Hepatitis: Die Entzündung der Leber

LeberDie Leber ist das größte und wichtigste Stoffwechselorgan des Menschen. Daneben ist sie zudem die größte Drüse unseres Körpers. Im rechten Oberbauch gelegen, grenzt sie mit ihrer Oberfläche direkt an das Zwerchfell. Von besonderer Bedeutung ist das Pfortadersystem dieses Organs. Alles, was der Körper über den Darm und die unpaaren Bauchorgane aufnimmt, wird über die Pfortader immer zuerst in die Leber transportiert. Dieser sogenannte First-Pass-Effekt bringt mit sich, dass Medikamente verstoffwechselt und in ihrer Wirkung verstärkt oder abgeschwächt werden können. Gleichzeitig werden die Zellen des Körpers z. B. vor aufgenommenem Alkohol geschützt, der ebenfalls zuerst vom Darm in dieses Stoffwechselorgan zum Abbau gelangt.

Die Stoffwechselleistungen hängen sehr stark von der Funktion der Leberzellen ab. Diese sind jedoch ebenfalls über den Blutweg durch verschiedene Viren zu infizieren, was in der Folge schwere Entzündungen und somit auch Funktionseinschränkungen im Leberstoffwechsel nach sich ziehen kann. Eine solche Entzündung der Leber wird als Hepatitis bezeichnet (von Hepar = griechisch für Leber). Der volkstümlich verwendete Begriff der Gelbsucht ist strenggenommen ungenau, denn die auffällige Gelbfärbung (= Ikterus) der Haut und der Augäpfel tritt längst nicht in allen Fällen einer Leberentzündung auf. Darüber hinaus kann eine Gelbsucht auch die Folge eines Verschlusses der Gallengänge sein. Ursachen dafür sind meist Gallensteine oder Tumoren.

Ursache für eine Hepatitis können zahlreiche Faktoren sein, wie beispielsweise Virusinfektionen, Stoffwechselstörungen (z.B. Fettleber), Alkoholvergiftungen oder auch Autoimmunkrankheiten. Dabei beginnt jede Hepatitis immer mit einer Schädigung und Zerstörung von Leberzellen. Aus diesen Zellen werden Proteine und Enzyme, die sogenannten Transaminasen, freigesetzt. Steigen diese Lebertransaminasen im Blut an, ist dies bei der Diagnose ein wichtiger Hinweis für den Arzt bzw. Hepatologen, dass eine Hepatitis vorliegen könnte.

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Die akute Virushepatitis (Leberentzündung)

Während einer akuten Hepatitis werden verschiedene Entzündungsbotenstoffe freigesetzt, die zu den beobachteten Allgemeinsymptomen wie Fieber und grippeähnliches Krankheitsgefühl führen. In vielen Fällen wird die Leberentzündung aber erst durch die verursachten Störungen der Leberfunktion bemerkt: Durch Störungen im Hämoglobin- und Gallensäurestoffwechsel kommt es zu einem Anstieg von Bilirubin, einem Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Dieses Bilirubin im Blut ruft die typische Gelbfärbung von Haut und Augenweiß, die Dunkelfärbung des Urins sowie die Entfärbung des Stuhls und Juckreiz hervor. Da der Energiestoffwechsel gestört ist, fühlen sich Erkrankte oft geschwächt. Bei sehr schweren Leberentzündungen sind weitere Funktionen eingeschränkt, wie z.B. die Herstellung von Gerinnungsfaktoren oder die Entgiftung des Blutes.

Die chronische Virushepatitis

Die Hepatitis heilt entweder nach überstandener akuter Phase folgenlos aus oder sie geht in eine chronische Hepatitis über. Bei chronischem Verlauf kommt es dann langfristig zu einem irreversiblen (unumkehrbaren) Umbau des Bindegewebes (Fibrose) bzw. zur sogenannten Schrumpfleber (Leberzirrhose). Im Endstadium dieser Leberentzündung wird die Leber weitestgehend funktionslos. Das Blut staut sich vor dieser im gesamten Kreislauf zurück. In der Folge bilden sich Umgehungskreisläufe aus, die sich in einer verstärkten Bildung von inneren Krampfadern (Varizen) zeigen.

