Botox-Behandlung - Medizinische Experten

Botulinumtoxin (bekanntester Handelsname Botox®) ist das stärkste natürliche Gift. Die Medizin macht sich die hohe Wirksamkeit von Botulinumtoxin in verschiedenen Bereichen zunutze: In der ästhetisch-kosmetischen Medizin wird Botox® als Faltenglätter, der bis zu sechs Monate wirksam sein kann, eingesetzt. Medizinisch-therapeutische Zielsetzungen der Botox-Behandlung sind unter anderem eine Reduktion übermäßiger Schweißbildung oder die Behandlung von Migräne.

Weitere Informationen zur Botox-Behandlung finden Sie im Text weiter unten.

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Botox-Behandlung - Weitere Informationen

Was genau ist Botulinumtoxin und welche Wirkung hat es?

Bei Botulinumtoxin handelt es sich um einen Eiweißstoff, der von bestimmten Bakterien der Gattung „Clostridium botulinum“ gebildet wird. Dieser Eiweißstoff ist in der Lage, die Übertragung von Nervenimpulsen auf glatte und quer gestreifte Muskelfasern für einen gewissen Zeitraum zu blockieren und so je nach Dosis die Muskelaktivität zu reduzieren oder sogar nahezu vollständig zu lähmen.

Auch die an den Schweißdrüsen ankommenden Nervenimpulse können mittels feiner Injektionen von Botulinumtoxin blockiert werden, was dann zu einer deutlichen Reduktion der Schweißbildung führt. Botulinumtoxin kann durch diese Blockadeeffekte in sehr hohen Konzentrationen als äußerst starkes „Nervengift“ agieren.

Herkunft des Begriffes Botulinumtoxin (Handelsname Botox®)

Auf die Wirkung von Botulinumtoxin als Nervengift wurde man in Süddeutschland bereits Ende des 18. Jahrhunderts aufmerksam, als ganze Personengruppen nach dem Verzehr von verdorbenen Wurstwaren unter anderem mit Symptomen der Atemlähmung verstarben. Aus dem anfänglichen Begriff „Wurstgift“ wurde später der Begriff „Botulinumtoxin“, welcher sich aus den beiden Wortbestandteilen „botulus = Wurst“ und „toxin = Gift“ zusammensetzt.

Schon der legendäre und visionäre Arzt Paracelsus (1493 – 1541) postulierte: „Die Dosis macht das Gift“. Und so haben sich seit mittlerweile mehr als 50 Jahren renommierte Wissenschaftler und verschiedene medizinische Fachkreise der Aufgabe gewidmet, die therapeutischen Möglichkeiten und nutzbringenden Einsatzbereiche von Botox® zu entdecken und weiter zu entwickeln.

Der hochmolekulare Proteinkomplex Botulinumtoxin liegt in sieben verschiedenen Untergruppen, sog. Serotypen vor (Typ A, B, C etc.), die sich jeweils durch kleine Details auf molekularer Ebene voneinander unterscheiden. Das Botulinumtoxin vom Typ A (BTX-A) hat sich mittlerweile sowohl für medizinisch-therapeutische als auch für ästhetisch-kosmetische Zielsetzungen als der am besten geeignete Serotyp etabliert und wurde bis heute weltweit millionenfach mit großem Erfolg und immer neu hinzukommenden Indikationen eingesetzt.

Botulinumtoxin Serotyp A (Clostridium botulinum)
Botulinumtoxin Serotyp A; von own work - adapted from http://www.pdb.org/pdb/files/3BTA.pdb using Accelrys DS Visualizer 2.01, Gemeinfrei, Link

In Deutschland wird es von drei verschiedenen Herstellern unter den folgenden Handelsnamen angeboten: „Botox®“ und „Vistabel®“ (Firma Allergan Inc.), „Xeomin®“ und „Bocouture®“ (Firma Merz-Pharma), „Dysport®“ und „Azzalure®„ (Firma Ipsen Biopharm, Vertrieb durch Firma Galderma).

In welchen medizinischen Bereichen wird Botox® eingesetzt?

