Sprunggelenk-Schmerzen

Das Sprunggelenk ist im Gegensatz zu anderen Gelenken anfälliger für Verletzungen, sodass Sprunggelenk-Schmerzen als Folge von Verletzungen und Verstauchungen sehr häufig auftreten. Aufgrund der enormen Belastung im Alltag und bei sportlichen Aktivitäten sind Schmerzen im Sprunggelenk ein sehr häufiges Beschwerdebild.

Themenübersicht dieses Artikels

Definition von Sprunggelenk-Schmerzen

Schmerzen im Sprunggelenk beschränken sich aus medizinisch-anatomischer Sicht nicht auf Schmerzen im Knöchel. Auch wenn wir im allgemeinen Sprachgebrauch mit „Knöchelschmerzen“ sämtliche Schmerzen in dem Bereich zwischen Unterschenkel und Fuß bezeichnen, handelt es sich bei Knöchelschmerzen korrekterweise um Schmerzen des oberen Sprunggelenks, da das obere Sprunggelenk auch als Knöchel bezeichnet wird. Schmerzen im Sprunggelenk sind jedoch nicht auf den Knöchel beschränkt, sondern können auch aus dem unteren Sprunggelenk herrühren. Neben Schmerzen im oberen oder unteren Sprunggelenk werden auch Schmerzen, die in Folge von Schädigungen an Bändern und Muskeln auftreten, als Sprunggelenk-Schmerzen bezeichnet.

Schmerzen im Sprunggelenk

Anatomie und Funktion des Sprunggelenks

Das Sprunggelenk wird täglich stark belastet, denn bei jedem Schritt, den wir machen, tragen unsere Sprunggelenke etwa das fünf- bis siebenfache Gewicht unseres Körpers pro Quadratzentimeter. Damit ist die Belastung des Sprunggelenks erheblich größer als bei allen anderen Gelenken des Körpers. Vor allem bei bestimmten sportlichen Aktivitäten unterliegt das Sprunggelenk einem sehr großen Druck. Obwohl das Sprunggelenk sein Leben lang gefordert und stets belastet wurde, ist es ein recht ausdauerndes Gelenk. Denn bei dem Sprunggelenk tritt beispielsweise seltener Arthrose auf als bei anderen Gelenken wie beispielsweise im Knie oder der Hüfte.

Spezialisten für Orthopädie finden

Anatomie des Sprunggelenks und Sprunggelenk-Schmerzen

Das Sprunggelenk ist das Verbindungsgelenk zwischen Fuß und Unterschenkel und ermöglicht uns einen normalen, aufrechten Gang. Es setzt sich aus dem oberen und dem unteren Sprunggelenk zusammen.

Zu dem oberen Sprunggelenk (kurz ODG) gehören drei verschiedene Knochen. Diese sind das Sprungbein (Talus), das Wadenbein/der Außenknöchel (Fibula) und ein Teil des Schienbeins (Tibia). Von wesentlicher Bedeutung für Federung, Halt und Stabilität sind straffe Bänder, welche auch für Schmerzen im Sprunggelenk verantwortlich sein können. Wie andere Gelenke auch ist das Sprunggelenk von einer Kapsel umgeben. Das obere Sprunggelenk und seine Bänder ermöglichen die Bewegung zwischen Fuß und Unterschenkel und damit das Heben und Senken sowie Abrollbewegungen des Fußes und das Abstoßen beim Springen. Bei den Bändern, die das obere Sprunggelenk stabilisieren, unterscheidet man die Innenbänder und die Außenbänder.

Das untere Sprunggelenk (kurz USG) ist aufgrund seiner Komplexität noch verletzungsanfälliger als das obere Sprunggelenk und daher auch häufiger für Sprunggelenk-Schmerzen verantwortlich. Das untere Sprunggelenk, das auch aus mehreren Knochen besteht und von multiplen Bändern gehalten wird, kommt vor allem beim Stehen auf einer schiefen Ebene und beim Laufen auf sehr unebenem Untergrund zum Einsatz. Da das untere Sprunggelenk von multiplen Bändern gehalten wird und die Stabilität beim Senken des Fußes automatisch vermindert wird, kommt es in der Folge recht häufig zum Umknicken, zu Zerrungen und Rissen in Bändern und sogar zu Brüchen der unteren Sprunggelenksknochen oder zu Schädigungen an Knorpeln, welche erhebliche Sprunggelenk-Schmerzen und weitere Verletzungen am Sprunggelenk hervorrufen können.

