Augengrippe – bloß nicht unterschätzen

image-117993Professor Heindl ist Leiter des Schwerpunkts für Ophthaloonkologie und Ophthalmoplastischen Chirurgie am Uniklinikum Köln. Er ist ein herausragender Augenspezialist, der sich mit komplexen Erkrankungen rund ums Auge beschäftigt. Im letzten Interview haben wir etwas über seine Arbeit und seinen medizinischen Schwerpunkt erfahren. Heute beantwortet uns der Leading Medicine Guide Experte, was es mit der aktuell in den Medien grassierenden Augengrippe auf sich hat.

 


Lieber Herr Professor Heindl. Die Augengrippe ist in aller Munde. Besonders im Raum Bonn kommt sie verstärkt vor. Was hat es mit der Augengrippe auf sich, was versteht man darunter und warum kommt sie gerade jetzt so häufig vor?

Bei der Augengrippe handelt sich um eine Bindehautentzündung, die durch Viren, insbesondere durch die Adenoviren ausgelöst wird. Man kann allerdings nicht von einer Epidemie oder plötzlichen Erscheinungsform sprechen. Die Augengrippe ist eine ganzjährige und globale Augenerkrankung, die sich vor allem durch eine mangelnde Hygiene schnell ausbreitet. Allerdings beobachtet man immer wieder lokale und saisonale Häufungen, wie gerade in Bonn.

 

Das heißt Händewaschen wäre schon eine gute Präventionsmaßnahme?
Hygiene ist das A und O: Reinigung der Hände und aber auch der Behandlungsinstrumente beim Augenarzt. Desinfektion und Sterilisation beugen selbstverständlich vor. Denn die Adenoviren sind höchst infektiös und können durch Tröpfchen übertragen werden.

 

Woran erkenne ich, dass ich an eine Augengrippe und nicht an einer einfachen Erkältung erkrankt bin?

In der Tat ist die Unterscheidung am Anfang nicht ganz einfach. Bei der Augengrippe hat man schließlich ähnliche Symptome, zum Beispiel Gliederschmerzen, Fieber, Unwohlsein und tränende Augen. Dazu kommt noch, dass sich die Augengrippe erst wenige Wochen später richtig bemerkbar macht: das Auge ist rot, es juckt, ist geschwollen und tränt stark. Man hat das Gefühl, im Auge befindet sich ein „Fremdkörper“ und die Sicht ist verschwommen. Es können Entzündungen auch im Ohr, an den Lymphknoten, im Hals und der Augenhornhaut eintreten. Als Spätfolge können auch langfristig kleine Trübungen (wie eine Art Sternenhimmel) das Sichtfeld stören und sogar chronische Hornhautimmunkomplexe entstehen.

 

Stimmt es also, dass ein Verdacht auf Augengrippe sofort gemeldet werden muss?

In vielen Bundesländern besteht eine Meldepflicht (beim zuständigen Gesundheitsamt), sobald sich der Verdacht bestätigt hat. Manchmal genügt schon der klinische Befund. Mittels eines Adenoviren-Schnelltest – der ungefähr so wie ein Schwangerschaftstest funktioniert, allerdings mit Tränenflüssigkeit – lässt sich eine Vireninfektion schnell feststellen. Dieses Verfahren ist aber noch relativ selten in Gebrauch, auf Grund der hohen Kosten.

 

Wie sieht eine therapeutische Behandlung dann aus? Was ist zu beachten?

Es ist noch relativ schwierig, die Augengrippe zu behandeln. Man greift zunächst auf Tränenersatzmittel zurück. Wichtig ist aber immer die Einhaltung hygienischer Maßnahmen. Lieber einmal mehr desifizieren und die Hände gründlich mit Seife waschen, damit sich die Viren nicht weiter ausbreiten können.
Hat man sich aber nun selbst mit der Augengrippe angesteckt, ist man selbstverständlich arbeitsunfähig und sollte größere Menschenmengen möglichst meiden.

Also buchstäblich, „Augen zu und durch“! Ich danke Ihnen für die Information, Herr Professor Heindl.  


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