Aortenaneurysma - Ursachen, Symptome, Operation

Das Aortenaneurysma ist eine Aussackung der Hauptschlagader. Die Hauptschlagader wird grundsätzlich in zwei große Abschnitte unterteilt:

  • Einen Brustabschnitt (= thorakale Aorta) sowie
  • einen Bauchabschnitt (= abdominelle Aorta).
Das Aneurysma ist eine Erweiterung der Schlagader, welche sehr groß werden kann und dann schließlich einreißt (= Ruptur).

Dadurch kommt es zu schweren inneren Blutungen, welche einen Schockzustand oder den Tod des Betreffenden auslösen können. Im Inneren des nicht rupturierten (gerissenen) Aneurysmasackes bilden sich recht häufig Blutgerinnsel (= Thromben), die zu Gefäßverengungen in Beinen, Armen oder den Bauchorganen führen können.

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Risiko für ein Aortenaneurysma

Das Risiko für ein Aortenaneurysma lässt sich in einem Teil der Fälle durch eine angepasste Lebensweise deutlich verringern. Dazu gehören unter anderem viel Bewegung und eine gesunde, fett- sowie zuckerarme Ernährung, um die Hauptrisikofaktoren des Aneurysmas – die Arteriosklerose und den Bluthochdruck – zu vermeiden. Menschen mit einer angeborenen Bindegewebsschwäche entwickeln zudem oft ein Aortenaneurysma und sollten deshalb besonders auf die Symptome achten und gegebenfalls ärztlichen Rat sowie eine einfache Ultraschalluntersuchung hinzuziehen.

Ursachen für ein Aneurysma an der Aorta

Eine Hauptursache für die Bildung eines Aortenaneurysmas ist die Arteriosklerose, die langsame „Verkalkung“ der Gefäße. Daneben gibt es auch Fälle von Patienten, die an einer angeborenen Bindegewebsschwäche leiden. Ebenso kann zu hoher Blutdruck auf Dauer die Arterienwand schwächen. Ganz allgemein gesehen sind Männer deutlich öfter von einem Aortenaneurysma betroffen als Frauen. Bei familiärer Häufung der Erkrankung werden genetische Faktoren als eine weitere Ursache diskutiert.

In 90 - 95% der Fälle geht ein Aortenaneurysma auf Arteriosklerose und Bluthochdruck zurück

In der Gefäßwand befinden sich bei Patienten sogenannte Plaques (= Kalkeinlagerungen). Diese schädigen die Wandstruktur und führen dazu, dass das Gefäß zunehmend verhärtet (= sklerosiert). Dadurch sinkt die Dehnbarkeit der Aorta und eine Aussackung bildet sich. Kommt zur Wandschädigung noch ein erhöhter Blutdruck hinzu, kann das Blutgefäß schließlich platzen. Reißt lediglich die Gefäßwand ein, ohne durchzubrechen, spricht der Arzt von einer Aorten-Dissektion und Blut läuft zwischen die Gewebeschichten der Aorta.

Die Ruptur, also das Reißen des Aneurysmas, ist der schlimmste Fall, der im Laufe der Krankheitsgeschichte auftreten kann. Dadurch fließen sofort sehr große Mengen Blut in den Brust- oder Bauchraum. Der anschließende Volumenmangel im Kreislaufsystem führt sehr schnell zu einem Schock. Der Schock ist ein lebensbedrohender Zustand und tatsächlich überleben weniger als 10% der Patienten mit Aortenruptur diesen Notfall. Weitere 10 - 15% erreichen zwar lebend die Klinik, aber nur etwa die Hälfte davon kann in einer Notoperation noch gerettet werden. Die Gefahr einer Ruptur steigt mit dem zunehmenden Durchmesser beim Aneurysma der Aorta. Ab einem Durchmesser von mehr als 5 cm ist das Risiko besonders hoch.

Wie bereits oben erwähnt, kann das Aortenaneurysma auch auf eine Bindegewebsschwäche zurückgehen. Solche möglichen Bindegewebserkrankungen können sein:

  • Marfan-Syndrom
  • Ehlers-Danlos-Syndrom
  • Zystische Medianekrose Erdheim-Gsell

Allen gemeinsam ist der fehlerhafte Aufbau des Bindegewebes in der Blutgefäßwandung. Dies führt letztlich dazu, dass die Gefäßwand instabiler wird und schließlich nachgibt.Doch auch entzündliche Erkrankungen können die Gefäße schwächen und zu einem Aortenaneurysma führen.

