Divertikel - Medizinische Experten

Der Begriff Divertikulose, auch Divertikel-Erkrankung genannt, ist ein Sammelbegriff von Erscheinungen, die mit dem Auftreten von Divertikeln im Dickdarm einhergehen. Diese reichen von Symptomen eines Reizdarmes bis hin zu schweren entzündlichen Veränderungen. Letztere werden als Divertikulitis (Entzündung der Divertikel) bezeichnet.

Weitere Informationen zur Divertikelkrnakheit finden Sie im Text weiter unten.

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Divertikel - Weitere Informationen

Was sind Divertikel?

Die Darmwand ist aus mehreren Wandschichten aufgebaut. Von außen nach innen: Außen liegt eine Verschiebeschicht (Serosa), durch die der Darm mit Blut versorgt wird. Darunter liegt die Muskelschicht (Muscularis propria), welche die Nahrung im Darm vorantreibt. Es folgt eine Zwischenschicht (Submukosa) zwischen Muskelschicht und der inneren Schleimhaut (Mukosa). Diese Schleimhaut (Mukosa) kleidet das Innere des Darmes aus und ihre Aufgabe ist es, Nährstoffe und Wasser aus dem Darminhalt aufzunehmen (zu resorbieren). Diese aufgenommenen Stoffe werden auf dem Blutweg zur Leber „abtransportiert“. Hierzu treten Blutgefäße durch die Muskulatur. In diesen „Muskellücken“ kann sich bei hohem Druck im Inneren des Darmes die innere Schleimhaut nach außen stülpen. Diese „Ausstülpungen“ bezeichnen wir als falsche Divertikel, da sie nicht alle Wandschichten, sondern nur die Schleimhaut beinhalten. Echte Divertikel sind Ausstülpungen, die alle Wandschichten des Darmes betreffen. Sie spielen in diesem Zusammenhang aber keine Rolle. Im Dickdarm finden wir fast ausschließlich falsche Divertikel (im Folgenden nur Divertikel genannt).

Was sind Ursachen und Risikofaktoren einer Divertikel-Erkrankung?

Divertikel entstehen mit zunehmendem Lebensalter. Während Untersuchungen aus den 70er Jahren Divertikel nur bei 1 % der Menschen jünger als 30 Jahre beschreiben, wurden Divertikel bei über 85-Jährigen zu zwei Dritteln nachgewiesen. Es gibt darüber hinaus Hinweise, dass unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten zur Entstehung von Divertikeln beitragen: Bevölkerungsgruppen mit traditionell eher faserreicher Ernährung haben deutlich weniger Divertikel als die Bevölkerung z.B. in Industrieländern, die sich häufiger faserarm (ballaststoffarm) ernährt. Hieraus resultiert die These, dass Divertikel durch eine ballaststoffärmere Kost entstehen. Diese wird dadurch erklärt, dass durch eine faserarme Kost, verbunden mit einer geringeren Trinkmenge, das Gewicht und die Menge des Stuhles herabgesenkt und dadurch das Darminnere (Darmlumen) weniger stark gefüllt wird.

Der Darm bewegt sich spontan, also ohne bewussten Einfluss des Menschen. Diese Beweglichkeit wird durch die Füllung des Darmes bzw. die entsprechende Dehnung der Darmwand gesteuert. Bei geringerem Darminhalt nimmt die spontane Beweglichkeit ab. Für die entsprechenden Bewegungswellen muss dann ein viel höherer Druck aufgewendet werden, der zu den Ausstülpungen durch die Muskellücken führen kann.

Risikofaktoren für die Entstehung von Divertikeln sind neben der ballaststoffarmen Kost und der daraus resultierenden Neigung zur Verstopfung (Obstipation) geringe körperliche Aktivität und starkes Übergewicht.

Symptome von Divertikeln und deren Entzündung (Divertikulitis)

Das Auftreten von Divertikeln hat in der Regel keinerlei Krankheitsbedeutung. Problematisch wird es erst dann, wenn sich ein Divertikel entzündet. Diese Entzündung wird als Divertikulitis bezeichnet. 70 % der Divertikel-Träger bleiben lebenslang ohne Symptome. Bei den anderen 30 % entwickelt sich die so genannte „Divertikelkrankheit“ mit leichten und unspezifischen Symptomen. Dazu zählen Blähungen, ein aufgetriebener Leib, das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung, wobei sich die Beschwerden meist nach dem Stuhlgang bessern. Derartige Bauchschmerzepisoden treten bei den Betroffenen häufig mehr als 6 Mal pro Jahr auf, die auch oft nächtlich bestehen. Diese Beschwerden können mit einer veränderten Stuhlbeschaffenheit, überwiegend mit einer Verstopfung (Obstipation) und/oder mit einer veränderten Stuhlfrequenz einhergehen. Jedoch sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass derartige Symptome auch bei anderen Darmerkrankungen – wie z. B. beim Darmkrebs - in ähnlicher Weise auftreten können, so dass bei längerem Andauern unbedingt ein Arzt zu konsultieren ist.

