Kapselendoskopie - Präzise und unbemerkte Darm-Diagnostik

Diagnostik direkt im Darm - die Kapselendoskopie ermöglicht mit einer verschluckbaren Kamera-Kapsel die gründliche Untersuchung des Magen-Darm-Trakts ohne Strahlenbelastung. Die Kamera-Kapsel bündelt mit ihrem Kamera- und LED-Lichtsystem endoskopische Medizintechnik auf kleinstem Raum und wird einfach wie eine Tablette geschluckt. Anschließend verbleibt die Kapsel für rund 10 Stunden im Verdauungssystem und wird danach ganz natürlich wieder ausgeschieden.

Erfahren Sie hier mehr zur Kapselendoskopie!


Dieser Text wurde verfasst von unserem Experten Prof. Dr. med. Robert Ehehalt

Übersicht

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Kapselendoskopie - Weitere Informationen

Einsatzmöglichkeiten der Kapselendoskopie

Auf eine sehr schonende und nicht-invasive Weise lassen sich mit der Kapselendoskopie über 50.000 hochqualitative Fotos direkt aus dem Darm gewinnen, die später zu einem Video zusammengefügt werden. Ein Facharzt für Gastroenterologie kann das Video dann auswerten und zur genauen Diagnose der vorliegenden Beschwerden nutzen. Auch eine Live-Auswertung der gesendeten Aufnahmen ist mittlerweile möglich.

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Besonders bei der unklaren Eisenmangelanämie, bei der Ursachen im Magen und Dickdarm ausgeschossen wurden oder bei dem Verdacht auf eine entzündlich-chronische Darmerkrankung des Dünndarms, wie dem Morbus Crohn, findet die Kapsel Anwendung. Krankheiten, die den Dünndarm betreffen, können mithilfe der Kapselendoskopie gründlicher untersucht werden, als über den herkömmlichen Weg mittels einer Kernspinuntersuchung (MRT), die oft keine ausreichende Auflösung hat, und auch kleinere Läsionen können detektiert werden. Auf ihrem Weg durch das Magen-Darm-System passiert die Kamera-Kapsel alle Darmabschnitte. Auch zur Darmkrebsvorsorge kann sie daher eingesetzt werden.

Die Kapselendoskopie wird nun schon seit fast 20 Jahren verwendet und ist seit 2001 CE-zertifiziert und FDA-zugelassen. Es gibt spezielle Dünndarm- und Dickdarmkapseln. Sie unterscheiden sich darin, dass die Dickdarmkapsel zwei Kameras, eine an jedem Ende, besitzt. So können Fotoaufnahmen auf beiden Seiten erstellt werden. Die Dünndarmkapsel hingegen ist mit einer Kamera ausgestattet.

Ablauf einer Kapselendoskopie

Die Kapselendoskopie bedeutet für den Patienten einen angenehmeren Ablauf der Darmuntersuchung, als es bei der herkömmlichen Darmspiegelung der Fall ist. Die Kamera-Kapsel wird einfach mit etwas Wasser eingenommen, wie eine gewöhnliche Vitaminkapsel. Dafür ist kein Klinikaufenthalt oder Beruhigungsmittel nötig.

Die kapselendoskopische Untersuchung läuft ganz automatisch ab, dennoch sind im Vorfeld einige Vorbereitungen nötig, um hochwertige Bilder aus dem Darm zu erhalten:

  • Vor der geplanten Kapselendoskopie klärt der Arzt mit dem Patienten ab, ob der Schluckreflex funktioniert oder ob bereits bekannte Engstellen des Darms vorliegen. Dafür kann eine sich selbst auflösende Voruntersuchungskapsel eingesetzt werden. 
  • Damit die Darmschleimhaut gut zu erkennen ist, soll der Patient 12 Stunden vor der Kapsel-Einnahme nüchtern bleiben, also auf Speisen und Getränke verzichten. 
  • Eventuell wird zuvor ein Abführmittel vom Arzt verschrieben, das dann vor der Untersuchung angewendet wird.
  • Zwei Stunden, nachdem die Kapsel geschluckt wurde, dürfen Patienten wieder Getränke zu sich nehmen. Dabei sollen rot gefärbte oder milchhaltige Getränke ausgelassen werden, um die Fotoaufnahmen nicht zu beeinflussen. Leichte Mahlzeiten sind nach rund vier Stunden wieder erlaubt.

Bevor die Kamera-Kapsel geschluckt wird, bekommt der Patient ein Aufzeichnungsgerät, das dieser an seinem Gürtel trägt. Das Aufzeichnungsgerät nimmt die übertragenen Fotos zur späteren Auswertung auf.

Die Kapsel wird nun von den natürlichen Darmbewegungen (Peristaltik) bewegt und ihre Position kann über das Aufzeichnungsgerät überprüft werden. Während der Darmpassage sendet die Kamera-Kapsel fortlaufend Bilder aus dem Verdauungstrakt, die gespeichert werden. Hier werden während der Kapselendoskopie bis zu 60.000 Fotos zur späteren Auswertung erfasst.

