Die Venen und typische Venenkrankheiten

Venen und Arterien bilden gemeinsam den Blutkreislauf. Durch diese Adern pulsieren am Tag bis zu 7.000 Liter Blut. Das Herz pumpt mit hohem Druck sauerstoffreiches, arterielles Blut durch das System. Der Rücktransport über die Venen geschieht in der Hauptsache mechanisch durch Bewegung von Gelenken und Muskeln. Hier erfahren Sie, wie das Venensystem arbeitet, welchen Belastungen es ausgesetzt ist und wann es wichtig ist, ärztlichen Rat einzuholen.

Übersicht

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Was ist das Venensystem des menschlichen Körpers?

Venen transportieren das Blut zurück zum Herzen. Dabei passiert es die Leber, um Schadstoffe herauszufiltern. Erst dann erreicht es das Herz und von dort aus die Lunge, um schließlich als arterielles Blut erneut den Körper zu durchströmen. Dieser kleine Kreislauf zwischen Lunge und Herz wird auch Lungenkreislauf genannt.
Aus Körperbereichen, die unterhalb des Herzens liegen, kann das Blut nur entgegen der Schwerkraft aufsteigen. Probleme bereiten daher am ehesten die Beinvenen, weil das Blut von hier aus den weitesten Weg zum Herzen zurücklegt.

Blutgefäße
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Wo verlaufen die Venen?

Venen verlaufen zum Teil tief in den Muskeln, weshalb die Medizin von dem tiefen Venensystem spricht. Arme und Beine weisen zusätzlich oberflächliche Venen auf, die dicht unter der Haut liegen. Diese Gefäße sammeln das Blut aus den peripheren Bereichen und transportieren es zur tiefen Bein- oder Armvene.
Das Venensystem ist in vier Körperregionen eingeteilt:

  • Kopfvenen mit innerer und äußerer Drosselvene (V. jugularis interna und externa)
  • Armvenen: Ellenvenen (Vv. ulnares), Speichenvenen (Vv. radiales), große Oberarmvene (V. Brachialis), Achselvene (V. axillaris), Schlüsselbeinvene (V. subclavia)
  • Bauchvenen mit Pfortader (V. portae) und unterer Hohlvene (V. cava inferior), die in den rechten Herzvorhof führt.
  • Beinvenen mit dem tiefen und oberflächlichen Beinvenensystem und den Perforansvenen als Verbindung

Fragile Struktur der Venen

Die Gefäßwände der Venen sind dreischichtig aufgebaut, wobei sich die großen Venen die äußere Schicht (Tunika externa) mit den benachbarten Arterien teilt. Im Vergleich zu diesen sind Venen dünnwandiger und weniger elastisch. Diese Eigenschaften machen sie anfällig für Venenschwäche.

Arterien und Venen
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Die Gelenk- und Muskelpumpe

Der Rücktransport des Bluts erfolgt entgegen der Schwerkraft. Durch das Heben und Senken des Brustkorbs beim Atmen entsteht ein minimaler Unterdruck in der Herzkammer, der das Blut aus den Venen saugt. Dieser Effekt ist jedoch nicht stark genug, um den Blutaustausch bis in die peripheren Gefäße zu gewährleisten. Deshalb übernehmen Muskelkontraktionen diese Aufgabe.

Das als Muskelpumpe bezeichnete Zusammenziehen der Muskulatur übt Druck auf die Venen aus und presst das Blut aus den Blutgefäßen. Ein vergleichbarer Effekt entsteht durch die Bewegung des Sprunggelenks. Eine Art Schleusensystem verhindert den Rückstrom, wenn der Druck nachlässt. Venenklappen stoppen den venösen Rückfluss in die unteren Bereiche des Körpers. Sie öffnen sich dem von unten hochdrückenden Blut, verschließen sich aber, wenn das Blut von oben nach unten drängt.

Vorbeugen und Folgeschäden vermeiden

Regelmäßige Bewegung ist für die Venen unerlässlich. So können Sie zum Beispiel auf Langstreckenflügen die Zehen nach oben ziehen und wieder senken, um die Wadenmuskulatur anzuspannen. Auf langen Autofahrten vertreten Sie sich bei einer Rast die Beine und im Büro nutzen Sie die Pause für einen kurzen Spaziergang.

Joggende Frau
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Alle Ausdauersportarten wie Walking oder Radfahren unterstützen die Muskelpumpe beim Abtransport des venösen Bluts. Spezielle Venengymnastik oder das Tragen von Kompressionsstrümpfen ist für diejenigen Personen ratsam, die unter bekannter Venenschwäche leiden oder in deren Familie es Hinweise auf Krampfaderbildung gibt.

Helfen Sie Ihren Venen!

