Die Wirbelsäule - Anatomie und Erkrankungen der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule, auch columna vertebralis oder umgangssprachlich Rückgrat genannt, ist das zentrale tragende Element im Skelettsystem, das den Körper stützt, die aufrechte Haltung und Bewegungen in verschiedene Richtungen ermöglicht. Sie verbindet alle anderen Teile des Skeletts direkt oder indirekt miteinander. Im Inneren der Wirbelsäule umschließt der Wirbel- oder Spinalkanal das empfindliche Rückenmark und schützt es dadurch vor Verletzungen. Von der Seite betrachtet stellt sich die Wirbelsäule als doppelte S-Form dar. Diese Form entsteht erst nach der Geburt und ist dann dazu geeignet, Erschütterungen abschwächen und zu verteilen.

Themenübersicht dieses Artikels

Aufbau der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule ist wie folgt aufgebaut:

  • 7 Halswirbel (Zervikalwirbel) der Halswirbelsäule (HWS)
  • 12 Brustwirbel (Thorakalwirbel) der Brustwirbelsäule (BWS)
  • 5 Lendenwirbel (Lumbalwirbel) der Lendenwirbelsäule (LWS)
  • 5 miteinander verschmolzene Kreuzbeinwirbel (Sakralwirbel) des Kreuzbeins (Os sacrum, Sakrum)
  • 4-5 rudimentäre Steißbeinwirbel (Kokzygealwirbel) des Steißbeins (Os coccygis)

Der obere Teil der Wirbelsäule (Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule) ist beweglich.

Anatomie der Wirbelsäule

Die einzelnen Wirbel

Die Bestandteile eines Wirbels sind Wirbelkörper (Corpus vertebrae), Wirbelbogen (Arcus vertebrae), Dornfortsatz (Processus spinosus), zwei Querfortsätze (Processi transversi, Processi costales), vier Gelenkfortsätze (Processi articulares). Ausnahmen stellen der erste und zweite Halswirbel dar.

Der Wirbelbogen umschließt den Wirbelkörper hufeisenförmig, so dass zusammen mit den Bögen anderer Wirbel der sog. Wirbelkanal/Spinalkanal (Canalis vertebralis) entsteht. In diesem liegen Rückenmark und Nervenwurzeln geschützt. An den beiden Querfortsätzen und dem Domfortsatz setzen die Rückenmuskeln an.

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Die Bandscheiben

Die 23 Bandscheiben (auch Zwischenwirbelscheiben oder discus intervertebralis genannt) in der menschlichen Wirbelsäule sind die elastischen Verbindungsglieder zwischen jeweils zwei Wirbelkörpern (Ausnahmen: erster und zweiter Halswirbel, Kreuz- und Steißbeinwirbel).

Eine Bandscheibe besteht aus einem relativ festen äußeren Faserring und einem im Inneren gelegenen zähflüssigen Gallertkern (zu 80 bis 85 Prozent aus Wasser). Durch die sich aus ihrem Aufbau ergebende Flexibilität der Bandscheiben ermöglichen sie der Wirbelsäule Beweglichkeit und fangen Stöße durch Laufen, Springen usw. ab (Pufferfunktion).

Da die Bandscheiben bei Belastung Flüssigkeit verlieren und dünner werden, verringert sich die Größe eines Menschen im Laufe des Tages um ca. 1,5 bis 2 cm. In der Nacht, bei Entlastung, nehmen die Bandscheiben wieder Wasser und Nährstoffe auf, wodurch der Mensch morgens wieder größer ist.

Verschleißerscheinungen und Fehlbelastungen können zu einer Zerstörung des Faserrings führen, wodurch es zu einem Bandscheibenvorfall (Austritt von Bandscheibenanteilen) kommen kann.

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Erkrankungen und Verletzungen der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule kann von verschiedenen Erkrankungen betroffen sein. Zu ihnen zählen degenerative Veränderungen (z.B. Bandscheibenvorfall), entzündlich-rheumatische Erkrankungen (z.B. Morbus Bechterew), Instabilitäten bis hin zur Spondylolisthesis (Wirbelgleiten), Deformationen (z.B. Skoliose, die Seitverbiegung der Wirbelsäule), Wachstumsstörungen (z.B. Scheuermann-Krankheit) und Geschwülste (Chordome). Ist die Wirbelsäule schwer verletzt (z.B. durch einen Unfall) und das Rückenmark geschädigt, kommt es zur Querschnittslähmung.