Posttraumatische Belastungsstörung - Medizinische Experten

Die posttraumatische Belastungsstörung zählt zu den psychischen Erkrankungen. Sie entsteht als verspätete Reaktion auf traumatische Erlebnisse. In der Medizin trägt die posttraumatische Belastungsstörung (kurz PTBS) auch die Bezeichnung posttraumatisches Belastungssyndrom. PTBS ist die deutsche Bezeichnung für den englischen Begriff „post traumatic stress disorder“ (PTSD).

Weitere Informationen zur posttraumatischen Belastungsstörung finden Sie weiter unten.

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Posttraumatische Belastungsstörung - Weitere Informationen

Was ist eine posttraumatischen Belastungsstörung?

Gemeint ist mit der posttraumatischen Belastungsstörung eine verzögerte Reaktion auf ein Erlebnis, das durch eine gravierende psychische Belastung zustande kommt. Dabei verspüren die betroffenen Personen ein starkes Gefühl von Hilflosigkeit, Entsetzen und Angst. Hervorgerufen werden die psychischen Probleme durch intensive Traumata wie Gewaltausbrüche, Naturkatastrophen, Unfälle, Terror oder Krieg. Bemerkbar macht sich eine posttraumatische Belastungsstörung in den meisten Fällen erst nach sechs Monaten. Die Betroffenen empfinden Flashbacks, reagieren überempfindlich oder zeigen sich ängstlich.

Wie viele Menschen unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden, wird unterschiedlich angegeben. Dabei liegen deutliche Abweichungen zwischen den einzelnen Angaben vor. Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen 1 und 9 Prozent der allgemeinen Bevölkerung einmal im Leben ein posttraumatisches Belastungssyndrom erleiden. Deutschen Wissenschaftsstudien zufolge kommt es nach Vergewaltigungen bei rund 30 Prozent aller Opfer zu PTBS.

Mögliche Ursachen einer posttraumatischen Belastungsstörung

Die Ursachen für eine posttraumatische Belastungsstörung sind sehr unterschiedlich. Sie haben jedoch miteinander gemeinsam, dass sie durch traumatisch empfundene und stark psychisch belastende Vorgänge entstehen. Dabei handelt es sich zumeist um:

  • physische Gewalt, Gefangenschaft oder Folter
  • sexueller Missbrauch oder Vergewaltigung
  • Naturkatastrophen, Kriege und Terroranschläge
  • ernste Erkrankungen, z.B. Krebs
  • schwere Unfälle

Eine posttraumatische Belastungsstörung entsteht jedoch nicht automatisch bei jedem Menschen, der in belastende Geschehnisse gerät. So sind dabei auch andere Vorgänge von Bedeutung wie zum Beispiel genetische Einflüsse oder bereits früher aufgetretene Traumata.

Als besonders gefährdet für PTBS gelten Menschen, die nur über eine geringe psychische Belastbarkeit verfügen. Frauen leiden deutlich häufiger als Männer unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Erschwerend wirken sich ein instabiler sozialer Hintergrund, unzureichende Unterstützung durch die Familie oder eine geringe Bildung der Eltern aus. Außerdem werden kriminelle Einflüsse im engeren Umfeld als Risikofaktor eingestuft.

Ebenfalls anfällig sind Personen, bei denen eine psychische Erkrankung vorliegt. Das Gleiche gilt für Menschen, die von ihren Eltern autoritär erzogen und oft bestraft wurden. Es wird von Experten außerdem angenommen, dass sich das Risiko für PTBS noch vergrößert, wenn die traumatischen Erlebnisse längere Zeit anhalten. Auch das Lebensalter des Patienten ist von Bedeutung. So gilt die Gefahr, ein posttraumatisches Belastungssyndrom zu entwickeln, als umso größer, je jünger die betroffene Person ist.

Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung

Ein typisches Merkmal der posttraumatischen Belastungsstörung ist der Umstand, dass sich die Symptome der psychischen Erkrankung oft erst später zeigen. Während der traumatischen Situation reagieren die betroffenen Menschen nicht emotional auf das Erlebte und wirken wie betäubt. So empfinden sie das Geschehene als unwirklich. Bei diesem Vorgang handelt es sich jedoch um einen Schutzmechanismus, der als Reaktion auf die starke psychische Belastung entsteht.

