Bauchspeicheldrüsenentzündung - Medizinische Experten

Die Bauchspeicheldrüsenentzündung – auch Pankreatitis genannt – ist eine seltene, aber mitunter lebensbedrohliche Erkrankung, die typischerweise mit Symptomen wie heftigen Oberbauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen einhergeht. In Deutschland erkranken jedes Jahr 10 bis 20 Menschen pro 100.000 Einwohner an einer Bauchspeicheldrüsenentzündung. Je nach Verlauf der Erkrankung wird dabei zwischen einer akuten und einer chronischen Form der Bauchspeicheldrüsenentzündung unterschieden. Zu den häufigsten Auslösern einer Bauchspeicheldüsenentzündung gehören unter anderem Gallensteine, Alkoholmissbrauch, Medikamente und Virusinfektionen.

Weitere Informationen zur Bauchspeicheldrüsenentzündung finden Sie im Text weiter unten.

Übersicht

Empfohlene Spezialisten

Bauchspeicheldrüsenentzündung - Weitere Informationen

Definition: Was ist eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)?

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist ein quer im Oberbauch an der hinteren Bauchwand liegendes, rund 15 Zentimeter langes, 70 bis 100 Gramm schweres Drüsenorgan des Menschen, das Verdauungsenzyme und Hormone produziert. Zu den beiden wichtigsten Funktionen der Bauchspeicheldrüse gehört die Abgabe von für die Verdauung notwendigen Enzymen in den Zwölffingerdarm und die Abgabe der für die Steuerung des Blutzuckerspiegels notwendigen Hormone Insulin und Glukagon. Ist die Bauchspeicheldrüse entzündet, sprechen Mediziner von einer Pankreatitis bzw. einer Bauchspeicheldrüsenentzündung. Dabei handelt es sich um eine seltene, aber bedrohliche Erkrankung, die entweder akut, also plötzlich und einmalig, oder chronisch, also immer wieder und dauerhaft, auftreten kann.

Formen der Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)

Bei der Bauchspeicheldrüsenentzündung lassen sich prinzipiell zwei Verlaufsformen unterscheiden: die akute und die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung. Bei einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung handelt es sich um eine sehr schmerzhafte, einmalig und plötzlich einsetzende Entzündung der Bauchspeicheldrüse, die potenziell lebensbedrohlich ist und zahlreiche Komplikationen hervorrufen kann. Wird sie rechtzeitig behandelt kann sie aber ohne wesentliche Spätfolgen wieder ausheilen. Eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung tritt dagegen mehrmals und über einen längeren Zeitraum auf und hat oft eine nicht mehr umkehrbare Schädigung der Bauchspeicheldrüse zur Folge.

Bei der akuten Form der Bauchspeicheldrüsenentzündung unterscheiden Mediziner zudem je nach Ursache der Erkrankung zwischen einer infektiösen und einer nicht-infektiösen Pankreatitis. Mögliche Auslöser einer infektiösen Bauchspeicheldrüsenentzündung sind beispielsweise Viren. Nicht-infektiöse Ursachen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung, wie etwa Gallensteine, sind jedoch häufiger.

Häufigkeit der Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)

Bei der Bauchspeicheldrüsenentzündung handelt es sich um eine eher selten auftretende Erkrankung, deren Häufigkeit aber in den letzten Jahrzehnten weltweit gestiegen ist. An einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung erkranken in Deutschland und Mitteleuropa jedes Jahr zwischen 10 und 20 Menschen pro 100.000 Einwohner, wobei Frauen etwas häufiger betroffen sind als Männer. Die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung tritt dagegen mit einer Häufigkeit von etwa 8 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner etwas seltener auf und betrifft häufiger Männer als Frauen.

Ursachen für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)

Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung wird in über 80 Prozent der Fälle entweder durch unbemerkt gebliebene Gallensteine oder durch Alkoholmissbrauch verursacht. Weitere mögliche, aber weitaus seltenere Ursachen, die einer Bauchspeicheldrüsenentzündung zugrunde liegen können, sind unter anderem Medikamente, Virusinfektionen, Stoffwechselstörungen, erbliche Faktoren, Fehlbildungen der Pankreasgänge oder Schädigungen der Bauchspeicheldrüse durch Verletzungen oder Operationen. In einigen seltenen Fällen lässt sich keine Ursache festmachen; Mediziner sprechen dann von einer ideopathischen Bauchspeicheldrüsenentzündung.