Anatomie des Sprunggelenks

Ursachen von Sprunggelenk-Schmerzen

Aufgrund des komplexen anatomischen Aufbaus des Sprunggelenks – den unterschiedlichen Knochen und Bändern –gibt es eine Vielzahl verschiedener Ursachen für Schmerzen im Sprunggelenk.

Sprunggelenk-Schmerzen sind meist eine Folge von Unfällen, zu starker, dauerhafter Belastung oder eine Folge alter Verletzungen an Bändern und Knochen. Aber auch eine angeborene Bänderschwäche oder angeborene Fehlstellungen können eine Ursache von Schmerzen im Sprunggelenk sein.

Sprunggelenk-Schmerzen durch Schädigung der Bänder

Sprunggelenk-Schmerzen können im Knöchelbereich eine Folge von Schädigungen der Innen- und Außenbänder sein, welche zum Beispiel chronisch überlastet wurden oder beim Umknicken beispielsweise verletzt wurden, indem sie gerissen oder gezerrt wurden. Es ist auch eine veranlagte Bänderschwäche möglich. Menschen, die an einer angeborenen Schwächung der Bänder leiden, knicken leichter und häufiger um.

Schmerzen im Sprunggelenk durch Knochenbruch

Beim Umknicken des Fußes kann es in schlimmen Fällen neben Zerrungen und Rissen der Bänder auch zu einem Bruch im oberen Sprunggelenk kommen, welcher massive Sprunggelenk-Schmerzen hervorrufen kann. In der Regel geht eine Knöchelfraktur mit einer Bänderzerrung bzw. Bänderdehnung oder einem Bänderriss einher.

Spezialisten für Unfallchirurgie finden

Sprunggelenk-Schmerzen durch Arthrose

Arthrose ist ein Sammelbegriff für sämtliche Verschleißerscheinungen von Gelenken. Arthrose kann auch im Sprunggelenk auftreten und massive Schmerzen verursachen. Obwohl die Arthrose des Sprunggelenks seltener vorkommt als die Hüftarthrose oder Kniearthrose, zählt die Arthrose des oberen Sprunggelenks zu den sogenannten Volkskrankheiten.

Bei der Sprunggelenksarthrose nutzt sich die Schutzschicht des Knorpels im Sprunggelenk nach und nach ab, sodass die Belastbarkeit abnimmt und die betroffenen Patienten über sehr starke Sprunggelenk-Schmerzen klagen. Durch Sport, insbesondere bei Sportarten, bei denen mitunter schnelle Lauf- und Springbewegungen das Sprunggelenk stark belasten, kann es auf lange Sicht zu erheblichen Verschleißerscheinungen im Sprunggelenk kommen. Zu den Risikosportarten gehören beispielsweise Skateboard, Handball, Volleyball, Fußball, Basketball und Hockey.

Die Arthrose im Sprunggelenk kann neben Überlastung durch sportliche Aktivitäten folgende Ursachen haben: Fehlstellungen nach gerissenen Bändern, Knorpelverletzungen nach einem Bänderriss, Belastung durch Übergewicht und Fehlstellungen der Beinachse. Anders als bei der Arthrose von Knie oder Hüfte entsteht die Arthrose des oberen und unteren Sprunggelenks eher aufgrund einer vorangegangenen Verletzung.

Symptomatik bei Schmerzen im Sprunggelenk

Schmerzen im Sprunggelenk variieren je nach Ursache und Lokalisation. Denn es können sowohl Knochen als auch Bänder und Muskeln für die Sprunggelenk-Schmerzen verantwortlich sein.