Ein erhöhtes Risiko zur Aneurysmabildung besteht beipielsweise bei:

  • Syphilis im Spätstadium
  • Takayasu Arteriitis

Weitere, wenn auch seltene Ursachen für ein Aortenaneurysma sind:

  • angeborene Fehlbildungen
  • hormonelle Umstellungen, z.B. in der Schwangerschaft
  • Verletzungen im Brustbereich
  • Kontakt mit gesundheitsschädlichen Substanzen (z.B. Kokain)

Symptome bei einem Aortenaneurysma

In den allermeisten Fällen ist das Aortenaneurysma symptomlos. Daneben treten aber auch Beschwerden, wie Heiserkeit, Luftnot, Schulterschmerzen, Rückenprobleme oder Bluthusten auf. Am häufigsten wird das Aortenaneurysma als Zufallsbefund in Röntgenuntersuchungen entdeckt.

Thorakales Aortenaneurysma

Das Aortenaneurysma im Brustbereich geht meist auf eine bestehende Arteriosklerose, einen Bluthochdruck sowie Entzündungsprozesse der Gefäßwand zurück. Ebenso führen Verletzungen des Brustkorbes plötzlich (= akut) oder aber nach mehreren Jahren (= chronisch) zu einem Aortenaneurysma der Brustaorta.

Eine besondere Form ist die sogenannte Aorten-Dissektion. Bei dieser kommt es zu einem Einriss in der Wand der Hauptschlagader, sodass das Blut zwischen die verschiedenen Schichten der Aortenwand fließen kann. In einem frühen Stadium finden sich oft keine Beschwerden. Wächst das Aortenaneurysma jedoch weiter, können Brustschmerzen, Schluckbeschwerden, Heiserkeit, Lähmungen der Beine sowie Nierenprobleme auftreten.

Das Aurysma der Bauchaorta

Das Bauchaortenaneurysma äußert sich in der Regel als Bauchschmerzen, aber ebenso wahrscheinlich sind diffuse Rückenschmerzen, die eher einem „Hexenschuss“ oder einer Nierenkolik ähneln. Sehr große Aneurysmen können als pulsierende Geschwulst am Bauch hervortreten. Reißt das Bauchaneurysma, tritt sehr schnell ein lebensbedrohlicher Schockzustand ein. Die Patienten beschreiben dann i.d.R. einen starken „Vernichtungsschmerz“ und Bauchschmerzen, die bis in den Rücken ausstrahlen. Ebenso treten Übelkeit und Brechreiz auf. Aufgrund des hohenBlutverlusts nach Ruptur verblutet der Mensch innerhalb kürzester Zeit innerlich. Das Leben ist dann nur noch durch eine sofortige Operation zu retten.

Notwendige Untersuchungen zur Diagnose „Aortenaneurysma“

Die Diagnosestellung erfolgt mittels klinischer Untersuchung durch Abtastung des Bauches und mittels Ultraschall. Bei solchen routinemäßigen Ultraschalluntersuchungen des Bauchraumes wird das Aortenaneurysma meist zufällig gefunden. Größere Aneurysmen müssen mittels Computertomographie (CT) und Kontrastmittel untersucht werden. Damit die Behandlung besser geplant werden kann, müssen Gefäßchirurgen die CT-Bilder einsehen und beurteilen. Ein alleiniger Bericht durch den Röntgenarzt reicht nicht aus. In der heutigen Zeit bekommen Sie als Patient die CT-Bilder meist in elektronischer Form auf CD gebrannt für Ihren behandelnden Arzt.

Da sich ein Aortenaneurysma im Normalfall mit den Jahren weiter vergrößert, muss die Gefahr eines Einreißens immer mit bedacht werden. Aus diesem Grund werden bereits kleine Aneurysmen regelmäßig im Ultraschall untersucht. Ein kleines Aortenaneurysma reißt zwar nicht so häufig, doch kann es durchaus Beschwerden oder gar Schmerzen verursachen.

Vor der Operation eines Aortenaneurysmas werden die Blutwerte überprüft. Insbesondere die Schilddrüsenhormone und Nierenwerte sind hierbei von Interesse. Kurz bevor ein CT durchgeführt oder das Aneurysma behandelt wird, sind diese Werte nochmals zu kontrollieren. Ob der Patient körperlich leistungsfähig genug ist, um die Operation gut zu überstehen, kann mithilfe des EKG und der Lungenfunktionsprüfung ermittelt werden. Leidet der Patient zudem unter Herzproblemen, muss ein Kardiologe die Eignung des Patienten für den Eingriff erklären.

Muss ein Aortenaneurysma operiert werden?

