Vesikoureteraler Reflux - Medizinische Experten

Unter einem vesikoureterealen Reflux wird ein unphysiologischer Rückfluss von Urin aus der Harnblase über die Harnleiter (Ureter) in Richtung Nierenbecken verstanden. Nicht selten ist der Harnreflux bereits angeboren.

Weitere Informationen zum vesikoureterealen Reflux finden Sie im Text weiter unten.

Übersicht

Empfohlene Spezialisten

Vesikoureteraler Reflux - Weitere Informationen

Was ist der vesikouretereale Reflux?

Der vesikouretereale Reflux (VUR) wird in der Medizin auch als vesikorenaler Reflux (VRR) bezeichnet. Gemeint ist damit der Rückfluss von Harn aus der Blase in den Harnleiter. Der Urinrückfluss führt in das Nierenbecken. Ruft der Harn an dieser Stelle über einen längeren Zeitraum einen zu großen Druck hervor, besteht das Risiko von Beeinträchtigungen der Niere. Außerdem kann es durch das Eindringen von Bakterien zu einer schmerzhaften Nierenbeckenentzündung kommen. Tritt ein chronischer Verlauf des vesikoureterealen Reflux ein, drohen zudem Nierenfunktionsstörungen.

Welche Formen des vesikoureterealen Reflux gibt es?

Ärzte unterscheiden beim vesikoureterealen Reflux zwischen der primären und der sekundären Form. Während die primäre Form bereits angeboren ist, wird die sekundäre Form im Laufe des Lebens erworben. Des Weiteren gilt es, zwischen einem Niederdruck-VUR sowie einem Hochdruck-VUR zu differenzieren. Von einem Niederdruck-VUR ist die Rede, wenn der Rückfluss des Urins bereits während der Füllungsphase der Blase einsetzt. Um einen Hochdruck-VUR handelt es sich dagegen bei einem Entstehen des Reflux in der Entleerungsphase der Harnblase.

Einteilung der Schweregrade

Seit 1985 wird der vesikouretereale Reflux in fünf unterschiedliche Schweregrade eingeteilt. Dies sind:

  • Grad I, bei dem der Urinrückfluss nicht bis in das Nierenbecken erfolgt
  • Grad II, in dessen Rahmen der Reflux des Urins zwar das Nierenbecken erreicht, es aber zu keiner Stauung des Kelchsystems kommt
  • Grad III, bei dem das Nierenbecken etwas dilatiert wird, das Kelchsystem jedoch weitgehend unverändert ist oder nur eine leichte Verplumpung besteht
  • Grad IV mit einer mäßigen Nierenbeckendilatation, bei der eine Verplumpung der Nierenkelche vorliegt und die Nierenpapillenimpressionen noch sichtbar sind
  • Grad V mit einem stark dilatierten Harnleiter samt Knickbildung, der mit einer ausgeprägten Erweiterung des Hohlraumsystems einhergeht

Ursachen des vesikoureterealen Reflux

Normalerweise wird der Urin über die beiden Harnleiter in Richtung Harnblase transportiert. An dieser Stelle findet sein Ausscheiden aus dem Körper statt. Die Ureteröffnung fungiert dabei sozusagen als Ventil und sorgt dafür, dass der Harn nicht wieder zu den Nieren zurückfließt. Eine Störung dieser Funktion ist jedoch mitunter bereits angeboren. Grund dafür sind Fehlanlagen der Harnleitermündung in der Wand der Harnblase. Dabei handelt es sich zumeist um einen zu kurzen intramuralen Harnleiterverlauf. Bei einem intravesikalen Druckanstieg kann der obere Harntrakt deswegen nicht richtig abgedichtet werden.

Ein sekundärer vesikoureterealer Reflux entsteht durch direkte Beeinträchtigungen der Uretermündung. Als Auslöser kommen Harnblasenentzündungen oder neurogene Funktionsstörungen der Blase infrage.

In manchen Fällen ist auch eine Überdehnung der Blasenwand für die Entstehung eines vesikoureterealen Reflux verantwortlich.

Welche Symptome treten beim VUR auf?