Von diesen 30 % Divertikel-Trägern mit Divertikelkrankheit entwickelt nur ca. jeder Zwanzigste eine Entzündung seiner Divertikel - eine Divertikulitis. Diese Entzündungen führen zu Schmerzen im linken Unterbauch, wobei dort teilweise eine walzenförmige feste Struktur zu tasten ist. Diese Divertikulitis-Beschwerden können sich bis hin zu heftigsten Bauchschmerzen steigern, die einen „brettharten Bauch“ zur Folge haben. Bei derartigen Beschwerden muss unbedingt schnell ein Arzt konsultiert werden. Ursache dieser Schmerzen ist ein Fortschreiten der Entzündung zur Außenseite des Darmes hin mit einer beginnenden Bauchfellentzündung (Peritonitis). Im weiteren Verlauf der Divertikulitis kann es zu Eiteransammlungen (Abszessen) mit einer schweren Bauchfellentzündung (Peritonitis) kommen, bis hin zu Perforationen (entzündungsbedingten Verletzungen des Darmes). Hierbei kann Stuhl aus dem Darm in die Bauchhöhle gelangen, was eine lebensbedrohliche Komplikation ist. Diese „kotige Peritonitis“ kann trotz operativer Versorgung und Antibiotikatherapie auch in der heutigen Zeit immer noch zum Tode führen. Treten - auch einfache - Entzündungen immer wieder auf, kann es im Verlauf zu Schrumpfungen des Darmes und der Entwicklung einer Engstellung (Stenose) kommen. Eine weitere Komplikation sind Blutungen aus den Divertikeln, die auch sehr heftig sein können, weil die Divertikel ja an der Durchtrittsstelle der Blutgefäße aus dem Darminneren durch die Muskulatur gelegen sind.

Diagnostik bei Divertikeln und Divertikulitis

Für die Diagnostik einer Divertikulitis stehen heutzutage der Ultraschall und die Computertomographie zur Verfügung. Da die Entzündung - und hier insbesondere die komplizierten Entzündungen - im äußeren Bereich des Darmes liegen, spielt die Darmspiegelung bei der Diagnose keine Rolle, da hierbei die Innenseite des Darmes (das Darmlumen) untersucht wird. Lediglich bei Darmblutungen aus Divertikeln erfolgt eine Darmspiegelung, um die Blutungsquelle zu suchen und um möglichst die Blutung gleichzeitig zu stillen. Beim Auftreten der leichten und unspezifischen Beschwerden, die am Anfang dieses Artikels beschrieben wurden, sollte bei einem dauerhaften Bestehen von länger als 3 – 6 Monaten ebenfalls eine Darmspiegelung durchgeführt werden, um andere Krankheiten des Darmes als Ursache sicher ausschließen zu können.

Behandlung der Divertikelkrankheit

Die Behandlung der Divertikelkrankheit gehört in die Hände des Arztes. Wichtig sind die Sicherung der Diagnose und der Ausschluss anderer Ursachen. Leichte Beschwerden (s.o.) sind individuell zu therapieren. Dies kann durch Regulierung des Stuhlgangs erfolgen. Hierzu ist in der Regel eine ballaststoffreiche Kost empfehlenswert. Sollte darunter weiterhin die Neigung zur Verstopfung (Obstipation) bestehen, sind zusätzliche Gaben von Quellmitteln (Weizenkleie, geschrotete Leinsamen) in Verbindung mit Milchprodukten (z. B. naturbelassener Joghurt) empfehlenswert. Stellt sich unter diesen Maßnahmen keine Besserung der Symptomatik ein, ist nach Konsultation des Hausarztes gegebenenfalls eine Medikation mit ausgewählten Medikamenten (keine Eigenmedikation!) zur Regulierung des Stuhls zu empfehlen.

Treten Hinweise auf eine Entzündung der Divertikel (Divertikulitis) auf, wird der Arzt nach der Diagnostik eine Antibiotikatherapie verschreiben, die über eine Dauer von ca. 10 bis 14 Tagen eingenommen werden muss. In dieser Zeit sollte der Darm „geschont“ werden. Daher wird während der Behandlung einer Divertikulitis eine ballaststoffarme Kost empfohlen, die nach Abheilung der Entzündung wieder in eine ballaststoffreiche Kost umgestellt werden soll. Neuere Untersuchungen haben ergeben, dass auch das entzündungshemmende Medikament Mesalazin, das zur Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt wird, gut bei einer Divertikulitis wirksam ist. Schwerere Divertikulitiden mit klinisch deutlichen Entzündungszeichen (s.o.) müssen stationär im Krankenhaus behandelt werden. Bei mittelschweren Fällen, die meist nicht operiert werden müssen, hat sich die enge Zusammenarbeit zwischen dem Chirurgen und dem Gastroenterologen in der Behandlung der Patienten bewährt. Schwere Verläufe von Divertikulitiden, bei denen es zum Auftreten von Abszessen und Darmperforationen kommt, gehören immer in die Hände des erfahrenen Bauchchirurgen. Bei immer wieder auftretenden Divertikulitiden, auch bei häufigen leichten Entzündungen und insbesondere dann, wenn sich Einengungen des Darmes (Stenosen) entwickelt haben, kann es erforderlich oder empfehlenswert sein, im entzündungsfreien Intervall die divertikeltragenden Darmabschnitte operativ zu entfernen. Diese Operation wird heutzutage überwiegend als Knopflochchirurgie (laparoskopische Operation) durchgeführt und hat dadurch weniger Risiken für den Patienten.

Nachsorge und Prophylaxe der Divertikel

Die beste „Therapie“ ist wie immer die Prophylaxe. Durch eine gesunde Mischkost mit reichlich Ballaststoffen, eine ausreichende Bewegung und Gewichtsregulation kann die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Divertikeln reduziert werden. Bei bestehenden Divertikeln nimmt auch durch diese Maßnahmen die Gefahr der Entwicklung einer Divertikulitis signifikant ab.

Autor: Dr. med. Hans-Ulrich Jahn