Transsexualität - Medizinische Experten

Bei Transsexualität handelt es sich um eine Geschlechtsidentitätsstörung, bei der ein Mensch als Frau oder Mann geboren wird, sich jedoch dem anderen Geschlecht zugehörig fühlt und den starken Wunsch nach einer Geschlechtsumwandlung hat.

Weitere Informationen zur Geschlechtsumwandlung bzw. geschlechtsangleichenden Operation finden Sie im Text weiter unten.

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Transsexualität - Weitere Informationen

Was ist Transsexualität und wie entsteht sie?

Die Transsexualität ist eine Geschlechtsidentitätsstörung, bei der chromosomal, anatomisch und hormonal ihrem Phänotyp (Erscheinungsbild) entsprechende, sexuell sonst unauffällige Individuen den lebhaften Wunsch nach einer künstlichen Geschlechtsumwandlung haben. Ein Mensch wird als Frau oder Mann geboren und fühlt sich dennoch ein Leben lang der entgegengesetzten Geschlechtsrolle zugehörig. Es kann gleichermaßen eine Mann zu Frau oder eine Frau zu Mann Transsexualität auftreten.

Die Ursache der Transsexualität ist nach wie vor wissenschaftlich nicht erwiesen und sicherlich nur multifaktoriell (von vielen Faktoren beeinflusst) zu begründen. Eine angeborene Veranlagung wird ebenso als Ursache für Transsexualität diskutiert wie genetische oder umwelt-/umfeldbedingte Ursachen.

Welche Ergebnisse können durch eine Geschlechtsumwandlung erzielt werden?

Die Operation bei Transsexualität wird umgangssprachlich als Geschlechtsumwandlung bezeichnet. Die einzelnen operativen Schritte sollten jedoch eher als geschlechtsangleichend verstanden werden. Eine echte Umwandlung in das entgegengesetzte Geschlecht ist auch mit modernsten Operationsverfahren nicht möglich.

Die operativen Eingriffe bei Transsexualität erfolgen in der Regel in Kooperation verschiedener medizinischer Fachrichtungen. Je nach Geschlecht besteht ein Operationsteam aus Urologen, Gynäkologen und Plastischen Chirurgen

Welche Bestimmungen müssen für die geschlechtsangleichende Operation beachtet werden?

Das Transsexuellengesetz bildet in Deutschland die gesetzliche Grundlage für die Vornamens- bzw. Personenstandsänderung. Der medizinische Weg wird durch die Standards of Care bzw. durch die MDS Richtlinie vom 19. Mai 2009 vorgegeben. Die beiden Richtlinien sind gesetzlich nicht bindend, werden jedoch in der Praxis so angewandt. Mit dem Beschluss des BVerfG (Bundesverfassungsgericht) vom 11. Januar 2011 (IbvR 3295/07) entfällt die Vorgabe aus § 8TSG, in dem der Nachweis der operativen Angleichung und der Unfruchtbarkeit gefordert wird.

Die Diagnosesicherung erfolgt in der Regel durch zwei voneinander unabhängige psychiatrische oder psychologische Gutachten. Beide Gutachten müssen die Indikation einer geschlechtsangleichenden Operation bei Transsexualität eindeutig feststellen. Die Gutachten ermöglichen ebenfalls bereits vor den ersten Operationsschritten eine gegengeschlechtliche Hormontherapie. Beide Gutachten reichen derzeit für die Vornamensänderung wie auch für die Personenstandsänderung aus. Eine Eheschließung ist danach möglich.

Die gegengeschlechtliche Hormontherapie muss auch nach der geschlechtsangleichenden Operation weitergeführt werden und die Hormonersatztherapie ist erst mit dem Tod abgeschlossen. Das Antiandrogen bei Mann zu Frau Transssexualität ist nicht mehr notwendig. Ebenso sollte in dieser Zeit die Alltagserprobung durch die begleitende Psychotherapie positiv bewertet sein.