Je größer das Aortenaneurysma im Laufe der Zeit wird, desto größer ist auch die Gefahr eines Einrisses der Hauptschlagader. Generell gilt, dass bei Werten im Bereich der Brustschlagader von mehr als 5,5 cm Durchmesser und im Bereich der Bauchschlagader ab 5 cm Durchmesser operiert werden sollte. Bei geringeren Durchmessern entscheidet der behandelnde Arzt je nach Symptomatik und Form des Aortenaneurysmas. Von besonderem Interesse für die Beurteilung des Aortenaneurysmas sind auch die möglicherweise bereits gebildeten Thromben. Ein Blutstau kann nicht nur zur Minderdurchblutung von Geweben und Organen führen, sondern ebenfalls das Aneurysma weiter anschwellen lassen.

Zwei Verfahren der Aortenaneurysma Operation

Seit nunmehr 20 Jahren entwickelt sich die Technik der minimal-invasiven Behandlung immer weiter fort. Unter bestimmten Voraussetzungen kann dem Patienten ein Schnitt in Brust oder Bauch zur Freilegung der Aorta erspart werden. Stattdessen werden die Oberschenkelarterien punktiert und über sie Katheter bis in das Aortaaneurysma vorgeschoben. Dort installiert der Arzt schließlich den Stent, der das Blutgefäß ersetzen und entlasten soll. Diese minal-invasive OP ist schonend für den Patienten, allerdings sind die Stents nicht unbegrenzt haltbar. Mehrere notwendige Folgeoperationen können daher im Leben vorkommen. Ganz besonders ältere Patienten, die sehr oft Nebenerkrankungen und ein hohes Risiko aufgrund einer offenen Operation hätten, werden minimal-invasiv betreut.

Bei bestimmten Formen eines Aortenaneurysmas kann die minimal-invasive Methode dennoch nicht angewendet werden; so z. B. bei Problemen mit der Stent-Prothese oder im akuten Notfall bei geplatztem Aortenaneurysma. In diesen Fällen muss auch weiterhin offen operiert werden. Die Bauchaorta wird mit einem Bauch- oder Flankenschnitt freigelegt und der Teil mit dem Aortenaneurysma durch ein Kunststoffrohr (Stent) ersetzt. Die offene Operation ist immer möglich und bietet eine bessere, weil langfristige Haltbarkeit. Die Entscheidung für eines der beiden Therapieverfahren erfolgt immer gemeinsam mit den Patienten und muss Begleiterkrankungen, Lebensumstände und die persönlichen Wünsche der Patienten mit berücksichtigen.

Im Durchschnitt verlassen Patienten nach einem Eingriff zur Behebung eines Aortenaneurysmas nach etwa 12 Tagen das Krankenhaus. Weitere 3-4 Wochen müssen Sie jedoch dennoch einplanen, bevor Sie am täglichen Arbeitsprozess wieder teilnehmen können. Um nach der offenen Operation keinen Narbenbruch zu riskieren, sind bis zu drei Monate Karenzzeit für das Heben von schweren Lasten (> 5 kg) einzuhalten. Um eine Thrombenbildung zu vermeiden, bekommen Sie sogenannte Thrombozytenaggregationshemmer, welche die Blutgerinnung herabsetzen. Wer hingegen mit der endovaskulären Methode operiert wurde, muss zu einer jährlichen Kontrolle mittels Computertomographie (CT). Beim offenen Verfahren ersetzen Ultraschallverfahren die CT.

Doch wie läuft die Operation zum Einsatz eines Stents bei einem Aortenaneurysma eigentlich ab? Die folgenden Abschnitte sollen Ihnen die Operation im Allgemeinen näherbringen und genauer erklären:

Vor dem operativen Eingriff

Vor der eigentlichen Operation müssen eine ganze Reihe Untersuchungen unternommen werden, um den Eingriff besser planen zu können. Der Arzt entscheidet daraufhin, welcher Stent am besten geeignet ist und bespricht anschließend seine Pläne mit dem Patienten oder der Patientin.

Während der Operation

Vor Beginn der Operation wird die Leistengegend des Patienten gereinigt und desinfiziert. Danach wird die Stelle örtlich betäubt oder aber der Patient in Vollnarkose gelegt. Anschließend nimmt der Arzt einen kleinen Schnitt in der Leistengegend vor und führt Katheter und Stent in die Arterie in der Leistengegend ein. Im Röntgenbild kann der Chirurg die Lage des Aortenaneurysmas genau sehen und den Katheter bis dorthin vorschieben. Im Inneren des Aneurysmas wir nun der Stent platziert und an die Weite des Blutgefäßes angepasst. Der Katheter wird abschließend aus der Arterie gezogen; der eingesetzte Stent verbleibt. Ist das Aortenaneurysma sehr groß, kann der Arzt mehrere Stents platzieren, um das Aneurysma aus dem Blutstrom abzukoppeln.

