Thrombose: Ursachen, Symptome, Therapie

Unter dem Begriff „Thrombose“ verstehen Mediziner einen Verschluss einer Körpervene durch ein Blutgerinnsel. Dieser entsteht meist durch Ablagerungen infolge eines krankheitsfördernden Lebensstils oder durch eine ungenügende Funktion der Venenklappen, sodass es innerhalb der Venen zu Pendelblut kommt. Sehr häufig betreffen Thrombosen die Beinvenen. Fast jeder zweite Deutsche entwickelt in seinem Leben Venenprobleme, die bis hin zu einer Thrombose und schwerwiegenden Folgeerkrankungen führen können. Doch, warum ist die Thrombose eigentlich so gefährlich? Wie entsteht sie? Und gibt es etwas, das Sie als Patient dagegen tun können, um ein Thromboserisiko zu mindern?

Themenübersicht dieses Artikels

Was ist eine Thrombose?

Bei einer Thrombose kommt es zum Verschluss eines Blutgefäßes durch ein Blutgerinnsel (Thrombus). Besonders anfällig dafür sind Menschen mit einem sehr hohen Blutfettwert, Übergewicht, systemischen Entzündungen sowie mit bestehender Venenklappen-Insuffizienz. Letzteres bedeutet, dass sich die insbesondere in den großen Beinvenen befindenden Venenklappen nur noch unzureichend schließen und es so zu Pendelblut und Blutstau kommen kann. Es bilden sich Verwirbelungen und das Blut fließt nur sehr langsam weiter Richtung Herz. Dies kann die Blutgerinnung auslösen und ganz langsam lagert sich geronnenes Blut schichtweise in der Vene ab; ein Thrombus entsteht. Von den Wadenvenen kann sich ein solches Gerinnsel in die großen Beinvenen fortsetzen und schließlich das Becken erreichen.

Thrombose - Blutgerinnsel in einer Vene

Welche Gefahr geht von einer Thrombose aus?

Eine Thrombose kann sich in zwei Richtungen weiterentwickeln. Bei einer starken Einengung der Vene oder einem vollständigen Verschluss wird das Blut nicht mehr abtransportiert und es drohen je nach Ausmaß Krampfadern bis hin zu Ödemen und offenen Geschwüren. Noch weitaus schwerwiegender ist jedoch die teilweise oder vollständige Ablösung eines Thrombus aus der betroffenen Vene.

Das Gerinnsel wird dann mit dem Blutstrom Richtung Herz abtransportiert und kann dort die Herztätigkeit stören, oder sogar bis in die Lungenarterien abwandern. Da sich die Arterien in der Lunge immer weiter verzweigen, um den Gasaustausch an den Alveolen zu gewährleisten, verstopft das Gerinnsel je nach Größe die zuführenden Gefäßäste. Die Folge ist eine plötzliche Minderdurchblutung von Lungengewebe, sodass auch der Gasaustausch im betreffenden Bereich zusammenbricht. Die sogenannte Lungenembolie ist ein Notfall und endet nicht selten tödlich.


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Gibt es sichere Anzeichen für eine Thrombose?

Die Thrombose ist oft für den Laien sehr schwer erkennbar. Ihre lange Symptomlosigkeit macht die Erkrankung auch gerade so tückisch. Meist fühlen Betroffene nur eine Schwere oder eine Art Spannungsgefühl im betroffenen Bein. Ein solches Symptom kann alles oder nichts sein und wird zuerst meist ignoriert. Doch eigentlich handelt es sich dabei sogar um ein sehr häufiges Symptom einer Beinvenenthrombose. Doch es gibt weitere, oft etwas eindeutigere Anzeichen für eine Thrombose.

Im weiteren Verlauf der Krankheit verfärbt sich die Haut leicht bläulich und es können leichte bis mäßige Wadenschmerzen auftreten. Diese Schmerzen führen mitunter zu Schwellungen und verschlimmern sich mit weiterfortschreitender Thrombose. Auffällig ist ebenfalls, dass die Beschwerden einer Thrombose meist abklingen, wenn man die Beine hochlegt oder sich eine kurze Pause gönnt. Die Erkrankung selbst wird dadurch jedoch nicht geheilt. Die Haut über der Stelle des Blutgerinnsels kann sich zusätzlich warm anfühlen. Bleiben die Symptome unbehandelt, können Schwierigkeiten beim Atmen und auch Schmerzen in der Brust auftreten. Wenn sich die Schmerzen beim Atmen verschlimmern oder der Betroffene Blut aushustet, besteht ein Notfall; der Patient könnte eine Lungenembolie erlitten haben.

