Chondromalazie - Knorpelschaden der Gelenke

Die Gelenke des menschlichen Körpers sorgen für Beweglichkeit sind täglich großen Belastungen ausgesetzt. Eine Überlastung, aber auch Unterforderung des Bewegungsapparats führt zu Erkrankungen der Gelenke, allen voran die Arthrose, wie Gelenkverschleiß auch genannt wird.
Dabei nimmt der Knorpel an den Gelenken Schaden. Diese Schädigung wird Chondromalazie genannt.
Mehr zum Krankheitsbild der Chondromalazie und wie diese Knorpelschäden behandelt werden, erfahren Sie hier!

Übersicht

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Chondromalazie - Weitere Informationen

Eine Chrondromalazie (ICD-Code: M94.2) meint den Abbau und die Erweichung oder Auffaserung des Gelenkknorpels. Die Erkrankung wird entsprechend der Definition den sogenannten Chrondopathien, also den Knorpelleiden, zugeordnet. Der Gelenkknorpel spielt eine entscheidende Rolle für die Funktionalität der Gelenke. Übermäßige Gelenkbelastungen sowie akute Verletzungen können die Knorpelsubstanz jedoch schädigen. Dadurch ist die Gelenkfunktion beeinträchtigt und es kommt zu einer eingeschränkten Beweglichkeit sowie zu Schmerzen.

Orthopädische Erkrankungen der Gelenke
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Was ist eine Chondromalazie?

Der Gelenkknorpel überzieht die Gelenkflächen aller echten Gelenke. Die Dicke des Knorpels variiert je nach Gelenk und beträgt zwischen 0,5 mm an den kleinen Gelenken der Finger und 5 mm am Kniegelenk. Der Knorpel sorgt zum einen für eine glatte Oberfläche der Gelenkflächen und ermöglicht damit eine reibungsarme Beweglichkeit. Zum anderen fungiert er als Stoßdämpfer und federt die Gelenkbewegungen ab.
Bei der Chrondromalazie ist die Knorpelschicht auf den Knochen weicher als normal. Die Erweichung kann in verschiedenen Schweregraden auftreten und bis zum vollständigen Verlust des Knorpelgewebes fortschreiten.

Verschiedene Grade der Knorpelschädigung Chondromalazie

Anhand der speziellen Gradeinteilung nach Outerbridge kann der Arzt das Ausmaß der Knorpelschädigung (Chondropathie) genau beschreiben.

  • Bei der Chondropathie vom Grad 0 ist das Knorpelgewebe absolut intakt und gesund. Es liegt keine Schädigung und damit auch keine Beeinträchtigung der Gelenkfunktion vor.
  • Die Chrondropathie vom Grad 1 geht mit stellenweisen Aufweichungen des Knorpels einher. Die Knorpelsubstanz ist noch vollständig vorhanden und glatt. Aufgeweichte Stellen finden sich insbesondere in Bereichen, die einer intensiven Druckbelastung ausgesetzt sind.
  • Aufgerauter Knorpel mit kleinen Rissen zeigt sich hingegen bei der Chondropathie vom Grad 2.
  • Beim Grad 3 reichen die Risse bis zum Knochen, sodass Knochensubstanz teilweise freiliegt.
  • Bei der Chrondropathie vom Grad 4 ist die Knorpelschicht vollständig zerstört, der Knochen liegt komplett frei. Eine normale Funktionalität des Gelenks ist damit nicht mehr gegeben und es kommt zu entsprechenden Beschwerden.

Ursachen einer Chondromalazie: Überlastung, Unfälle, genetische Faktoren

Die Chondromalazie basiert in der Regel auf einer Überlastung des entsprechenden Gelenks. So können sportliche oder berufliche Aktivitäten das Gelenk belasten und die Knorpelsubstanz schädigen. Insbesondere Sportarten mit einer hohen und zudem einseitigen Gelenkbelastung sowie Sportarten, die extreme Bewegungsradien der Gelenke erfordern, gelten als Risikofaktor für eine Chrondromalazie. Dazu gehören beispielsweise Tennis oder Fußball. Bei der Entstehung der Erkrankung scheinen jedoch auch genetische Faktoren eine Rolle zu spielen. Anlagebedingt kann das Knorpelgewebe mehr oder weniger belastbar sein.
Traumatische Ereignisse, also ein Unfall oder ein Sturz, gehören ebenfalls zu den Ursachen der Knorpelerweichung. Plötzliche und harte Stoß- oder Drehbewegung des Gelenks können zu Rissen im Knorpelgewebe führen. Bei Knochenbrüchen ist ferner eine direkte Schädigung des Knorpels, eine sogenannte Knorpelkontusion, möglich.

Symptome bei einer Chondromalazie: zuerst unbemerkt, später Schmerzen

Die Beschwerden hängen vor allem davon ab, wie stark und wo genau der Knorpel geschädigt ist. Der Gelenkknorpel verfügt weder über Blutgefäße noch über Nervenfasern. Die Knorpelschädigung an sich ruft deshalb auch keine Schmerzen hervor.

In den Anfangsstadien bleibt die Chondromalazie deshalb zumeist unbemerkt. Einige Patienten nehmen lediglich ein unangenehmes Druckgefühl an den betroffenen Gelenken war. Bei fortschreitender Schädigung nehmen die Schmerzen vor allem in Bewegung jedoch zu. Später leiden die Betroffenen nicht nur unter Schmerzen bei Bewegung, sondern auch in Ruhe. Druck auf das betroffene Gelenk oder beim Knie auf die Kniescheibe löst ebenfalls Schmerzen aus, gegebenenfalls entwickelt sich ein Gelenkerguss, der durch eine deutliche Schwellung imponiert.

Diagnose einer Chondromalazie

Besteht aufgrund der vorliegenden Symptomatik der Verdacht auf eine Knorpelerweichung untersucht der Arzt zunächst das betroffene Gelenk. Je nach Ausmaß der Schädigung kann er sogenannte Krepitationen bei Gelenkbewegungen wahrnehmen. Es handelt sich dabei um ein Knistergeräusch, das durch die direkte Reibung der beiden Gelenkflächen entsteht. Im Anschluss an die körperliche Untersuchung führt der Arzt eine Röntgenuntersuchung durch. Dort zeigt sich bei einer Chrondromalazie eine Verdichtung des Knochengewebes unter dem Gelenkknorpel (subchondrale Sklerosierung). Mithilfe der Computer- oder Magnetresonanztomografie (CT und MRT) kann der Arzt weitere Aussagen zum Zustand des Gelenkknorpels treffen. Eine direkte Betrachtung des Gelenkknorpels ist jedoch nur bei einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) möglich. Hierzu führt der Arzt über einen kleinen Schnitt eine optische Sonde in das Gelenk ein. Mithilfe dieser kleinen Videokamera ist eine genaue Inspektion des Gelenks und eine Einteilung der Erkrankung anhand der Skala nach Outerbridge möglich

Hüftgelenk Arthroskopie
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Behandlung einer Chondromalazie: konservativ oder operativ

Unmittelbar nach der Diagnose sollte der Patient mit einer konservativen Akutbehandlung beginnen. Die Belastung des erkrankten Gelenks soll dabei reduziert werden und ist zum Schutz des Knorpelgewebes unbedingt erforderlich. Kälte- oder Wärmebehandlungen sowie lokale Anwendungen mit entzündungshemmenden und schmerzlindernden Cremes oder Salben können die Beschwerden zusätzlich lindern.

Bessern sich die Schmerzen trotz einer konsequenten konservativen Therapie nicht oder liegen deutliche Knorpelschäden vor, kann eine Operation sinnvoll sein. Dafür stehen verschiedene Varianten der Knorpeltherapie zur Verfügung. So kann über eine Anbohrung (Mikrofrakturierung) die Regenerationsfähigkeit des Knorpels verbessert werden. Größere Knorpeldefekte mit freiliegenden Knochenbereichen erfordern hingegen häufig eine Abrasionsarthroplastik. Dabei trägt der Chirurg die beschädigten Knorpelanteile ab und fräst die freigelegten Knochenflächen an. Dadurch gelangen Stammzellen aus dem Knochenmark in die Wunde, welche bestenfalls neuen Knorpel bilden. Anschließend befreit der Chirurg im Rahmen der sogenannten Gelenktoilette mithilfe einer Spülflüssigkeit das Gelenk von den abgetragenen Knorpel- und Knochenmaterialien. Bis sich neues Knorpelgewebe bildet, vergehen in der Regel einige Wochen bis Monate. Deshalb sollten die Patienten das betroffene Gelenk in der Zeit nach der Operation beispielsweise durch Gehstützen entlasten. Geeignete physiotherapeutische Maßnahmen tragen zusätzlich dazu bei, dass das Gelenk nach der Operation wieder gut funktioniert.