Hepatitis C - Medizinische Experten

Die Hepatitis C ist eine Virusinfektion der Leber. Der Erreger ist das Hepatitis-C-Virus. Die Durchseuchung mit dem Hepatitis-C-Virus wird je nach europäischem Land auf 0,5–5 % (5–50 von 1000 Einwohnern) geschätzt. Die Symptome der Hepatitis C sind sehr unscheinbar, die meisten Patienten bemerken die Infektion überhaupt nicht.

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Hepatitis C - Weitere Informationen

In Europa leiden viele Millionen Menschen an einer chronischen Lebererkrankung. Die Leberzirrhose (narbige Leberveränderung) zählt bei Erwachsenen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren zu den vier häufigsten krankheitsbedingten Todesursachen. Neben Alkohol sind als Krankheitsursachen für chronische Lebererkrankungen vor allem die virusbedingte Hepatitis B und C zu nennen. Unter einer Hepatitis versteht man eine Entzündung der Leber.

In Europa rechnet man jährlich mit mehreren tausend Hepatitis-B- und -C-Neuinfektionen. Die Durchseuchung mit dem Hepatitis-C-Virus wird je nach Land auf 0,5–5% (5–50 von 1.000 Einwohnern) geschätzt.

Hintergrund: Die Leber

Die Leber ist mit einem Gewicht von etwa 1500g das größte innere Organ des menschlichen Körpers. Sie liegt im rechten Oberbauch und ist von einer bindegewebigen Kapsel umgeben. Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan des Körpers. Zu ihren Aufgaben gehört es, Giftstoffe, die über den Darm in den Körper gelangen, abzubauen, bevor sie in den großen Blutkreislauf gelangen. Nahrungsbestandteile, die über den Darm in die Leber gelangen, werden hier weiterverarbeitet. Von der Leber werden wichtige Eiweiße hergestellt, die zum Beispiel für die Blutgerinnung und die Infektabwehr nötig sind. Wichtig ist auch die Produktion von Gallenflüssigkeit, die über ein spezielles Gangsystem in den Zwölffingerdarm geleitet wird. Durch die Gallenflüssigkeit werden Abbaustoffe von roten Blutkörperchen entsorgt und die Fettverdauung ermöglicht. Mit der Galle werden auch verschiedene Giftstoffe aus dem Körper ausgeschieden. In der Leber selbst sind keine Nervenfasern, die den Schmerz weiterleiten könnten. Schmerzen können aber durch Spannung in der Bindegewebskapsel entstehen, wenn die Leber aufgrund von Entzündungsvorgängen anschwillt oder vernarbt.

Definition: Was versteht man unter Virushepatitis C?

Die Hepatitis C ist eine Virusinfektion der Leber. Der Erreger ist das Hepatitis-C-Virus. Das Virus vermehrt sich in der Leber und wird von den Leberzellen in das Blut freigesetzt. Bei etwa 60–80% der Patienten gelingt es dem körpereigenen Abwehrsystem nicht, das Virus erfolgreich zu bekämpfen, die Hepatitis C nimmt einen chronischen Verlauf. Bei den anderen 20–40% der Patienten heilt die Hepatitis C innerhalb eines halben Jahres nach der Infektion ohne eine Behandlung aus.

Krankheitsmechanismus bei Hepatitis C

Bei einer chronischen Infektion werden durch die Hepatitis-Viren ständig neue Leberzellen infiziert. Als Zeichen der Entzündung wandern weiße Blutkörperchen in das Lebergewebe ein. Sie sorgen dafür, dass infizierte und abgestorbene Leberzellen vernichtet und abgeräumt werden. Das Virus selbst vermögen sie dabei in der Regel nicht zu beseitigen. Die abgestorbenen Leberzellen können später durch Bindegewebe (= Narbengewebe) ersetzt werden. Ist die Leber bindegewebig verändert, spricht man im Frühstadium von einer Leberfibrose, später von einer Leberzirrhose. Das zirrhotische Narbengewebe kann vom Körper nicht mehr in Lebergewebe umgewandelt werden.