Sprunggelenk-Schmerzen bei Bänderrissen und Knochenbrüchen

Verletzungen am Übergang von Knochen und Bändern werden eher als punktueller Schmerz wahrgenommen. Sind Innen- oder Außenbänder gerissen oder angerissen kommt es eher zu einem flächigeren Schmerz, der sich am Fuß ausbreitet. Denn Bänderrisse und Bänderdehnungen, seien es die Innen- oder Außenbänder, gehen mit massiven Schwellungen oder Blutergüssen einher, welche auf das umliegende Gewebe drücken und so starke Schmerzen im Sprunggelenk verursachen.

Während der Heilung kann es mitunter zu einer Vernarbung des Gewebes kommen, welche ebenso zu Schmerzen im Sprunggelenk und Blockaden führt. Diese schränken die Beweglichkeit des Sprunggelenks erheblich ein. Vor allem in bestimmten Haltungen des Fußes oder bei speziellen Belastungen kommt es zu ziehenden Sprunggelenk-Schmerzen.

Die Sprunggelenk-Schmerzen, ganz gleich ob sie als punktuelle oder flächige Sprunggelenk-Schmerzen auftreten, nehmen in der Regel bei Druck oder Belastung, beim Abtasten oder Gehen, Stehen und Laufen, zu.

Diagnostik bei Sprunggelenk-Schmerzen

Die Sprunggelenk-Schmerzen sind wie alle Arten von Schmerzen die Folge einer Erkrankung oder Verletzung. Schmerzen im Sprunggelenk sind daher ein Anzeichen für eine Arthrose, eine Überbelastung, eine Verletzung etc. im oberen oder unteren Sprunggelenk, der Binnen- und Außenbänder, der Knorpel oder Muskeln. Da die Nichtbehandlung der Sprunggelenk-Schmerzen die Schmerzen verschlimmern kann, weil die Ursache nicht behoben wird und die Belastung der Knorpel durch immer schwächer werdende Bänder beispielsweise immer weiter zunimmt, empfiehlt es sich schon bei leichten Veränderungen wie einer geringfügigen Schwellung am Fuß und gering ausgeprägten Sprunggelenk-Schmerzen einen Arzt zu konsultieren.

Denn durch eine frühzeitige Diagnose und einen frühzeitigen Behandlungsbeginn, kann eine schnellere Heilung erfolgen und Langzeitfolgen können vermieden werden. Vor allem aufgrund der vielen, verschiedenen Ursachen der Sprunggelenk-Schmerzen kann der Patient nicht davon ausgehen, dass die Schmerzen ohne entsprechende Behandlung wieder verschwinden. Dies gilt vor allem dann, wenn die Schmerzen im Sprunggelenk keine Folge eines Unfalls etc. sind und der Betroffene keine Erklärung für die Sprunggelenk-Schmerzen hat.

Anamnesegespräch und körperliche Untersuchung

Nach einem Anamnesegespräch wird der Arzt das Sprunggelenk abtasten. Bei der Untersuchung durch Abtasten überprüft der Arzt – in der Regel ein Facharzt für Unfallchirurgie oder Orthopädie – die schmerzhaften Punkte durch Druckeinwirkung und die Stabilität.

Bildgebende Untersuchungsverfahren

In der Regel erfolgt die weitere Diagnosestellung durch Röntgenbilder des Fußes. Röntgenaufnahmen oder die Magnetresonanztomographie werden häufig eingesetzt, da diese sich als bildgebende Verfahren sehr gut zur Diagnose von Sprunggelenk-Schmerzen eignen. Denn so lassen sich Verletzungen an Bändern, Knochen, Knorpeln und Muskeln eindeutig identifizieren und in ihrer Struktur abbilden. Durch diese Verfahren ist die Diagnose bei Sprunggelenk-Schmerzen daher in der Regel selten ein Problem. Die Behandlung und Therapie von Schmerzen im Sprunggelenk ist hingegen oftmals komplizierter als die Diagnosestellung.

Behandlung von Schmerzen im Sprunggelenk

Die Therapie von Schmerzen im Sprunggelenk richtet sich nach der Diagnose, d.h. nach der Ursache der Sprunggelenk-Schmerzen. Bei einem Bänderriss wird in der Regel das Tragen einer Schiene verordnet. Bei einem Knochenbruch des oberen Sprunggelenks wird häufig ein Gipsverband nötig. Bei Verstauchungen und Zerrungen reicht in der Regel die Fixierung eines Verbandes. Es ist empfehlenswert, das Sprunggelenk zu schonen und die die Schwellung durch das Hochlegen des Fußes zu reduzieren.