Aufgrund der fehlenden Gerinnungsfaktoren durch die Hepatitis neigen die Patienten zunehmend zu Blutungen und Gerinnungsstörungen. Zusätzlich tritt sehr häufig Körperwasser in den Bauchraum aus, ein Phänomen, welches der Arzt als Aszites (Bauchwassersucht) bezeichnet. Die Leberfunktionsstörung führt zu weiteren Symptomen wie beispielsweise zu Mangelernährung, erhöhter Infektanfälligkeit, erhöhter Blutungsneigung, Verwirrtheitszuständen (= „hepatische Enzephalopathie“) und Stoffwechselstörungen. Darüber hinaus erhöht die Leberzirrhose als Folge einer chronischen Hepatitis das Risiko für ein Leberzellkarzinom. Doch wie kommt es eigentlich zur Gelbsucht? Welche Erreger sind dafür verantwortlich und kann man sich schützen?

Hepatitisviren: Erreger der Leberentzündung

LeberWie eingangs bereits gesagt, geht die Hepatitis auf ganz unterschiedliche Ursachen zurück. Neben Alkohol, Giften und dem Rückstau der Galle infolge eines Tumors oder eines Gallensteinleidens spielen vor allem Viren eine große Rolle. Solche, die eine Leberentzündung verursachen, werden in derzeit fünf Gruppen eingeteilt:

  • Die Hepatitis-A-Viren, welche hauptsächlich über verunreinigte Nahrung aufgenommen werden.
  • Die Hepatitis-B-Viren, die als sexuell übertragbare Infektion den Blutweg nutzen, um neue Wirte zu infizieren.
  • Eng mit der Hepatitis B hängt das Hepatitis-D-Virus zusammen. Dieses Defektvirus ist eine häufige Begleitinfektion von Hepatitis B und benötigt dessen Hülle, um neue Zellen anzustecken.
  • Die Hepatitis C wird vom gleichnamigen Hepatitis-C-Virus verursacht und ist die wohl gefährlichste Hepatitis aus dieser Reihe. Sie führt unbehandelt immer zu einer chronischen Hepatitis mit Leberzirrhose und gipfelt schließlich im Leberkrebs.
  • Die Hepatitis-E-Viren werden zum überwiegenden Teil durch mit Fäkalien verunreinigtes Trinkwasser übertragen und sind besonders in Afrika und Asien verbreitet.

Generell gilt, dass die Länder der Dritten Welt Risikogebiete für die Hepatitis sind. Insbesondere Reisende und Touristen sollten daher immer den folgenden Ausspruch berücksichtigen: „Boil it, peel it or leave it“. Dies bedeutet, dass alle Dinge, die nicht gekocht oder geschält wurden, zu vermeiden sind. Besondere Vorsicht gilt aber auch im Falle der Hepatitis B und C in Bezug auf Sexualkontakte und flüchtige Urlaubsbekanntschaften. Beide Erkrankungen können unbehandelt in eine dauerhafte Form der Leberentzündung übergehen und das weitere Leben sehr massiv beeinträchtigen. Neben den allgemeinen Verhaltensregeln gibt es jedoch auch im Fall einiger Hepatitis-Viren die Möglichkeit der Impfung. Um Ansteckungswege und Präventionsmaßnahmen soll es deshalb im folgenden Abschnitt gehen.

Hepatitis A: Muscheln als Überträger

Hepatitis A ist weltweit verbreitet. Doch besonders in südlichen Ländern kann es gehäuft zu Infektionen führen. Das Virus zeichnet sich durch seine extreme Widerstandfähigkeit auch außerhalb des menschlichen Körpers aus. Aufgrund dieser Eigenschaft überlebt das Hepatitis-A-Virus, wenn es über Fäkalien ins Meer gespült wird. Muscheln und andere Meerestiere nehmen es aus dem Wasser auf und reichern es über Filtrationsmechanismen ungewollt an. Wer dann im Urlaub seine Meeresfrüchtepizza genießt, kann sich dabei leicht mit dem Virus anstecken. Deshalb gehört die Hepatitis A heute auch zu den klassischen Krankheiten, die auf einer Reise auftreten können.

Die Dauer bis zum Ausbruch der Krankheit nachdem man sich infiziert hat ist mit 15 bis 50 Tagen sehr lang. Vielfach ist der Urlaub dann bereits wieder vorüber und so wird die Hepatitis A schwerer erkannt. Erschwerend kommt hinzu, dass gerade Kinder meist asymptomatisch sind, d.h., sie zeigen überhaupt keine Erkrankungsanzeichen. Kommt es zu Symptomen, so finden sich für eine Diagnose hauptsächlich:

  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Völlegefühl
  • Übelkeit
  • allgemeines Krankheitsgefühl
  • leichtes Fieber
  • Gelbfärbung (= Ikterus, „Gelbsucht“) von Haut und Augenweiß

Die Hepatitis A ist immer akut und bildet anders als Hepatitis B und C keine chronischen Krankheiten aus. Nach einer überstandenen Infektion ist der Mensch ein Leben lang immun, sodass Wiederansteckungen unmöglich sind. Allerdings lässt sich diese Leberentzündung vollständig vermeiden, indem gerade Reisende nach Südeuropa oder Afrika und Asien sich vor Reiseantritt impfen lassen. Eine solche Impfung wird je nach Krankenkasse sogar als Vorsorge zum Reiseschutz erstattet. In jedem Fall aber erhalten Kinder bis zum 18. Lebensjahr die Impfung in Kombination mit der Hepatitis-B-Impfung kostenlos.