Ansteckung mit Hepatitis C

Die Ansteckung mit dem Hepatitis-C-Virus erfolgt zumeist über direkten oder indirekten Blutkontakt (parenterale Übertragung).

Vor 1990 war die Ansteckung mit dem Hepatitis-C-Virus durch die Übertragung von Blut- und Gerinnungsprodukten nicht selten. Inzwischen lassen sich Hepatitis-C-positive Blutspender durch moderne Testverfahren identifizieren. Das Restrisiko einer Hepatitis-C-Infektion durch eine Bluttransfusion ist heute minimal.

Auch über verunreinigte Spritzen, z.B. beim Drogengebrauch, kann das Virus übertragen werden. Weitere Risikofaktoren für die Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus sind Tätowierungen oder Piercing. Auch eine Übertragung über offene Wunden, Rasierklingen oder Zahnbürsten ist denkbar.

Eine sexuelle Übertragung des Virus ist möglich. Das Risiko für Sexualpartner infizierter Patienten wird aber als gering eingeschätzt. Das Übertragungsrisiko ist vom Sexualverhalten abhängig.

Eine Übertragung des Virus über intakte Haut oder Speichel wurde bisher nicht beschrieben. Eine Infektion über Geschirr, Gläser oder Besteck ist also, solange keine Verschmutzung mit Blut vorliegt, nicht zu befürchten.

Folgeschäden der Hepatitis C

Auf dem Boden einer chronischen Hepatitis (Leberentzündung, bei der deutliche Entzündungszeichen im Lebergewebe vorliegen) entwickelt sich bei etwa 30 % der Patienten in den folgenden Jahren eine Leberzirrhose. Das Risiko für die Entwicklung einer Leberzirrhose ist unter anderem von dem Alter des Patienten zum Zeitpunkt der Infektion und der Krankheitsdauer abhängig, das heißt, die Erkrankung läuft oft rascher bei einer Infektion in einem höheren Lebensalter (über 40 Jahre). Faktoren, die die Entwicklung einer Leberzirrhose beschleunigen können, sind zusätzliche chronische Lebererkrankungen beispielsweise mit anderen Leberviren (z.B. eine zusätzliche Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus) oder Substanzen, die die Leber auf andere Weise schädigen. Hierzu zählt in erster Linie der Alkohol.

Von einer Leberzirrhose spricht man, wenn ein großer Teil des Lebergewebes durch Bindegewebe ersetzt wurde. Die normale Struktur des Lebergewebes wird dadurch zerstört. Hierdurch kommt es zu Veränderungen der Durchblutung, die zu einem Bluthochdruck in der Pfortader (Vene zwischen Darm und Leber) führen können. Durch einen Rückstau des Blutes können sich erweiterte Venen (Varizen) in der Speiseröhre und im Magen ausbilden. Wenn diese Gefäße platzen, kann es zu schweren Magen-Darm-Blutungen kommen. Verstärkt wird die Gefahr der Blutungen dadurch, dass die Gerinnungsfähigkeit des Blutes wegen der verminderten Eiweißsynthese in der Leber und einer Verminderung der Anzahl der Blutplättchen (Thrombozyten) eingeschränkt ist. Unter anderem wegen des Bluthochdrucks vor der Leber kann es auch zur Einlagerung von Körperflüssigkeit in die Bauchhöhle (Aszites) kommen.

Die Giftstoffe, die aus dem Magen-Darm-Trakt in das Blut gelangen, können bei Vorliegen einer Leberzirrhose teilweise nicht mehr von der Leber abgebaut werden, sodass sie in den Körperkreislauf gelangen. Hier können sie zu einer verstärkten Müdigkeit und Konzentrationsschwäche (hepatische Enzephalopathie, Encephalon = Gehirn) führen.

Wegen der verminderten Eiweißproduktion der zirrhotisch umgebauten Leber kommt es neben Störungen der Blutgerinnung auch zu einer Mangelproduktion von Stoffen, die für die Körperabwehr benötigt werden. Folge ist eine erhöhte Infektanfälligkeit.