Gibt es konkrete Ursachen und Risikofaktoren für eine Thrombose?

Die folgenden Ursachen kommen infrage, eine Thrombose zu begünstigen:

  • Einschränkungen in der Beweglichkeit (z. B. durch Erkrankung, Operation, bei Bettlägerigkeit, Gipsverband oder Lähmungen)
  • Verletzungen
  • Tumoren
  • während der Schwangerschaft
  • bei schweren und akuten (systemischen) Entzündungen
  • Störungen der Blutgerinnung

Neben diesen vorgenannten allgemeinen Thromboserisiken gibt es weitere individuelle (in der jeweiligen Person des Patienten begründete) Risikofaktoren, die die Thromboseneigung erhöhen:

  • Familiäre Häufung von Thrombosefällen
  • genetische und erworbene Thromboseneigung (Thrombophilie)
  • wiederholte Thrombosen
  • Hormonveränderungen z. B. in den Wechseljahren
  • Einnahme der Antibabypille (Kontrazeptiva)
  • Krampfaderleiden
  • Übergewicht und Fettleibigkeit

Wo tritt eine Thrombose überall auf?

Prinzipiell kann eine Thrombose in allen Gefäßen des menschlichen Körpers auftreten. Dennoch gibt es einige bevorzugte Orte, die im Folgenden vorgestellt werden sollen:

Die tiefe Beinvenenthrombose und Beckenvenenthrombose

Die klassische Venenthrombose ist die tiefe Beinvenenthrombose und Beckenvenenthrombose. Ihre Bildung hängt wesentlich von drei begünstigenden Faktoren ab; zum einen von der Geschwindigkeit des Blutflusses, daneben von der Dicke des Blutes und letztlich auch von der Ausstattung und möglichen Schäden der Gefäßwand. Eine tiefe Venenthrombose verursacht sehr häufig Schmerzen und gerötete Stelle innerhalb der betroffenen Hautregionen.

Die Pfortaderthrombose – Wenn die Leber betroffen ist

Seltener kann es zur sogenannten Pfortaderthrombose kommen. Dabei ist die Blutversorgung der Leber betroffen, was erhebliche Störungen verursacht. Als Ursachen für die Art der Thrombose kommen vor allem Krebserkrankungen der Gallenblase oder eine Leberzirrhose infrage. Ebenso kann ein Magengeschwür den Blutfluss im Organ verändern und Durchblutungsstörungen auslösen.

Renale Venenthrombose – Die Niere stockt

Immer Falle eines Verschlusses einer Nierenvene durch eine Thrombose spricht der Mediziner von einer renalen Venenthrombose. In der Folge reduziert sich der Blutabfluss aus der betroffenen Niere, was schließlich zur Funktionseinschränkung führt.

Thrombose der Jugularvene – stechender Schmerz

Je kleiner und je versteckter eine Vene im Körper ist, desto schwieriger ist es auch, eine Thrombose darin zu entdecken. Die Thrombose der Schlüsselbeinvene (Jugularvene) ist sehr schwer zu diagnostizieren. Sie tritt meist sehr plötzlich und häufig als Zufallsbefund auf. In vielen Fällen ist hier eine Infektion ursächlich. Als Daumenregel kann man sich jedoch merken, dass jeder plötzliche Schmerz in einer Vene umgehend einem Arzt vorgestellt werden sollte. Die Gefahr eines Schlaganfalls oder einer Lungenembolie ist durch den Abgang eines Gerinnsels sehr hoch.

Die cerebral- venöse Sinusthrombose: Schlaganfall spezial

Eine sehr seltene Form des Schlaganfalles ist die so genannte cerebral-venöse Sinusthrombose. Der Gefäßsinus des Gehirns ist bei dieser Erkrankung durch ein Gerinnsel verlegt, sodass weniger Blut das Gehirn erreicht. Als erstes Symptom treten starke und lang anhaltende Kopfschmerzen auf. Später kommen Sehstörungen und gegebenenfalls Lähmungserscheinungen im Gesicht oder an den Gliedmaßen hinzu, je nachdem, welche Hirnbereiche betroffen sind. Im Gegensatz zum traditionellen Schlaganfall sind die Heilungschancen hier sehr groß. Die Sterblichkeitsrate liegt bei unter fünf Prozent der Betroffenen.

