Bandscheibenendoprothetik - Medizinische Experten

Unter Bandscheibenendoprothetik wird das Einsetzen einer neuen, künstlichen Bandscheibe, einer so genannten Bandscheibenprothese, verstanden. Durch diesen Bandscheibenersatz sollen einerseits die bandscheibenbedingten Schmerzen beseitigt und andererseits die Beweglichkeit der Wirbelsäule aufrecht erhalten werden.


Medizinischer Lektor Dr. Claus Puhlmann

Dieser Artikel wurde nach den Vorgaben aktueller medizinischer Fachliteratur, Leitlinien und wissenschaftlichen Standards verfasst und sorgfältig von Medizinern geprüft.

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Bandscheibenendoprothetik - Weitere Informationen

Was ist Bandscheibenendoprothetik?

Die menschliche Wirbelsäule besteht aus 24 Wirbeln, die wiederum aus einem kompakten Wirbelkörper und aus einem von den Wirbelbögen gebildeten Loch bestehen. In der Gesamtheit entsteht so der Wirbelkanal (Nervenkanal), in dem das Rückenmark, ein Teil des Nervensystems, verläuft. Zwischen den Wirbelbögen treten die Rückenmarksnerven (Spinalnerven) aus dem Wirbelkanal aus. Als eine Art Stoßdämpfer verbinden die Bandscheiben jeweils zwei Wirbelkörper miteinander. Daher wird die Bandscheibe auch als Zwischenwirbelscheibe bezeichnet. Sie besteht aus einem äußeren Faserring und einem zentral gelegenen Gallertkern. Insbesondere der Gallertkern ist dafür verantwortlich, dass Stöße auf die Wirbelsäule abgefangen werden. Im Lauf des Lebens und bei fortwährender Belastung nimmt der Gehalt an Wasser im Gallertkern ab, die Bandscheiben werden dünner und es kann zu krankhaften Veränderungen (Verschleiß) am Knochen der Wirbelkörper kommen. Durch kleine Risse im Faserring kann der Gallertkern durch den Faserring nach außen treten - es kommt zu einem Bandscheibenvorfall. Dieser kann dann auf die Spinalnerven oder das Rückenmark drücken und so starke Schmerzen und neurologische Ausfallerscheinungen verursachen.

Eine Bandscheibenprothese besteht aus zwei an den Wirbelkörpern zu befestigenden Metallplatten und einem beweglichen Kern aus Kunststoff. Sie werden typischerweise von vorne, das heißt durch den Hals bzw. den Bauchraum, eingebracht.

Welche Krankheiten werden von den Spezialisten für Bandscheibenendoprothetik behandelt?

Hauptgrund für die Implantation von Bandscheibenendoprothesen sind Schmerzzustände und/oder neurologische Ausfallerscheinungen als Folge von degenerativen (abnutzungsbedingten) Veränderungen, das heißt einem alters-, belastungs- oder krankheitsbedingten Verschleiß der Bandscheibe bzw. der Wirbelkörper.

Bei einem Bandscheibenvorfall wird durch das Entfernen des Bandscheibenmaterials der Druck auf die Nerven genommen und durch das Einsetzen einer Bandscheibenprothese der korrekte Abstand der Wirbelkörper voneinander wieder hergestellt. Die Beweglichkeit der Wirbel bleibt in der Regel erhalten.

Bei der Spondylose kommt es durch andauernde Fehlbelastungen und Übergewicht zu degenerativen Veränderungen der Wirbelkörper, indem sich neue knöcherne Strukturen ausbilden, die entweder einen Druck auf die spinalen Nerven ausüben oder im Laufe der Zeit zu einer Versteifung der Wirbelsäule beitragen können. Vor dem Einsetzen der Bandscheibenprothese werden die knöchernen Neubildungen entfernt.

Sind Bandscheibe und angrenzende Knochenstrukturen degenerativ verändert, liegt eine Osteochondrose vor.