Bis es zu den ersten Symptomen der PTBS kommt, können Monate oder sogar Jahre vergehen. Zu den häufigsten Beschwerden zählen:

  • das Vermeiden und Verdrängen des traumatischen Erlebnisses
  • gereiztes Verhalten, Nervosität und Angst
  • das Auftreten von Erinnerungen an das Trauma, das erneut erlebt wird
  • der Rückgang von bisherigen Interessen und Gefühlen
  • Schreckhaftigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Zittern
  • Schlafstörungen

In seiner Erinnerung erlebt der Betroffene die psychische Belastung immer wieder, was sich in Form von Rückblenden bemerkbar macht. Dabei fühlt sich der Patient derart, als würde er das Trauma tatsächlich nochmals durchleiden. Bestimmte Situationen in seinen Erinnerungen können bei ihm zu starken Ängsten führen. Auch intensive Albträume oder Tagträume sind keine Seltenheit. In einigen Fällen glauben die betroffenen Personen sogar, selbst an dem Erlebten schuldig zu sein und können die belastenden Gedanken nicht unter Kontrolle bringen. Andere Patienten neigen wiederum zu somatischen Beschwerden. Das bedeutet, dass bei ihnen körperliche Symptome auftreten, für die sich keinerlei organische Ursachen finden lassen. Im schlimmsten Fall unternehmen Menschen mit PTBS auch Selbstmordversuche (Suizidales Verhalten).

Leidet ein Kind unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, zeigen sich häufig Verhaltensauffälligkeiten wie aggressives Benehmen. Manche Kinder spielen das Erlebte auch immer wieder nach.

Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung

Die Behandlung einer posttraumatischen Belastungsstörung sollte durch einen Psychologen oder Psychiater erfolgen, der in der Traumatherapie gut geschult ist. So besteht durch falsche Behandlungsmaßnahmen das Risiko, dass sich die PTBS weiter verschlimmert. Die Therapie des posttraumatischen Belastungstraumas kann sowohl ambulant als auch stationär stattfinden, was sich nach dem Ausmaß der Erkrankung richtet. Die Therapiemethoden zur Bearbeitung des Traumas sind unterschiedlich. Zu den bewährten Verfahren zählen:

  • die Verhaltenstherapie (kognitiv-behaviorale Therapie)
  • die psychodynamisch-imaginative Therapie
  • EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing)

Im Rahmen der Verhaltenstherapie erlernt der Patient positivere Verhaltensmuster und wie er sie ausübt. Bei der psychodynamisch-imaginativen Therapie werden mit imaginativen Methoden Strategien zur Traumabewältigung von Therapeut und Patient erarbeitet. EMDR dient dazu, die belastenden Situationen durch gezielte Stimulationen zu bearbeiten. Dazu gehören unter anderem gezielte Bewegungen der Augen.

Hilfreich ist zudem der Austausch zwischen unterschiedlichen PTBS-Patienten in speziellen Selbsthilfegruppen. Auf diese Weise können sich die Patienten gegenseitig unterstützen. Als sinnvoll eingestuft wird die Unterstützung durch eine medikamentöse Therapie. Dabei erhalten die Patienten zum Beispiel Antidepressiva wie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer oder Beruhigungsmittel für kurze Zeit. Von einer längeren Verabreichung der Arzneimittel ist jedoch aufgrund der Abhängigkeitsgefahr abzuraten.

Ziel der Traumatherapie ist es, dem Patienten die Verarbeitung des Erlebten zu ermöglichen. Dabei geht der Therapeut so behutsam wie möglich vor. Zu den Inhalten der Behandlungsmaßnahmen gehören vor allem Gespräche, Entspannungsübungen und Rollenspiele. Grundsätzlich darf die Bearbeitung der traumatischen Erlebnisse aber nur dann stattfinden, wenn der Patient wieder über ausreichend Stabilität verfügt und keine weiteren Einwirkungen durch das Trauma mehr geschehen können.

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