Anästhesieform und Krankenhausaufenthalt einer Operation bei Transsexualität

In der Regel müssen mehrere Operationsschritte und dementsprechend mehrere Krankenhausaufenthalte für eine operative Geschlechtsumwandlung eingeplant werden. Der stationäre Aufenthalt beträgt je nach Operationsschritt zwischen 4 und 20 Tagen. Je nach Umfang des Eingriffes ist eine Vollnarkose erforderlich. Nur kleinere Zweit- oder Zusatzeingriffe können auch in örtlicher Betäubung und ambulant vorgenommen werden.

Wie bereitet man sich auf die Geschlechtsumwandlung bei Transsexualität vor?

Eine spezielle Vorbereitung auf die geschlechtsangleichende Operation bei Transsexualität ist nicht notwendig. Lediglich auf die Einnahme von Schmerzmitteln wie z.B. Aspirin sollte bis 14 Tage vor der Operation verzichtet werden, da diese die Blutgerinnung verzögern. Auch die Einnahme von Schlafmitteln sowie Alkohol- und Nikotinkonsum sollte weitestgehend vermieden werden.

Die geschlechtsangleichende Operation bei Frau zu Mann Transsexualität

Die Frau zu Mann Transsexualität ist ein häufig anzutreffendes Krankheitsbild. Für die geschlechtsangleichende Operation von Frau zu Mann werden verschiedene Operationsmethoden angeboten:

Entfernung der weiblichen Geschlechtsorgane bei der Geschlechtsumwandlung

An erster Stelle steht in der Regel die Entfernung der weiblichen Brust. Bei kleinen Brüsten kann dies über einen Schnitt im Bereich der Brustwarze geschehen, so dass nach der Operation nahezu keine sichtbaren Narben zurückbleiben (subkutane Mastektomie). Bei sehr großem Brustdrüsenkörper und großem Hautweichteilmantel erfolgt in der Regel gleichzeitig eine Straffung der Brust und eine Verkleinerung der Brustwarzen.

Die Entfernung der inneren weiblichen Geschlechtsorgane (Gebärmutter, Eierstöcke und Eileiter) kann entweder vor den ersten geschlechtsangleichenden Operationen erfolgen oder simultan im Rahmen eines anderen Operationsschrittes durchgeführt werden.

Penoidaufbau bei der Operation von Frau zu Mann Transsexualität

Für den Penoidaufbau können routinemäßig zwei Operationsmethoden angeboten werden. Je nach Wunsch des Patienten und je nach den körperlichen Vorraussetzungen kann die Phalloplastik durch einen Leistenlappen oder einen Unterarmlappen (Radialislappen) erfolgen. Bei besonderen Indikationen können allerdings auch weitere Operationsmethoden eingesetzt werden (Rundstiellappen/freie Fibulalappen).

Das Leistenlappenpenoid entsteht aus einem Teil des geraden Bauchmuskels umhüllt mit Haut aus beiden Leistenregionen. Es handelt sich dabei um einen gestielten myokutanen Lappen (Haut- und Muskelgewebe). Zusätzlich wird eine stabförmige Silikonprothese implantiert, um eine flexible Steifigkeit zu erlangen.

Die Phalloplastik aus autologem Gewebe vom Unterarm ist operationstechnisch wesentlich aufwendiger. Aus dem nicht-dominanten Unterarm wird ein Hautlappen mit dem darunter liegenden Gewebe entnommen. Für den freien Gewebetransfer werden die versorgenden Blutgefäße am Unterarm präpariert, um diese dann mit Hilfe des Operationsmikroskopes an die Leistengefäße anzuschließen. Auf diese Weise werden ebenfalls die Nerven der ehemaligen Klitoris an die ehemaligen Hautnerven des Unterarmes angeschlossen, um eine Sensibilität und Orgasmusfähigkeit des Transplantates zu erreichen. In der gleichen Operationssitzung erfolgt die Verlängerung der Harnröhre bis an die Penoidspitze und die Entfernung der Vagina.