Durch den Rückstau von Gallenflüssigkeit kommt es bei einer schweren Lebererkrankung häufig zu einer Gelbverfärbung der Augen und der Haut (Ikterus). Damit ist oft auch ein Juckreiz verbunden. Gleichzeitig kann sich der Urin dunkel färben.Nach einem langen Verlauf nimmt bei Patienten mit einer chronischen Hepatitis C auch das Risiko für die Entwicklung von Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom) zu. Bei den meisten Patienten entwickelt sich das hepatozelluläre Karzinom auf dem Boden einer Leberzirrhose, allerdings sind bei wenigen Patienten mit einer chronischen Hepatitis C auch Leberzellkarzinome beschrieben worden, ohne dass zuvor eine Leberzirrhose vorlag. Daher sind regelmäßige Ultraschall- und Blutkontrollen sinnvoll.

In einigen Fällen nimmt die Hepatitis C einen so schweren Verlauf, dass eine Lebertransplantation nötig werden kann.

Die Aktivität der Entzündung in der Leber sowie das Ausmaß der Leberverfettung und der bindegewebigen Veränderungen kann nur feingeweblich (histologisch) gesichert werden. Hierzu muss Gewebe aus der Leber entnommen werden (Leberbiopsie). Indirekte Verfahren, wie z.B. die Elastographie, können das Ausmaß der Leberfibrose ebenfalls gut abschätzen.

Kann man sich gegen die Hepatitis C impfen lassen?

Eine Impfung ist nur gegen die Hepatitis A und B, nicht jedoch gegen die Hepatitis C möglich. Auch in absehbarer Zeit wird wahrscheinlich kein Impfstoff gegen die Hepatitis C zur Verfügung stehen.

Falls Sie bisher keine Hepatitis A oder B hatten, sollten Sie sich gegebenenfalls gegen diese beiden Viren impfen lassen. Besprechen Sie diese Frage unbedingt mit Ihrem Arzt, da eine akute Koinfektion mit dem Hepatitis-A- oder Hepatitis-B-Virus bei Patienten mit chronischer Hepatitis-C besonders schwer verlaufen kann.

Hepatitis C und Schwangerschaft

Das Risiko einer Übertragung des Hepatitis-C-Virus von der Mutter auf das Kind während der Schwangerschaft ist als gering einzuschätzen. Eine Übertragung findet in der Regel erst während der Geburt statt. Die Wahrscheinlichkeit der Infektion des Neugeborenen mit dem Hepatitis-C-Virus liegt aber unter 5 %. Bei Patientinnen, die zusätzlich mit dem AIDS-Virus (HIV) infiziert sind, ist die Übertragungswahrscheinlichkeit des Hepatitis-C-Virus höher. Ob eine Hepatitis-C-Infektion durch Stillen übertragen werden kann, ist nach wie vor umstritten. Die meisten Kinderärzte raten aber HCV-infizierten Müttern nicht generell vom Stillen ab.

Symptome der Hepatitis C

Die Symptome der Hepatitis C sind sehr unscheinbar, die meisten Patienten bemerken die Infektion überhaupt nicht. Manche Patienten verspüren eine verstärkte Müdigkeit, fühlen sich abgeschlagen und leistungsgemindert oder haben rechtsseitige Oberbauchbeschwerden. Die Entwicklung einer Gelbsucht ist eher selten.

