MRCP - Medizinische Experten

Die Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie, kurz MRCP, ist eine spezielle Darstellungsart des Magnetresonanztomografen (MRT), die eine recht detaillierte Wiedergabe des Gallengangs über einen Ausgabemonitor produziert. Die MRCP ist eine schonende, nicht invasive Art der Gallen-, Leber- und Pankreasdiagnostik, da weder ein Endoskop über Mund und Speiseröhre in den Bauchraum eingeführt noch der Körper schädlicher Strahlung (z.B. beim CT oder Röntgen) ausgesetzt werden muss.

Weitere Informationen zur MRCP finden Sie im Text weiter unten.

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MRCP - Weitere Informationen

Wie funktioniert die MRCP?

Während der MRCP liegt der Patient in der Röhre eines großen Magnetresonanztomografen. Der MRT produziert nun ein recht starkes, magnetisches Feld, in welchem Radiofrequenzwellen den menschlichen Körper Schicht für Schicht „abtasten". Über einen Computer werden dadurch sehr detaillierte Bilder von Organen, Weichteilgewebe, Knochen und allen anderen inneren Körperstrukturen sichtbar gemacht. Im Gegensatz zum konventionellen Röntgen ist der Körper während einer MRT keiner körperschädlichen Strahlung ausgesetzt. Während einer MRCP beschränkt sich die Darstellung rein auf den oberen Bauchraum mit Gallenblase, Leber und Bauchspeicheldrüse.

Das Magnetfeld wird in den meisten MRT durch elektrischen Strom erzeugt, der durch mehrere Drahtspulen fließt. Weitere Drahtspulen, die sich ebenfalls im MRT befinden, senden und empfangen Radiofrequenzwellen und produzieren dadurch Signale, die durch den Körper hindurch dringen und von den stromdurchfluteten Drahtspulen wieder aufgefangen werden. Ein Computer interpretiert nun diese aufgefangen Signale und generiert eine Anzahl an Bildern, die den Körper in seinen einzelnen Schichten auf dem Monitor abbildet.

Wie sieht ein MRT aus?

Heutzutage gibt es verschiedene Arten von Magnetresonanztomografen. Relativ häufig zu finden ist der traditionelle MRT, eine riesige, zylinderförmige Röhre, die komplett von einem runden Magneten umgeben ist. In der Röhre befindet sich ein beweglicher Untersuchungstisch, der direkt in das Innere des Magneten gefahren werden kann.

Einige neuere Arten des MRT sind das sogenannte kurze MRT-System, bei dem die Magnetröhre nicht über die gesamte Länge des Körpers verläuft und das offene MRT, bei dem die Seiten der Maschine offen sind, man also nicht in einer geschlossenen Röhre liegt. Gerade bei Patienten, die an Klaustrophobie leider oder sehr stark übergewichtig sind, bietet das offene MRT eine gute Alternative.

Wie kann man sich auf eine MRCP vorbereiten?

Steht eine MRCP an, sollte man am besten nüchtern sein, d.h. bereits mehrere Stunden vor der MRCP (in der Regel werden 8 Stunden empfohlen) sollte nichts mehr gegessen oder getrunken werden. Da die Gallenblase unter Zuhilfenahme von Kontrastmittel dargestellt wird, sollte man bereits im Vorfeld abklären, ob irgendwelche Allergien bestehen, die durch das Kontrastmittel eventuell ausgelöst oder verstärkt werden könnten. Das MRT-Kontrastmittel an sich ist jedoch relativ harmlos, da es nicht wie andere Kontrastmittel auf Jodverbindungen basiert, sondern aus Gadolinium besteht.

Bei einigen medizinischen Vorerkrankungen kann eine MRCP kontraindiziert sein, d.h. es darf aufgrund einer Kontrastmittelunverträglichkeit keine MRT durchgeführt werden. Besonders bei bestehenden Nierenerkrankungen muss auf eine MRCP verzichtet werden.

Jedem Patienten sollte im Vorhinein auch klar sein, dass man während einer MRT für eine längere Zeit in einer engen Röhre liegen muss, in der es zuweilen auch sehr laut werden kann. Wenn bereits bekannt ist, dass eine solche Situationen beklemmend wirken wird bzw. eine Klaustrophobie bekannt ist, sollte man den Arzt unbedingt darauf hinweisen. In den meisten Fällen wird dann vor der Untersuchung ein mildes Beruhigungsmittel verabreicht, das den Aufenthalt in der Röhre ein wenig angenehmer gestalten wird.

Da Metallobjekte jeglicher Art das Magnetresonanzfeld beeinträchtigen können, dürfen sich während der Untersuchung keine metallischen Objekte am Körper befinden. Hierzu zählt jeglicher Art von Schmuck wie Uhren, Ketten und Ohrringe, aber auch Body Piercing an Nase, Bauchnabel, etc.. Oft vergessen werden in diesem Zusammenhang Implantate wie künstliche Zähne, eine künstliche Hüfte oder ein künstliches Knie. Auch Herzschrittmacher, Shunts, Clips, Schrauben und Metallplatten sind davon betroffen. Sollten sie ein solches Implantat im Körper haben, müssen sie den Arzt unbedingt darauf hinweisen!

Wie wird die MRCP durchgeführt?

