Zentrum für chirurgische Koloproktologie - Medizinische Experten

Chirurgische Kliniken und Abteilungen, die über große Erfahrung, fachliche Expertise und hohe Qualität auf dem Gebiet der Diagnostik sowie operativen und auch konservativen Therapie aller gut- und bösartigen Erkrankungen des Enddarms verfügen, können sich als koloproktologisches Zentrum zertifizieren lassen. Das Zertifikat als koloproktologisches Zentrum wird durch die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV), die Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie (DGK) und die Chirurgische Arbeitsgemeinschaft für Koloproktologie (CACP) der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (CGCH) vergeben.

Übersicht

Behandlungsschwerpunkte

Zentrum für chirurgische Koloproktologie - Weitere Informationen

Mit dem Zertifikat als Kompetenzzentrum, Referenzzentrum oder Exzellenzzentrum für chirurgische Koloproktologie stehen dabei für zertifizierte koloproktologische Zentren drei verschiedene Stufen der Zertifizierung zur Auswahl. Eine Zertifizierung als Kompetenzzentrum für chirurgische Koloproktologie können jene koloproktologischen Zentren erlangen, die durch ihre personelle und sachliche Ausstattung und Erfahrung eine qualitativ gute und leitliniengerechte Behandlung von Enddarmerkrankungen sicherstellen. Koloproktologische Zentren, die zusätzlich über Weiterbildungskompetenzen verfügen und wissenschaftlich tätig sind, können sich als Referenzzentrum für chirurgische Koloproktologie zertifizieren lassen. Die Zertifizierung als Exzellenzzentrum erhalten nur jene koloproktologischen Zentren, die zu den führenden und größten Einrichtungen auf dem Gebiet der chirurgischen Koloproktologie gehören.

Voraussetzung für eine Zertifizierung als Kompetenz-, Referenz- oder Exzellenzzentrum für chirurgische Koloproktologie ist, dass die Klinik oder Abteilung die von der DGAV, der DGK und der CACP definierten Qualitätsanforderungen an zertifizierte koloproktologische Zentren erfüllt und erfolgreich das von der Servicegesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie SAVC GmbH durchgeführte Zertifizierungsverfahren durchlaufen habt. Zu den Qualitätsanforderungen und Zertifizierungskriterien, die koloproktologische Zentren erfüllen müssen, gehören unter anderem Mindesteingriffszahlen im Bereich der chirurgischen Koloproktologie, festgelegte Qualifikationen der behandelnden Ärzte, interdisziplinäre Kooperationen aller beteiligten Fachbereiche und regelmäßige Fortbildungen.

Welche Fachbereiche sind an zertifizierten koloproktologischen Zentren beteiligt?

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit und Kooperation aller medizinischen Fachbereiche und Abteilungen, die an der Betreuung von Patienten mit Enddarmerkrankungen beteiligt sind, stellt eine der wichtigsten Anforderungen an zertifizierte koloproktologische Zentren dar. Auf diese Weise soll eine optimale und ganzheitliche Betreuung der Patienten – von der Diagnostik über die Behandlung bis hin zur Nachsorge – gewährleistet werden. Zu den medizinischen Disziplinen, die in koloproktologischen Zentren fachübergreifend zusammenarbeiten, gehören neben der Viszeralchirurgie, die in der Regel die Leitung des zertifizierten koloproktologischen Zentrums übernimmt, die Gastroenterologie, die Urologie, die Gynäkologie, die Neurologie, die Strahlentherapie, die Onkologie, die Radiologie und die Pathologie.

Hintergrundinformationen zu koloproktologischen Erkrankungen

Das medizinische Fachgebiet der Koloproktologie befasst sich mit der Prävention, Diagnose, Behandlung und Nachsorge von koloproktologischen Erkrankungen, sprich Erkrankungen des Enddarms. Hierzu gehören alle gut- und bösartigen Erkrankungen, Fehlbildungen und Funktionsstörungen des Grimmdarms (Kolon), des Mastdarms (Rektum) und des Anus. Koloproktologische Erkrankungen, die schwerpunktmäßig in zertifizierten koloproktologischen Zentren behandelt werden, sind unter anderem Hämorrhoiden, Analfissuren, Analfisteln, Analabszesse, Divertikelentzündungen, Polypen sowie Krebserkrankungen wie das Analkarzinom oder Darmkrebs.

