Angina Pectoris - Medizinische Experten

Bei einer Angina pectoris handelt es sich um eines der häufigsten Symptome im Bereich der Kardiologie. Der Begriff „Angina pectoris“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt so viel wie „Enge in der Brust“. Somit treten bei der Angina pectoris Schmerzen mit Engegefühl in der Brust auf. Ursache ist bei vielen Patienten eine koronare Herzkrankheit.


Medizinischer Lektor Dr. Claus Puhlmann

Dieser Artikel wurde nach den Vorgaben aktueller medizinischer Fachliteratur, Leitlinien und wissenschaftlichen Standards verfasst und sorgfältig von Medizinern geprüft.

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Angina Pectoris - Weitere Informationen

Ursachen einer Angina Pectoris

Eine Angina pectoris (Brustenge) verursacht Schmerzen im Brustbereich. Von Betroffenen werden diese Beschwerden häufig als brennend, drückend, dumpf und einschnürend beschrieben. Diese Schmerzen lassen sich auf eine Minderversorgung des Herzmuskels mit sauerstoffreichem Blut zurückführen. Es ist bei einer Angina pectoris möglich, dass die Schmerzen bis in die Arme, den Unterkiefer oder den Oberbauch ausstrahlen. Die Beschwerden werden - je nach Schweregrad - durch körperliche oder emotionale Belastung oder auch durch Kälte ausgelöst. In Ruhe oder Entspannung bilden sich die Schmerzen vollständig zurück. Bei Frauen kommt es häufiger zu atypischen Beschwerden (Bauchschmerzen). Treten die Beschwerden nach einer kurzen Zeit der Besserung erneut auf, wird von einer "Walking-Through Angina".

Angina pectoris

Auslöser einer Angina pectoris ist in vielen Fällen eine koronare Herzkrankheit. Durch arteriosklerotische Ablagerungen kommt es zu Einengungen der Herzkranzgefäße. In der Folge können diese den Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff bzw. Blut versorgen. Weitere Auslöser einer Angina pectoris können sein:

  • Die Prinzmetal-Angina ist eine vorübergehende Durchblutungsstörung des Herzmuskels, die durch eine krampfartige Verengung der Herzkranzgefäße ausgelöst wird.
  • Das Kardiale Syndrom X ist eine Herzerkrankung, die vermutlich auf eine Störung der Mikrozirkulation (Blutkreislauf in den kleinsten Gefäßen) zurückzuführen ist.

Schmerzen in der Brustgegend können aber auch durch zahlreiche andere Herz-Kreislauf-, Lungen-, Magen-Darm-, Muskel-Skelett- und psychische Erkrankungen ausgelöst werden. So ist beispielsweise das Brustwandsyndrom (meist hervorgerufen durch Verspannungen der Burstkorbmuskulatur) in 43 bis 47 Prozent der Fälle Ursache des Brustschmerzes. Die chronische koronare Herzkrankheit ist dagegen nur für etwa zehn Prozent der Fälle verantwortlich. Im Rahmen der Diagnose wird der Arzt diese Differenzialdiagnosen berücksichtigen.

Was sind die Unterschiede zwischen einer instabilen und einer stabilen Angina pectoris?

Die Angina pectoris lässt sich nach der Art und Weise, wie der Schmerz ausgelöst wird und welchen Verlauf er nimmt, in eine stabile und in eine instabile Form unterteilen.

Stabile Angina pectoris

Mit dem Begriff „stabil“ ist gemeint, dass sich die Symptome stets unter denselben Umständen bemerkbar machen, der Krankheitsverlauf also konstant ist. Der Schweregrad der Angina pectoris wird dabei nicht durch die Heftigkeit des Schmerzes bestimmt, sondern durch die Art und Weise, wie die Schmerzen ausgelöst werden. Eine Angina pectoris, deren Symptome sich erst bei schweren körperlichen Belastungen bemerkbar machen, ist somit eine leichtere Erkrankungsform als eine Angina pectoris, die bereits im Ruhezustand oder bei leichten Belastungen auftritt. Die Brustschmerzen dauern meist zwischen wenigen bis etwa 15 Minuten an.