Symptome einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)

Die Symptome einer Bauchspeicheldrüsenentzündung variieren je nachdem, ob es sich um eine akute oder eine chronische Form der Erkrankung handelt. So äußert sich eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung meist durch plötzlich auftretende, heftige gürtelförmige Oberbauchschmerzen, die bis in den Rücken oder Brustkorb ausstrahlen können, sowie durch Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Verstopfung und Fieber. Zusätzlich kann es zu einer eingeschränkten Darmtätigkeit bis hin zum Darmverschluss, einem Schock, niedrigem Blutdruck und Gelbsucht kommen. Die akute Bauchspeicheldrüsenentzündung kann unter Umständen lebensbedrohlich sein und bedarf einer schnellstmöglichen Behandlung im Krankenhaus.

Bei einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung treten typischerweise wiederholt Oberbauchschmerzen, die gürtelförmig in den Rücken ausstrahlen können, sowie Verdauungsprobleme nach dem Verzehr fettreicher Speisen, Fettstühle, Blähungen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen auf. Zudem kommt es zu einer Gewichtsabnahme. Etwa ein Drittel der Betroffenen entwickelt infolge der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung Diabetes mellitus, da die geschädigte Bauchspeicheldrüse nicht mehr in der Lage ist, das blutzuckerregulierende Hormon Insulin zu bilden.

Diagnose einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)

Zur Diagnose einer Bauchspeicheldrüsenentzündung wird der Arzt den Patienten zunächst im Rahmen eines Anamnesegesprächs zu seiner Krankengeschichte befragen und anschließend eine körperliche Untersuchung durchführen. Berichtet der Patient dabei von den für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung typischen Beschwerden und einem Gallensteinleiden oder übermäßigem Alkoholkonsum, liefert dies dem Arzt bereits die Verdachtsdiagnose einer Bauchspeicheldrüsenentzündung. Zur Bestätigung der Diagnose erfolgt daraufhin eine Blutuntersuchung, bei der unter anderem die Werte der Pankreasenzyme Lipase, Elastase und Amylase im Blut bestimmt werden.

Bildgebende Verfahren, die zur Diagnose einer Bauchspeicheldrüsenentzündung eingesetzt werden, sind unter anderem die Ultraschalluntersuchung (Sonographie), die Computertomographie (CT) und die Endoskopie. Bei einer Ultraschalluntersuchung kann der Arzt Anschwellungen, Verkalkungen oder krankhafte Flüssigkeitsansammlungen in der Bauchspeicheldrüse erkennen. Die Computertomographie zeigt dem Arzt das Ausmaß der Gewebezerstörung in der Bauchspeicheldrüse und eine mögliche Ausweitung der Entzündung auf Nachbarorgane. Eine spezielle endoskopische Untersuchung (ERCP) bietet sich an, wenn der Verdacht besteht, das Gallensteine die Bauchspeicheldrüsenentzündung verursacht haben.

Behandlung einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)

Eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung kann lebensbedrohlich sein; die Behandlung erfolgt daher stets im Krankenhaus – oft sogar auf der Intensivstation. Die Behandlung einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung besteht dabei zum einen in der Gabe von Schmerzmitteln, um die Beschwerden zu lindern. Zum anderen darf der Patient, solange er unter Schmerzen leidet und sich die Laborwerte nicht normalisiert haben, keine Nahrung zu sich nehmen, um die Produktion von Verdauungssäften in der Bauchspeicheldrüse so gering wie möglich zu halten. In dieser Zeit wird der Patient ersatzweise über Infusionen mit Flüssigkeit, Elektrolyten und Nährstoffen versorgt.

Sobald die Schmerzen verschwunden und die Laborwerte wieder normal sind, erfolgt ein langsamer Kostaufbau, bei dem der Patient nach und nach wieder leichte und fettarme Nahrung zu sich nehmen darf. Treten bei einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung Komplikationen auf, kann auch eine Operation notwendig werden. Zudem sollten die Ursachen der Bauchspeicheldrüsenentzündung, beispielsweise Gallensteine, entfernt bzw. behandelt werden.

Behandlung einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)

Ein akuter Schub bei einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung wird ähnlich wie eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung behandelt. Entwickelt sich aufgrund der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung ein Diabetes mellitus, wird zudem eine Insulin-Therapie notwendig. Langfristig gilt für Menschen mit einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung, dass sie den Konsum von Alkohol und Zigaretten dauerhaft unterlassen sollten.

Prognose bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)

Bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung handelt es sich zwar um eine schwere Erkrankung, die Prognose ist aber trotzdem meist gut. Insbesondere die akute Bauchspeicheldrüsenentzündung hat meist keine Komplikationen und Spätschäden zur Folge und heilt mit der richtigen Therapie in der Regel wieder vollständig ab. Es sind aber auch schwere Verläufe möglich. Die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung hat häufig eine nicht mehr umkehrbare Schädigung der Bauchspeicheldrüse zur Folge. Die Prognose hängt dann davon ab, inwieweit der Betroffene es schafft, auf den Auslöser der Erkrankung, meist Alkohol, zu verzichten.