PICSI - Reproduktionsmedizin auf höchstem Niveau

Wenn Sie sich sehnlichst Nachwuchs wünschen, müssen Sie nicht ungewollt kinderlos bleiben. Dank der Physiologischen Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (PICSI) können Sie sich den Traum von einem Baby doch noch erfüllen, wenn es auf dem natürlichen Weg nicht klappt.


Medizinische Fachlektorin: PD Dr. med. Melanie Henes

Dieser Artikel wurde nach den Vorgaben aktueller medizinischer Fachliteratur, Leitlinien und wissenschaftlichen Standards verfasst und sorgfältig von Medizinern geprüft.

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PICSI - Weitere Informationen

Auch wenn Paare sich für ein Baby entscheiden, ist es manchmal gar nicht so einfach, schwanger zu werden. Manchmal sind Stress oder Hormonschwankungen für den unerfüllten Kinderwunsch mitverantwortlich. Sobald körperliche Probleme dahinterstecken, kann eine künstliche Befruchtung sinnvoll sein. PICSI, auch Physiologische Intrazytoplasmatische Spermieninjektion genannt, ist ein modernes Verfahren zur Selektion von Spermien, die ein bestimmtes Reifestadium erreicht haben. Hierdurch soll die Aneuploidierate (= fehlerhafte Chromosomenanzahl) und damit die Abortrate minimiert werden.

Künstliche Befruchtung mit PICSI: Wie funktioniert diese Methode?

Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, kann es auch an der Qualität der Samenzellen liegen. Die Form und die Beweglichkeit der Spermien sind bei der Auswahl ebenso wichtig wie der Reifezustand.

Die Physiologische Intrazytoplasmatische Spermieninjektion ist eine Erweiterung der Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI), bei der die Spermien unter dem Mikroskop direkt in die Eizellen injiziert werden.

Im Gegensatz zum herkömmlichen ICSI-Verfahren, werden bei der PICSI spezielle, hyaluronanbeschichtete Schalen verwendet, an denen nur reife Spermien binden können, da nur diese einen sogenannten Hyaluronanrezeptor am Spermienkopf besitzen. Hier haben sich Wissenschaftler die Tatsache zum Nutzen gemacht, dass das Hyaluronan auch eine wesentliche Komponente der Hülle ist, die die Eizelle umgibt (Zona Pellucida). Unter natürlichen Umständen können deshalb nur reife Spermien, im Eileiter der Frau, mit ihrem Hyaluronanrezeptor an das Hyaluronan der Eizellhülle binden und schließlich zur Eizelle durchdringen.

Künstliche Befruchtung
Künstliche Befruchtung unter dem Mikroskop © koya979 / Fotolia


Wie läuft die künstliche Befruchtung ab?

Grundsätzlich gibt es mehrere Methoden der künstlichen Befruchtung. Die verschiedenen Verfahren unterscheiden sich in der Art und Weise, wie und wo Samen- und Eizellen aufeinander treffen: im „Reagenzglas“ oder im menschlichen Körper. Bei der künstlichen Befruchtung außerhalb des Körpers kann nach der Eizellentnahme entweder eine natürliche Verschmelzung von Spermium und Eizelle in einer Schale erfolgen, oder das Spermium wird mittels Mikromanipulation direkt in das Zytoplasma der Eizelle injiziert. Bei einer sogenannten Insemination hingegen, werden die aufbereiteten Spermien in den Uterus der Frau inseminiert und die Verschmelzung der Spermien mit der Eizelle erfolgt auf natürlichem Weg im Eileiter der Frau.

Viele Paare lassen einige der befruchteten Eizellen einfrieren (Kryokonservierung) falls es nicht beim ersten Mal mit einer Schwangerschaft klappt oder ein weiterer Kinderwunsch besteht. Die bei der künstlichen Befruchtung angewendete Hormontherapie ermöglicht das Heranreifen mehrerer Follikel in einem Zyklus und einen kontrollierten Eisprung.

Zu den Erfolg versprechenden Medikamenten zählen:

  • das Follikelstimulierende Hormon (FSH)
  • das Humane Menopausengonadotropin (HMG)

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen meist einen Teil der Kosten, wobei die Voruntersuchungen gewöhnlich zu 100 Prozent bezahlt werden. Die gesetzlichen Krankenkassen bezuschussen jedes Verfahren, wobei Paare einen Eigenanteil leisten müssen. Wie hoch die Kosten sind, hängt von der Therapie und der Anzahl der künstlichen Befruchtungen ab.

PICSI, ICSI & IMSI: Was ist der Unterschied?

Bei eingeschränkter Spermienqualität und/oder Spermienkonzentration wird das ICSI-Verfahren angewendet. Hierbei wird ein Spermium mittels Mikromanipulation direkt in die Eizelle injiziert. Die IMSI (Intrazytoplasmatische morphologisch selektierte Spermieninjektion) ist eine Erweiterung der ICSI, bei der die Spermien unter Anwendung eines hochauflösenden Mikroskops selektiert werden. Durch die starke Vergrößerung können gezielt normal geformte Spermien ohne Vakuolen (flüssigkeitsgefüllter Hohlraum) für die Injektion ausgewählt werden.

Die PICSI (Physiologische Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) ist eine andere Erweiterung der ICSI, bei der durch die Verwendung hyaluronanbeschichteter Platten gezielt reife Spermien selektiert werden und so die Gefahr minimiert werden soll, Spermien mit fehlerhafter Chromosomenanzahl zu verwenden.

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Kryokonservierung: Wenn es beim ersten Mal nicht klappt

Da eine Schwangerschaft nicht immer beim ersten Versuch der künstlichen Befruchtung erzielt werden kann, oder ein zweites Kind nach erfolgreicher Therapie gewünscht wird, besteht die Möglichkeit überzählige, befruchtete Eizellen einfrieren zu lassen. So können Sie sich eine weitere Stimulation und Eizellentnahme (Follikelpunktion) ggf. ersparen.  Diese Methode wird als  Kryokonservierung bezeichnet.

Sie eignet sich nicht nur für Paare, die ungewollt kinderlos sind, sondern auch für junge Frauen, die sich aus persönlichen Gründen für eine Schwangerschaft zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden. In diesem Fall spricht man vom „Social Freezing“- Hier werden unbefruchtete Eizellen kryokonserviert und für einen späteren Kinderwunsch „aufbewahrt“.  Auch ist die Kryokonservierung für Männer geeignet, die sich z.B. einer keimzellschädigenden Therapie (wie z.B. Chemotherapie) unterziehen müssen oder sich zur Sicherheit eine „Reserve“ anlegen möchten, wenn sie sich für eine Sterilisation entscheiden.

Zuletzt aktualisiert am 10.09.2019