Kopf-Hals-Tumorzentrum - Medizinische Experten

Unter einem zertifizierten Kopf-Hals-Tumor-Zentrum versteht man ein von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziertes onkologisches Zentrum, das im Rahmen eines zusätzlichen Zertifizierungsverfahrens nachgewiesen hat, dass es nicht nur auf dem Gebiet der Onkologie allgemein, sondern auch auf dem Gebiet der Diagnose, Therapie und Nachsorge von Kopf-Hals-Tumoren wie Kehlkopfkrebs, Mundhöhlenkrebs oder Rachenkrebs über eine große Fachexpertise und Erfahrung verfügt. Die Zertifizierung als Kopf-Hals-Tumor-Zentrum, die seit 2010 von der Deutschen Krebsgesellschaft angeboten wird, ist nur in Verbindung mit einer Zertifizierung als onkologisches Zentrum möglich. Das heißt, dass sich nur jene Kliniken als Kopf-Hals-Tumor-Zentren zertifizieren lassen können, die bereits eine Zertifizierung als onkologisches Zentrum besitzen oder im Rahmen der Erstzertifizierung als onkologisches Zentrum zusätzlich den Antrag auf eine Zertifizierung als Kopf-Hals-Tumor-Zentrum stellen.

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Kopf-Hals-Tumorzentrum - Weitere Informationen

Zertifizierte Kopf-Hals-Tumor-Zentren müssen im Rahmen des Zertifizierungsprozesses, der von dem unabhängigen Zertifizierungsinstitut OnkoZert im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft durchgeführt wird, nachweisen, dass sie Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren ganzheitlich, interdisziplinär, auf höchstem Qualitätsniveau und nach evidenzbasierten Leitlinien versorgen. Die Grundlage für diesen Zertifizierungsprozess bildet dabei der Erhebungsbogen für Kopf-Hals-Tumorzentren, in dem die fachlichen Anforderungen und Zertifizierungskriterien definiert sind. Dieser Anforderungskatalog wurde von der interdisziplinären Zertifizierungskommission für Kopf-Hals-Tumoren, die aus etwa 25 Experten der verschiedenen beteiligten Fachgesellschaften und Berufsverbände besteht, erarbeitet und orientiert sich an den Empfehlungen der „S3-Leitlinie Mundhöhlenkarzinom“.

elche Fachbereiche sind an einem Kopf-Hals-Tumor-Zentrum beteiligt?

Die interdisziplinäre, multiprofessionelle und gegebenenfalls auch standortübergreifende Zusammenarbeit aller beteiligten medizinischen Fachbereiche und Berufsgruppen ist eine der wichtigsten Anforderungen an zertifizierte Kopf-Hals-Tumor-Zentren. Nur so kann eine ganzheitliche Versorgung von Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren – von der Diagnose über die Therapie und Nachsorge bis hin zur Palliativbetreuung und Hospizarbeit – gewährleistet werden. In zertifizierten Kopf-Hals-Tumor-Zentren müssen die verschiedenen medizinischen und pflegerischen Fachdisziplinen sowie die ambulanten und stationären Partner daher nachweislich eng zusammenarbeiten und optimal miteinander kommunizieren, um den Patienten eine bestmögliche und auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Therapie zu ermöglichen.

Die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO) und die Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie (MKG) stellen dabei die beiden Hauptdisziplinen zertifizierter Kopf-Hals-Tumor-Zentren dar. Daneben sind zudem die medizinischen Fachbereiche Hämatoonkologie, Radiologie, Pathologie, Augenheilkunde, Neurochirurgie sowie Phoniatrie und Logopädie an zertifizierten Kopf-Hals-Tumor-Zentren beteiligt und in deren Arbeit eingebunden. Durch die Bündelung der Fachkompetenzen all dieser Fachbereiche in einem zertifizierten Kopf-Hals-Tumor-Zentrum können die Patienten optimal behandelt werden. Denn in vielen Fällen reicht eine einzige Behandlungsmethode aus. Zertifizierte Kopf-Hals-Tumor-Zentren können dann eine Kombination aus den verschiedenen Behandlungsmethoden der beteiligen Fachbereiche bieten. Abgerundet wird das Angebot zertifizierter Kopf-Hals-Tumor-Zentren durch die Betreuung onkologischer Patienten im Rahmen der Psychoonkologie sowie durch Sozialdienste und Selbsthilfegruppen.

Hintergrundinformationen zu Kopf-Hals-Tumoren

Bei Kopf-Hals-Tumoren handelt es sich um bösartige Gewebeneubildungen im Kopf- und Halsbereich. Hierzu gehören Tumoren der Haut, des Binde- und Stützgewebes, der Knochen, der Speicheldrüsen, des Ober- und des Unterkiefers sowie der angrenzenden Weichgewebe des Munde wie der Zunge, des Mundbodens und der Wange. Häufige Hals-Kopf-Tumoren sind beispielsweise Kehlkopfkrebs, Mundhöhlenkrebs, Rachenkrebs, Speicheldrüsenkrebs oder Lippenkrebs. Kopf-Hals-Tumoren machen 4 bis 6 Prozent aller bösartigen Neuerkrankungen im Jahr aus und liegen weltweit an 6. Stelle der häufigsten bösartigen Tumorerkrankungen. In Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als 10.000 Menschen an Tumoren im Kopf- und Halsbereich. Vor allem Raucher und Menschen, die übermäßig viel Alkohol konsumieren, haben ein erhöhtes Risiko an einem Kopf-Hals-Tumor zu erkranken.

