Gynäkologisches Krebszentrum - Medizinische Experten

Ein zertifiziertes gynäkologisches Krebszentrum ist eine gemäß dem Kriterienkatalog der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifizierte medizinische Einrichtung, die auf die Behandlung von Patientinnen mit Genitalkrebs, sprich gynäkologischen Krebserkrankungen wie Eierstockkrebs, Gebärmutterkrebs und Gebärmutterhalskrebs, spezialisiert ist. Um eine ganzheitliche Versorgung von Frauen mit gynäkologischen Tumorerkrankungen gewährleisten zu können, setzt sich ein zertifiziertes gynäkologisches Krebszentrum aus einem Netzwerk verschiedener kooperierender Fachabteilungen, Fachkliniken und niedergelassener Ärzte zusammen. Durch diese enge Kooperation und interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen beteiligten Fachabteilungen können betroffene Frauen in einem zertifizierten gynäkologischen Krebszentrum in allen Phasen ihrer Erkrankung optimal betreut werden – von der Früherkennung über die Diagnostik und Therapie bis hin zur Nachsorge oder Palliation.

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Gynäkologisches Krebszentrum - Weitere Informationen

Eine Zertifizierung als gynäkologisches Krebszentrum erhalten ausschließlich Kliniken und Fachabteilungen, die nachweislich die Zertifizierungskriterien und Qualitätsanforderungen erfüllen und erfolgreich das Zertifizierungsverfahren durchlaufen haben. Die Zertifizierungskriterien wurden von der DKG in Zusammenarbeit mit den an der Behandlung von gynäkologischen Krebserkrankungen beteiligten Fachgesellschaften, Arbeitsgemeinschaften und Berufsverbänden, darunter die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), festgelegt und in den sogenannten „Fachlichen Anforderungen an gynäkologische Krebszentren“, kurz FAG, festgehalten. Das Zertifizierungsverfahren wird im Auftrag der DKG von dem unabhängigen Zertifizierungsinstitut OnkoZert durchgeführt.

Der in den FAGs festgelegte Kriterienkatalog für zertifizierte gynäkologische Krebszentren beinhaltet unter anderem Vorgaben für die personelle und apparative Ausstattung, Mindestmengen an behandelten Genitalkrebs-Fällen, die Einhaltung der von den Fachgesellschaften festgelegten Leitlinien für der Behandlung von gynäkologischen Tumorerkrankungen, den Nachweis eines anerkannten Qualitätsmanagementsystems, die Sicherstellung der Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter und die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb des Netzwerks.

Welche Fachbereiche sind an einem gynäkologischen Krebszentrum beteiligt?

Eine ganzheitliche und optimale Versorgung von Patientinnen mit Genitalkrebs kann nur durch ein Netzwerk von qualifizierten und erfahrenen Spezialisten aus den unterschiedlichen Fachrichtungen gewährleistet werden. Die interdisziplinäre und gegebenenfalls standortübergreifende Zusammenarbeit aller beteiligten medizinischen und pflegerischen Fachbereiche bei der Betreuung von Genitalkrebs-Patientinnen, seien es nun Kliniken, Praxen oder Rehabilitationseinrichtungen, stellt daher das wichtigste Kriterium dar, das zertifizierte gynäkologische Krebszentren erfüllen müssen.

Zu den medizinischen Fachbereichen, die nachweislich an zertifizierten gynäkologischen Krebszentren vertreten und interdisziplinär zusammenarbeiten sein müssen, gehören unter anderem die Gynäkologie, die Onkologie, die Radiologie, die Strahlenmedizin und die Pathologie. Darüber hinaus sind auch die Fachbereiche Allgemeinchirurgie oder Urologie oftmals an zertifizierten gynäkologischen Krebszentren beteiligt. Für die Betreuung von Genitalkrebs-Patientinnen über die eigentliche Behandlung hinaus bestehen zudem Kooperationen mit psychoonkologischen Fachabteilungen, Sozialarbeitern, Selbsthilfegruppen sowie Rehakliniken für die Nachsorge durch Reha-Maßnahmen und Anschlussheilbehandlungen.