Diagnose der Hepatitis C

Blutuntersuchungen im Rahmen der Hepatitis-C-Diagnostik

Das Hepatitis-C-Virus kann im Blut direkt über seine Erbinformation (RNA) oder indirekt über die Antikörper, die von den weißen Blutzellen der Patienten gebildet werden, nachgewiesen werden. Ein positiver RNA-Nachweis spricht für eine aktive Erkrankung, das Vorliegen von Antikörpern gegen das Hepatitis-C-Virus (anti-HCV) kann zwischen einer ausgeheilten Hepatitis-C-Infektion und einer weiter bestehenden, chronischen Infektion nicht unterscheiden. Auch bei Patienten, die von einer HepatitisC geheilt wurden, können daher noch lange Antikörper, nicht aber HCV-RNA nachgewiesen werden. Grundlage der Diagnostik der Hepatitis C ist der Hepatitis-C-Antikörpernachweis (anti-HCV). Ist ein Patient anti-HCV-positiv (hat er also Hepatitis-C-Virus-Antikörper im Blut), sollte der direkte Virusnachweis z.B. mit einer sogenannten PCR (Polymerase-Kettenreaktion) erfolgen. Dies ist ein besonders empfindlicher Test zum Nachweis von Hepatitis-C-Viren im Blut. In allen Fällen, in denen eine antivirale Therapie erwogen wird, ist zusätzlich die Bestimmung der Menge der Viren im Blut (Viruslast) und des Genotyps des Hepatitis-C-Virus sinnvoll. Die Leberwerte (GPT, GOT, auch „Transaminasen“ genannt) geben mit gewissen Einschränkungen Auskunft über die entzündliche Aktivität der Hepatitis. Normale Leberwerte bedeuten allerdings nicht, dass eine chronische Hepatitis C ausgeschlossen werden kann. Die Leberwerte werden auch zur Verlaufskontrolle während einer Behandlung bestimmt. Da bei Patienten mit einer chronischen Hepatitis C das Risiko der Entwicklung von Leberkrebs erhöht ist, sollte in regelmäßigen Abständen (6 bis 12 Monate) der Tumormarker des Leberzellkarzinoms, das Alpha-Fetoprotein, im Blut bestimmt werden. In ähnlichen Zeitabständen sollte eine Ultraschalluntersuchung der Leber erfolgen.

Leberbiopsie (Leberpunktion) und Hepatitis C

Um den Anteil der Bindegewebsfasern, die Entzündungsaktivität und den Grad der Verfettung in der Leber abschätzen zu können, kann eine Leberpunktion sinnvoll sein. Bei einer Leberpunktion wird unter örtlicher Betäubung ein kleines Gewebsstück entnommen und unter dem Mikroskop feingeweblich (histologisch) untersucht. Bei einer vollständigen histologischen Begutachtung wird die entzündliche Aktivität (Grading) und das Fibrosestadium (Staging) getrennt voneinander ausgewiesen. „Gesunde“ Hepatitis-C-Virusträger (Viren im Blut nachweisbar, normale Leberwerte und normale Lebergewebsprobe) kommen nur sehr selten vor. Bei der Mehrzahl der Patienten lassen sich selbst bei normalen Leberwerten Zeichen einer chronischen Hepatitis im Lebergewebe nachweisen.

Therapie der Hepatitis C

Um den Verlauf der Erkrankung aufzuhalten, besteht die Möglichkeit einer verantwortungsbewusst durchgeführten Therapie mit Interferon alfa, nach Möglichkeit in Kombination mit Ribavirin.

Ribavirin ist eine Substanz, die über einen noch nicht näher geklärten Mechanismus Hepatitis-C-Viren hemmt. Sie wirkt nur in Kombination mit Interferon alfa und wird als Tablette oder Kapsel eingenommen. Ribavirin allein ist nicht gegen Hepatitis-C-Viren wirksam.Interferon alpha ist ein körpereigener Eiweißstoff, der u.a. von den weißen Blutkörperchen produziert wird, insbesondere dann, wenn der Körper sich gegen Infektionserreger wehren muss. Das zur Therapie der Virushepatitis eingesetzte Interferon alfa ist biotechnologisch hergestellt. Interferon alfa muss, wie zum Beispiel auch das Insulin in der Behandlung zuckerkranker Patienten, in das Unterhautfettgewebe gespritzt werden.

Um die Ansprechrate und die Verträglichkeit der Interferon-alfa-Therapie zu verbessern, wurden Interferone alfa an Polyethylenglykol (PEG) gekoppelt (pegylierte Interferone alfa, PEG-Interferone alfa). Die so veränderten Interferone bleiben länger im Körper wirksam und müssen daher nur noch einmal wöchentlich gespritzt werden.

