Zentrum für Adipositas und metabolische Chirurgie - Medizinische Experten

Ein zertifiziertes Zentrum für Adipositas und metabolische Chirurgie ist eine medizinische Einrichtung, die auf die chirurgische Behandlung von Patienten mit krankhaftem Übergewicht spezialisiert ist und im Rahmen eines Zertifizierungsverfahrens ihre große Erfahrung und Qualität auf diesem Gebiet nachgewiesen hat. Die Zertifizierung wird gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) und der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft für Adipositastherapie und metabolische Chirurgie (CAADIP) angeboten und in deren Auftrag organisatorisch von der Servicegesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie SAVC GmbH durchgeführt.

Übersicht

Behandlungsschwerpunkte

Zentrum für Adipositas und metabolische Chirurgie - Weitere Informationen

Eine Zertifizierung erhalten nur chirurgische Kliniken und Fachabteilungen, die die von der DGAV und der CAADIP definierten Zertifizierungskriterien und Qualitätsanforderungen erfüllen und erfolgreich das Zertifizierungsverfahren durchlaufen haben. Der Anforderungskatalog für zertifizierte Adipositaszentren umfasst dabei unter anderem Mindesteingriffszahlen im Bereich der Adipositaschirurgie, Qualitätsmerkmale der behandelnden Ärzte, das Vorhandensein interdisziplinärer Kooperationen mit anderen medizinischen Fachbereichen, die Durchführung von Maßnahmen zur Qualitätssicherung, die regelmäßige Teilnahme an Fortbildungen sowie Vorgaben für die apparative Ausstattung und Abteilungsorganisation.

Je nachdem, in welchem Umfang eine chirurgische Klinik oder Fachabteilung diese Kriterien für zertifizierte Adipositaszentren erfüllt, kann sie eine Zertifizierung als Kompetenzzentrum, Referenzzentrum oder Exzellenzzentrum für Adipositaschirurgie und metabolische Chirurgie erlangen.

Welche Fachbereiche sind an zertifizierten Adipositaszentren beteiligt?

Ein wichtiges Kriterium, das chirurgische Kliniken und Fachabteilungen für eine erfolgreiche Zertifizierung als Adipositaszentrum erfüllen müssen, ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit. In einem zertifizierten Adipositaszentrum müssen also alle medizinischen Fachbereiche, die an der Betreuung von adipösen Patienten beteiligt sind, fachübergreifend zusammenarbeiten. Dabei geht es nicht nur um die Diagnostik und die konservative und chirurgische Behandlung von stark übergewichtigen Patienten, sondern auch um deren soziale und psychische Betreuung über die eigentliche Behandlung hinaus.

Die Leitung eines zertifizierten Adipositaszentrums obliegt in der Regel der Fachabteilung Chirurgie bzw. Viszeralchirurgie. Diese Fachabteilung kooperiert im Rahmen eines Adipositaszentrums insbesondere mit den Fachabteilungen Innere Medizin, Laboratoriumsmedizin, Radiologie, interventionelle Endoskopie, Intensivmedizin und Physiotherapie. Darüber hinaus müssen in zertifizierten Adipositaszentren auch Kooperationsvereinbarungen mit einer Ernährungsberatung, einem Psychologen oder Psychosomatiker sowie einer Selbsthilfe-Gruppe bestehen.

Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit in zertifizierten Adipositaszentren soll gewährleistet werden, dass Betroffene von starkem Übergewicht, Fettleibigkeit und Fettsucht umfassend betreut werden und eine individuell auf den einzelnen Patienten optimierte Therapie erhalten.

Hintergrundinformationen zu Adipositas

Unter dem Begriff Adipositas, auch Fettsucht oder Fettleibigkeit genannt, versteht man per Definition eine über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfetts. Die medizinische Beurteilung und Kategorisierung von Adipositas erfolgt mithilfe des Body-Mass-Indexes (BMI), der als Quotient des Körpergewichts (kg) und der Körpergröße zum Quadrat (m²) berechnet wird. Ab einem BMI von 25 spricht man von Übergewicht (Präadipositas). Ein BMI zwischen 30 und 34,9 wird als Adipositas Grad 1 bezeichnet. Von Adipositas Grad 2 spricht man bei einem BMI zwischen 35 und 39,9. Morbide Adipositas vom Grad 3, also krankhaftes Übergewicht, liegt ab einem BMI von 40 vor.

