Exostose - Medizinische Experten

Der medizinische Fachbegriff Exostose (ICD-Code: M89.99) bezeichnet einen knöchernen Auswuchs am Knochen selber, der von Knorpelmasse bedeckt ist. Im Volksmund ist die Exostose auch als Überbein bekannt. Eine Exostose kann an verschiedenen Knochen im menschlichen Körper auftreten. Besonders häufig sind der Mittelfußknochen und der Handrücken betroffen. Bei der erblichen bedingten Erkrankung Dysplasia exostotica treten die Knochenauswüchse generalisiert am gesamten Körper auf.

Weitere Informationen zur Exostose finden Sie im Text weiter unten.

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Welche Formen der Exostose gibt es?

Eine recht häufig auftretende Form der Exostose ist die sogenannte Haglund-Exostose. Dabei ist ein Teil des Fersenbeins am Fuß besonders stark vorgewölbt. Infolge entwickelt sich hier ein Knochenvorsprung im Bereich des Achillessehnenansatzes.

Die kartilaginäre Exostose tritt hingegen vor allem an den langen Röhrenknochen auf. So findet man die auch als Osteochondrom bekannte Knochenauswölbung beispielsweise am Oberschenkel- oder am Oberarmknochen, auch das Knie und das Sprunggelenk können betroffen sein. Liegen mehrere Knochenauswölbungen in diesen Bereichen vor, spricht man von multiplen kartilaginären Exostosen.

Zu den weiteren Formen der Exostosen gehören:

  • subunguale Exostosen unter den Finger- oder Fußnägeln
  • Exostosen am Becken (Dornbecken)
  • Gehörgangsexostosen im Ohr
  • Exostosen am Unterkiefer (mandibuläre Exostosen)

Von der eigentlichen Exostose ist die Pseudoexostose Hallux valgus abzugrenzen. Es handelt sich dabei nicht um eine wirkliche Knochenauswölbung, sondern lediglich um eine Gelenkfehlstellung. Aufgrund der Form kann der Hallux valgus am Fuß jedoch schnell mit einer echten Exostose verwechselt werden.

Wie entsteht eine Exostose?

Grundsätzlich ist zwischen zwei Ursachen der Knochenneubildung zu unterscheiden. Zum einen kann sich eine Auswölbung an der Knochenfläche durch chronische Druck- und Reizzustände des entsprechenden Knochenbereichs entwickeln. So können beispielsweise Schuhe mit wenig elastischen Rändern das Knochengewebe reizen und die Entstehung einer sogenannten Haglundferse begünstigen.

Ein weiterer Risikofaktor für eine Exostose am Fuß ist Übergewicht. Bei übergewichtigen Menschen muss das Fersenbein eine besonders große Last aushalten. Ebenso kann eine Exostose aber auch auf einer anderen Erkrankung basieren. Die Silverskjöld-Exostose als Knochenauswölbung am Fußrücken tritt beispielsweise bevorzugt bei Menschen mit chronischem Gelenkverschleiß (Arthrose) auf.

Nicht jede Exostose begründet sich jedoch auf einer mechanischen Reizung. Die Ursache des Osteochondroms ist zum Beispiel noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich spielen jedoch genetische Faktoren eine entscheidende Rolle.

Was sind die Symptome?

Die Symptome unterscheiden sich je nach Lokalisation und Ausprägung der Exostose.

So führt die Haglund-Exostose über kurz oder lang zum Haglund-Syndrom, das durch eine Entzündung des Schleimbeutels am Achillessehnenansatz oder eine Entzündung der Achillessehne gekennzeichnet ist. Leitsymptome des Syndroms sind stechende Schmerzen am Fersenbein, die vor allem durch Druck oder Belastung entstehen. Die Patienten weisen aufgrund der Schmerzen einen hinkenden Gang auf.

Die Gehörgangsexostose im Ohr bleibt hingegen häufig symptomlos. Hörminderungen, Ohrgeräusche oder Gehörgangsentzündungen (Otitis externa) mit Schmerzen und Juckreiz im Bereich des Gehörgangs können jedoch auftreten.

Exostosen an den Röhrenknochen können zu Beinlängendifferenzen, Asymmetrien im Schulter- und Beckengürtel sowie zu Ausrenkungen des Hüftgelenks führen. Ebenso können die Knochenstrukturen Nerven, Gefäße oder sehnen in der direkten Umgebung reizen und so Durchblutungsstörungen und/oder Sensibilitätsstörungen hervorrufen.

Wie stellt der Arzt die Diagnose Exostose?

Bei Verdacht auf eine Exostose führt der Arzt in der Regel eine Röntgenuntersuchung durch. Im Röntgenbild sind die Knochenveränderungen zumeist deutlich erkennbar. Auch Computer- und Magnetresonanztomografie eignen sich zur weiteren Diagnosestellung.

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Röntgenbild einer Exostose an einem Oberschenkelknochen; Von J. Lengerke - Praxis Dr. Jochen Lengerke, CC BY-SA 3.0 de, Link

Wie behandelt man eine Exostose?

Die Behandlung hängt ebenso wie die Symptome vor allem von der Lokalisation und der Ausprägung der Knochenauswölbung ab. So kann der Arzt die Haglund-Exostose sowohl konservativ orthopädisch als auch operativ behandeln. Ziel ist es in jedem Fall, die Schmerzen am Fuß zu lindern und die Belastbarkeit der Struktur im Alltag und beim Sport zu verbessern. Offene Schuhe oder Einlagen zur Absatzerhöhung reduzieren den Druck auf die Exostose und lindern so die Schmerzen. Unterstützend kommen entzündungshemmende und schmerzlindernde Arzneimittel mit Wirkstoffen wie Ibuprofen oder Diclofenac zum Einsatz. Auch physikalische Therapien wie die Stoßwellentherapie oder Stromanwendungen eignen sich zur Behandlung der Haglund-Exostose. Helfen die konservativen Methoden nicht weiter, kann eine Operation mit Abtragung der Exostose sinnvoll sein.

Die Therapie der (multiplen) kartilaginären Exostosen umfasst neben einer individuellen Schmerztherapie auch physiotherapeutische Maßnahmen sowie chirurgische Eingriffe, in denen der Arzt die Exostosen abträgt. Insbesondere bei mehrfachen Operationen aufgrund zahlreicher Exostosen lässt sich jedoch nicht immer ein zufriedenstellendes Ergebnis erreichen.

Die Operation der Gehörgangsexostose ist in vielen Fällen mit Komplikationen verbunden. Deshalb behandelt der Arzt eine Exostose im Gehörgang nur dann, wenn regelmäßig Beschwerden wie beispielsweise wiederkehrende Gehörgangsentzündungen auftreten.

Das Erscheinungsbild und auch die Behandlungsmöglichkeiten der Exostosen sind äußerst vielfältig. Es gilt: Je früher die symptomatischen Knochenvorwölbungen behandelt werden, desto geringer ist das Risiko für (bleibende) Folgeerscheinungen.