Das Polyethylenglykol umgibt das Interferon alfa wie ein „Schutzschild“ gegen frühzeitigen Abbau. Die für die Wirkung des Interferons wichtigen Stellen werden dadurch nicht blockiert. Somit kann ein gleichmäßiger Wirkspiegel aufrechterhalten und die Virusvermehrung konstant über längere Zeit unterdrückt werden.

In klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass bei Patienten mit chronischer Hepatitis C die Ansprechrate mit PEG-Interferonen alfa im Vergleich zur Therapie mit den Standard-Interferonen verdoppelt werden kann. Durch die Kombination von PEG-Interferonen alfa mit Ribavirin können die Ansprechraten noch weiter gesteigert werden. Diese Kombination ist der Kombination von Standard-Interferonen mit Ribavirin auch hinsichtlich der Verträglichkeit überlegen.

Die Standarddosierungen der Interferone alfa sind folgendermaßen:

  • Interferon alfa-2a: 3-6 Millionen Einheiten dreimal wöchentlich
  • Interferon alfa-2b: 3-5 Millionen Einheiten dreimal wöchentlich
  • PEG-Interferon alfa-2a: 180 µg einmal wöchentlich
  • PEG-Interferon alfa-2b: 1,0-1,5 µg/kg Körpergewicht einmal wöchentlich

Auch die Ribavirin-Dosis sollte von Ihrem Arzt unter Berücksichtigung Ihres Blutbildes und Ihres aktuellen Körpergewichts sowie des HCV-Genotyps individuell festgegelegt werden. Sie liegt zwischen 800 und 1200 mg täglich, verteilt auf zwei Gaben morgens und abends. Bei besonders schweren Patienten kann eine noch höhere Dosis erwogen werden.

Hauptziel der Behandlung ist, dass das Hepatitis-C-Virus auch mit empfindlichen Methoden nicht mehr nachweisbar ist. Die Ansprechrate (Anzahl der Patienten, bei denen während der Therapie keine Viren mehr im Blut nachweisbar sind) einer Therapie mit (PEG-)Interferonen alfa und Ribavirin liegt zunächst bei 60–90 %. Leider kommt es bei einigen Patienten, die zuerst auf die Therapie angesprochen haben, noch während der Behandlung oder nach Absetzen der Medikamente zum Wiederauftreten der Viren. Insgesamt liegt daher der Behandlungserfolg einer (PEG-) Interferon alfa- und Ribavirin-Therapie bei 50–60 %.

Von besonderer Wichtigkeit ist die regelmäßige Einnahme der Medikamente. Sollten unter einer (PEG-)Interferon-alfa/Ribavirin-Therapie starke Nebenwirkungen (z.B. Depressionen) auftreten, können diese gegebenenfalls medikamentös behandelt werden. Da sich die Nebenwirkungen der (PEG-)Interferon-alfa/Ribavirin-Therapie nach Therapieende rasch zurückbilden, kann die begleitende Therapie wieder abgesetzt werden.

Besonders gute Behandlungserfolge lassen sich erzielen, wenn mit der Behandlung möglichst früh begonnen wird. Eine Chronifizierung einer akuten Hepatitis C lässt sich durch eine 24-wöchige Monotherapie mit (PEG-)Interferon alfa verhindern. Die Behandlung der chronischen Hepatitis C ist bei jüngeren Patienten und kurzem Krankheitsverlauf erfolgreicher als bei älteren Patienten und Patienten, die bereits das Stadium einer Leberzirrhose erreicht haben. Daneben ist die Wahrscheinlichkeit für das Ansprechen auf eine (PEG-)Interferon-alfa-Therapie bei Patienten mit den HCV-Genotypen 2 oder 3 besser als bei den Genotypen 1 oder 4. Auch die Dauer der Interferon-Therapie hat großen Einfluss auf den Behandlungserfolg der chronischen Hepatitis C.

Die bisherigen deutschen Leitlinien zur Therapie der chronischen Hepatitis C (2004) empfehlen für Patienten mit dem HCV-Genotyp 2 oder 3 eine 24-wöchige Therapie, während bei Patienten mit dem HCV-Genotyp 1 oder 4 die Therapiedauer 48 Wochen betragen soll. Ferner kann bei Patienten mit Genotyp 2 oder 3 eine niedrigere Ribavirin-Dosis eingesetzt werden als bei den Genotypen 1 oder 4. Aktuelle Studienergebnisse weisen auf die Möglichkeit einer verbesserten, individualisierten Therapie hin. Anhand von HCV-Genotyp, Viruslast vor Therapiebeginn und dem virologischen Ansprechen zu Woche 4 der Behandlung kann die empfohlene Therapiedauer zwischen 12 und 72 Wochen variieren.

Anhand des anfänglichen Abfalls der Viruslast im Blut kann bei behandelten Patienten bereits nach vier und zwölf Wochen eine Aussage getroffen werden, inwieweit eine Chance einer dauerhaften Virusbeseitigung besteht. Ein „Responserechner“, mit dem sich die voraussichtlichen Therapiechancen errechnen lassen, steht im Internet unter www.uniklinikum-saarland.de/de/einrichtungen/kliniken _institute/gastroenterologie/patienteninfo/responserechner für Patienten und Dritte kostenfrei zur Verfügung. Sehr gute Heilungschancen bestehen bei Patienten mit einem bereits 99%igen Abfall der Viruslast in den ersten zwölf Wochen der Behandlung.

Neue Untersuchungen haben gezeigt, dass durch eine Behandlung mit Interferon alfa der Anteil der Bindegewebsfasern in der Leber abnimmt und die Häufigkeit der Entwicklung von Leberkrebs vermindert wird. Das gilt auch für Patienten, bei denen das Virus während der Therapie nicht verschwunden war.

Die Deutsche Leberhilfe e.V. hält bei allen Patienten mit einer chronischen Hepatitis C und einer erhöhten Entzündungsaktivität in der Leber eine Behandlung mit (PEG-)Interferon alfa und gegebenenfalls Ribavirin für sinnvoll, sofern keine zusätzlichen Erkrankungen oder andere Umstände vorliegen, die eine solche Therapie verbieten würden. Die Entscheidung über die Dosis und Dauer einer Therapie sollte individuell vom behandelnden Arzt geprüft werden.

Welche Nebenwirkungen sind bei einer Therapie mit (PEG-)Interferon alfa und Ribavirin zu erwarten?

Die Nebenwirkungen von (PEG-)Interferon alfa sind zu Beginn einer Therapie häufig und lassen im Laufe der Behandlung in der Regel deutlich nach. Die häufigsten Nebenwirkungen sind grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen, Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Gelegentlich kommt es auch zu Störungen der Schilddrüsenfunktion. Einige Patienten leiden während der Therapie an einer besonders trockenen Haut und/oder einem vorübergehenden Haarausfall. Auch Stimmungsveränderungen bis hin zu Depressionen können auftreten. Wichtig sind außerdem Blutbildveränderungen, die vor allem die weißen Blutkörperchen betreffen.

Patienten sollten während der Therapie regelmäßig mit dem behandelnden Arzt sprechen und alle Nebenwirkungen genau angeben. Viele Nebenwirkungen der (PEG-) Interferon-alfa/Ribavirin-Kombinationstherapie lassen sich durch Dosisanpassungen oder durch die (vorübergehende) Verschreibung von weiteren Medikamenten günstig beeinflussen. Stets sollten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, bevor eine Therapie wegen Unverträglichkeit oder Nebenwirkungen komplett abgebrochen wird.

Allergische Erscheinungen können sowohl durch (PEG-)Interferon alfa als auch durch Ribavirin ausgelöst werden. Als häufige Nebenwirkung von Ribavirin ist eine vorübergehende Blutarmut (Anämie) bekannt. Regelmäßige Blutbildkontrollen sind daher unbedingt erforderlich.

Es ist keinesfalls auszuschließen, dass das Risiko für kindliche Fehlbildungen durch Ribavirin erhöht wird. Patienten, die eine Therapie mit Ribavirin erhalten, müssen daher während der Therapie und bis zu einem halben Jahr nach Therapieende eine sichere Art der Empfängnisverhütung durchführen. Bei Frauen, die bereits vor Beginn einer Therapie schwanger sind, kann keine Therapie durchgeführt werden.

Was muss während einer Therapie mit (PEG-)Interferon alfa und Ribavirin beachtet werden?

Während einer Therapie mit (PEG-)Interferon alfa sollten regelmäßige Kontrollen der Leberwerte (GPT, GOT), des Blutbildes und der Schilddrüsenwerte erfolgen. Nach einer Therapiedauer von vier und zwölf Wochen sollte außerdem die Viruslast (HCV-RNA) im Blut gemessen werden. Anhand des Ergebnisses wird entschieden, ob die Therapie erfolgreich sein kann und wie lange sie fortgeführt werden sollte.

Gibt es alternative Therapiemöglichkeiten?

Die Therapie mit (PEG-)Interferon alfa allein oder in Kombination mit Ribavirin ist zurzeit die einzige Möglichkeit, das Virus aus dem Körper zu beseitigen. Daneben werden immer wieder Erfolge mit sogenannten alternativen Substanzen beschrieben. Kontrollierte Untersuchungen, in denen die Wirksamkeit dieser Medikamente und Methoden untersucht wurden, gibt es allerdings nicht. Daher beruhen alle diesbezüglichen Informationen auf Erfahrungsberichten.

Substanzen, die zur Behandlung von Lebererkrankungen eingesetzt werden, sind zum Beispiel Mariendistelextrakte (Silibinin), Phyllanthus amarus, ein Mittel der ayurvedischen Medizin, Solanin oder der Äbrotanum-Tee. Auch Glycyrrhizin, das vor allem in Südostasien zum Einsatz kommt, soll einen positiven Einfluss auf chronische Lebererkrankungen haben. Eine Wirksamkeit gegenüber den Hepatitisviren ist aber nicht bewiesen.

Auch pflanzliche Präparate können Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten entwickeln. Patienten sollten ihre behandelnden Haus- oder Fachärzte über zusätzlich eingenommene Präparate informieren, damit diese zur Verträglichkeit und eventuellen Risiken Stellung nehmen können.

Zukünftige Therapiemöglichkeiten von Hepatitis C

Verschiedene Therapieansätze werden zurzeit klinisch geprüft, u.a.

  • andere lang wirksame Interferone (z.B. Albinterferon)
  • Hemmstoffe von HCV-spezifischen Enzymen, die für die Virusvermehrung verantwortlich sind (Protease- und Polymerase-Inhibitoren); aufgrund erster klinischer Studien gelten diese Substanzen als besonders Erfolg versprechend
  • Immunmodulatoren (z.B. so genannte Toll-like receptor (TLR)-Agonisten)
  • therapeutische Vakzine, d.h. Impfstoffe, die dem körpereigenen Immunsystem helfen sollen, das Hepatitis-C-Virus zu beseitigen oder zumindest den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.

Insgesamt muss betont werden, dass keine dieser neuen Substanzen eine Zulassung erhalten wird, ohne dass umfassende Daten aus klinischen Studien zur Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit vorliegen. Außerhalb klinischer Prüfungen werden im günstigsten Fall weitere Medikamente gegen die Hepatitis C nicht vor 2011 allgemein verfügbar sein.

Was muss ich bei meiner Ernährung beachten?

Solange die Leberfunktion nicht eingeschränkt ist, muss bei der chronischen Hepatitis C keine spezielle Diät eingehalten werden. Bei Einschränkung der Leberfunktion kann eine Reduktion der Eiweiß- (Fleisch-, Milchprodukte) und der Salzzufuhr erforderlich werden. Dies sollte Ihr Arzt, eventuell gemeinsam mit einem Ernährungsspezialisten, mit Ihnen besprechen. Wichtig ist, dass Sie auf Alkohol verzichten.

Autor: Prof. Dr. med Stefan Zeuzem