Wie lässt sich die Thrombose heilen?

Thrombose Behandlung HeparinspritzenGenerell sind die Heilungschancen bei einer ausreichend therapierten Thrombose gut und die Rückfallquote gilt als eher gering. Dies hängt aber ganz entscheidend auch von den Lebensumständen der Patienten ab. Grundsätzlich sind Beinvenenthrombosen gut therapierbar, jedoch brauchen die meisten Patienten dann eine langfristige medikamentöse Behandlung. Die Medikamente helfen dem Körper, die Blutzusammensetzung und den Gerinnungsgrad des Blutes wieder ins Normalmaß zu regulieren.

Für die Zeit nach einer überstandenen Thrombose empfiehlt es sich, Kompressionsstrümpfe zu tragen. Unterstützt wird dies durch eine medikamentöse Therapie, die ganz individuell abgestimmt wird. Die längerfristigen Heilungschancen stehen gut und die Rückfallquote ist bei Einhaltung aller erforderlichen Lebensstilveränderungen niedrig. Eine Studie zum Thema erbrachte beispielsweise, dass nur etwa 20 Prozent der Thrombose-Patienten erneut ein Blutgerinnsel ausbilden. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Männer anscheinend etwas häufiger zu Rückfällen neigen als die Frauen.

Das oberste Ziel bei der Thrombosevermeidung ist, den Blutfluss anzuregen und das Blut gegebenenfalls dafür zu verdünnen. Die derzeit häufigste Blutverdünnungsmethode nutzt Heparin-Präparate. Man nennt diese niedermolekularen Präparate auch NMH-Stoffe. Eine einzelne Injektion reicht meist aus, um das Blut der Patienten bis zu 24 Stunden ausreichend zu verdünnen. Das Heparin wird dazu meist direkt in die betroffene Vene gespritzt. Da eine Venenpunktion für Injektionen (intravenöse Applikation) nur durch geschultes Personal oder Ärzte erfolgen darf, wird für die Selbstmedikation der Patienten auf Bauch, Oberschenkel oder Hüfte ausgewichen.

Was tun bei Heparin-Unverträglichkeit?

In Zeiten immer weiter steigender Allergien und Unverträglichkeiten besteht eine immer größer werdende Chance, dass auch Sie selbst auf Heparin reagieren. Je nach Stärke der Reaktion sind schwere Nebenwirkungen möglich. Ihr behandelnder Arzt wird Ihnen in einem solchen Fall sehr wahrscheinlich Fandaparinux empfehlen. Dieser Wirkstoff verdünnt ebenfalls das Blut sehr effektiv und verbessert die Blutzirkulation. Dabei ist Fandaparinux allgemeinhin besser verträglich und ist außerdem das Mittel der Wahl bei bereits eingeschränkter Nierenfunktion.

Erstbehandlung mit Heparin erfolgt meist stationär

Eine Erstbehandlung bei Thrombose wird meist stationär vorgenommen, um die Auflösung der Thrombose zu überwachen. Im Anschluss daran stehen den Behandlern heute zahlreiche ambulante Therapien zur Verfügung. Über die ersten Monate hinweg müssen Patienten regelmäßig Tabletten nehmen, um die Thrombose zu behandeln. Meist enthalten diese Cumarine, die das Vitamin K hemmen und so die Blutgerinnung direkt vermindern. Um die Dosis und das Ansprechen des Patienten auf die Therapie zu überprüfen, wird regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls nachjustiert.

