Assisted Hatching - Medizinische Experten

Assisted Hatching ist ein Verfahren, das den Embryo beim Durchbrechen der schützenden Eihülle unterstützt. Es stellt somit eine Art Schlüpfhilfe für den Embryo. Das moderne Verfahren wird im Rahmen der künstlichen Befruchtung angewandt – ob bei In-vitro-Fertilisation (IVF) oder Insemination durch ICSI (intracytoplasmatische Spermieninjektion).

Weitere Informationen zum Assisted Hatching finden Sie im Text weiter unten.

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Assisted Hatching - Weitere Informationen

Was ist Assisted Hatching?

Nicht immer verläuft eine künstliche Befruchtung erfolgreich – auch wenn die Eizelle erfolgreich befruchtet wurde. Dies liegt mitunter daran, dass sich der entstandene Embryo nicht aus seiner anfänglichen Schutzhülle zu befreien vermag. Nur dann kann er sich in die Gebärmutterschleimhaut einnisten. Das jedoch ist Voraussetzung für eine Schwangerschaft. Das Assisted Hatching bezeichnet ein Verfahren, das den Embryo beim Durchbrechen der schützenden Eihülle unterstützt. Es ist also eine Art Schlüpfhilfe für den Embryo.

Von der Eizelle bis zum Schlüpfen des Embryos

In der ersten Phase seiner Entwicklung ist der Embryo von einer flexiblen, aber stabilen Gewebehülle umgeben, die Mediziner als Zona pellucida (lateinisch für Glashaut) bezeichnen. Die elastische Haut baut sich direkt nach der Befruchtung auf und fungiert als Barriere. Sie verhindert, dass weitere Spermien in die Eizelle eindringen, und schützt den entstehenden Embryo vor äußeren Einflüssen.

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Menschliche Eizelle mit der  sie als weißer Gürtel umgebenden Zona pellucida; von Henry Vandyke Carter - Henry Gray (1918) Anatomy of the Human Body (See "Buch" section below) Bartleby.com: Gray's Anatomy, Tafel 3, Gemeinfrei, Link

Direkt nach dem Befruchtungsprozess beginnt sich die Eizelle zu teilen. In den ersten Tagen entstehen aus einer Zelle acht Zellen, die durch die Hülle zusammengehalten werden. Fünf Tage nach der Befruchtung folgt die nächste Entwicklungsstufe – das Blastozystenstadium. In dieser Phase bildet sich im Inneren des Embryos ein mit Flüssigkeit gefüllter Hohlraum. Nun wird es dem Embryo in seiner Hülle zu eng und er befreit sich von der schützenden Glashaut.

Mitunter weist die Eihülle jedoch Veränderungen auf oder ist so dick, dass der wachsende Embryo sie nur schwer durchbrechen kann. Ähnlich wie ein Küken, das Probleme hat, sich aus der Eierschale zu befreien. Hier beginnt das Problem. Denn, ohne aus der Hülle zu schlüpfen, kann sich der Embryo nicht in die Gebärmutterschleimhaut einnisten. In der Folge stirbt der Embryo ab.

Das geschieht beim Assisted Hatching

Es gibt verschiedene Techniken, die den Embryo beim Verlassen der Eihülle unterstützen:

  • Die Lasertechnik ist die am häufigsten angewandte Methode. Sie erlaubt ein äußerst präzises und gezieltes Vorgehen und gilt daher als die sicherste Methode. Bei der Behandlung eröffnet der Reproduktionsmediziner mittels Laserstrahl die feine Eihülle, ohne den Embryo oder umliegendes Gewebe zu beeinträchtigen.
  • Eine weitere Möglichkeit ist das Auftragen einer Enzymlösung auf die Zona pellucida. Sie bewirkt, dass die Wände der Schutzhülle dünner werden. Dadurch kann der Embryo die Glashaut leichter durchbrechen und sich in der Gebärmutterschleimhaut einnisten.
  • Eine dritte Option bedient sich einer feinen Glasnadel, mit deren Hilfe der Mediziner die Zona pellucida einritzt. Da dies manuell geschieht, ist der Erfolg allerdings von der Geschicklichkeit des jeweiligen Arztes abhängig – und naturgemäß mit einem höheren Risiko verbunden.

Wann kommt Assisted Hatching zum Einsatz?

In der Regel besteht eine Behandlung zur künstlichen Befruchtung aus mehreren Behandlungszyklen. Für nur 28 Prozent aller Frauen geht der Kinderwunsch bereits nach der ersten Behandlung in Erfüllung. Das Assisted Hatching ist keinesfalls eine standardmäßige Routinemethode. Es greift erst, wenn die Frau bereits erfolglos mehrere Behandlungszyklen mit IVF oder ICSI durchlaufen hat.

Ist die Frau trotz erfolgreicher Befruchtung und mehrfachen Transfers gesunder Embryonen nicht schwanger geworden, lässt dies Probleme beim Schlüpfen des Embryos vermuten. Der Grund liegt meist in einer zu dicken oder verhärteten Eihülle. Diese Veränderungen treten besonders häufig bei Frauen ab dem 37. Lebensjahr auf. Das Phänomen ist aber auch bei Eizellen zu beobachten, die zuvor durch Kryokonservierung eingefroren waren.

Ist Assisted Hatching mit Risiken verbunden?

Die Methode des assistierten Schlüpfens ist nicht ganz unumstritten. Zwar weisen verschiedene Untersuchungen darauf hin, dass das Verfahren die Chancen auf eine Schwangerschaft erhöht – doch aussagekräftige Langzeitstudien fehlen bislang noch. Nach derzeitigen Erkenntnissen beeinträchtigt das Assisted Hatching weder die Erbsubstanz noch die Gesundheit des künftigen Kindes.

Allerdings ist noch nicht geklärt, ob die Methode eine natürliche Einnistungsblockade bei Embryonen mit Gendefekten außer Kraft setzt. Auch eine Verletzung, und damit der Verlust des Embryos ist nicht ausgeschlossen. Wägen Sie daher vor einer Behandlung Risiken und Erfolgschancen sorgfältig mit Ihrem Arzt ab.

Wie hoch sind die Kosten?

Eine Behandlung mit Assisted Hatching kostet zwischen 150 und 170 EUR pro Embryo. Da der Erfolg noch nicht hinreichend nachgewiesen ist, übernehmen weder gesetzliche noch private Krankenkassen die Kosten.

Trotz aller Zweifel: Für Frauen, die bereits mehrere Versuche hinter sich haben, kann Assisted Hatching eine Möglichkeit sein, um sich den Kinderwunsch doch noch zu erfüllen.