in erster Linie vom betroffenen Bereich und von der Lage des Überbeins abhängig.
So kann ein Ganglion, das Druck auf die Sehnen ausübt, die Beweglichkeit von Gelenken und Muskeln stark beeinträchtigen. Auch ein Abdrücken der Nervenbahnen und Gefäße ist möglich. In diesem Fall leiden die Betroffenen unter Missempfindungen, Taubheitsgefühlen oder auch Schmerzen, die beispielsweise vom Handgelenk auf den gesamten Arm ausstrahlen können.

Wenn Sie diese Symptome, insbesondere neurologische Ausfallerscheinungen, bei sich beobachten, sollten Sie mit einem Arzt darüber sprechen und die Beschwerden abklären lassen.

Wie kann man ein Ganglion erkennen?

Ein Ganglion ist bereits mit dem bloßen Auge als kleine Beule zu erkennen. Diese weiteren Anzeichen sind typisch für ein Ganglion:
  • Ein Überbein ist immer prall und fühlt sich wie ein fester Gummiball an, der auf leichten Druck nachgibt und seine Form behält.
  • Es ist gar nicht oder nur geringfügig verschiebbar, weil es direkt mit der betroffenen Sehne oder dem Gelenk verbunden ist.
  • Außerdem ist die Region weder gerötet noch erwärmt, da ein Überbein keinen entzündlichen Prozess darstellt. 
Wenn Sie den Verdacht haben, dass sich ein Ganglion entwickelt hat, können Sie zunächst Ihren Hausarzt aufsuchen oder direkt bei einem Orthopäden vorstellig werden. Dabei ist es ratsam, einen Spezialisten zu bevorzugen – also beispielsweise einen Handchirurgen, falls sich das Überbein an der Hand befindet.

Untersuchung und Diagnose durch einen Arzt

Eine ausführliche Anamnese und das anschließende Abtasten des betroffenen Bereichs sind für die Diagnose meist ausreichend. Der Arzt wird Sie fragen, seit wann die Schwellung besteht, ob sie Schmerzen oder Beeinträchtigungen verursacht und ob Sie kürzlich eine Verletzung erlitten haben. Falls Sie noch weitere Geschwüre an Ihrem Körper bemerkt haben, sollten Sie den Arzt ebenfalls darauf hinweisen.

Es folgt eine Untersuchung auf Durchblutungsstörungen, Nervenschäden und Bewegungseinschränkungen. Mittels der sogenannten Transillumination, bei der das Überbein seitlich angeleuchtet wird, kann der Arzt zudem prüfen, ob es sich um eine mit Flüssigkeit gefüllte Schwellung handelt.
Ultraschall und MRT kommen nur in Ausnahmefällen zum Einsatz – meist, um andere Erkrankungen sicher auszuschließen. Zu diesem Zweck ist auch eine pathologische Untersuchung der Flüssigkeit im Labor möglich.

Wie wird ein Ganglion behandelt?

Grundsätzlich kann sich ein Ganglion selbstständig, das heißt spontan, zurückbilden. Hier heißt es, das Ganglion weiterhin zu beobachten und etwas Geduld zu haben - nach ungefähr drei Monaten kann sich das Ganglion zurückgebildet haben. Keinesfalls sollten Sie das Ganglion mit Kraft bearbeiten oder gar zum Platzen bringen, da es sich sonst entzünden kann. 

Sanduhr Zeit
Erst einmal abwarten und beobachten: Ein Ganglion kann sich selbst zurückbilden.

 

Die konservative Therapie können Sie mit Salben und Einreibungen unterstützen, zum Beispiel mit Kräuterextrakten, die in Pferdesalbe oder Arnikacremes enthalten sind. Da das Ganglion nicht aus einer Entzündung heraus entsteht, brauchen Sie keine speziellen entzündungshemmenden Wirkstoffe aufzubringen.
Auch Ruhigstellung mit Bandagen, Physiotherapie und gezielte Massagen können dazu beitragen, dass das Überbein kleiner wird oder vollkommen verschwindet.

Wenn konservative Therapie nicht ausreicht: Entfernung und Punktion von Ganglien

Geht das Ganglion ohne Beschwerden einher, ist eigentlich keine Behandlung notwendig. Viele Betroffene empfinden das Überbein jedoch als optischen Makel. In diesem Fall gibt es zwei Therapiemöglichkeiten:

  • Aspiration oder auch Punktion
  • Operation

Bei der Aspiration wird das Ganglion mit einer Feinnadel punktiert. Die entnommene Flüssigkeit dient zum einen der Diagnosesicherung, zum anderen kann das Überbein durch Absaugen der Flüssigkeit auch deutlich verkleinert werden. Der Arzt kann eine Substanz (zum Beispiel Ethanol oder ein Kortikosteroid) in den entstandenen Hohlraum injizieren und parallel dazu das umliegende Gewebe elektrisch veröden. Diese Behandlung muss in der Regel mehrfach wiederholt werden, um dauerhafte Erfolge zu erzielen.

Verursacht das Ganglion starke Schmerzen oder andere Beeinträchtigungen oder leidet der Patient emotional unter dem Überbein, kommt eine operative Entfernung in Betracht. Dieser meist ambulante Eingriff erfolgt entweder klassisch über einen größeren Hautschnitt oder minimal-invasiv.

Punktion und Operation: Wie wirksam ist die Behandlung eines Ganglions?

Die Erfolgsaussichten sind sehr gut, sofern das Überbein rückstandsfrei entfernt werden kann. Allerdings ist vor allem bei einer OP mit großem Hautschnitt mit Komplikationen zu rechnen, beispielsweise mit Wundheilungsstörungen, Nervenverletzungen oder Gefäßblutungen. Bei einer Aspiration kommt es hingegen nur in zwei Prozent aller Fälle zu Problemen.
Ob Aspiration oder Operation: Selbst nach erfolgreicher Behandlung des Überbeins kann dieses auch an der gleichen Stelle erneut entstehen. Wenn das Ganglion durch monotone Bewegungsmuster und Fehlbelastungen entstand, ist die beste Vorbeugung, diese Überlastungen zu vermeiden.

Fazit


Ein Ganglion ist harmlos – dennoch ist es ratsam, bei Verdacht auf ein Überbein einen Arzt aufzusuchen, damit dieser eine gesicherte Diagnose stellen und eine geeignete Therapie einleiten kann. So können eventuelle Beschwerden vermindert werden.