Nachfolgend sollen die verschiedenen etablierten Indikationen für eine Botox-Behandlung aufgeführt werden. Verschiedene medizinische Fachgruppen aus den Gebieten der Neurologie, Augenheilkunde, Orthopädie, Urologie, Dermatologie und Ästhetischen Medizin machen sich die Wirkweise des hoch potenten Eiweißstoffes Botulinumtoxin zu nutze.

Medizinischen Indikationen:

Botox® dient heute den entsprechend qualifizierten Ärzten weltweit unter anderem teils im Rahmen seiner offiziellen Zulassung, teils im Rahmen des sog. „off-label-uses“ (sinnvolle ärztliche Verwendung eines Medikamentes jenseits seines offiziellen Einsatzbereiches) der Behandlung von z.B.:

  • Strabismus (Schielen)
  • Verschiedene Formen von Dystonie (krankhafte Bewegungsstörungen mit zentral-neurologischem Ursprung), z.B.: Blepharospasmus (krankhafte Lidkrämpfe), Torticollis spasmodicus (krankhafter Schiefhals), Gliederdystonie (u.a. Schreibkrampf), Spasmus hemifacialis (einseitige Gesichtsmuskelverkrampfung), Meige-Syndrom = idiopathische orofaziale Dystonie
  • Sialorrhoe (abnormer Speichelfluss)
  • Bruxismus (Zähneknirschen)
  • Verschiedene Formen einer Spastik (z.B. aufgrund einer neurologischen Erkrankung wie infantiler Zerebralparese bei Kindern oder nach Schlaganfall)
  • Verschiedene Formen von Tremor (Zittern)
  • Spastiken im Bereich des Harnblasenausgangs
  • Spastiken im Bereich des Anus, z.B. beim Vorliegen von Analfissuren (Einrissen der Analschleimhaut)
  • bestimmte Formen von Migräne bzw. spannungsbedingten Kopfschmerzen
  • bestimmte Formen von schmerzhaften Muskelverkrampfungen
  • Tennisellenbogen
  • Übermäßiges Schwitzen vor allem axillär (unter den Achseln), aber auch im Stirn-/Gesichtsbereich oder an den Händen

Ästhetischen Indikationen:

Die Zielsetzungen der Botox-Behandlung sind hier insbesondere die Glättung mimischer, d.h. dynamischer Falten sowie die Harmonisierung von muskulär bedingten Dysbalancen im Gesichts- und Halsbereich:

  • Stirnfalten (sog. „Denkerfalten“)
  • Falten zwischen den Augenbrauen (sog. „Zornesfalten“)
  • Diskrete Anhebung der Augenbrauen (sog. „eye-brow-lift“)
  • Leichte Erweiterung der Augenöffnung im Unterlidbereich besonders beliebt bei Personen asiatischen Ursprungs (sog. „open-eye-look“)
  • Übermäßige Ausprägung der seitlichen Lachfalten am Auge (sog. „Krähenfüße“)
  • Falten im Bereich des Nasenrückens (sog. „bunny lines“)
  • Feine Fältelung um den Mund herum (sog. „Raucherfältchen“)
  • Zu starkes Sichtbarwerden des Zahnfleisches beim Lachen (sog. „gummy smile“)
  • Absenkung des Mundwinkels und sog. „Marionettenfalten“ oder auch “Merkelfalten“
  • Abflachung der seitlichen Gesichtskontur im unteren Drittel bei Hypertrophie des großen Kaumuskels (musculus masseter)
  • Hervortreten von bandartigen Strukturen des flachen Halsmuskels (=Platysma) mit dem Erscheinungsbild des sog. „Truthahnhalses“.

Der erwünschte Behandlungseffekt setzt in der Regel zwei bis drei Tage nach der Injektion von Botox® ein und steigert sich dann langsam, bis nach ca. zwei Wochen die vollständige Wirkung eingetreten ist. Die Wirkungsdauer einer Botulinumtoxin-Behandlung liegt je nach Dosis und Behandlungsindikation zwischen einem und sechs Monaten.

Wann sollte Botox® nicht eingesetzt werden?