Es ist aber auch möglich, dass der behandelnde Arzt dazu rät, den Fuß so zu belasten, dass es nicht unnötig schmerzt. Denn eine völlige Ruhigstellung ist in manchen Fällen nicht nötig oder gar empfehlenswert. Wenn gerissene Bänder nicht wieder zusammenwachen, müssen Arzt und Patient evtl. eine Operation in Betracht ziehen.

Spezialisten für Sprunggelenkchirurgie finden

Wachsen gerissene Bänder trotz Schiene nicht wieder zusammen, kann eine Operation im Rahmen der Sprunggelenkchirurgie erforderlich werden, bei der entweder die bestehenden Bänder wieder verbunden oder ersetzt werden. Eine Operation kann außerdem erforderlich werden, wenn die Schmerzen im Sprunggelenk durch eine Arthrose im Sprunggelenk verursacht werden. Die Arthroskopie, bei der das Sprunggelenk gespiegelt wird, ist ein minimalinvasives Verfahren, um die Schmerzen im Sprunggelenk vollständig zu beseitigen. Die Arthroskopie dient zur Spiegelung des Sprunggelenks; hierbei können zum Beispiel Knochensplitter, die sich bei einem Knochenbruch abgelöst haben, entdeckt und entfernt werden.

Des Weiteren kann bei der Therapie von Schmerzen im Sprunggelenk die Physiotherapie ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Behandlung und des Heilungsprozesses sein. Die Physiotherapie dient dazu, die beeinträchtigten Gelenke zu stabilisieren und die Sprunggelenk-Schmerzen dauerhaft zu beheben.

Vorbeugung von Sprunggelenk-Schmerzen

Da das Risiko, sich Verletzungen zuzuziehen, die in der Folge Schmerzen im Sprunggelenk verursachen, vor allem bei Sportarten wie Hockey, Fußball, Basketball etc. gegeben ist, sollte man als Sportler besonders darauf achten, für den jeweiligen Sport das entsprechende Schuhwerk zu tragen.

Aufwärmübungen und Dehnungsübungen vor den sportlichen Aktivitäten können ebenfalls helfen, das Verletzungsrisiko zu minimieren. Auch bei bereits bestehenden Schmerzen im Sprunggelenk können unter Umständen Dehnungsübungen helfen und zugleich vorbeugend wirken. Zur Vorbeugung von Sprunggelenk-Schmerzen können sich auch spezielle Turnschuhe eignen. Je nach Sportart, Vorgeschichte und Verletzungsrisiko, können beim Sport auch stützende Bandagen getragen werden.

Zusätzlichen Halt, vor allem beim Sport, erhält das Sprunggelenk mit Hilfe von Tapen oder durch das Tragen spezieller Stützstrümpfe. Allerdings können diese vorbeugenden Maßnahmen das Risiko, sich am Sprunggelenk zu verletzen, reduzieren. Tapen und Stützstrümpfe sind jedoch keine Hilfsmittel, um gesunde, belastbare und voll funktionsfähige Bänder zu ersetzen.

Zur Vorbeugung von Sprunggelenk-Schmerzen spielt die Physiotherapie eine bedeutende Rolle, da durch diese die notwendige Stabilität zurückgewonnen werden kann und so Unfälle wie beispielsweise wiederholtes Umknicken vermieden werden können.

Um Sprunggelenk-Schmerzen vorzubeugen, die durch Verletzungen an den Bändern entstehen, empfiehlt sich ein regelmäßiges Training der Muskulatur am Schienbein. Leidet der Betroffene unter Fehlstellungen bzw. beim Laufen unter Fehlbelastungen, die an sich schon zu Sprunggelenk-Schmerzen führen können, sollte derjenige Patient zunächst in Absprache mit seinem Arzt und einem Physiotherapeuten versuchen, diese Fehler zu beheben. Denn so können das Verletzungsrisiko und Verschleißerscheinungen stark reduziert werden.