Die Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren erfolgt hauptsächlich mittels der drei Therapieverfahren Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie. Die Operation stellt den wichtigsten Baustein der Therapie dar. Dabei werden die Tumoren chirurgisch entfernt. Anschließend wird häufig eine ästhetische und/oder funktionelle Rekonstruktion des operierten Bereiches notwendig, etwa nach dem Verlust von Teilen des Gesichts oder zur Sicherung bzw. Wiederherstellung wichtiger Körperfunktionen (z.B. Schlucken, Kauen, Atmen, Sprechen). Zertifizierte Kopf-Hals-Tumor-Zentren bieten betroffenen Patienten hierfür die modernsten und nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entwickelten Operationstechniken an. Es ist daher sinnvoll, die Behandlung in einem zertifizierten Kopf-Hals-Tumor-Zentrum durchführen zu lassen, in dem ein erfahrenes Team von Ärzten aus den unterschiedlichsten medizinischen Fachbereichen interdisziplinär zusammenarbeitet.

Ziele von zertifizierten Kopf-Hals-Tumor-Zentren

Die Zertifizierung von Kopf-Hals-Tumor-Zentren hat zum Ziel, die Versorgungsstruktur in onkologischen Kliniken und die ganzheitliche Betreuung von Patienten mit Krebserkrankungen im Kopf- und Halsbereich durch die Realisierung struktureller Vorgaben und hoher Qualitätsstandards zu verbessern und zu optimieren. Darüber hinaus soll durch die interdisziplinäre, multiprofessionelle und standortübergreifende Zusammenarbeit aller beteiligten Fachbereiche, Berufsgruppen und Kliniken eine ganzheitliche Versorgung von Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren ermöglicht und gewährleistet werden.

Ein weiteres Ziel der Zertifizierung von Kopf-Hals-Tumor-Zentren ist es, betroffenen Patienten eine Orientierungshilfe bei der Suche nach einer Einrichtung, in der sie bestmöglich in allen Phasen ihrer Erkrankung versorgt werden, zu geben. An dem Gütesiegel „Zertifiziertes Kopf-Hals-Tumor-Zentrum“ erkennen Patienten nämlich, dass sie sich in erfahrene und kompetente Hände begeben. Sie fühlen sich dann in zertifizierten Kopf-Hals-Tumor-Zentren sehr gut aufgehoben und optimal von dem medizinischen und pflegerischen Personal betreut, was ihnen den Umgang mit ihrer Erkrankung erleichtert und ihre Heilungschancen durch einen positiveren Krankheitsverlauf verbessert.

Zertifizierung von Kopf-Hals-Tumor-Zentren

Im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft wird das Zertifizierungsverfahren für Kopf-Hals-Tumor-Zentren von dem unabhängigen Zertifizierungsinstitut OnkoZert durchgeführt. Da die Zertifizierung als Kopf-Hals-Tumor-Zentrum nur in Verbindung mit einer Zertifizierung als onkologisches Zentrum möglich ist, hängt das Vorgehen davon ab, ob eine medizinische Einrichtung schon als onkologisches Zentrum zertifiziert ist oder nicht. Besteht gegenwärtig keine Zertifizierung als onkologisches Zentrum, muss der Antrag auf eine Zertifizierung als Kopf-Hals-Tumor-Zentrum im Rahnen der Erstzertifizierung eines onkologischen Zentrums gestellt werden. Verfügt eine Einrichtung bereits über das Zertifikat als onkologisches Zentrum, kann es formlos eine Anfrage nach einer Erweiterung der Zertifizierung stellen. Die Erstzertifizierung als Kopf-Hals-Tumor-Zentrum kann dann im Rahmen des jährlichen Überwachungsaudits des Onkologischen Zentrums erfolgen, vorausgesetzt die Antragsstellung ist mindestens 3 Monate vor dem geplanten Audittermin erfolgt.

Für eine erfolgreiche Zertifizierung muss ein Kopf-Hals-Tumor-Zentrum zunächst im schriftlichen Erhebungsbogen darlegen, inwieweit es die Qualitätsanforderungen und Zertifizierungskriterien erfüllt. Im nächsten Schritt erfolgt ein Audit vor Ort, bei dem die Fachexperten von OnkoZert überprüfen, ob das zu zertifizierende Kopf-Hals-Tumor-Zentrum die Anforderungen auch tatsächlich erfüllt. Nachdem die Einrichtung das Zertifizierungsverfahren erfolgreich durchlaufen hat, erhält sie schließlich das Qualitätssiegel „Zertifiziertes Kopf-Hals-Tumor-Zentrum“, dessen Gültigkeit an die Gültigkeit der Zertifizierung als onkologisches Zentrum gekoppelt ist.

Kriterien für eine Zertifizierung als Kopf-Hals-Tumor-Zentrum

Zu den fachlichen, personellen und strukturellen Anforderungen, die zertifizierte Kopf-Hals-Tumor-Zentren erfüllen müssen, gehören unter anderem:
  • Behandlung von mindestens 75 Kopf-Hals-Tumoren pro Jahr
  • Behandlung von Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren nach den evidenzbasierten Leitlinien der onkologischen Fachgesellschaften, speziell der „S3-Leitlinie Mundhöhlenkarzinom“
  • Mindestanzahl von qualifizierten Ärzten
  • Vorhandensein der Fachbereiche Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie sowie weiterer kooperierender Fachbereiche wie Hämatoonkologie, Radiologie, Pathologie, Augenheilkunde und Neurochirurgie
  • Nachweis der interdisziplinären Zusammenarbeit und Kommunikation aller beteiligten Fachbereiche
  • Durchführung interdisziplinärer Tumorkonferenzen zur Festlegung der Behandlungsabläufe aller Patienten
  • Absprache von Behandlungs- und Ablaufprozessen innerhalb des Kopf-Tumor-Zentrums
  • Definition von Schnittstellen an den Übergängen von der stationären in die ambulante Behandlung

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