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Frühgeburt - Vorsorge, Behandlung und Spezialisten

Bei einer Geburt vor der 37. Schwangerschaftswoche oder einem Geburtsgewicht unter 2500 g spricht man von einer Frühgeburt. In Deutschland kommen etwa 9 von 100 Lebendgeburten zu früh zur Welt. Die sogenannten Frühchen sind, je nach Entwicklungsstand, nicht in der Lage, selbst zu atmen, zu trinken oder ihre Körpertemperatur zu regulieren.

Frühgeburten haben heute deutlich höhere Überlebenschancen als noch vor wenigen Jahrzehnten. Insbesondere sehr kleine Frühgeborene, die weniger als 1500 Gramm wiegen, profitieren von den modernen Behandlungsmethoden und den Einsatz unterschiedlicher Vorsorgemaßnahmen. In den meisten Ländern ist die Sterblichkeit von Frühgeborenen daher rückläufig.

ICD-Codes für diese Krankheit: P07, O60

Empfohlene Spezialisten

Anzeichen einer Frühgeburt

Verschiedene Anzeichen kündigen eine Frühgeburt an, zum Beispiel ein vorzeitiger Blasensprung, vorzeitige Wehen, begleitet von krampfartigen Schmerzen, sowie hellrote Blutungen. Ein wichtiger Indikator sind die Regelmäßigkeit der Kontraktionen. Die Gebärmutter zieht sich in der Schwangerschaft gelegentlich zusammen, was Schmerzen verursacht. Treten diese Kontraktionen aber regelmäßig auf, könnte dies ein Hinweis auf das Eintreten von Geburtswehen sein.

Beim Verdacht auf vorzeitige Wehen sollte sich die werdende Mutter direkt mit ihrem Arzt, ihrer Hebamme oder dem Krankenhaus in Verbindung setzen. Je schneller die medizinische Versorgung beginnt, desto besser kann dem Kind geholfen werden und eine klinische Behandlung beginnen.

Ursachen und Risikofaktoren für eine Frühgeburt

Es gibt einige Risikofaktoren, die mit einer Frühgeburt verbunden werden. Dementsprechend werden Schwangere insgesamt gut betreut und Vorsorgemaßnahmen ergriffen. Trotzdem diskutieren Experten weiterhin die genauen Ursachen für eine Frühgeburt. Für jede Schwangere werden die persönlichen Risikofaktoren aufgenommen und die medizinische Betreuung während der Schwangerschaft so angepasst, um die Entwicklung des ungeborenen Kindes im Mutterleib so lange wie möglich sicherzustellen. 

Mögliche Ursachen für eine Frühgeburt sind bereits bestehende Erkrankungen der Mutter (z. B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Anämie) oder des Kindes (z. B. Fehlbildungen). Schwangerschaftserkrankungen, wie die Präeklampsie ist ebenfalls ein deutlicher individueller Risikofaktor für eine Frühgeburt. 

Häufig kommt es aufgrund von Veränderung der Gebärmutter oder der Plazenta zu einer Frühgeburt, zum Beispiel durch Fehlbildungen der Gebärmutter, Myome oder einer Zervixinsuffizienz, einer Muttermundschwäche. Ein verkürzter Gebärmutterhals (Zervix) von maximal 26 Millimetern Länge während des zweiten Schwangerschaftsdrittels (2. Trimenon) gilt als Risikofaktor oder frühes Anzeichen für eine Frühgeburt. 

Häufig sind aufsteigende Infektionen, die sich vom mütterlichen Genitaltrakt in Richtung Muttermund und Gebärmutter entwickeln, oder der Zustand der Plazenta Auslöser für vorzeitige Wehen oder einen vorzeitigen Blasensprung.

Auch bei der Schwangerschaft mit Mehrlingen gibt es ein erhöhtes Frühgeburtsrisiko. So kommen etwa die Hälfte aller Zwillinge und fast alle Drillinge zu früh auf die Welt.

Weitere Risiken sind Rauchen in der Schwangerschaft, schwere körperliche Arbeit, Alkoholkonsum und starke seelische Belastungen.

Untersuchungen bei Verdacht auf eine Frühgeburt

Besteht der Verdacht auf eine Frühgeburt, wird die Schwangere zunächst gründlich untersucht. Geburtsmediziner, Gynäkologe oder Hebamme prüfen die Weite des Muttermunds und den Zustand der Fruchtblase. Eine Ultraschalluntersuchung gibt Aufschluss über die Lage des Kindes sowie seine Größe und Gewicht, den Sitz der Plazenta und die Menge des Fruchtwassers. Ein CTG (Kardiotokografie bzw. Kardiotopografie) misst die Häufigkeit der Wehen sowie die Herztöne des Babys.

Im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung wird außerdem ein Fibronektion-Test durchgeführt. Diese Untersuchung ist ungefährlich für Mutter und Kind und weist durch einen vaginalen Abstrich auf fetales Fibroknektin hin, das der Körper bildet, sobald sich der Körper auf die Geburt vorbereitet.