Als Folge des starken Übergewichts erkranken Menschen mit morbider Adipositas häufig an Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus Typ2, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, und Herz-Kreislauferkrankungen. Darüber hinaus haben sie ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle, Gelenkerkrankungen und bestimmte Krebserkrankungen. Die Behandlung von Adipositas zielt auf eine dauerhafte Reduzierung des Körpergewichts dar. Hierfür stehen zunächst eine Reihe konservativer Maßnahmen wie die Ernährungsberatung, die Bewegungstherapie und die psychologische Unterstützung mittels Verhaltenstherapie zur Verfügung.

Ein chirurgischer Eingriff im Rahmen der Adipositaschirurgie wird in der Regel erst in Erwägung gezogen, wenn alle konservativen Therapien ausgeschöpft wurden ohne einen dauerhaften Erfolg gezeigt zu haben. Das Spektrum chirurgischer Therapien, das in zertifizierten Adipositaszentren zum Einsatz kommt, umfasst insbesondere Magenband- und Magenballon-Implantationen, Magenbypass- und Schlauchmagen-Operationen sowie die Magenplikatur und den Endobarrier.

Ziele von zertifizierten Adipositaszentren

Mit der Zertifizierung von Adipositaszentren als Kompetenzzentrum, Referenzzentrum oder Exzellenzzentrum für Adipositaschirurgie und metabolische Chirurgie verfolgen die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) und die Chirurgische Arbeitsgemeinschaft für Adipositastherapie und metabolische Chirurgie (CAADIP) das Ziel, die Qualität in den chirurgischen Kliniken und Abteilungen, die auf die Behandlung von adipösen Patienten spezialisiert sind, zu verbessern und gleichzeitig transparent zu machen. Die Kriterien und Qualitätsstandards, die Adipositaszentren für eine erfolgreiche Zertifizierung erfüllen müssen, wurden von der DGAV und der CAADIP nach wissenschaftlichen Vorgaben und klinischer Erfahrung definiert. Erfüllt ein Adipositaszentrum diese Kriterien ist davon auszugehen, dass sie bei der Behandlung krankhaft übergewichtiger Patienten höchste Qualitätsstandards erfüllt und adipositaschirurgische Eingriffe auf höchstem fachlichen Niveau durchführt.

Zertifizierung von Adipositaszentren

Die Organisation des Zertifizierungsverfahrens von Adipositaszentren erfolgt im Auftrag der DGAV und der CAADIP durch die Servicegesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie SAVC GmbH. Im ersten Schritt prüft die SAVC formal den von einer chirurgischen Klinik oder Abteilung gestellten Antrag auf eine Zertifizierung als Kompetenzzentrum, Referenzzentrum oder Exzellenzzentrum für Adipositaschirurgie und metabolische Chirurgie. Erfüllt die zu zertifizierende chirurgische Klinik oder Abteilung formal die Kriterien für zertifizierte Adipositaszentren, erfolgt im nächsten Schritt ein Audit vor Ort. Dabei wird überprüft, ob die im Antrag gemachten Angaben zur Qualität des zu zertifizierenden Adipositaszentrums auch zutreffen und ob die Einrichtung tatsächlich alle Zertifizierungskriterien erfüllt. Nach der Auswertung der Ergebnisse des Audits vor Ort wird schließlich, sofern das zu zertifizierende Adipositaszentrum alle Qualitätsanforderungen und Kriterien erfüllt hat, das Zertifikat als Kompetenzzentrum, Referenzzentrum oder Exzellenzzentrum für Adipositaschirurgie und metabolische Chirurgie ausgehändigt.

