Hypospadie - Medizinische Experten

Eine Hypospadie ist eine Erkrankung, die dem Bereich der Urologie zuzuordnen ist und von der 0,5 bis 0,8 Prozent der männlichen Neugeborenen betroffen sind. Kennzeichnend für eine Hypospadie ist eine Verkürzung der Harnröhre, die bei betroffenen Personen nicht an der Penisspitze, sondern an der Penisunterseite endet.

Weitere Informationen zur Hypospadie finden Sie weiter unten.

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Hypospadie - Weitere Informationen

Was ist eine Hypospadie?

Eine Hypospadie lässt sich in drei verschiedene Arten einteilen: Von einer vorderen Hypospadie spricht die Medizin, wenn die Harnröhre an der Eichelunterseite endet. Dies ist bei bis zu 70 Prozent der Personen der Fall, die von einer Hypospadie betroffen sind. Sollte sich die Öffnung der Harnröhre an der Mitte vom Penisschaft befinden, wird dies als mittlere Hypospadie bezeichnet. Von einer hinteren Hypospadie ist die Rede, wenn sich die Öffnung der Harnröhre im Dammbereich oder am Hodensack befindet.

Wie lässt sich eine Hypospadie erkennen?

Für eine Hypospadie ist es typisch, dass zusätzlich eine Vorhautspaltung auftritt. Hierbei umschließt die Vorhaut nicht die gesamte Eichel. Der Penis ist aufgrund der verkürzten Harnröhre oftmals nach unten gekrümmt. Diese Krümmung wird in manchen Fällen noch zusätzlich durch einen bindegewebsartigen Strang verstärkt.

Welche Ursache hat eine Hypospadie?

Grund für eine Hypospadie ist eine Entwicklungsstörung der Harnröhre während der embryonalen Zeit. Die Wissenschaft ist sich bis heute noch nicht sicher, welche Faktoren die Fehlbildung tatsächlich auslösen oder begünstigen. Da es in manchen Familien zu gehäuften Fällen einer Hypospadie kommen kann, ist davon auszugehen, dass genetische Faktoren für die Entstehung verantwortlich sein können.

Wie kann eine Hypospadie behandelt werden?

Der Königsweg bei der Behandlung ist eine operative Korrektur, die in einer Klinik von einem erfahrenen Urologen oder Kinderchirurgen durchgeführt werden sollte. Im besten Fall erfolgt ein solcher operativer Eingriff bereits im frühen Kindesalter (12 bis 18 Monate). Allerdings ist eine operative Korrektur auch noch im Erwachsenenalter möglich, wenngleich der Operationserfolg mit steigendem Alter der Patienten sinkt. Sollte die Hypospadie nur gering ausgeprägt sein, ist eine operative Korrektur in einigen Fällen auch ambulant möglich.

Ziele der Operation einer Hypospadie

Bei der Operation werden verschiedene Ziele verfolgt. Zum einen soll die Harnröhrenspitze an die Eichelspitze verlagert werden. Zum anderen ist hierfür eine Verlängerung der verkürzten Harnröhre erforderlich. Letztlich gilt es bei der Operation auch, die Verkrümmung des Penis zu beseitigen.

Welche Operationsverfahren stehen bei einer Hypospadie zur Verfügung?

Abhängig von der jeweiligen Ausprägung der Hypospadie können verschiedene Operationsmethoden zum Einsatz kommen. Nach einer Untersuchung durch einen Urologen wird dieser die geplante Operationsmethode mit dem Patienten besprechen.

Sollte die Öffnung der Harnröhre vergleichsweise weit vorne im Bereich der unteren Eichel lokalisiert sein und liegt keine Verkrümmung des Penis vor, entscheiden sich viele Ärzte für die Methode der „Vorverlagerung der Harnröhrenmündung mit kosmetischer Anpassung der Eichel“ – kurz auch MAGPI bezeichnet. Hierbei werden zunächst die Vorhaut sowie die Haut des Penisschaftes gelöst. Anschließend schneidet der Operateur die Eichel von der Spitze bis zur Harnröhrenmündung auf und verlagert die Öffnung der Harnröhre mithilfe einer besonderen Schnittführung nach vorne. Danach erfolgt der Verschluss der beiden „Eichel-Flügel“ durch eine Naht. Um den Harn abzuleiten und zugleich die Harnröhre „zu schienen“ wird abschließend ein Harnkatheter gelegt.

Die Korrektureingriffe werden umso aufwendiger und komplizierter, je ausgeprägter die Verkrümmung des Penis ist und umso weiter hinten sich die Öffnung der Harnröhre befindet. Beispielsweise erfolgt in manchen Fällen eine partielle Neubildung der Harnröhre. Als körpereigene Materialien werden hierfür Teile der Mundschleimhaut oder die Vorhaut verwendet. In besonders ausgeprägten Fällen einer Hypospadie reicht ein einzelner Eingriff nicht aus, sondern es sind mehrere Operationen notwendig, um ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen.

Weitere Informationen zur operativen Behandlung einer Hypospadie

Der operative Eingriff wird ausschließlich unter Vollnarkose durchgeführt und dauert - abhängig von den individuellen anatomischen Gegebenheiten - zwischen einer Stunde und vier Stunden. In besonders komplizierten Fällen kann die Operationszeit auch länger dauern.

Bei der operativen Behandlung einer Hypospadie handelt es sich grundsätzlich um einen vergleichsweise komplizierten Eingriff, der von einem erfahrenen Urologen vorgenommen werden sollte. Vor der Operation wird der behandelnde Arzt den Patienten über mögliche Risiken wie Nachblutungen, Schwellungen und Wundinfektionen ausführlich aufklären. Wie bei allen operativen Eingriffen unter Vollnarkose ist zusätzlich das übliche Narkose-Risiko vorhanden. Auch darüber wird der behandelnde Arzt mit dem Patienten natürlich ausführlich sprechen.

Der Ablauf nach der Behandlung

Der Harnkatheter, der beim operativen Eingriff gelegt wurde, muss - je nach Ausprägung der Hypospadie - zwischen zwei und zwölf Tagen liegen bleiben. In dieser Zeit gilt für den Patienten absolute Bettruhe. Erst nach dem Ziehen des Katheters kann der Patient vorsichtig im Bett aufsitzen, aufstehen und herumlaufen. Während der ersten Zeit nach der Operation kann der Patient nicht auf dem Bauch liegen. Das Entfernen des ersten Operationsverbandes erfolgt meistens gleichzeitig mit dem Ziehen des Katheters. Anschließend muss das Operationsgebiet noch für einige Zeit mit sterilen Wundauflagen versorgt werden. In den ersten Wochen nach dem Eingriff ist das Tragen von weiten Hosen sinnvoll, um die postoperativen Schmerzen möglichst gering zu halten.

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