Endosonographie - Medizinische Experten

Der endoskopische Ultraschall (EUS) hat das Spektrum der Diagnostik und Therapie des Magen-Darm-Traktes erheblich erweitert. In der stadienadaptierten Tumortherapie ist der EUS ein festes Standbein in der Diagnostik. Durch die Möglichkeit einer gezielten internen Punktion können unklare Befunde komplikationsarm abgeklärt werden. Die endosonographische Therapie von Komplikationen der Bauchspeicheldrüsenentzündung (Zysten, Eiteransammlungen) erspart aufwendige und komplikationsträchtige Operationen und verbessert somit die Überlebenswahrscheinlichkeiten der Patienten.

Weitere Informationen zur Endosonographie finden Sie im Text weiter unten.

Übersicht

Empfohlene Spezialisten

Endosonographie - Weitere Informationen

Was ist ein EUS (Endosonographie) und wann sollte man diesen durchführen?

Der endoskopische Ultraschall (EUS) oder die Endosonographie (Sonographie von innen) stellt eine sinnvolle Kombination von Endoskopie und Sonographie dar. Die direkte Ankopplung der Ultraschallsonde, die sich an der Spitze des Endoskopes befindet, an auffällige Befunde in der Speiseröhre, Magen oder Dünndarm erlaubt nicht nur eine detailgetreue Darstellung der Wand des Magen-Darm-Traktes, sondern auch der benachbarten Organe und Strukturen (Bauchspeicheldrüse, Gallenwegssystem, Nebennieren, Bronchialsystem). Ultraschall besitzt von allen technischen Geräten, die in der Medizin eingesetzt werden, die höchste Auflösung. Die Methode ist beispielsweise die einzige, mit der es gelingt, die fünf Schichten der Wand des Magen-Darm-Traktes darzustellen (minimale Dicke 2 mm).

Dies ist in der Einschätzung von Tumoren von enormer Bedeutung für das therapeutische Vorgehen. Verschiedene medizinische Fachgesellschaften haben den EUS (Endosonographie) als wesentliche diagnostische Methode in die Empfehlungen zur Diagnostik von Tumoren des Magen-Darm-Traktes, der Bauchspeicheldrüse und der Lunge sowie der Bronchien aufgenommen. Somit sollte jeder Patient, bei dem ein Tumor in Speiseröhre, Magen, Dünndarm oder Enddarm gefunden wurde, einem EUS (Endosonographie) unterzogen werden, um die Ausdehnung des Tumors und damit die Therapie klar festlegen zu können.

Endosonographie1

Abb. 1: Endosonographischer Befund eines kleinen bösartigen Tumors, der auf die erste Schicht begrenzt ist und endoskopisch abgetragen wurde

Endosonographie2

Abb. 2: Lokal fortgeschrittener bösartiger Magentumor mit wandüberschreitendem Wachstum und Nachweis vergrößerter Lymphknoten. Der Patient wurde mit Chemotherapie vorbehandelt und konnte nachfolgend erfolgreich operiert werden

Durch die Beurteilung des Tumorstadiums mit dem EUS kann eingeschätzt werden, ob man den Tumor mit Hilfe eines endoskopischen Verfahrens oder primär operativ entfernen kann oder ob man bei größeren Tumoren mit bereits nachweisbaren vergrößerten Lymphknoten eine chemotherapeutische oder strahlentherapeutische Behandlung vor der Operation durchführen muss, um den Tumor in einen Zustand zu überführen, der eine heilende Operation erlaubt.

Ein weiterer Schwerpunkt des EUS (Endosonographie) liegt in der Diagnostik an der Bauchspeicheldrüse und an den Gallenwegen. Patienten mit unklaren Bauchschmerzen, Koliken, erhöhten Leberwerten oder ursächlich nicht erkennbar erweiterten Gangsystemen in der Bauchspeicheldrüse oder in der Leber, bei denen mit Hilfe des konventionellen Ultraschalls oder mit der Computertomographie keine Diagnose zu stellen ist, sind ideale Kandidaten für den EUS (Endosonographie). Durch die hohe Auflösung des EUS (Endosonographie) und die unmittelbare Nachbarschaft der Bauchspeicheldrüse und des Gallenganges zum Magen und Dünndarm (hier kann der Schallkopf mit dem Endoskop platziert werden) gelingt der Nachweis kleinster Tumoren der Bauchspeicheldrüse (ab 3 mm), somit in einem Stadium, in dem dieser aggressive Tumor noch heilbar ist.

Sind kleine Steine oder ein Tumor im Gallengang die Ursache für Koliken oder für schlechte Leberwerte, kann auch dies mit dem EUS (Endosonographie) sicher erkannt und die weitere Therapie zügig eingeleitet werden.

Endosonographie3

Abb. 3: Patient mit unklaren Oberbauchbeschwerden ohne Tumornachweis im Computertomogramm (CT) und konventionellem Ultraschall. Die Endosonographie konnte einen kleinen Tumor finden. Der Patient wurde operiert und ist geheilt

Endosonographie 4

Abb. 4: Patient mit wiederkehrenden rechtsseitigen Oberbauchbeschwerden mit normalen Leberwerten. In der Endosonographie zeigte sich ein kleiner Stein im Gallengang unmittelbar vor der Mündung. Der Stein wurde endoskopisch entfernt

Endosonographie5

Abb. 5: Spezielle Endosonographie mit Gewebeerkennung durch Messung der Elastizität. Bösartige Tumoren imponieren blau kodiert. Hier wurde in einem vergrößerten Lymphknoten gezielt endosonographisch punktiert - die Absiedlung eines bösartigen Tumors konnte in der Gewebeuntersuchung gesichert werden

Neben der bisher erwähnten Diagnostik bietet das Repertoire der interventionellen Endosonographie erweiterte diagnostische und therapeutische Möglichkeiten. Durch gezielte Punktionen, die endosonographisch gesteuert werden, lassen sich unklare Befunde in der Bauchspeicheldrüse oder in der Wand des Magen-Darm-Traktes als auch unklare vergrößerte Lymphknoten abklären.