Auch wenn keinerlei Hinweise auf eine Gefährdung des Ungeborenen oder Säuglings vorliegen, sollte auf eine Botulinumtoxin-Behandlung in der Schwangerschaft oder Stillzeit verzichtet werden. Ebenso sollte Botox® nicht bei Vorliegen einer mit Muskelschwäche einhergehenden Grunderkrankung (z.B. Myasthenia gravis) oder während der Einnahme bestimmter Antibiotika oder blutverdünnenden Mittel verwendet werden. Eventuell bestehende Entzündungen im Behandlungsgebiet sollten vor einer Botox-Behandlung vollständig zum Abklingen gebracht werden.

Komplikationen und Risiken der Botox-Behandlung

Die Botulinumtoxin-Behandlung ist bei Durchführung durch einen gut ausgebildeten und entsprechend qualifizierten Arzt eine sehr sichere und gut verträgliche Methode zur Linderung von Beschwerden bzw. Erkrankungen einerseits und zur sanften Faltenglättung andererseits.

Als Folge der Injektionen von Botox® kann es zu leichten Schwellungen oder kleinen Hämatomen (Blutergüssen) kommen. Nach einer Botulinumtoxin-Behandlung kann es vorübergehend zu Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Unwohlsein kommen, wobei aber auch häufig eine deutliche Besserung von zuvor bestehenden Kopfschmerzen insbesondere im Stirnbereich beschrieben wird. Extrem selten kann es zu allergischen Reaktionen, Juckreiz oder Hautausschlag kommen.

Außerdem sehr selten sind in Folge von Botox-Behandlungen der seitlichen Stirnpartie vorübergehende unangenehme Begleiterscheinungen wie das vorübergehende Herabhängen von Augenbraue oder gar Oberlid, oder auch kurzfristige Sehstörungen. Um diese Risiken weitgehend auszuschließen, sollte die Injektion von Botox® von einem erfahrenen, gut ausgebildeten Therapeuten durchgeführt werden.

Sämtliche Nebenwirkungen sind zeitlich beschränkt und lassen in der Regel deutlich früher nach, als die erwünschten Wirkungen anhalten.

Nachbehandlung nach einer Botulinumtoxin-Behandlung

Um den Wirkungseintritt nach einer Botox-Behandlung zu beschleunigen, kann es nützlich sein, die behandelten Muskelregionen in den Stunden nach der Behandlung wiederholt zu aktivieren, d.h. im Wechsel anzuspannen und zu entspannen, jedoch nicht zu massieren. Während dieser ersten Stunden ist außerdem eine aufrechte Körperhaltung zu favorisieren.

Für eine Dauer von drei bis 4 Tagen nach der Botulinumtoxin-Behandlung sollte ein stärkeres Erhitzen der Haut, z.B. bedingt durch direkte Sonneneinstrahlung oder Aufenthalte in der Sauna, im Dampfbad, im Solarium oder auch im Rahmen von exzessiven sportlichen Belastungen vermieden werden.

Fazit zur Botox-Behandlung

Mit der Möglichkeit der Gewinnung von reinem Botulinumtoxin Typ A und der Herstellung einer medikamentösen Lösung zur Injektion ist es der Wissenschaft gelungen, Patienten, die unter zum Teil vormals schwer oder nicht behandelbaren Erkrankungen und Beschwerden litten, neue, wirkungsvolle und sichere Therapiemöglichkeiten zu eröffnen.

Ungefähr die Hälfte des weltweit produzierten Botulinumtoxin A (Botox®) wird jährlich für die medizinische Behandlung solcher Erkrankungen verwendet und ist für zahlreiche medizinische Fachrichtungen ein unverzichtbarer Bestandteil ihrer täglichen Behandlungspraxis und für unzählige Patienten aller Altersgruppen ein segensreiches Medikament geworden.

Die anderen fünfzig Prozent der Jahresproduktion an Botulinumtoxin (Botox®) kommen im Bereich der kosmetisch-ästhetischen Medizin zur Anwendung und nehmen mittlerweile mit mehreren Millionen Behandlungen jährlich den 1. Platz in der Hitliste der beliebtesten und häufigsten ärztlichen Schönheitsbehandlungen ein. Die Tendenz ist deutlich steigend.

Autor: Dr. med. Dirk H. Tschauder

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