Fehlt diese Bewegung über lange Zeit, kommt es zu Verformungen der Vene. Die Venenklappen schließen nur noch teilweise und es treten Beschwerden auf. Der Venenabschnitt weitet sich und das Gefäß kann von außen unter der Haut geschlängelt sichtbar werden. Das in der Vene gestaute Blut gibt Wasser in das umgebende Gewebe ab und die Gliedmaßen schwellen an. Durch den Flüssigkeitsverlust verdickt das venöse Blut und es kann zur Bildung von Gefäßverschlüssen (Thrombosen) kommen.

Medical compression hosiery
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Auf körpereigene Warnungen reagieren

Besenreiser und Krampfadern an den Beinen sind typische Symptome erkrankter Venen und weit verbreitet in der Bevölkerung. In seltenen Fällen arbeiten die Venenklappen nicht ordnungsgemäß. Hier kann ein genetisch bedingter Effekt vorliegen. Wasserbildung und „schwere Beine“ sind erste Anzeichen einer Störung im Venensystem, die Sie durch Bewegung und das Hochlagern der Füße lindern.

Ungesundes Verhalten wie Rauchen führt zu Ablagerungen in den Venen und stört den Blutfluss unnötig. Alkoholkonsum, Übergewicht und das Tragen hochhackiger Schuhe schaden den Venen ebenfalls. Allerdings kann es auch im Alter oder in der Schwangerschaft zu Venenerkrankungen kommen

Wie groß ist das Risiko für Venenschwäche?

Venenerkrankungen sind weit verbreitet in der Bevölkerung. Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie leidet jede 5. Frau und jeder 6. Mann an einer Venenerkrankung (Quelle: Bonner Venenstudie). Bewegungsmangel, Übergewicht und familiäre Vorbelastung spielen bei der Entstehung eine wichtige Rolle.

Typische Venenerkrankungen

Sowohl die tiefen als auch die oberflächlichen Venen sind gefährdet zu erkranken. Manche Symptome kann sogar der medizinische Laie erkennen.

Am oberflächlichen Venensystem:

  • Besenreiser
  • Krampfadern
An der tiefen Beinvene:
  • Defekt der Venenklappen
Am Bein:
  • Bildung von Ödemen
  • Hautveränderungen
  • Geschwür am Unterschenkel
  • offenes Bein

Erste Anzeichen für ein Venenleiden ernst nehmen

Viele ignorieren erste Symptome einer Venenerkrankung. Dennoch sind sie Vorboten einer sich kontinuierlich verschlechternden Venenfunktion. Je früher die Betroffenen mit Maßnahmen beginnen, desto besser sind die Aussichten auf Erfolg. Venenschwäche ist keine Erkrankung des Alters, sondern kann schon in jungen Jahren auftreten. Sie äußert sich zunächst durch schwere und geschwollene Beine. Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie Beschwerden an den Beinen feststellen. Untersuchungen der tiefen Beinvene kann nur ein Facharzt vornehmen.

Gängige Verfahren beim ärztlichen Venen-Check

Für die Diagnose eines Venenleidens zieht der Facharzt die Schilderungen der Symptome heran, nimmt das Untersuchungsgebiet in Augenschein und erkundet die Krankengeschichte auch im Hinblick auf familiäre Vorerkrankungen in der Familie im Zusammenhang mit Gefäßerkrankungen.

Besenreiser
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Mit der Licht-Reflexions-Rheografie (LRR-Messung) unternimmt der Arzt einen Venencheck im Sitzen. Der Patient wippt mit dem Fuß, um die Muskelpumpe zu betätigen und Messsonden oberhalb des Knöchels erfassen die Zeit, bis sich die Vene wieder mit Blut füllt.

Um tiefer in das betroffene Gebiet zu schauen, setzt er das Dopplerverfahren ein. Der Venendoppler (Duplexsonografie) bildet mithilfe von Ultraschall das Geschehen in den Venen bildhaft und akustisch ab. Der Arzt erkennt eventuelle Thrombosen, die Stärke der Venenwand und den Zustand der Venenklappen. Hochwertige Geräte stellen zusätzlich die Fließrichtung des Bluts farbig dar.

Andere Diagnoseverfahren

  • Phlebografie: Diagnose durch Röntgen. 
  • Photoplethysmografie: Untersuchung mit Infrarotlicht. Gut geeignet, um die Erfolgschancen einer Operation mit Venenstripping zu simulieren. 
  • Venenverschlussplethysmografie: fehleranfälliges Verfahren zur Bestimmung der Leistungsfähigkeit des Venensystems. 
  • Phlebodynamometrie: Venenpunktion, die ebenso zuverlässige Ergebnisse hervorbringt wie der Doppler-Ultraschall. 

Das Venensystems kennen und pflegen

Venenschwäche ist weit verbreitet, doch kein unabwendbares Schicksal. Früh diagnostiziert ist die Erkrankung gut zu therapieren. Das Tragen von Stütz- oder Kompressionsstrümpfen entlasten das Venensystem, doch Bewegung ist das A und O. Nehmen Sie erste Beschwerden ernst und suchen Sie bei anhaltenden Symptomen einen Arzt auf. Die Untersuchung der Venenfunktion mit dem Venendoppler ist risikoarm und schmerzlos.