Das mit der Punktionsnadel gewonnene Zellmaterial wird einer mikroskopischen Untersuchung unterzogen. Hierdurch gelingt in nahezu 90-95 % der Fälle eine diagnostische Zuordnung der Befunde, welche die therapeutische Entscheidung erheblich erleichtern und u.U. Operationen verhindern kann. Mit dem EUS (Endosonographie) kann man auch in Regionen punktieren, die von außen nicht zugängig oder nur mit hohem Risiko erreichbar sind (im Brustkorb, gefäßreiche Regionen, Nebenniere). Der sichere Umgang mit der Punktionstechnik hat den Weg zur endosonographischen Therapie gebahnt. Patienten mit einer akuten oder chronischen Entzündung der Bauchspeicheldrüse, bei denen sich eine schmerzhafte Flüssigkeitsansammlung gebildet hat, die zudem möglicherweise infiziert ist, können mit Hilfe der Endosonographie behandelt werden. Hierbei wird eine innere Ableitung der Flüssigkeitsansammlung in den Magen oder den Dünndarm angelegt, eine Operation kann den Patienten somit erspart werden.

Endosonographie6

Abb. 6: Patient mit Schmerzen bei Ausbildung einer Zyste nach einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Endosonographische Punktion der Zyste und Anlage einer inneren Ableitung der Zyste in den Magen

Neuere therapeutische Ansätze sind die innere Ableitung eines gestauten Gallenwegssystems bei Patienten mit unheilbaren Tumoren der Bauchspeicheldrüse oder des Magens oder der Gallenwege, bei denen endoskopisch keine innere Ableitung gelingt.

Endosonographie7

Abb. 7: Patient mit Gelbsucht bei Galleabflussstörung infolge eines bösartigen Tumors der Bauchspeicheldrüse. Der Abfluss in den Dünndarm ist aufgrund einer Einengung durch den Tumor und die liegende Prothese im Dünndarm gestört. Es wird eine Entlastung der Gallenwege durch Neuanlage einer inneren Ableitung in den Dünndarm angelegt

Diesen Patienten kann eine schmerzhafte und die Lebensqualität beeinträchtigende äußere Ableitung der Galle für den Rest ihres Lebens erspart werden.

Wie läuft der EUS (Endosonographie) ab und was muss der Patient beachten?

Wenn der Arzt einen EUS (Endosonographie) veranlasst, wird dieser i.d.R. ambulant ausgeführt, wenn es sich um einen diagnostischen Eingriff ohne Gewebeprobe handelt.

Nach endosonographischen Punktionen bedarf es in den meisten Fällen einer eintägigen stationären Überwachung. Sind innere Ableitungen von Flüssigkeiten, Zysten oder entzündlichen Herden geplant, werden diese während eines stationären Aufenthaltes ausgeführt.

Voraussetzung für den EUS ist nach einem aufklärenden Gespräch die Einwilligung des Patienten und das Vorliegen aktueller Blutgerinnungswerte. Die Untersuchung ist vergleichbar mit einer Spiegelung des Magens. Das Endoskop mit dem Schallkopf an der Spitze hat einen Durchmesser von ca. 1 cm und wird unter Sicht in die Speiseröhre eingeführt.

Der EUS (Endosonographie) ist völlig schmerzfrei und ohne Erlebniswert, da die Patienten in den meisten Fällen mit Beruhigungsspritzen, wie Sie bei der Magen- oder Darmspiegelung eingesetzt werden, in einen erholsamen Schlaf versetzt werden. Während der Untersuchung werden die lebenswichtigen Parameter der Patienten (Blutdruck, Puls, Sauerstoff im Blut) überwacht. Der EUS dauert je nach Anforderung zwischen 5 (Diagnostik) und 45 Minuten (Therapie). Wurde der EUS mit Beruhigungsmitteln durchgeführt, ist eine Nachbeobachtung von 1-2 Stunden erforderlich. In dieser Zeit wird der Patient an einen Überwachungsmonitor angeschlossen. Die Befundbesprechung und die Entlassung finden statt, wenn der Patient wieder bei vollem Bewusstsein ist. Auch wenn die Patienten vermeintlich wieder fit sind, besteht dennoch für den Rest des Tages eine Fahruntauglichkeit, so dass es sinnvoll ist, mit einer Begleitperson zu erscheinen oder eine Abholung zu organisieren.

Schwere Komplikationen des EUS (Endosonographie) sind selten und treten meist nur nach Punktionen oder nach therapeutischen Eingriffen auf. Dabei handelt es sich um Blutungen oder um Infektionen. Nach einem diagnostischen EUS (Endosonographie) können in seltenen Fällen für 1-2 Tage andauernde Schluckbeschwerden auftreten.

Autor: PD Dr. med. habil. Uwe Will