Hintergrundinformationen zu gynäkologischen Krebserkrankungen

Bei etwa 40 Prozent aller Krebserkrankungen bei Frauen handelt es sich um gynäkologische Tumorerkrankungen. Zu den gynäkologischen Krebserkrankungen gehören neben Brustkrebs (Mammakarzinom) – der häufigsten Krebserkrankung bei Frauen überhaupt – insbesondere die weiblichen Genitalkrebsarten Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom), Gebärmutterkörperkrebs (Endometriumkarzinom) und Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom). Weitere seltener vorkommende gynäkologische Tumoren sind das Vaginalkarzinom (Scheidenkrebs) und das Vulvakarzinom (Vulvakrebs). Zwei Drittel aller gynäkologischen Krebserkrankungen entfallen auf Brustkrebs, während es sich in einem Drittel aller Fälle von gynäkologischen Krebserkrankungen um Eierstock-, Gebärmutter-, Gebärmutterhals-, Scheiden- oder Vulvakrebs handelt.

Je früher eine gynäkologische Tumorerkrankung diagnostiziert wird, umso besser sind die Heilungschancen. Regelmäßige und engmaschige Früherkennungsuntersuchungen sind daher sehr wichtig. Brust- und Gebärmutterkrebs können in über 80 Prozent der Fälle geheilt werden. Für die Behandlung gynäkologischer Krebserkrankungen stehen unterschiedliche Therapieverfahren zur Verfügung, darunter die operative Behandlung und die Strahlentherapie. Studien der letzten Jahre belegen, das betroffene Patientinnen in zertifizierten gynäkologischen Krebszentren die beste Behandlung erfahren, da dort die interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Fachabteilungen am besten funktioniert. Deshalb ist es ratsam, sich in einem zertifizierten gynäkologischen Krebszentrum von einem erfahrenen Team von Ärzten behandeln zu lassen.

Welche Vorteile hat eine Behandlung in zertifizierten gynäkologischen Krebszentren

Zertifizierte gynäkologische Krebszentren weisen sowohl strukturelle als auch medizinische Vorteile auf. Zu den entscheidenden medizinischen Vorteilen einer Behandlung in einem zertifizierten gynäkologischen Krebszentrum gehört, dass die Versorgung der Patientinnen auf der Basis evidenzbasierter Leitlinien, die von den entsprechenden Fachgesellschaften definiert wurden, und damit auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft erfolgt. Ein weiterer medizinischer Vorteil besteht darin, dass die in zertifizierten gynäkologischen Krebszentren tätigen Ärzte über große Erfahrungen in der Behandlung von gynäkologischen Krebserkrankungen verfügen, da sie diese häufig durchführen.

Zu den strukturellen Vorteilen einer Behandlung in einem zertifizierten gynäkologischen Krebszentrum gehört, dass die Versorgung der Patientinnen – von der Diagnose über die Therapie bis hin zur Nachbehandlung – dank der interdisziplinären und standortübergreifenden Zusammenarbeit der verschiedenen Fachabteilungen aus einer Hand erfolgt. So ist gewährleistet, dass alle notwendigen medizinischen Fachbereiche bei Bedarf zur Verfügung stehen und die jeweiligen Spezialisten sofort hinzugezogen werden können.

Ziele von zertifizierten gynäkologischen Krebszentren

Mit der Vergabe des Qualitätssiegels „Zertifiziertes gynäkologisches Krebszentrum“ verfolgt die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) zum einen das Ziel, die Behandlungsqualität und die Versorgung von Genitalkrebs-Patientinnen zu verbessern. Aus diesem Grund gehören die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die leitlinienkonforme Behandlung gynäkologischer Krebserkrankungen zu den wichtigsten Kriterien, die zertifizierte gynäkologische Krebszentren zu erfüllen haben.

Zum anderen zielt die Zertifizierung gynäkologischer Krebszentren darauf ab, betroffene Patientinnen und deren Angehörige bei der Suche nach einer geeigneten Klinik zu unterstützen und ihnen das zu Gefühl zu geben, dass sie in der Klinik in guten Händen sind. An dem Siegel „Zertifiziertes gynäkologisches Krebszentrum“ erkennen Patientinnen nämlich, dass es sich bei der Einrichtung nachweislich um eine Klinik mit erfahrenen Spezialisten handelt, die qualitative, fachliche und wissenschaftliche Standards einhalten. Zudem soll den Patientinnen in jeder Phase ihrer Erkrankung ein kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung stehen, der sie über den Stand und weiteren Verlauf der Therapie informiert.