Kriterien für zertifizierte Adipositaszentren

Chirurgische Kliniken und Fachabteilungen, die auf die Behandlung adipöser Patienten spezialisiert sind und sich intensiv mit der Adipositaschirurgie befassen, müssen eine Reihe von Qualitätsanforderungen und Kriterien erfüllen, um eine Zertifizierung als Kompetenzzentrum, Referenzzentrum oder Exzellenzzentrum für Adipositaschirurgie und metabolische Chirurgie zu erhalten. Die Kriterien für zertifizierte Adipositaszentren betreffen dabei insbesondere die Bereiche Qualifikation der Ärzte, Abteilungsorganisation, apparative und räumliche Ausstattung, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Mindesteingriffszahlen, Qualitätssicherung und Fortbildung:
  • Qualifikation der Ärzte: Die verantwortlichen Chirurgen in Adipositaszentren müssen Viszeralchirurgen sein, die über spezielle Erfahrungen in der Adipositaschirurgie verfügen. Konkret bedeutet das, dass sie seit mindestens 5 Jahren in der Adipositaschirurgie tätig sein müssen und mindestens 100 adipositaschirurgische Eingriffe persönlich durchgeführt haben müssen.
  • Abteilungsorganisation: In Adipositaszentren müssen regelmäßig mindestens einmal wöchentlich spezielle Sprechstunden für Adipositaschirurgie und metabolische Chirurgie angeboten werden. Im Rahmen dieser Sprechstunden erfolgen die Indikationsstellung zur operativen Therapie und die Nachsorge operierter Patienten. Die Arbeitsabläufe zur Indikationsstellung, präoperativer Diagnostik und Vorbereitung, Patienteninformation, Anästhesie, operativen Abläufen, Komplikationsmanagement und Nachsorge müssen schriftlich fixiert werden.
  • Ausstattung: In Adipositaszentren muss die folgende apparative und räumliche Ausstattung vorhanden sein:
    • Mindestens ein Operationstisch mit einer Tragfähigkeit von mindestens 225 kg
    • Vorhandensein einer vollständigen laparoskopischen Einheit
    • Vorhandensein von Instrumenten und Materialien, die den Bedürfnissen der Adipositaschirurgie angepasst sind
    • Ausstattung, die den Anforderungen krankhaft schwergewichtiger Patienten angepasst ist, z.B. Spezialbetten, Spezialstühle, Rollstühle und Untersuchungsliegen mit einer Tragfähigkeit von bis zu 200 kg, Spezialwaage, barrierefreie Duschen sowie Nachthemden und Unterwäsche in Spezialgrößen
  • Interdisziplinäre Kooperationen: Es müssen in Adipositaszentren Kooperationen mit den Abteilungen Innere Medizin, Laboratoriumsmedizin, Radiologie, interventionelle Endoskopie, Intensivmedizin, Physiotherapie, Ernährungsberatung, Psychologie bzw. Psychosomatik sowie Selbsthilfegruppen bestehen. Darüber hinaus sollte der Zugang zu konservativen Behandlungsprogrammen möglich sein.
  • Mindesteingriffszahlen: Adipositaszentren müssen mindestens 50 (Kompetenzzentrum), 100 (Referenzzentrum) bzw. 200 (Exzellenzzentrum) adipositaschirurgische Eingriffe pro Jahr durchführen, darunter unter anderem die Magenband-OP, die Magenbypass-OP, die Schlauchmagen-OP und die Implantation eines Magenschrittmachers.
  • Qualitätssicherung: Adipositaszentren müssen zur Qualitätssicherung unter anderem alle adipositaschirurgischen Eingriffe lückenlos dokumentieren und die Daten der Eingriffe und Nachuntersuchungen in die Datenbank der CAADIP eingeben. Die Nachsorge muss bei mindestens 75 Prozent der operierten Patienten dokumentiert werden.
  • Fortbildung: Die abteilungseigenen Mitarbeiter in Adipositaszentren müssen Zugang zur aktuellen Literatur zum Thema Adipositaschirurgie haben. Die verantwortlichen Chirurgen müssen regelmäßig an Fortbildungsveranstaltungen (z.B. Sitzungen der CAADIP, von der CAADIP empfohlene Kongresse oder Symposien, Workshops der DGAV zum Thema Adipositaschirurgie)
Das Zertifikat als Kompetenz-, Referenz- oder Exzellenzzentrum für Adipositaschirurgie und metabolische Chirurgie ist nach der Erstzertifizierung drei Jahre gültig. Nach drei Jahren kann eine Re-Zertifizierung erfolgen, bei der das zertifizierte Adipositaszentrum ein erneutes Zertifizierungsverfahren der DGAV und der CAADIP durchlaufen muss.