Hepatitis B: eine sexuell übertragbare Infektion (STI)

Die Übertragung der Hepatitis-B-Viren erfolgt über den Blutweg sowie auch andere Körperflüssigkeiten. Deshalb gehört die Krankheit zu den sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Bei der akuten Erkrankung kommt es nach 60 bis 120 Tagen zuerst zu Übelkeit, Erbrechen, Gelenkschmerzen, Fieber und Müdigkeit. Später tritt auch bei der Hepatitis B die charakteristische Gelbfärbung auf. Etwa ein Prozent der Erkrankten verstirbt an der akuten Hepatitis, insbesondere, wenn das Organ bereits durch Zirrhose oder anderes vorgeschädigt ist. Weitere zehn Prozent entwickeln schließlich eine chronische Leberentzündung.

Hepatitis-ImpfungBei den Kindern verhält es sich anders: Hier gehen 90 Prozent der Infektionen in eine dauerhafte Form über. Chronisch Infizierte sind zeitlebens eine Ansteckungsquelle und dürfen beispielsweise nicht im Gaststätten- oder Gesundheitswesen arbeiten. Somit bringt die Hepatitis B auch tiefe Einschnitte in das Leben der Betroffenen mit sich. In Deutschland leben zwischen 0,7 und einem Prozent chronisch Infizierte. Den besten Schutz bietet die Dreifach-Schutzimpfung, die, sofern im Kindesalter durchgeführt, kostenlos ist. Sind Sie unsicher, ob Sie sich impfen lassen sollten? Die folgende Liste zeigt Ihnen diejenigen Personenkreise, denen derzeit eine Impfung empfohlen wird:

  • Alle Säuglinge und Kleinkinder können die Hepatitis-B-Impfung erhalten. Außerdem sollten sich alle bisher nicht geimpften Jugendlichen zwischen 9 und 17 Jahren immunisieren lassen.
  • Ist die Mutter Hepatitis-B-infiziert sollten Neugeborene vorsorglich ebenfalls direkt nach der Geburt geimpft (passiv immunisiert) werden.
  • Personen, die bereits durch andere anhaltende Krankheiten geschwächt sind, sollten ebenfalls eine Impfung erhalten. Zu diesem Personenkreis gehören Menschen z.B. mit chronischer Nierenkrankheit, Dialysepatienten, Personen mit häufiger Übertragung von Blut oder Blutbestandteilen, Patienten vor größeren Operationen sowie Menschen, die überwiegend in psychiatrischen oder anderen Fürsorgeeinrichtungen sowie in Behindertenwerkstätten leben oder arbeiten.
  • Zudem profitieren Personen mit chronischer Leberkrankheit sowie HIV-Positive, die bisher noch nicht mit Hepatitis B infiziert sind.
  • Personal im Gesundheitsdienst, einschließlich Auszubildender bzw. Studenten, Labor- und Reinigungspersonal, Personal in psychiatrischen Einrichtungen, in Asylbewerberheimen und Behindertenwerkstätten und andere Personen mit Infektionsrisiko durch Blutkontakte (z. B. Ersthelfer, Polizisten, Müllentsorger) sollten die Impfung wahrnehmen.
  • Auch diejenigen, die sehr oft in tropische und subtropische Gebiete verreisen, in denen die Hepatitis B häufig auftritt, sollten sich impfen lassen. Gleiches gilt, wenn ein enger (auch sexueller) Kontakt auf der Urlaubsreise zu erwarten ist.

Die Impfung schützt zwar langanhaltend vor einer Infektion mit Hepatitis-B-Viren, dennoch sind regelmäßige Auffrischimpfungen nach 15 Jahren je nach Antikörpertiter im Blut angezeigt. Nach Risikokontakten oder bei Personen, die im Gesundheitsdienst arbeiten, können Auffrischimpfungen bereits nach 10 Jahren sinnvoll sein.

Hepatitis C: Blut als Risikoquelle Nummer eins

LeberzirrhoseDie Hepatitis C ist die heimtückischste aller Hepatitis-Infektionen des Menschen. Nach einer eher kurzen akuten Phase, die sehr häufig sogar vollkommen symptomlos verläuft, geht die Hepatitis in eine anhaltende Verlaufsform über. Innerhalb von 15 bis 30 Jahren entwickelt sich langsam eine Leberzirrhose, die in einen Leberkrebs übergehen kann.