Neuere Behandlungsansätze bei Thrombose

Immer wieder finden heute alternativ zum Heparin auch weitere Antithrombotika zur Behandlung von Thrombosen Verwendung. Diese haben gegenüber der traditionellen Heparin-Behandlung einige Vorteile. So sind sie z. B. sehr leicht oral einzunehmen und regelmäßige Laborkontrollen und Dosieranpassungen fallen somit gleichzeitig weg. Für die Planung von Operationen sind solche Tabletten ebenfalls günstiger, da sich die blutverdünnende Therapie dann jederzeit, auch kurzfristig, durchführen lässt. Als bisher einziges Gegenargument gegen die Verschreibung dieser neuen Antithrombose-Mittel ist der im Vergleich zu Heparin höhere Preis. Eine weitere neue Möglichkeit bei der Behandlung von Thrombosen sind sogenannte Cava-Filter. Diese Filter werden direkt in die Vena cava inferior eingesetzt und fangen dann wandernde Blutgerinnsel sicher ab, bevor sie das Herz und die Lunge erreichen können.

Thrombosestrümpfe: Das Mittel der Wahl zur Thromboseprophylaxe

Thrombosestrümpfe zur ThromboseprophylaxeThrombose- oder Kompressionsstrümpfe dienen sowohl der Thromboseprophylaxe als auch der Therapie von Venenerkrankungen, vor allem der Thrombose. Die Strümpfe fördern entweder die Kompression, erhöhen die Stützfunktion des Beines oder fördern die Durchblutung. Der richtige Strumpf für die richtige Indikation ist essenziell, wenn es um die Behandlung von Venenleiden wie z. B. eine Thrombose geht. Insbesondere Venenkranke müssen medizinische Kompressionsstrümpfe tragen, um das Risiko einer Thrombose zu minimieren. Dagegen erhalten bettlägerige Patienten die sogenannten Thromboseprophylaxestrümpfe, welche ausschließlich nur im Liegen getragen werden dürfen. Auf längeren Flug- oder Busreisen muss durch das stundenlange Sitzen einer Thrombose vorgebeugt werden. Dafür gibt es die sogenannten Reisestrümpfe, die eigentlich keine echten Thrombosestrümpfe sind, sondern vielmehr die Blutgefäße von außen stützen sollen, damit in ihnen das Blut nicht „versackt“.

Wie wirken Strümpfe gegen Thrombose?

Thrombosestrümpfe üben von außen einen mechanischen Druck auf die Venen aus. Dadurch verkleinert sich der Durchmesser der Venen. Der Venendruck steigt an und das Blut fließt schneller zum Herzen zurück. Der Druck ist dabei am Fuß am größten und nimmt Richtung Oberschenkel immer weiter ab. Dies garantiert, dass das Blut aus dem Fuß, über den Oberschenkel bis zum Herzen fließen kann.

Thrombosestrümpfe werden generell nur in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen angewendet, da sie obligatorisch nur im Liegen getragen werden dürfen. Im Alltag sind sie nicht einsetzbar. Um einer Thrombose wirksam vorzubeugen, müssen die Patienten die Strümpfe 24 Stunden am Tag tragen. Eine optimale Prophylaxe ist somit nur möglich, wenn der Strumpf auch nachts getragen wird. Da sich der Weg nachts im Allgemeinen weniger bewegt, nimmt der Blutfluss gerade während des Nachtschlafes sehr dramatisch ab. Wer nun aber denkt, dass das Tragen von Thrombosestrümpfen im Alltag vor einer Thrombose schützt, geht fehl. Denn beim Stehen oder längeren Gehen wird der Schutzeffekt durch Verlust der Stützwirkung aufgehoben.

Das Anziehen der Thrombosestrümpfe kann unter Umständen etwas anstrengend sein. Das Bein sollte trocken und nicht eingecremt sein. Sehr hilfreich beim Anziehen sind praktische Anziehhilfen aus der Apotheke. Das Fußteil wird dazu über die Anziehhilfe gestreift. Sitzt die Ferse, streifen Sie den Strumpf gleichmäßig nach oben ab.

Der normale Prophylaxestrumpf bei Thrombose besteht aus dünnem, atmungsaktivem Material. Die Fußspitze ist häufig antibakteriell wirksam und bietet den Zehen ausreichend Spielraum. Reisestrümpfe oder Stützstrümpfe verfügen über eine eigene Stützfunktion oder einen Kompressionseffekt. Sie dienen in erster Linie dazu, die Durchblutung in den Beinvenen zu fördern:

  • auf langen Bus- oder Autoreisen,
  • im Flugzeug,
  • während einer Schwangerschaft,
  • bei überwiegend sitzender oder stehender Tätigkeiten.