Gemäß der Kanadischen Herzgesellschaft (CSS) wird eine stabile Angina pectoris in vier Schweregrade eingeteilt:

  • Bei Grad 1 (CSS1) handelt es sich um eine sehr leichte Form. Hier verursacht eine Angina pectoris keine Beschwerden im alltäglichen Leben (Laufen, Treppensteigen), sondern macht sich nur bei plötzlicher oder längerer körperlicher Anstrengung bemerkbar.
  • Bei Grad 2 (CSS2) sind die Aktivitäten des täglichen Lebens krankheitsbedingt nur gering eingeschränkt. Die Symptome der Angina pectoris machen sich bei schnellem Laufen, beim Treppensteigen nach dem Essen, beim Spazierengehen bei Kälte oder Gegenwind oder psychischer Belastung bemerkbar.
  • Bei Grad 3 (CSS3) fallen dem Betroffenen Aktivitäten des täglichen Lebens deutlich schwerer. Die krankheitsbedingten Beschwerden treten bereits bei leichten körperlichen Belastungen auf, wie beim normalen Gehen oder beim Ankleiden. 
  • Grad 4 (CSS4) beschreibt eine sehr schwere Form der Erkrankung. In diesem Stadium treten selbst bei geringsten körperlichen Belastungen oder in Ruhe Beschwerden auf.

Instabile Angina pectoris

Der Begriff „instabil“ zeigt an, dass sich das Ausmaß der Symptome der Angina pectoris in ihrem bisher gewohnten Charakter verändert. Sollten die krankheitsbedingten Beschwerden also zunächst nur bei schweren Belastungen auftreten und machen sie sich nun bereits bei leichten Belastungen oder gar in Ruhe bemerkbar, wird dieser Wechsel als instabile Angina bezeichnet. 

Bei einer instabilen Angina Pectoris nehmen die Brustschmerzen also zu, werden stärker oder häufiger oder bestehen bereits ohne körperliche Belastung, nachdem sie vorher nur bei Belastung auftraten.

Wie erfolgt die Diagnose einer Angina pectoris?

Die Diagnose kann nur von einem Arzt, in der Regel einem Facharzt für Kardiologie, gestellt werden. Dieser wird sich zunächst nach den Beschwerden des Patienten erkundigen und wann diese typischerweise auftreten. Unter Umständen lässt sich hierdurch bereits ein Auslöser für das Auftreten der Beschwerden erkennen. Darüber hinaus ist es für den Arzt wichtig zu wissen, ob eine Besserung der Symptome eintritt, wenn der Patient ein Nitrospray einnimmt. Somit ist es dem Arzt möglich, zu erkennen, ob die vom Patienten geschilderten Beschwerden tatsächlich mit einer herzbedingten Erkrankung zusammenhängen.

Im Rahmen der körperlichen Untersuchung wird der Arzt das Herz des Patienten abhören. Auch eine Blutdruckmessung ist in diesem Fall angeraten, um einen eventuellen Bluthochdruck diagnostizieren zu können. Dieser erhöht das Risiko für eine Arterienverkalkung und schädigt die Gefäßwand von innen.

Durch ein Elektrokardiogramm (EKG) in Ruhe und unter Belastung lassen sich die Aktivitäten des Herzmuskels in Form einer Herzspannungskurve darstellen. Bei mehr als der Hälfte der Patienten, die unter einer Angina pectoris leiden, ist allerdings das Ruhe-EKG normal. Das Belastungs-EKG ist dagegen etwas aussagekräftiger. Sollte der Arzt Herzrhythmusstörungen vermuten, wird er dem Patienten zudem ein Langzeit-EKG anlegen, das vom Patienten 24 Stunden lang getragen werden muss.

Bei einer Echokardiographie, manchmal durchgeführt unter körperlicher, häufiger unter medikamentöser Belastung (Stress-Echokardiographie), kann der Arzt Veränderungen am Herzen mithilfe von Ultraschall feststellen. Zudem erlaubt diese Untersuchung, die Funktionsfähigkeit und den Zustand der Herzklappen und der Herzkammern zu beurteilen. Diese Untersuchungsmethode lässt sich schnell und schonend für den Patienten durchführen und zählt zu den Standarduntersuchungsmöglichkeiten bei einer Angina pectoris.

Standardverfahren zur Darstellung der Durchblutungssituation des Herzmuskels ist die Myokard-Perfusions-SPECT. Damit erhält der Arzt Informationen zur Durchblutung, Vitalität und Funktion des Herzmuskels. Ziel dieses und weiterer bildgebender Verfahren, wie der Kontrastmittel-verstärkten Computertomographie (CT) oder einer speziellen Art der Magnetresonanztomographie (Stress-MRT), ist es, die Bereiche des Herzmuskels identifizieren, die nicht richtig durchblutet werden, oder die verengten oder verschlossenen Gefäße darzustellen.