Zuerst wird der Patient auf der heraus fahrbaren Liege des MRT festgeschnallt, damit man während der Untersuchung so still wie möglich und vor allem in der richtigen Position liegt und scharfe, klare Bilder erstellt werden können. Es wird ein Zugang gelegt, durch den das Kontrastmittel für die Untersuchung später in den Körper gelangt. Damit dieser Zugang nicht verstopft, wird zuerst eine Kochsalzlösung angehängt, bis das Kontrastmittel tatsächlich gespritzt werden kann. Danach werden sie in den MRT geschoben.

Nun werden zuerst einige Aufnahmen zur Kalibrierung erstellt. Erst dann wird das Kontrastmittel über den Zugang langsam injiziert. Weitere Bilder werden sowohl während als auch nach der Gabe des Kontrastmittels erstellt. Die tatsächliche MRCP dauert in der Regel nur etwa 10 Minuten, wird aber in den meisten Fällen zusammen mit einer Standard-MRT des gesamten Oberbauches durchgeführt. Diese dauert ungefähr 30 Minuten, weshalb die ganze Untersuchung etwa 45 Minuten dauert.

Wer deutet die Resultate der MRCP?

Die MRCP wird von einem Radiologen durchgeführt, der speziell darauf geschult ist, die bildlichen Ergebnisse der MRT-Untersuchung zu deuten. Er wird die Bilder analysieren und einen Bericht verfassen, in dem die Untersuchungsergebnisse mitgeteilt, eine Diagnose gestellt und eventuell bereits eine konkrete Behandlung vorgeschlagen wird.

Was passiert während und nach der Untersuchung?

Obwohl die Untersuchung im MRT schmerzlos ist, empfinden es doch einige Patienten als sehr unangenehm, während der gesamten Untersuchungsdauert still liegen zu müssen. Personen, die schnell unter Beklemmungen in geschlossenen Räumen leiden, kann ein mildes Beruhigungsmittel verabreicht werden, um den Aufenthalt im MRT angenehmer zu gestalten.

Während dem Legen des intravenösen Zugangs für das Kontrastmittel kann es kurzzeitig zu Schmerzen kommen. Auch kann die Gabe des Kontrastmittels ein kurzes Brennen verursachen, das jedoch in der Regel schnell wieder verschwindet. Einige Patienten berichten auch über einen metallischen Geschmack im Mund nach der Injektion, der jedoch innerhalb kürzester Zeit ebenfalls wieder verschwindet. Nach dem Entfernen des Zugangs kann es in vereinzelten Fällen zu einer Rötung um die Einstichstelle kommen, die allerdings in der Regel nicht weiter behandelt werden muss.

Es ist absolute normal, dass der Oberbrauch sich während der Untersuchung etwas warm anfühlt. Während den Aufnahmephasen, muss der Körper komplett still gehalten werden. Je nach Region, die gerade mit dem MRT abgelichtet wird, können diese Phasen von einigen Sekunden bis zu mehreren Minuten dauern. Es ist deshalb wichtig, immer genau den Anweisungen des Arztes zu folgen. Während der Aufnahme werden die Drahtspulen für das Senden der Radiofrequenzwellen im MRT aktiviert, was mit einem lauten klopfenden und summenden Geräusch von statten geht. Für Personen, die leicht Laut empfindlich sind, empfiehlt es sich deshalb, vor der MRCP Ohrenstöpsel anzulegen, um den Geräuschpegel zu minimieren.

Wurde vor der MRCP kein Beruhigungsmittel verabreicht, dann kann sofort nach der Untersuchung wieder am Alltag teilgenommen werden. Bei einigen Patienten kann es allerdings zu schwachen Nebenwirkungen des Kontrastmittels kommen, wie z.B. Übelkeit und vereinzelte Schmerzen. In sehr seltenen Fällen können Menschen auch allergisch auf das Kontrastmittel reagieren, was sich in einem Ausschlag, tränenden Augen oder anderen, allgemeinen Allergiesymptomen äußern kann. In solchen Fällen sollte dies sofort einem Arzt mitgeteilt werden.

Was sind die Vorteile und Risiken der MRCP?

Vorteile der MRCP:

  • während der MRCP wird keine für den Körper schädliche Strahlung abgegeben
  • die MRCP ist detaillierter als andere Darstellungsarten (z.B. Röntgen oder CT)
  • die MRCP kann nicht nur Aufschluss auf die Lage von Gallensteinen geben, sondern auch ob der Abfluss der Gallenflüssigkeit behindert ist
  • das bei der MRCP verwendete Kontrastmittel verursacht weit weniger allergische Reaktionen als die auf Jod basierenden Kontrastmittel, die für das konventionelle Röntgen und CT verwendet werden
  • die MRCP beeinträchtig den Körper weitaus weniger als die ERCP und weißt im Vergleich dazu auch nahezu keine Nebenwirkungen, Komplikationen und Folgeschäden auf

Risiken der MRCP:

  • werden Beruhigungsmittel verabreicht, so bestehen die normalen Risiken, die bei jeder Ruhigstellen auftreten können
  • Körperimplantate, die aus Metall bestehen, können während der Untersuchung Probleme verursachen oder auch Ausfallen (z.B. Herzschrittmacher)
  • geringes Risiko einer allergischen Reaktion auf das Kontrastmittel

Generell überwiegen die Vorteile der MRCP. Sie ist, besonders im Vergleich zur ERCP, die erste Wahl zur Diagnose von Gallensteinen und weiteren Erkrankungen der Gallenwege, der Bauchspeicheldrüse und der Leber.