Zertifizierung von gynäkologischen Krebszentren

Die Zertifizierung von gynäkologischen Krebszentren wird im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) durch das unabhängige Zertifizierungsinstitut OnkoZert vorgenommen. Eine Klinik oder Fachabteilung, die sich als gynäkologisches Krebszentrum zertifizieren lassen möchte, muss sich zunächst schriftlich bewerben. Hierzu gehört insbesondere der Erhebungsbogen, in dem die zu zertifizierende Einrichtung schriftlich darlegen muss, inwieweit sie die „Fachlichen Anforderungen an gynäkologische Krebszentren“, kurz FAGs, erfüllt.

Die Bewerbungsunterlagen werden im nächsten Schritt durch die Fachexperten von OnkoZert überprüft. Erfüllt die zu zertifizierende Einrichtung die formalen Anforderungen des Erhebungsbogens, erfolgt im nächsten Schritt ein zweitägiges Zertifizierungsaudit vor Ort. Hierbei begutachten die Fachexperten von OnkoZert die einzelnen Bereiche des zu zertifizierenden gynäkologischen Krebszentrums, führen Gespräche mit Mitarbeitern und nehmen Einsicht in die Unterlagen, um sich ein Urteil über die Behandlungsqualität und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu bilden und um zu überprüfen, ob die Einrichtung die FAGs auch tatsächlich erfüllt.

Im Anschluss an das Zertifizierungsaudit sprechen die Fachexperten eine Empfehlung aus, ehe das Zertifikat als „Zertifiziertes gynäkologisches Krebszentrum“ durch das zuständige Gremium der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) an die Einrichtung vergeben wird. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Zertifizierungsverfahrens ist das Zertifikat drei Jahre gültig. Innerhalb dieser drei Jahre erfolgen jährliche Überwachungsaudits durch OnkoZert. Nach drei Jahren erfolgt die Rezertifizierung im Rahmen eines erneuten Zertifizierungsverfahrens.

Kriterien für eine Zertifizierung als gynäkologisches Krebszentrum

Um von der Deutschen Krebsgesellschaft das Qualitätssiegel „Zertifiziertes gynäkologisches Krebszentrum“ zu erhalten, muss eine Klinik oder Fachabteilung unter anderem die folgenden Qualitätsanforderungen und Kriterien, wie sie in den FAGs definiert sind, erfüllen:
  • Behandlung von Genitalkrebs-Fällen gemäß den Leitlinien der onkologischen Fachgesellschaften
  • Mindestanzahl von behandelten Genitalkrebs-Fällen
  • Mindestanzahl von qualifizierten Ärzten und Mitarbeitern, z.B. mindestens zwei Gynäkologen mit der Schwerpunktbezeichnung Gynäkologische Onkologie
  • Durchführung aller therapierelevanten Operationen und Systemtherapien bei Genitalkrebs unter der persönlichen Mitwirkung eines gynäkologischen Onkologen
  • Vorhandensein eines zertifizierten Qualitätsmanagementsystems
  • Vorhandensein verschiedener Fachbereiche und Nachweis der interdisziplinären Zusammenarbeit
  • Nennung klar definierter Kooperationspartner, z.B. ambulante Versorgung, Pflege, Anästhesie, Intensivmedizin, Früherkennung und Nachsorge, Nuklearmedizin, Palliativmedizin, Radiologie, Selbsthilfegruppen, Komplementäre Medizin etc.
  • Durchführung interdisziplinärer Tumorkonferenzen zum zeitnahen Austausch über das Vorgehen zwischen den Spezialisten der verschiedenen Fachbereiche, darunter gynäkologische und internistische Krebsspezialisten, Strahlenmediziner, Radiologen und Pathologen
  • Erstellung eines Qualitätsberichts, der zentral in klinischen Registern oder epidemiologischen Krebsregistern erfasst wird
  • Erfüllung logistischer und struktureller Voraussetzungen
  • Vorhandensein der notwendigen technischen Geräte und apparativen Ausstattung zur Diagnostik und Behandlung von Genitalkrebs
  • Vorhandensein eines Beschwerdemanagements, an das sich Patientinnen wenden können, wenn sie Mängel oder Missstände innerhalb der Klinik melden möchten

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