Prävention und Therapie einer Frühgeburt

Die Behandlung von vorzeitigen Wehen hängt davon ab, in welcher Schwangerschaftswoche sich die Schwangere befindet. Wurde bereit die 34. Woche überschritten, kann es sinnvoll sein, den Wehen ihren Lauf zu lassen. Das Kind kann in modernen Neugeborenen-Abteilungen dank perinataler Intensivmedizin sehr gut behandelt werden. Bei einem vorzeitigen Blasensprung besteht häufig die Gefahr einer Fruchtwasser-Infektion, daher muss die Entbindung zeitnah erfolgen. In diesem Fall wird Antibiotika verabreicht.

Setzen die vorzeitigen Kontraktionen vor der 34. Schwangerschaftswoche ein, ist es sinnvoll, die Geburt hinauszuzögern. Bei Frühgeborenen besteht ein Risiko für Atemprobleme, wenn die Lungen noch nicht voll ausgebildet sind. Denn eine ausreichende Lungenreife ist Voraussetzung für das Einsetzen der Lungenatmung direkt nach der Geburt. Medikamente können helfen helfen, vorzeitige Wehen zu unterdrücken. Durch die Gabe sogenannter Wehenhemmer (Tokolytika) über einen Zeitraum von bis zu 48 Stunden erhält das Kind Zeit, die notwendige Lungenreife zu erhalten. Die Mutter kann dann in ein Perinatalzentrum verlegt werden.

Außerdem kann eine Behandlung mit Glukokortikoiden bzw. Kortison dazu beitragen, dass die Lungen des Kindes schneller reifen. Spritzt man der Mutter diese Medikamente, gelangen sie über das Blut der Mutter auch in den Körper und die Lungen des ungeborenen Kindes. Gerade zwischen der 26. und 33. Schwangerschaftswoche kann Kortison eine schnelle Lungenreife des Kindes bewirken und die Überlebenschancen der Frühgeborenen steigern.

Ist der Muttermund vorzeitig verkürzt, kann eine Progesteron-Behandlung eine Frühgeburt verhindern. Bei einer Muttermundschwäche können eine Zervixcerclage oder ein Zervixpessar helfen. Bei der Zervixcerclage wird der Muttermund unter Vollnarkose mithilfe eines Kunststoffbands verschlossen. Diese Methode ist jedoch unter Experten umstritten, weil sie zu vorzeitig einsetzenden Wehen und Frühgeburten, sowie Infektionen, Blutungen sowie Beschädigungen der Fruchtblase führen kann. Das Einsetzen eines Zervixpessars, eines flexiblen Silikonrings, kann ebenfalls helfen, den Muttermund der Schwangeren zu entlasten.

Wichtig ist neben medikamentösen Maßnahmen außerdem körperliche Ruhe. Berufstätige Schwangere werden freigestellt. Bettruhe, Entspannungsmaßnahmen und die Gabe eines leichten Beruhigungsmittels können in manchen Fällen helfen, die Wehen zu hemmen. Kommt ein Kind sechs Wochen vor dem errechneten Entbindungstermins zur Welt, verlängert sich auch der Mutterschutz und die Zahlung des Mutterschaftsgeldes.

Verlauf und Prognose einer Frühgeburt

Lässt sich die Frühgeburt nicht weiter hinauszögern und ist die Fruchtblase bereits geplatzt, lässt man der Geburt ihren Lauf. Häufig wird ein Dammschnitt vorgenommen, da der Kopf des Kindes noch sehr weich ist. Ist das Kind noch sehr unreif, kann deshalb auch ein Kaiserschnitt sinnvoll sein.

Nach der Geburt wird das Frühgeborene in aller Regel auf die Intensivstation gebraucht und in einen Brutkasten (Inkubator) gelegt. Dort kann es optimal versorgt werden. Luftfeuchtigkeit und Temperatur können hier konstant gehalten und die Atmung des Kindes überwacht werden. Kann das Baby noch nicht selbst trinken, wird es über eine Magensonde oder durch Infusionen ernährt.

Das Wiederholungsrisiko einer Frühgeburt liegt bei 20 Prozent, wenn das erste Kind vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren wurde. Bei einer Geburt vor der 32. Schwangerschaftswoche sogar bei 30 Prozent. Je mehr Frühgeburten die Mutter bereits hatte, desto höher ist auch das Risiko für eine Wiederholung. Hat eine Frau bereits eine Frühgeburt erlitten, wird der Gynäkologe sie bei einer weiteren Schwangerschaft genauer überwachen und versuchen, schon im Vorfeld die Risiken zu minimieren.

Quellen

  • https://www.frauenaerzte-im-netz.de/schwangerschaft-geburt/frueh-und-fehlgeburt/
  • https://www.kinderaerzte-im-netz.de/altersgruppen/das-erste-jahr/fruehgeborene/allgemeines/
  • https://www.gnpi.de/leitlinien/aktuell/024-019_2014.pdf
  • https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-025l_S2k_Praevention-Therapie_Fruehgeburt_2020-02.pdf
  • https://www.gesundheitsinformation.de/vor-einer-fruehgeburt-was-bewirkt-kortison.2686.de.html?part=geburt-ev-hnnp-pcqd
  • https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/fruehgeburt/risiken-anzeichen-chancen/
  • https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/49738/Zervix-Pessar-kann-Fruehgeburt-verhindern
  • https://www.pharmazeutische-zeitung.de/bettruhe-nur-nach-risikoabwaegung/
  • https://www.swissmom.ch/schwangerschaft/medizinisches/komplikationen/fruehgeburt/

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