Malignes Pleuramesotheliom - Medizinische Experten

Als Pleuramesotheliom wird von Medizinern eine bösartige (maligne) Krebserkrankung des Brustfells (Pleura) bezeichnet. Das Brustfell kann ähnlich wie das Futter eines Mantels in zwei Lagen unterteilt werden:

  • das die beiden Lungenflügel umhüllende Lungenfell (Pleura visceralis) und
  • das sich an Rippen, Zwerchfell und Mediastinum (Mittelfellraum) anschmiegende Rippenfell (Pleura parietalis)
Das Brustfell ist mit einem Flüssigkeitsfilm überzogen. Dieser sorgt beim Atmen für eine reibungslose Bewegung der Lungenflügel in der Brusthöhle. Entarten bestimmte Zellen des Brustfells, die sogenannten mesothelialen Zellen, kann sich ein Pleuramesotheliom entwickeln. Zu einer Entartung der Brustfellzellen kommt es vor allem durch den Kontakt mit Asbest (Asbestexposition). So tritt ein (malignes) Pleuramesotheliom bei Personen, die beruflich Asbestkontakt hatten, etwa tausendmal häufiger auf als beim Rest der Bevölkerung.

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Häufigkeit eines (malignen) Pleuramesothelioms

Das Pleuramesotheliom ist insgesamt selten. In Deutschland erkranken jährlich etwa 1600 Menschen neu. Männer sind dabei durchschnittlich viermal häufiger betroffen als Frauen. Aufgrund der langen Latenzzeit zwischen Asbestexposition und Manifestation der Krebserkrankung, also der Zeit zwischen dem Asbestkontakt und dem Ausbruch der Krankheit, von 30 bis 50 Jahren sind die meisten Betroffenen bereits jenseits des 60. Lebensjahres.

Die Symptome eines (malignen) Pleuramesothelioms

Das klinische Bild ist zu Beginn sehr unspezifisch, weshalb zwischen dem Auftreten der ersten Beschwerden und der Diagnosestellung oftmals drei bis sechs Monate vergehen. Ein Pleuramesotheliom zeigt sich typischerweise anhand der folgenden Symptome:
  • Atemnot, insbesondere unter Belastung (ca. 90 Prozent der Fälle)
  • Husten beziehungsweise trockener Reizhusten
  • dumpfe, schlecht zu verortende Brustschmerzen
  • Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Gewichtsabnahme (ca. 15 Prozent der Fälle)

Zudem treten bei etwa 30 Prozent der Betroffenen wiederholt sogenannte Pleuraergüsse (Flüssigkeitsansammlungen in der Pleura) auf, die nur schlecht behandelt werden können. Im fortgeschrittenen Stadium kommen nicht selten Bluthusten (Hämoptyse), Schluckbeschwerden (Dysphagie), Heiserkeit und das sogenannte Hornersyndrom hinzu.

Das Hornersyndrom beschreibt eine Nervenschädigung, die durch die drei Symptome herabhängendes Lid, deutliche Verengung der Pupille sowie einen in die Augenhöhle eingesunkenen Augapfel gekennzeichnet ist.

Diagnose eines (malignen) Pleuramesothelioms

Bei der Diagnose spielen vor allem die Berufsanamnese und der Nachweis der Asbestexposition eine entscheidende Rolle. Im Rahmen der körperlichen Untersuchung zeigen sich zumeist ein abgeschwächtes Atemgeräusch sowie ein gedämpfter Klopfschall beim Abklopfen der Lunge mit den Fingern. Im fortgeschrittenen Stadium können zudem
  • eine schmerzbedingte Schonhaltung,
  • ertastbare Geschwulstmassen,
  • eine asymmetrische Brusthöhle (Thorax),
  • eingeschränkte oder fehlende Bewegungen der Brusthöhle während des Ein- und Ausatmens sowie
  • eine Vergrößerung der Lymphknoten im Bereich des Schlüsselbeins
feststellbar sein. Daneben kommen verschiedene bildgebende sowie andere Diagnoseverfahren zur besseren Beurteilung des Krebsgeschwulstes zum Einsatz:
  • Röntgen-Thorax: Ein konventionelles Röntgenbild zeigt zum einen, ob ein Pleuraerguss vorliegt und ob das Geschwulst diffus oder knotig (nodulär) ist. Letzteres ist für die Prognose bedeutend, da diffuse Geschwulste eher zu Absiedelungen in andere Organe (Metastasierung) neigen.
  • Computertomographie/Magnetresonanztomographie: Insbesondere eine Thorax-Computertomographie dient der besseren Beurteilung des Geschwulstes und seiner Ausdehnung. Bei unklaren Befunden kann zusätzlich eine Magnetresonanztomographie durchgeführt werden.
Pleuramesotheliom CT cor
  • Ultraschall (Sonographie): Durch eine sogenannte Pleurasonographie können selbst kleine Pleuraergüsse sichtbar gemacht werden. Durch eine Ultraschalldarstellung lassen sich zudem die Ausdehnung des Krebsgeschwulstes sowie dessen Invasion in angrenzende Brustwandstrukturen wie das Zwerchfell oder das Abdomen prüfen.
  • Pleurapunktion: Durch eine Pleurapunktion wird Zellmaterial aus einem Pleuraerguss gewonnen, das anschließend auf das Vorhandensein von Krebszellen geprüft wird.
  • Thorakoskopie: Während einer Thorakoskopie wird eine Materialprobe entnommen. Da die Untersuchung unter Sicht stattfindet, können gezielt verdächtige Herde entnommen und untersucht werden.

(Malignes) Pleuramesotheliom: multimodaler Therapieansatz

Die operative Entfernung des Geschwulstes im Rahmen einer sogenannten radikalen Operation stellt die einzige kurative Behandlungsmaßnahme dar. Dabei werden Pleura und die Lunge als Ganzes (extrapleurale Pleuropneumektomie) entnommen. Gegebenenfalls müssen neben Pleura und Lunge auch der Herzbeutel und das Zwerchfell entfernt werden (P3D-Operation). Darüber hinaus kommt in aller Regel bereits während oder nach der Operation eine Kombination aus Chemotherapeutika (u. a. Carboplatin und Paclitaxel; Cisplatin und Permetrexed) zum Einsatz. Diese können insbesondere kombiniert die Lebensqualität und Überlebensrate verbessern.

Zusätzlich erfolgt zur lokalen Kontrolle des Geschwulstes die Bestrahlung der betroffenen Brusthöhlenhälfte und des bindegewebigen Raums in der Mitte der Brusthöhle (Mediastinum). Als mögliche neue Therapieverfahren werden zurzeit gentherapeutische Ansätze, die fotodynamische Therapie, Immuntherapie sowie der Einsatz von sogenannten VEGF-Hemmern im Rahmen klinischer Studien getestet.

Die Palliativbehandlung

Bei den meisten Betroffenen ist das Krebsgeschwür nicht operierbar (inoperabler Tumor), weshalb diese lediglich palliativ und symptomatisch behandelt werden können. Bei gravierenden Beschwerden kann in Einzelfällen eine Chemotherapie angebracht sein. So können durch chemotherapeutische Maßnahmen laut Studien in 79 Prozent der Fälle Schmerzen, in 67 Prozent der Fälle Husten und in 54 Prozent der Fälle Atembeschwerden reduziert werden.

Vor dem Einsatz von Chemotherapeutika wägt der Arzt in jedem Fall Nutzen und mögliche Nebenwirkungen unter Berücksichtigung

  • des Alters und Allgemeinzustands,
  • zusätzlicher Begleiterkrankungen,
  • der vorliegenden Symptomatik und
  • der Geschwulstentwicklung

ab. Auch eine lokale Bestrahlung oder teilweise Entfernung der Pleura kann zur Schmerzbekämpfung und Verbesserung von Atembeschwerden durchgeführt werden. Bei wiederholt auftretenden Ergüssen kann zudem eine sogenannte Pleurodese sinnvoll sein. Bei dieser werden die Pleurablätter verklebt, indem der Arzt Talkumpuder in das Brustfell einbringt.

Betroffene im Endstadium der Krebserkrankung profitieren in einigen Fällen von einer dauerhaften Ableitung der Ergussflüssigkeit über eine Drainage.

Pleuramesotheliom: Prognose und Heilungsverlauf

Die Prognose ist bei einem vorliegenden Pleuramesotheliom äußerst ungünstig. Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt zwischen fünf und zehn Prozent. Die durchschnittliche Überlebensdauer beträgt etwa ein Jahr nach Diagnosestellung. Dabei versterben die meisten Betroffenen infolge einer Lungenschwäche (respiratorische Insuffizienz). Grund für diese negative Prognose ist vor allem die zumeist späte Diagnosestellung, weshalb bei beruflich belasteten Personen Früherkennungsuntersuchungen durchgeführt werden sollten.