Über eine Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiographie) kann eine koronare Herzerkrankung definitiv nachgewiesen oder ausgeschlossen werden. Dabei wird ein Katheter über das Gefäßsystem bis in die Herzkranzgefäße vorgeschoben und die Verengungen in den Gefäßen beurteilt.

Was tun, wenn man an einem plötzlichen Engegefühl in der Brust leidet?

Bei einer instabilen Angina pectoris handelt es sich um einen akuten Notfall, da hier ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt besteht. Sollte der Patient also zum ersten Mal unter einem Engegefühl in der Brust leiden oder sich die Beschwerden durch Nitropräparate oder Ruhe nicht bessern lassen, ist sofort ein Notarzt zu rufen.

Bei einem akuten Anfall von Angina pectoris stehen Medikamente zur Behandlung zur Verfügung. Diese so genannten Nitropräparate werden in Form von Sprays oder Kapseln eingenommen. Durch diese Nitrate erweitern sich die Gefäße, was zu einer Entlastung des Herzens führt. Im Falle eines Notfalls können auch gerinnungshemmende Präparate (ASS und Heparin) und gegebenenfalls Betablocker verabreicht werden.

Unabhängig vom akuten Notfall besteht die Behandlung der Angina pectoris darin,

  • die Symptome zu lindern und
  • erneuten Beschwerden oder lebensbedrohlichen Komplikationen vorzubeugen.

Hierfür stehen verschiedene blutverdünnende (beziehungsweise blutgerinnungshemmende), gefäßerweiternde und blutdrucksenkende Medikamente zur Verfügung, wie zum Beispiel ASS und Heparin (zur Blutgerinnungshemmung), Nitrate und Kalziumantagonisten (zur Gefäßerweiterung) sowie Betablocker und ACE-Hemmer (zur Blutdrucksenkung). Statine oder andere Lipidsenker (Ezetimib, PCSK9-Hemmer) reduzieren die Blutfettwerte und damit das Risiko einer zunehmenden Gefäßverengung.

Um die Beschwerden dauerhaft zu lindern, gilt es, die Grunderkrankung, oft also die koronare Herzkrankheit, zu behandeln. Dabei steht - neben der genannten medikamentösen Behandlung - die Wiedereröffnung der verengten oder verschlossenen Gefäße im Vordergrund, sodass wieder eine ausreichende Menge Blut durch die Gefäße fließen kann (so genannte Revaskularisation). Je nach Zustand in den Herzkranzgefäßen und etwaigen Begleiterkrankungen des Patienten stehen dem Gefäßspezialisten verschiedene Methoden zur Verfügung:

  • Erweiterung des Gefäßes über eine Ballondilatation
  • Implantation eines Stents, um das Gefäß offen zu halten
  • Umgehen der verengten oder verschlossenen Stelle mittels Bypassoperation

Aber auch Änderungen im Lebensstil können helfen, das Risiko für Komplikationen bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit zu verringern. Dazu gehören beispielsweise:

  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht
  • Ernährungsumstellung wie zum Beispiel reduzierter Salzkonsum, mehr Gemüse, Obst und Ballaststoffe, zweimal Fisch pro Woche, keine zuckergesüßten Getränkte, Meiden von gesättigten Fettsäuren
  • Körperliche Aktivität beziehungsweise körperliche Trainingsprogramme
  • Alkoholkonsum auf maximal zehn Gramm (Frauen) beziehungsweise 20 Gramm (Männer) pro Tag beschränken
  • Verzicht auf aktives und passives Rauchen

Quellen

  • Bundesärztekammer et al. (2019) Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische KHK, Langfassung. AWMF-Register-Nr.: nvl-004
  • Kurz T (2015) Leitsymptom: Thoraxschmerz. In: Lehnert H. (eds) DGIM Innere Medizin. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg
  • Schulz E, Münzel T (2015) Akutes Koronarsyndrom (außer STEMI). In: Lehnert H. et al. (eds) DGIM Innere Medizin. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg
  • Sibbing D, Massberg S (2015) Stabile koronare Herzerkrankung. In: Lehnert H. et al. (eds) SpringerReference Innere Medizin. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg