Cauda-Equina-Syndrom - Neurologischer Notfall durch gequetschtes Rückenmark

Rückenschmerzen, sensible Störungen im Bereich des Gesäßes und der Oberschenkel sowie plötzliche Inkontinenz – all das sind Symptome, die auf ein Cauda-Equina-Syndrom (CES) hinweisen können. Es handelt sich beim CES um ein sogenanntes Querschnittssyndrom, das in Höhe der Cauda equina des unteren Rückenmarks auftritt. Das akute Cauda-Syndrom ist ein Notfall und muss so schnell wie möglich in einer Klinik chirurgisch behandelt werden.

Alles zu Ursachen, Symptomen und Therapie finden Sie hier!

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Cauda-Equina-Syndrom - Weitere Informationen

Was ist das Cauda-Equina-Syndrom?

Beim Cauda-Equina-Syndrom (ICD-Code G83.4) liegt eine Schädigung der Nervenfasern am unteren Ende des Rückemarks vor. Die Cauda equina ist eine Ansammlung von Nervenwurzeln, die in einem Gewebssack (Duralsack) innerhalb der Wirbelsäule verlaufen. Die Struktur beginnt am Conus medullaris, in etwa auf Höhe des ersten Lendenwirbels, und erstreckt sich beim Erwachsenen bis zum Kreuzbein. Die Nervenwurzeln erinnern in ihrer Form an einen Pferdeschwanz und tragen deshalb den Namen Cauda equina, der aus dem Lateinischen übersetzt Pferdeschwanz bedeutet. Der Duralsack, der die Nervenstruktur schützt, ist mit Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit gefüllt.

Im Normalfall haben die Nervenwurzeln in diesem Duralsack ausreichend Platz und können ihre Position je nach Lage verändern. Beim Cauda-Equina-Syndrom kommt es jedoch zu einer Kompression des Duralsacks. Dadurch steigt der Druck im Inneren des Gewebssacks, sodass die Nervenwurzeln eingeengt und schlimmstenfalls geschädigt werden.

Nervensystem Cauda Equina
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Was sind die Ursachen des Cauda-Equina-Syndroms?

Hauptursache des Cauda-Equina-Syndroms sind Bandscheibenvorfälle, häufig in Verbindung mit einem engen Spinalkanal (Spinalkanalstenose). Hierbei treten Teile der Bandscheibe in den Wirbelkanal vor und drücken auf die Nervenfasern. Ebenso können aber auch Tumore oder Metastasen im Bereich der Lendenwirbelsäule ein Cauda-Equina-Syndrom hervorrufen. Anatomische Veränderungen, wie sie beispielsweise bei der embryonalen Verschlussstörung Spina bifida auftreten, gelten ebenso als Risikofaktor für ein Cauda-Equina-Syndrom.

Welche Symptome treten bei einem Cauda-Equina-Syndrom auf?

Aufgrund der Nervenkompression kommt es zu verschiedenen neurologischen Ausfallstörungen. So leiden die Betroffenen unter starken Rückenschmerzen, die bis in die Unterschenkel ausstrahlen können. Ebenso haben sie sensible Störungen im Gesäß- oder Oberschenkelbereich, wie Kribbeln, Kälte- oder Hitze-Empfindungen und Taubheit. Wegen der typischen Lokalisation werden diese Sensibilitätsstörungen auch als Reithosenanästhesie bezeichnet.

Charakteristisch für das Cauda-Syndrom sind ferner fehlende Reflexe im Bereich der Kniescheibe und der Achillessehne sowie motorische Auffälligkeiten im Fußbereich. So können Patienten mit einem Cauda-Equina-Syndrom häufig nicht mehr ihre Füße anheben, dieses Symptom wird Fußheberschwäche genannt.

Eine plötzlich auftretende Impotenz, schlaffe Lähmungen sowie der unwillentliche Verlust von Stuhl und/oder Harn gelten ebenso als Hinweise auf eine Kompression der Nervenwurzeln. Beim Autreten dieser Symptome muss schnell gehandelt werden, insbesondere dann, wenn Rücken- oder Bandscheibenerkrankungen bereits bekannt sind. 

Knochen Schmerzen
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Therapie: Wie wird das Cauda-Equina-Syndrom behandelt?

Bei eindeutiger Diagnose ist das Cauda-Equina-Syndrom ein neurochirurgischer Notfall. Eine schnelle Therapie des Cauda-Syndroms ist dringend notwendig. Der Chirurg führt einen Eingriff zur Dekompression der Nerven durch. Findet dieser Eingriff nicht innerhalb von sechs Stunden nach dem Auftreten der ersten Symptome statt, besteht ein hohes Risiko für bleibende Nervenschäden

Wie sind die Prognosen für den Krankheitsverlauf?

Die Prognose des Cauda Syndroms hängt zum einen von der Dauer vom Krankheitsbeginn bis zur Operation und zum anderen von der Ausprägung der Nervenquetschung ab. Ebenso spielen das Alter des Patienten sowie Geschlecht und eventuell vorliegende Grunderkrankungen eine Rolle für den Verlauf des Syndroms. Bei einem vollständigen CES sind die Chancen auf eine komplette und rasche Wiederherstellung der Nervenfunktion eher gering. Viele Patienten behalten neurologische Ausfallerscheinungen zurück und leiden auch nach dem chirurgischen Eingriff noch unter Inkontinenz oder Lähmungen. Als prognostisch ungünstige Zeichen gelten insbesondere Schwächen der Schließmuskeln mit Stuhl- und/oder Harninkontinenz.

Auch wenn die vollständigen Heilungsaussichten eher gering sind, sollte das Cauda-Equina-Syndrom so schnell wie möglich behandelt werden. Sobald erste Hinweise auf eine Nervenkompression vorliegen, empfiehlt es sich deshalb, unverzüglich einen Notarzt zu rufen.