Lungenkrebszentrum - Medizinische Experten

Unter einem zertifizierten Lungenkrebszentrum versteht man eine von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifizierte medizinische Einrichtung, die auf die umfassende und interdisziplinäre Versorgung von Patienten mit Lungenkrebs in allen Phasen ihrer Erkrankung nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen spezialisiert ist. Die Auszeichnung als zertifiziertes Lungenkrebszentrum, die seit November 2008 von der Deutschen Krebsgesellschaft angeboten wird, erhalten ausschließlich Kliniken und Fachabteilungen, die sich durch modernste Diagnose- und Therapieverfahren, interdisziplinäre Behandlungsmethoden, langjährige Erfahrung und hohe Qualitätsstandards in der Lungenkrebs-Behandlung auszeichnen.

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Lungenkrebszentrum - Weitere Informationen

Um nachzuweisen, dass sie diese hohen Qualitätsanforderungen auch erfüllen, müssen Kliniken und Fachabteilungen, die sich als Lungenkrebszentrum zertifizieren lassen möchten, erfolgreich das von dem unabhängigen Zertifizierungsinstitut OnkoZert im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft durchgeführte Zertifizierungsverfahren zum Lungenkrebszentrum durchlaufen. Die zugrundeliegenden Qualitätsstandards und Anforderungskriterien für zertifizierte Lungenkrebszentren wurden gemeinsam von der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DTG) und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in den sogenannten „Fachlichen Anforderungen an Lungenkrebszentren“, kurz FAL, festgelegt.

Möchte sich eine auf die Diagnose, Therapie und Nachsorge von Lungenkrebs spezialisierte medizinische Einrichtung als Lungenkrebszentrum zertifizieren lassen, muss sie im Vorfeld des Zertifizierungsverfahrens zunächst in einem Erhebungsbogen schriftlich darlegen, wie und in welchem Umfang sie die FALs erfüllt. Im Anschluss daran begutachten die Fachexperten des Zertifizierungsinstituts OnkoZert während eines zweitägigen Zertifizierungsaudits vor Ort die verschiedenen Abteilungen des zu zertifizierenden Lungenkrebszentrums.

Welche Fachbereiche sind an einem Lungenkrebszentrum beteiligt?

Die ganzheitliche und interdisziplinäre Betreuung von Lungenkrebs-Patienten – von der Diagnostik über die Therapie bis hin zur Nachsorge – gehört zu den wichtigsten Anforderungen, die zertifizierte Lungenkrebszentren erfüllen müssen. In zertifizierten Lungenkrebszentren müssen die verschiedenen medizinischen und pflegerischen Fachbereiche daher nachweislich zusammenarbeiten und ihre Leistungen sowohl aufeinander als auch auf die individuellen Bedürfnisse der Lungenkrebs-Patienten abstimmen. Durch diese enge Kommunikation zwischen allen beteiligten Fachbereichen soll den Patienten eine zügige, optimale und auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Versorgung in allen Phasen ihrer Erkrankung gewährleistet werden. Langfristig sollen so in zertifizierten Lungenkrebszentren die Heilungschancen und die Überlebensqualität von Lungenkrebs-Patienten verbessert werden.

Zu den Fachabteilungen, die in zertifizierten Lungenkrebszentren interdisziplinär zusammenarbeiten, gehören insbesondere die Pneumologie, die Thoraxchirurgie, die Onkologie, die Radiologie, die Strahlentherapie, die Schmerztherapie, die Anästhesie und die Pathologie. Darüber hinaus besteht in zertifizierten Lungenkrebszentren auch eine enge Kooperation mit den Fachabteilungen der Psycho-Onkologie, der Nuklearmedizin, der Palliativmedizin und der Physiotherapie sowie mit dem Pflegedienst, dem Sozialdienst und der Seelsorge. Abgerundet wird das Angebot in Lungenkrebszentren durch die aktive Einbindung von Selbsthilfegruppen für Lungenkrebs-Patienten in allen Phasen ihrer Therapie.

Hintergrundinformationen zu Lungenkrebs

Bei Lungenkrebs, auch Lungenkarzinom genannt, handelt es sich um einen bösartigen Tumor, der seinen Ursprung in den Zellen des Lungengewebes, speziell den Zellen, die die Atemwege (Bronchien) auskleiden, hat. Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 33.000 Männer und 15.000 Frauen an dieser bösartigen Tumorerkrankung. Lungenkrebs stellt damit nach Prostata- und Darmkrebs bei Männern und Brust- und Darmkrebs bei Frauen die dritthäufigste Krebserkrankung in Deutschland dar. Insgesamt erkrankt etwa jeder 15. Mann und jede 36. Frau in Deutschland im Laufe des Lebens an Lungenkrebs. Vor allem Raucher haben ein hohes Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. So handelt es sich bei etwa 91 Prozent der männlichen und 65 Prozent der weiblichen Lungenkrebs-Patienten um aktive Raucher.

Wie groß die Heilungschancen bei Lungenkrebs sind, hängt in erster Linie vom Stadium der Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose ab. Generell gilt: Je früher die Erkrankung erkannt wird, umso besser sind auch die Chancen auf eine Heilung. Da es aber bei Lungenkrebs keine Frühwarnzeichen und keine anerkannten Früherkennungsuntersuchungen gibt, wird die Erkrankung oftmals erst spät entdeckt. Erste mögliche Symptome bei Lungenkrebs können hartnäckiger Husten, starker Auswurf oder Heiserkeit sein. Wer anhaltend unter diesen Beschwerden leidet, sollte daher zur Abklärung der Ursache einen Arzt aufsuchen.

