Cholestase - Medizinische Experten

Bei einer Cholestase – auch Gallenstauung genannt – staut sich die Gallenflüssigkeit in den Gallengängen und kann nicht in den Darm abfließen. Dabei wird je nach Ursache der Gallenstauung zwischen einer intrahepatischen (nicht-obstruktiven) und einer extrahepatischen (obstruktiven) Cholestase unterschieden. Zu den charakteristischen Symptomen einer Cholestase gehören die Gelbsucht (Ikterus), ein dunkel verfärbter Harn, ein heller Stuhl und ein Juckreiz (Pruritus) am ganzen Körper. Die Behandlung einer Cholestase richtet sich nach der jeweiligen Ursache.

Weitere Informationen zur Cholestase finden Sie im Text weiter unten.

Übersicht

Empfohlene Spezialisten

Cholestase - Weitere Informationen

Definition: Was ist eine Cholestase (Gallenstauung)?

Als Cholestase oder Gallenstauung wird der Rückstau der Gallenflüssigkeit innerhalb der Gallengänge bezeichnet. Die aus Bilirubin, Gallensäuren und anderen Gallenbestandteilen bestehende Gallenflüssigkeit wird dabei in den Gallengängen zurückgehalten und kann nicht in den Darm abfließen. Zu einer Cholestase kann es zum einen durch eine Störung der Gallenbildung in der Leber (Gallenbildungsstörung) und zum anderen durch eine Störung des Galleabflusses (Galleabflussstörung) kommen. Bei einer Galleabflussstörung liegt ein mechanisch bedingter verminderter oder fehlender Abfluss der Gallenflüssigkeit in den Darm vor, während eine Gallenbildungsstörung in der Regel auf chronische Lebererkrankungen zurückzuführen ist.

Eine Cholestase führt zum einen dazu, dass die Substanzen der Gallenflüssigkeit, die eigentlich über die Leber in den Darm ausgeschieden werden müssen, in die Blutbahn gelangen. Zum anderen hat eine Cholestase eine Störung der Verdauung von Fett und fettlöslichen Vitaminen im Darm zur Folge. Diese Mechanismen führen zu den drei charakteristischen Symptomen einer Cholestase: einer Gelbfärbung der Haut (Gelbsucht bzw. Ikterus), einer Verfärbung von Urin und Stuhl (dunkler Harn und heller Stuhl) sowie einem Juckreiz (Pruritus) am ganzen Körper.

Formen einer Cholestase (Gallenstauung)

Bei einer Cholestase werden je nach dem, ob die Ursachen der Gallenstauung innerhalb oder außerhalb der Leber liegen, zwei verschiedene Formen unterschieden: die intrahepatische (nicht-obstruktive) Cholestase und die extrahepatische (obstruktive) Cholestase. Bei der intrahepatischen Cholestase liegt eine Störung der Gallenbildung in den Leberzellen (Hepatozyten) vor, während bei einer extrahepatischen Cholestase mechanische Hindernisse in den Gallengängen, beispielsweise Gallensteine oder Tumore, den Abfluss der Gallenflüssigkeit verhindern.

Ursachen für eine Cholestase (Gallenstauung)

Zu den möglichen Ursachen einer intrahepatischen (nicht-obststruktiven) Cholestase gehören verschiedene Entzündungen der Leber wie die Virushepatitis sowie auf übermäßigen Alkoholkonsum zurückzuführende Lebererkrankungen wie die Leberzirrhose oder die alkoholische Fettleber. Darüber hinaus können unter anderem Lebertumoren, Arzneimittelnebenwirkungen, hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft und eine Sauerstoffunterversorgung der Leber zu einer intrahepatischen Cholestase führen.

Die extrahepatische (obstruktive) Cholestase wird durch mechanische Abflusshindernisse in den Gallengängen verursacht. Hierzu gehören beispielsweise Gallensteine, Tumoren wie Gallenwegs- und Bauchspeicheldrüsenkarzinome, Gallengangszysten und Parasiten. Weitere mögliche Ursachen einer extrahepatischen Cholestase sind Verengungen eines Gallengangs, narbige Einziehungen und Entzündungen der Gallenwege oder der Bauchspeicheldrüse.

Symptome einer Cholestase (Gallenstauung)

Eine Cholestase äußert sich typischerweise durch eine Gelbfärbung der Haut und Augen (Gelbsucht bzw. Ikterus), eine Braunfärbung des Urins (dunklen Harn), eine Entfärbung des Stuhls (hellen Stuhl) sowie einen Juckreiz (Pruritus) am ganzen Körper. Diese typischen Beschwerden einer Cholestase können je nach Dauer, Ausmaß und Form der Gallenstauung unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Zur Gelbfärbung von Haut und Augen kommt es, weil die überschüssigen Gallensäuren und Gallenfarbstoffe, insbesondere Bilirubin, nicht über die Leber, die Galle und den Darm ausgeschieden werden, sondern aufgrund der Stauung der Gallenflüssigkeit vermehrt in die Blutbahn abgegeben und über die Nieren ausgeschieden werden. Das überschüssige Bilirubin lagert sich daraufhin in der Haut und auch an allen inneren Organen ab und führt so zur für die Cholestase typischen Gelbsucht.