Bei dem Leistenpenoid erfolgt die Entfernung der Vagina und die Verlängerung der Harnröhre erst in weiteren Operationsschritten. Der Aufbau eines Hodensackes aus der Haut der großen Schamlippen mit Implantation von Hodenprothesen aus Silikon ist bei beiden Operationsmethoden erst durch folgende Operationen zu erreichen. Bei dem Penoid aus Unterarmgewebe kann erst nach vollständiger Wundheilung in einer späteren Operation die Implantation einer erektilen Pump-Prothese erfolgen.

Die geschlechtsangleichende Operation bei Mann zu Frau Transsexualität

Bei geschlechtsangleichenden Operationen bei einer Mann zu Frau Transsexualität erfolgt im Einzelnen zunächst die Entfernung der Hoden und des Hodensackes (Orchiektomie), danach in einem weiteren Schritt die Entfernung der Schwellkörper und des Penisschaftes. Die Glans penis (Eichel) wird dabei erhalten und dient der Neubildung der Klitoris. Die Hülle des ehemaligen Penis wird dann zur Auskleidung der neu gebildeten Scheide benutzt.

Was passiert nach der Geschlechtsumwandlung bei Transsexualität?

Unmittelbar nach der geschlechtsangleichenden Operation werden Sie Schmerzmittel benötigen, die Ihnen die nötige Ruhe und Entspannung für die Heilung verschaffen sollen. Gegen Blutgerinnsel und Embolien werden Thrombose-Strümpfe angelegt und auch vorbeugende Medikamente verabreicht. Die Wundheilung der Haut und das Abklingen der Schwellungen und Blutergüsse benötigt ca. 14 bis 20 Tage, die endgültige Abheilung ist jedoch erst nach mehreren Wochen zu erwarten. Je nach Operationsverfahren wird eine weitere Behandlung der neu gebildeten Harnröhre in der Urologischen Abteilung notwendig.

Welche Risiken und möglichen Komplikationen sind mit einer geschlechtsangleichenden OP verbunden?

Leiden Sie unter Gefäßerkrankungen, Venenstauung oder Blutgerinnseln (z.B. Thrombose oder Embolie), müssen besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Allergien gegen Medikamente, Pflaster oder Salben sollten Sie uns auf jeden Fall mitteilen, ebenso wie andere Erkrankungen und regelmäßigen Medikamentengebrauch. Vor der Operation bei Transsexualität werden Ihr Blutbild, die Blutgerinnung, das Herz (EKG) und die Lunge (Röntgen) untersucht.

Trotz größter Sorgfalt können während oder nach der Operation vereinzelt Komplikationen auftreten. Da es sich um größere Wundflächen handelt, können Blutergüsse und Sekrete oder bakterielle Entzündungen die Heilung stören. Größere Blutverluste müssen durch Infusionen oder Bluttransfusionen ausgeglichen werden. Zu diesem Zweck kann vor der operativen Geschlechtsumwandlung Eigenblut vorbereitet werden. Selten entstehen bei entsprechender Veranlagung überschießende Narben. Dennoch werden die Operationsnarben dauerhaft sichtbar bleiben. Hautgefühl und Lymphabfluss regenerieren sich erst langsam im Verlauf von mehreren Monaten und können in Narbenregionen vermindert bleiben. Thrombosen und Embolien sind extrem selten, können jedoch zu Bedrohlichen Belastung von Herz und Kreislauf führen.

Spezielle Komplikationen, die nach einem Penoidaufbau auftreten können, sind Lappenspitzennekrosen oder größere Lappennekrosen, welche selten zu einem vollständigen Lappenverlust führen können. Harnröhrenfisteln können besonders an den Nahtstellen (Anastomose) der Harnröhre auftreten, heilen aber in der Regel von selbst ab. Als weitere, sehr seltene Komplikationen sind Abstoßungsreaktionen oder Unverträglichkeiten des Nahtmaterials oder der Silikonimplantate zu nennen. Protheseninfektionen sind ebenso möglich.

Autor: PD Dr. med. Klaus Exner

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