Leichte Formen der Myelopathie (Rückenmarkschädigung), die durch eine Einengung des Wirbelkanals (man spricht von einer spinalen Stenose oder einer Spinalkanalstenose) entstehen, können ebenfalls durch einen Spezialisten für Bandscheibenendoprothetik behandelt werden. Auch der nicht-spezifische Kreuzschmerz, sofern die Ursache der Schmerzen bandscheibenbedingt ist, kann eine Indikation für eine künstliche Bandscheibe sein.

Welche Diagnoseverfahren setzen Spezialisten für Bandscheibenendoprothetik ein?

Über die Patientenbefragung (Anamnese) sowie eine körperliche und klinische Untersuchung lassen sich in vielen Fällen schon die möglichen Ursachen für die Beschwerden des Patienten eingrenzen. Insbesondere durch bildgebende Verfahren können sich die Experten für Bandscheibenendoprothetik ein genaues Bild über die Wirbelsäule, die Wirbel und die Bandscheiben sowie den Wirbelkanal bzw. das Rückenmark machen.

Durch Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule kann diese dargestellt und Veränderungen an den Wirbelkörpern (wie eine Spondylose) erkannt und die Zwischenwirbelräume beurteilt werden. Mit ihr lassen sich auch Funktionsaufnahmen zur Überprüfung der Stabilität und Beweglichkeit erstellen. Mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) oder der Computertomographie (CT) können die Bandscheiben und der Wirbelkanal beurteilt und mögliche Bandscheibenvorfälle gefunden werden.

Eine Myelographie, das heißt das Einspritzen eines Kontrastmittels in den Wirbelkanal, mit der das Rückenmark und die Spinalnerven besser dargestellt werden sollen, wird nur noch in seltenen Fällen angewandt. Im Vorfeld einer möglichen Bandscheibenprothesenoperation wird unter Umständen ein Kontrastmittel direkt in den Bandscheibenraum eingespritzt (Diskographie) und die Ausbreitung im Röntgenbild sichtbar gemacht. Je nach Verteilung des Kontrastmittels können Rückschlüsse auf die Art der Bandscheibenschädigung gezogen werden.

Welche Behandlungsmethoden gehören zum Leistungsspektrum eines Spezialisten für Bandscheibenendoprothetik?

Zum Leistungsspektrum eines Spezialisten für Bandscheibenendoprothetik gehören unter anderem folgende Methoden:

  • Entfernung eines Bandscheibenvorfalls im Bereich der Halswirbelsäule und der Lendenwirbelsäule und Einbringen einer künstlichen Bandscheibe
  • Behandlung der Osteochondrose durch Implantation einer Bandscheibenprothese
  • Entfernung der knöchernen Neubildung bei Spondylose und Einbringen einer Bandscheibenprothese
  • Dekompressionsoperation (Entlastungsoperation) bei Spinalkanalstenose durch Entfernung der einengenden Knochen und Bandstrukturen

Was zeichnet die Spezialisten für Bandscheibenendoprothetik aus?

Experten für Bandscheibenendoprothetik sind in der Regel Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie oder Fachärzte für Neurochirurgie, die besondere Erfahrung im Bereich der Implantation von Bandscheibenprothesen aufweisen können. Bei ihrer Entscheidung für oder gegen eine Operation wägen sie Chancen und Risiken gegeneinander ab und ziehen mögliche Alternativen für eine Endoprothese in Betracht. Durch Zertifizierungen gewährleisten sie eine hohe Qualität in der operativen Versorgung.

Quellen

  • Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) (2017) Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz – Langfassung, 2. Auflage. Version 1
  • Gravius S, Weißkopf M, Ohnsorge JAK (2007) Die lumbale Bandscheibenprothese: Eine narrative Übersicht. Dtsch Arztebl 104(38): A-2592 / B-2290 / C-2222
  • Ogon M, Meissner J, Tuschel A et al. (2006) Die Bandscheibenprothese an der Halswirbelsäule. J Miner Stoffwechs 13(1):14–17
  • Schünke M et al. (2018) Prometheus. Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem: LernAtlas der Anatomie. Thieme, Stuttgart
  • Zechmeister I, Winkler R (2010) Bandscheibenprothesen: Systematischer Review. Decision Support Dokument Nr. 38. Ludwig Boltzmann Institut

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