Die Braunfärbung des Urins ist ebenfalls auf das bei einer Cholestase in den Blutkreislauf gegebene und über die Nieren ausgeschiedene Bilirubin zurückzuführen. Die Entfärbung des Stuhls ist eine Folge des Bilirubinmangels im Darm. Die Gallensäure wird nämlich normalerweise zur Fettspaltung im Darm benötigt. Fließt sie jedoch aufgrund einer Cholestase nicht in den Darm ab, kommt es zu einer mangelnden Aufspaltung und Aufnahme von Fett und fettlöslichen Vitaminen aus der Nahrung. Der Stuhl wird daraufhin entfärbt und hell bzw. blass.

Der Juckreiz (Pruritus) am ganzen Körper wird durch die erhöhte Konzentration und Ablagerung von Gallensäuren im Blut und in der Haut verursacht. Hierbei werden bestimmte Gewebshormone aktiviert, die eine leichte Entzündungsreaktion in der Haut verursachen. Das Jucken führt zu einem vermehrten Kratzen und somit gegebenenfalls auch zu Hautschäden.

Je nach dem, welche Ursachen der Cholestase zugrunde liegen, können auch weitere Symptome hinzukommen. So können bei einer Cholestase unter anderem auch kolikartige Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Fieber auftreten.

Diagnose einer Cholestase (Gallenstauung)

Die Diagnose einer Cholestase erfolgt anhand der Symptome und des körperlichen Befunds sowie durch eine Laboruntersuchung des Bluts, eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie), eine ERCP und eine Cholangiographie. Auf Grundlage der Symptome bestimmt der Arzt, ob der Cholestase Ursachen innerhalb oder außerhalb der Leber zugrunde liegen. Die Blutuntersuchung im Labor zeigt, wie stark die Cholestase ausgeprägt ist. Hierfür werden die Leberwerte und der Bilirubinspiegel im Blut gemessen.

Weisen die Ergebnisse der Blutuntersuchung auf eine Cholestase hin, wird in der Regel eine Ultraschalluntersuchung zur weiteren Diagnostik und Ursachenabklärung durchgeführt. Hierbei können beispielsweise Erweiterungen der Gallenwege, wie sie bei Gallensteinen oder anderen Abflusshindernissen entstehen, sowie eine prall gefüllte Gallenblase nachgewiesen werden.

In Abhängigkeit von der Ursache der Cholestase können weitere bildgebende Untersuchungsmethoden angewandt werden. Die sogenannte Cholangiographie erlaubt zum Beispiel die röntgenologische Darstellung der Gallengänge unter Verwendung eines Kontrastmittels, während mithilfe der ERCP eine endoskopische Röntgenkontrastdarstellung der Gallenwege erfolgen kann.

Behandlung einer Cholestase (Gallenstauung)

Welche Therapiemethode bei einer Gallenstauung zum Einsatz kommt, hängt davon ab, ob es sich um eine intrahepatische (nicht-obstruktive) Cholestase oder eine extrahepatische (obstruktive) Cholestase handelt. Bei einer intrahepatischen Cholestase besteht die Therapie darin, den auslösenden Faktor, also die Grundkrankheit zu behandeln. Wurde die Cholestase beispielsweise durch eine Leberzirrhose verursacht, gilt es diese zu behandeln. Hier kann unter anderem eine Lebertransplantation in Erwägung gezogen werden. Liegen der Cholestase bestimmte Medikamente als Ursache zugrunde, müssen diese abgesetzt werden.

Bei einer extrahepatischen Cholestase ist es notwendig, die mechanischen Abflusshindernisse zu beseitigen. Dies geschieht in der Regel im Rahmen eines operativen Eingriffs, der entweder offen oder endoskopisch durchgeführt werden kann. Hierbei kann, je nach Ursache der extrahepatischen Cholestase, eine Steinextraktion, die Einlage eines Stents oder einer Gallenwegsendprothese im Gallengang oder eine Dilatation (Erweiterung) der Gallengänge erfolgen.

Unabhängig davon, ob die Cholestase auf Ursachen innerhalb oder außerhalb der Leber zurückzuführen ist, kommen noch weitere Therapiemethoden zum Einsatz, die eine Behandlung und Linderung der Beschwerden und Folgeerscheinungen einer Cholestase zum Ziel haben. Da eine langandauernde Cholestase etwa zu Vitaminmangelerscheinungen wie Vitamin-K-Mangel, Vitamin-D-Mangel und Kalziummangel führen kann, bieten sich beispielsweise diätische Maßnahmen und die Einnahme von Vitamin K und D sowie Kalzium an, um Knochenkrankheiten vorzubeugen. Gegen den für eine Cholestase typischen Juckreiz kann zudem Colestyramin eingenommen werden.