Für die Diagnostik und Behandlung von koloproktologischen Erkrankungen steht in zertifizierten koloproktologischen Zentren ein breites Spektrum an Diagnosemethoden sowie konservativen und operativen Therapieverfahren zu Verfügung. Zu den Eingriffen, die zertifizierte koloproktologische Zentren besonders häufig durchführen, gehören unter anderem die Proktoskopie (Analkanalspiegelung), die Rektoskopie (Mastdarmspiegelung), die Koloskopie (Darmspiegelung), die operative Teilentfernung des Grimmdarms (Kolonresektion), die operative Teilentfernung des Mastdarms (Rektumresektion) sowie die Hämorrhoiden-OP. Da zertifizierte koloproktologische Zentren über große Erfahrung in der Behandlung von Enddarmerkrankungen verfügen, ist es ratsam, sich dort von einem erfahrenen Team von Ärzten aus den verschiedenen beteiligten medizinischen Disziplinen behandeln zu lassen.

Ziele von zertifizierten koloproktologischen Zentren

Die Zertifizierung von koloproktologischen Zentren als Kompetenzzentrum, Referenzzentrum oder Exzellenzzentrum für chirurgische Koloproktologie zielt darauf ab, die Versorgungs- und Behandlungsqualität in chirurgischen Kliniken, die auf die Behandlung von Enddarmerkrankungen spezialisiert sind, zum Wohle der Patienten sicherzustellen und stetig zu verbessern. Aus diesem Grund basieren die Kriterien, die koloproktologische Zentren für eine erfolgreiche Zertifizierung erfüllen müssen, auf den neuesten medizinischen Erkenntnissen und orientieren sich an höchsten Qualitätsstandards. Koloproktologische Zentren müssen im Rahmen des Zertifizierungsprozesses nachweisen, dass sie über ein hohes Maß an Spezialisierung, Kompetenz und Erfahrung auf dem Gebiet der chirurgischen Koloproktologie verfügen.

Zertifizierung von koloproktologischen Zentren

Das Zertifizierungsverfahren von Kompetenz-, Referenz- und Exzellenzzentren für chirurgische Koloproktologie wird im Auftrag der DGAV, der DGK und der CACP durch die Servicegesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie SAVC GmbH organisiert. Diese prüft zunächst formal den schriftlichen Antrag, in dem das zu zertifizierende koloproktologische Zentrum darlegt, inwieweit es die Qualitätsanforderungen erfüllt. Im nächsten Schritt erfolgt ein Audit vor Ort. Im Rahmen dieses Audits wird überprüft, ob die im Antrag gemachten Angaben auch zutreffen und ob die zu zertifizierende Klinik tatsächlich die Zertifizierungskriterien erfüllt. So werden etwa die strukturellen und organisatorischen Vorgänge, die apparative Ausstattung, die Räumlichkeiten und die Operationszahlen überprüft.

Kriterien für zertifizierte koloproktologische Zentren

Abhängig von der personellen und sachlichen Ausstattung, den klinischen Erfahrungen der verantwortlichen Chirurgen, den Weiterbildungsmöglichkeiten und der wissenschaftlichen Tätigkeit einer chirurgischen Klinik, kann diese sich entweder als Kompetenz-, Referenz- oder Exzellenzzentrum für chirurgische Koloproktologie zertifizieren lassen. Alle drei Zertifizierungsstufen setzen die Erfüllung von Anforderungen und Kriterien in den Bereichen Qualifikation der Ärzte, Abteilungsorganisation, apparative diagnostische Verfahren, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Mindestfallzahlen, Qualitätssicherung und eigene Fortbildung voraus. Für eine Zertifizierung als Referenzzentrum für chirurgische Koloproktologie müssen koloproktologische Zentren zusätzlich Weiterbildungen anbieten und wissenschaftlich tätig sein. Ein Exzellenzzentrum muss zu den führenden und größten Einrichtungen auf dem Gebiet der chirurgischen Koloproktologie gehören und weitere Kriterien erfüllen.