Die Inkubationszeit bis zum Auftreten der ersten Symptome beträgt hier meist sechs bis acht Wochen. Sehr häufig treten grippeähnliche Symptome auf, die schließlich in der Gelbsucht münden. Die chronische Hepatitis C ist meist stumm und wird deshalb oft nicht bemerkt. Jedoch gibt es eine Reihe weiterer Symptome, die auf eine solche fortwährende Infektion hinweisen können:

  • Müdigkeit
  • Leistungsverlust
  • Oberbauchbeschwerden
  • Juckreiz der Haut
  • Gelenkbeschwerden und andere rheumatische Erkrankungen
  • Erkrankungen der Niere
  • Depressionen

Eine Impfung wie gegen Hepatitis B, D und A ist bei der Hepatitis C leider nicht möglich. Somit ist der einzige Schutz, Blut-Blut-Kontakte zu vermeiden, denn das Blut ist nach wie vor der Hauptansteckungsweg. Injizierende Drogenabhängige sind ebenso gefährdet wie Tattoo-Liebhaber, die sich im Ausland ein neues Tattoo anfertigen lassen, aber ebenso Menschen, die zu riskanten Sexualpraktiken neigen.

Generell gilt die Hepatitis C heute aber als heilbar, insbesondere dank neuer im Jahr 2014 zugelassener Medikamente, die die Virusvermehrung in der Leber hemmen. Doch je nach Virusgenus (1-6) sowie nach dem Grad der Leberzirrhose und der gleichzeitigen Infektion mit anderen Erregern, wie z.B. HIV oder Hepatitis B, liegt die Prognose für eine vollständige Ausheilung der Krankheit zwischen 60 und 95 Prozent. Deshalb ist die frühzeitige Diagnose und Therapie immer das Beste, was einem Erkrankten im Fall einer Hepatitis C passieren kann.

Hepatitis D: Hepatitis-B-Virus teilt seinen Mantel

Das Virus der Hepatitis D ist ein sogenanntes Defektvirus. Dies bedeutet, dass es sich nicht allein in den Leberzellen vermehren kann. Für seinen Vermehrungszyklus benötigt Hepatitis D eine gleichzeitige Infektion der Zellen mit Hepatitis B. Es nutzt praktisch die Hülle des B-Virus als Helfervirus, um neue Leberzellen zu infizieren. Die Übertragung erfolgt analog der Hepatitis B, sodass bei häufig wechselndem Sexualverkehr Doppelinfektionen mit beiden Viren auftreten können. Solche Koinfektionen mit Hepatitis B und D verlaufen in der Regel sogar schwerer als alleinige Infektionen mit Hepatitis B.

Bis zu 90 Prozent der Betroffenen entwickeln dann eine chronische Leberinfektion, die zu Leberzirrhose und Leberkrebs führen kann. Daher ist es gerade bei Doppelinfektionen mit Hepatitis B und D sehr wichtig, frühzeitig mit antiviralen Medikamenten zu therapieren, um den Fortgang der Erkrankung zu verlangsamen oder die Viruslast zu verringern. Der beste Schutz vor einer Ansteckung mit Hepatitis D wird ebenfalls durch die Hepatitis-B-Impfung gewährleistet, da beide Viren ja die gleichen Hülleiweiße verwenden, gegen welche auch mithilfe des Impfstoffes immunisiert wird.

Hepatitis E: verunreinigtes Trinkwasser als Infektionsquelle

Diese Form der Entzündung ist eine weltweit vorkommende Erkrankung, die aber schwerpunktmäßig in Asien, Afrika und Ländern der Dritten Welt vorkommt. Sie wird ähnlich der Hepatitis A über verunreinigtes Wasser auf den Menschen übertragen. Circa 40 Tage nach der Infektion kommt es zu typischen Symptomen mit einer Gelbfärbung der Haut und Augen. Da die Krankheit bei Kindern in der Regel symptomlos verläuft, fehlen gesicherte Nachweise in dieser Altersgruppe. Nach etwa zwei bis drei Wochen ist die Hepatitis E in der Regel ausgestanden; anhaltende Verlaufsformen sind nicht bekannt. Gegen die Infektion gibt es weder eine gegen das Virus gerichtete Therapie noch eine Schutzimpfung. Letztere ist jedoch derzeit in klinischer Erprobung (Stand 2014).

Chirurgie-Bilder: Aus www.chirurgie-im-Bild.de mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Thomas W. Kraus