Babys und Kleinkinder leiden bei einem vesikoureterealen Reflux in der Regel unter:

  • schlechtem Gedeihen
  • Blässe
  • Untergewicht
  • wiederholtem Einnässen
  • Bauchschmerzen
  • Durchfall
  • Erbrechen

Bei größeren Kindern sowie erwachsenen Patienten zeigen sich:

  • ständiger Harndrang
  • Brennen beim Wasserlassen
  • Schmerzen im Bereich der Nieren
  • ein übler Geruch des Urins
  • Schmerzen in der Flanke während des Wasserlassens oder bei einer gefüllten Harnblase

Aufgrund des Rückstaus des Urins können schädliche Keime in das Nierenbecken gelangen und dort eine Refluxnephropathie verursachen. Diese hat wiederholt auftretende Harnwegsinfektionen zur Folge.

Mögliche Komplikationen

Im weiteren Verlauf des vesikoureterealen Reflux leiden die Patienten unter Folgeerscheinungen wie zu hohem Blutdruck oder einer Niereninsuffizienz (Nierenschwäche). Schon im Kindesalter kann eine Inkontinenz drohen. In weniger schwerwiegenden Fällen heilt die VUR bei Kindern allerdings oft spontan ab.

Diagnostik des VUR

Bei Verdacht auf einen vesikoureterealen Reflux sollte die Untersuchung durch einen Facharzt der Urologie erfolgen. Erster Schritt der Untersuchung ist das Erfassen der Krankengeschichte (Anamnese) des Patienten. Der Arzt erkundigt sich dabei nach den Beschwerden sowie eventuellen Vorerkrankungen. Weitere Hinweise können eine Untersuchung des Urins sowie eine Blutuntersuchung liefern. Auf diese Weise lassen sich mögliche Schäden erkennen.

Ein weiteres Mittel der Diagnostik stellt die Sonographie (Ultraschalluntersuchung) dar. Der Urologe kann durch diese Methode feststellen, ob Harnleiter oder Nierenbecken erweitert sind. Zur Beurteilung des Schweregrads der VUR dient ein Miktionszysto-Urethrogramm. Im Anschluss daran nimmt der Arzt eine Harnblasenspiegelung vor. Auf diese Weise lassen sich Form, Umfang und Lage der Harnleitermündungen bestimmen. Als sinnvoll gilt in manchen Fällen auch eine Nierenszintigraphie, die zu den nuklearmedizinischen Untersuchungsverfahren zählt.

Wie wird ein vesikoureterealer Reflux behandelt?

Auf welche Weise die Therapie eines VUR erfolgt, hängt vom jeweiligen Schweregrad der Erkrankung ab. Handelt es sich lediglich um eine leichte Form, reicht die Gabe von antibiotischen Medikamenten aus. Dadurch können die Harnwegsinfektionen wirksam bekämpft werden.

Führt die Behandlung mit Antibiotika nicht zum Erfolg, muss eine Operation durchgeführt werden.

Chirurgische Therapie

Ein operativer Eingriff ist auch bei einem schweren Verlauf des vesikoureterealen Reflux nötig, bei dem eine ungenügende Ventilation der Mündung des Harnleiters vorliegt. Der Operateur trennt während der Operation den Harnleiter von der Harnblase. Mit einem Verschlussmechanismus, der über Funktionstüchtigkeit verfügt, wird er im Anschluss wiedereingesetzt. Mediziner bezeichnen dieses Verfahren auch als antirefluxive Harnleiter-Neuimplantation. Die Methode erreicht eine Erfolgsquote von mehr als 95 Prozent.

Später findet eine ausgiebige Nachbehandlung statt, die sich oft bis in das Jugendalter erstreckt. Sie umfasst Urin-Kontrolluntersuchungen, Ultraschalluntersuchungen von Niere und Harnleiter sowie Blutdruck-Kontrollen.

Prophylaxe

Ist der vesikouretereale Reflux bereits angeboren, gibt es keinerlei Möglichkeiten zur Vorbeugung. Bei der sekundären Form wird von Urologen eine Entleerung der Harnblase in zwei Abschnitten empfohlen. Das bedeutet, dass nach der ersten Entleerung einige Minuten Pause bis zur nächsten Entleerung vergehen.

Fazit

Selbst ohne Behandlung heilt ein vesikoureterealer Reflux oftmals wieder ab. In manchen Fällen sind jedoch schwere Komplikationen möglich, sodass es ratsam ist, sich grundsätzlich an einen Arzt zu wenden.

Standorte der Spezialisten

Klinikstandorte
Flughäfen