Dickdarm und Dünndarm
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia

Während der Aufzeichnungsphase der Kapselendoskopie gibt es bis auf die leicht reduzierte Ernährung keine speziellen Regeln zu beachten, der Patient kann sich ganz natürlich verhalten und bewegen. In der Regel nimmt der Patient das Aufzeichnungsgerät nach Hause und bringt es am nächsten Tag wieder beim Arzt für die Auswertung vorbei.

Abschluss und Auswertung der Kapselendoskopie

Nachdem die Kamera-Kapsel den Magen-Darm-Trakt durchquert hat, wird sie ganz natürlich auf der Toilette ausgeschieden. Dies ist in der Regel nach rund 9-14 Stunden der Fall, kann im Einzelfall aber auch mal mehrere Tage dauern

In der Praxis oder Klinik wird am Computer aus den tausenden Einzelfotos ein Video erstellt. Dieses Video wird anschließend vom Facharzt meist am Tag darauf ausgewertet. Liegen Blutungen vor, kann die Aufnahme die Lage der Blutung zeigen. Zur Diagnose von Morbus Crohn oder auch Tumoren und Polypen kann die Kapselendoskopie ein wertvolles Instrument sein. Auch die sehr schonende Durchführung der Untersuchung bedeutet für Patienten mit einer langen Krankheitsgeschichte eine spürbare Entlastung.

Risikofaktoren, bei denen die Kapselendoskopie nicht eingesetzt wird

Die Kapselendoskopie ist ein Diagnoseverfahren, das für den Patienten mit vielen Vorteilen verbunden ist. Einzige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Untersuchung sind ein funktionierender Schluckreflex und durchgängig passierbare Darmabschnitte ohne Engstellen, an der die Kapsel stecken bleiben könnte. Diese Bedingungen werden aber vor der Kapselendoskopie gründlich abgeklärt.

Zu den Risikofaktoren, die eine Kapselendoskopie ausschließen, zählen demnach

  • ausgeprägte Schluckstörungen,
  • starke Darmträgheit (zum Beispiel durch bestimmte Medikamente oder bei Diabetes), 
  • Darmverschluss (mechanischer Ileus),
  • Verwachsungen (Briden) des Darms, welche zu einer Engstellung führen,
  • tiefe Divertikel im Dünndarm

Vor- und Nachteile auf einen Blick

Die Kapselendoskopie ist ein sehr schonendes Verfahren, dass Patienten zugutekommt, die unklare Bauchbeschwerden haben oder eine herkömmliche Darmspiegelung (Koloskopie) möglicherweise scheuen. Als präzises Diagnoseinstrument liefert die Kapselendoskopie sehr gute Hinweise auf das individuelle Krankheitsgeschehen. Die Vorteile der Kapselendoskopie auf einen Blick:

  • nicht-invasiver, schmerzfreier und schonender Ablauf der Untersuchung,
  • keine Strahlenbelastung,
  • kein Klinikaufenthalt notwendig,
  • keine Beruhigungs- oder Sedierungsmittel, 
  • keine Kontrastmittel, 
  • die Untersuchung des gesamten Dünndarms ist nur mit der Kapselendoskopie möglich, 
  • Krebsvorsorge mit niedriger Hemmschwelle.

Als innovatives, aber mittlerweile solide erprobtes Diagnoseinstrument des Verdauungstrakts kann die Kapselendoskopie den Dünndarm einzigartig darstellen und betreffend des Dickdarms mit der herkömmlichen Darmspiegelung verglichen werden. Ein Nachteil der Kapselendoskopie ist ihre reine Diagnosefunktion. So können während der bildgebenden Untersuchung keine Eingriffe an verdächtigen Gewebeveränderungen durchgeführt werden.

Bei der herkömmlichen Koloskopie (Darmspiegelung) können beispielsweise so erkannte Darmpolypen noch während der Untersuchung entfernt werden. Auch Gewebeproben (Biopsien) sind während der Kapselendoskopie selbst nicht möglich. Dafür sind dann gesonderte Eingriffe über eine herkömmliche Koloskopie notwendig.

Die Kostenübernahme durch die Krankenkassen ist noch nicht eindeutig bestimmt. Im Fall einer ungeklärten Blutung im Darm (“unklare mittlere intestinale Blutung”) können private und gesetzliche Krankenkassen die Kosten für eine ambulant durchgeführte Kapselendoskopie des Dünndarms übernehmen, ohne dass ein vorher ein Antrag gestellt werden muss, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Patienten sollten daher vor einer Kapselendoskopie am besten mit ihrem Arzt über die Kostenerstattung sprechen. Im Einzelfall kann nach vorherigem Antrag eine Kostenerstattung beim Versicherungsträger erreicht werden. Kapselendoskopien im Rahmen eines Klinikaufenthalts werden vom Krankenhaus über Fallpauschalen abgerechnet.

Zusammenfassend ist die Kapselendoskopie eine hervorragende Möglichkeit, den gesamten Darm-Trakt, insbesondere den Dünndarm, gründlich zu untersuchen. Entzündliche Darmerkrankungen, die für den Patienten oft eine lange Krankheitsgeschichte bedeuten oder Blutungsursachen im Dünndarm, können so fast unmerklich abgeklärt werden. Auch für die Darmkrebsvorsorge ist die Kapselendoskopie als medizintechnischer Meilenstein zu werten.


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