Wurde ein Lungenkarzinom diagnostiziert, stehen für die Behandlung grundsätzlich eine Operation, die Chemotherapie, die Strahlentherapie oder andere zielgerichtete Therapien zur Auswahl. Zertifizierte Lungenkrebszentren bieten dabei allen Patienten die modernsten und nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entwickelten Diagnose- und Therapieverfahren an. Es ist daher ratsam, die Lungenkrebs-Behandlung in einem zertifizierten Lungenkrebszentrum von einem erfahrenen Team von Ärzten aus den verschiedenen medizinischen Disziplinen, darunter Thoraxchirurgen, Pneumologen und Onkologen, durchführen zu lassen.

Ziele von zertifizierten Lungenkrebszentren

Die Zertifizierung von Lungenkrebszentren zielt zum einen darauf ab, eine optimale ganzheitliche und interdisziplinäre Versorgung von Lungenkrebs-Patienten – von der Diagnose über die Behandlung bis hin zur Nachsorge – unter Einhaltung verbindlicher Qualitätsstandards zu ermöglichen. Dadurch soll die Betreuung von Lungenkrebs-Patienten in allen Phasen ihrer Erkrankung erhalten und verbessert und eine an hohen Qualitätsmaßstäben und neuesten medizinischen Erkenntnissen orientierte Lungenkrebs-Behandlung gewährleistet werden. Zum anderen soll das Qualitätssiegel „Zertifiziertes Lungenkrebszentrum“ den betroffenen Patienten die Sicherheit geben, dass sie sich in gute Hände begeben und in einem zertifizierten Lungenkrebszentrum die bestmögliche Behandlung erhalten.

Zertifizierung von Lungenkrebszentren

Das Zertifizierungsverfahren für Lungenkrebszentren wird von den Fachexperten des unabhängigen Zertifizierungsinstituts OnkoZert im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) durchgeführt. Nachdem ein zu zertifizierendes Lungenkrebszentrum den Antrag auf eine Zertifizierung gestellt und in den „Fachlichen Anforderungen an Lungenkrebszentren“, sprich den FALs, schriftlich dargelegt hat, inwieweit es die Qualitätsanforderungen erfüllt, erfolgt eine zweitägige Begutachtung (Audit) vor Ort durch die Fachexperten von OnkoZert. Im Rahmen dieser Begutachtung führen die Fachexperten unter anderem Gespräche mit den Mitarbeitern und nehmen Einsicht in die Unterlagen des zu zertifizierenden Lungenkrebszentrums. Erfüllt das zu zertifizierende Zentrum die FALs und hat es das Zertifizierungsverfahren erfolgreich durchlaufen, wird ihm von der Deutschen Krebsgesellschaft schließlich für drei Jahre das Qualitätssiegel „Zertifiziertes Lungenkrebszentrum“ verliehen. Danach erfolgen einmal jährlich erneute Begutachtungen durch OnkoZert, um zu überprüfen, ob das Lungenkrebszentrum die Qualitätskriterien weiterhin einhält. Nach drei Jahren erfolgt die Rezertifizierung.

Kriterien für eine Zertifizierung als Lungenkrebszentrum

Um von der Deutschen Krebsgesellschaft das Qualitätssiegel „Zertifiziertes Lungenkrebszentrum“ verliehen zu bekommen, müssen Lungenkrebszentren unter anderem die folgenden Anforderungen, wie sie in den FALs definiert sind, erfüllen:
  • Lungenkrebszentren müssen über langjährige und umfassende Erfahrung in allen Diagnose- und Behandlungsverfahren für Lungenkrebs-Patienten verfügen.
  • Lungenkrebszentren müssen eine Mindestmenge von Behandlungszahlen bei Operationen sowie Chemo- und Strahlentherapien vorweisen.
  • Lungenkrebszentren müssen das komplette Spektrum der endoskopischen, bildgebenden und feingeweblichen Diagnostik für Lungenkrebs-Patienten anbieten.
  • In Lungenkrebszentren muss die Behandlung interdisziplinär unter Einbeziehung von Pneumologen, Thoraxchirurgen, Onkologen, Pathologen und Radiologen (= Hauptbehandlungspartner) erfolgen.
  • Mindestens einmal pro Woche müssen die Hauptbehandlungspartner sowie ggf. die Kooperationspartner an einer Tumorkonferenz teilnehmen, bei der für jeden einzelnen Patienten schriftlich ein individueller und interdisziplinärer Behandlungsplan festgelegt wird.
  • Lungenkrebszentren müssen ein anerkanntes Qualitätsmanagementsystem vorweisen können.
  • In Lungenkrebszentren müssen die Patienten an den Therapieentscheidungen beteiligt werden.
  • Die Versorgung von Lungenkrebs-Patienten muss in Lungenkrebszentren nach medizinischen Leitlinien und unter Berücksichtigung neuester Forschungserkenntnisse erfolgen.
  • Die Durchführung von klinischen Studien als Grundlage einer stetigen Verbesserung der Therapien ist für Lungenkrebszentren Pflicht. Einer Mindestanzahl von Lungenkrebs-Patienten muss dabei die Möglichkeit geboten werden, an klinischen Studien teilzunehmen.

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