Zu den Kriterien, die koloproktologische Zentren aller drei Zertifizierungsstufen erfüllen müssen, gehören unter anderem die folgenden Anforderungen:
  • Qualifikation der Ärzte: Die verantwortlichen Chirurgen in koloproktologischen Zentren müssen Fachärzte für Viszeralchirurgie sein und große Erfahrungen in der chirurgischen Koloproktologie nachweisen können.
  • Abteilungsorganisation: Zertifizierte koloproktologische Zentren müssen regelmäßige Sprechstunden mindestens einmal in der Woche anbieten.
  • Apparative diagnostische Verfahren: In zertifizierten koloproktologischen Zentren müssen, gegebenenfalls in Kooperation mit den entsprechenden Fachabteilungen, die folgenden apparativen diagnostischen Verfahren zur Verfügung stehen und nachgewiesen werden: Endoskopie, abdomineller Ultraschall, Endosonographie, Transitzeitbestimmung, Defäkographie, CT, MRT.
  • Interdisziplinäre Kooperationen: Zertifizierte koloproktologische Zentren müssen nachweisen, dass sie interdisziplinär mit den Fachbereichen Urologie, Gynäkologie, Gastroenterologie, Neurologie, Strahlentherapie, Onkologie und Pathologie kooperieren.
  • Mindestfallzahlen: Zertifizierte koloproktologische Zentren müssen bei diagnostischen und operativen Eingriffen unter anderem die folgenden Mindestzahlen nachweisen:
    • Durchführung von mindestens 200 (Kompetenzzentrum) bzw. 500 (Referenz- und Exzellenzzentrum) Analspiegelungen (Proktoskopien) und Mastdarmspiegelungen (Rektoskopien)
    • Durchführung von mindestens 200 (Kompetenzzentrum) bzw. 500 (Referenz- und Exzellenzzentrum) Darmspiegelungen (Koloskopien)
    • Durchführung von mindestens 25 (Kompetenzzentrum) bzw. 100 (Referenz- und Exzellenzzentrum) Endosonographien
    • Durchführung von mindestens 75 (Kompetenzzentrum) bzw. 150 (Referenz- und Exzellenzzentrum) Kolonresektionen
    • Durchführung von mindestens 25 (Kompetenzzentrum) bzw. 50 (Referenz- und Exzellenzzentrum) Rektumresektionen
    • Durchführung von mindestens 30 (Kompetenzzentrum) bzw. 50 (Referenz- und Exzellenzzentrum) Hämorrhoiden-OPs
    • Durchführung von mindestens 50 (Kompetenzzentrum) bzw. 100 (Referenz- und Exzellenzzentrum) Operationen bei Abszessen, Fisteln, Fissuenr oder Sinus pilonidalis
  • Qualitätssicherung: Zertifizierte koloproktologische Zentren müssen an den von der CACP festgelegten Qualitätssicherungsverfahren teilnehmen und Behandlungs- und Follow-up-Daten erfassen, z.B. durch das Studien-, Dokumentations- und Qualitätszentrum StuDoQ der DGAV. Außerdem müssen bestimmte Qualitätsindikatoren bei der Behandlung des Rektumkarzinoms und der Analfisteln erfüllen und erfassen (z.B. Anzahl der Rezidive, Anzahl der Todesfälle, Dauer der Krankenhausaufenthalte nach der OP)
  • Eigene Fortbildung: Die verantwortlichen Chirurgen des koloproktologischen Zentrums müssen mindestens einmal im Jahr an einer der folgenden Fortbildungsveranstaltungen teilnehmen: Sitzungen der CACP im Rahmen des Chirurgenkongresses, Sitzungen der CACP im Rahmen der viszeralmedizinischen Herbsttagung, CACP-Herbsttagung, Koloproktologenkongress der DGK, ESCP-Annual Meeting. Dabei müssen pro Jahr mindestens16 Fortbildungspunkte erworben werden.
Das verliehene Zertifikat als Kompetenz-, Referenz- oder Exzellenzzentrum für chirurgische Proktologie hat eine Gültigkeit von drei Jahren. Nach Ablauf dieser drei Jahre kann eine Re-Zertifizierung erfolgen.