Die Zeit nach der OP

Nach dem Eingriff müssen Sie noch einige Tage zur Überwachung in der Klinik verbringen. Patienten müssen in der Regel anfangs circa vier bis sechs Stunden ruhig liegen, um die Heilung der Wunden in der Leistengegend zu unterstützen. Nachwirkungen der Operation können sein:

  • Anschwellen des Oberschenkels
  • Taubheit in den Beinen
  • Unwohlsein, Übelkeit und Erbrechen
  • pulsierende Schmerzen in den Beinen
  • Appetitlosigkeit mit/ohne Fieber

Operation bei Aortenaneurysma im Brustraum: Details

Bis vor wenigen Jahren wurde das Aortenaneurysma der Brustschlagader routinemäßig mittels offener Operation behandelt. Seitdem setzt sich aber zunehmend das endovaskuläre Verfahren zur Behandlung bei Aortenaneurysma durch. Das endovaskuläre Stentverfahren beginnt mit der Punktion eines Leistengefäßes. Über das Gefäß wird ein Katheter bis in den krankhaft veränderten Bereich der Brustaorta vorgeschoben. Der Erfolg dieser Maßnahme wird mithilfe einer Röntgenkontrolle (Angiographie) überprüft. Anschließend setzt der Arzt aus dem Katheter den eigentlichen Stent frei. Dieser wird in die Schlagader eingesetzt und übernimmt die Funktion des Aortaabschnitts, der das Aortenaneurysma trägt. In solchen Fällen, in denen das Blutgefäß bereits aufgeplatzt ist, oder wenn das Aortenaneurysma an ungünstiger Stelle liegt, kommt auch weiterhin das offene Operationsverfahren zum Einsatz.

Behandlung Aortenaneurysma des Bauches: Details

Ebenso wie bei der Brustaorta stehen auch zur Behandlung eines Aortenaneurysmas im Bauchraum verschiedene Verfahren zur Verfügung. Die offene Operation erfolgt nach der Öffnung des Bauchraumes an der freigelegten Bauchaorta. Die Schlagader wird oberhalb und unterhalb des Aortenaneurysmas geklammert, um den Blutfluss kurzzeitig zu stoppen. Anschließend wird der Aneurysmasack geöffnet und ein Gefäßersatz als Prothese eingesetzt. Je nach Größe des Aortenaneurysmas wird dabei entweder eine Rohr- oder eine Bifurkationsprothese implantiert. Die offene Operation ist uneingeschränkt für alle Patienten möglich. Das Stentverfahren hingegen ist aufgrund unterschiedlichster anatomischer Voraussetzungen nicht bei jedermann einsetzbar. Ältere Patienten und Hochrisikopatienten profitieren allerdings vom Stentverfahren im Vergleich zur offenen Operation, die ein höheres Risiko zu Komplikationen und Wundheilungsstörungen aufweist.

Risiken und Komplikationen der Aortenaneurysma-OP

Das Reißen eines Bauchaortenaneurysmas ist ein lebensbedrohlicher Notfall. Im Vergleich dazu ist die Operation beim Aortenaneurysma mittels Stent oder auch in offener Operation ein sehr viel geringeres Risiko. Dennoch kommt natürlich ebenso die Aortenoperation nicht ohne allgemeine Risiken aus. Diese sind jedoch meist kalkulierbar und basieren in der Mehrzahl der Fälle auf möglichen Komplikationen infolge von Entzündungen:

  • Infektionen
  • Lungenentzündung
  • Herz-Kreislauf-Probleme

Beim Einsetzen eines Stents kann es zudem zur sogenannten Leckage von Blut kommen, d.h., in den Aneurysma-Sack läuft Blut ein (= „endoleak“). Verschließt sich das Leck nicht im Laufe der Zeit von selbst, so muss es mittels Katheter-Behandlung ausgehend von der Oberschenkelarterie wieder geschlossen werden. Der Eingriff an einem Aortenaneurysma führt möglicherweise zu vorübergehenden Durchblutungsstörungen in den Nieren, im Darm sowie in den Beinen.

Eine offene Operation birgt immer auch die Gefahr, dass andere Bauchorgane verletzt werden. Darüber hinaus kommt es vor, dass die operierenden Ärzte im geöffneten Bauchraum andere Krankheiten entdecken, die gleich mit operiert werden müssen. Die erfolgreiche Behandlung schließt regelmäßige Kontrollen der Durchblutung sowie eine Ultraschalluntersuchung mit ein.

Quellen

http://chi.charite.de/behandlung/gefaesschirurgie/aortenaneurysma/
http://www.htchirurgie.uniklinikum-jena.de/Herzchirurgie/Aortenaneurysma.html
http://www.klinikum-esslingen.de/kliniken/klinik-fuer-gefaess-und-thoraxchirurgie/schwerpunkte-gefaesschirurgie/aortenaneurysmen/
http://www.medtronic.de/erkrankungen/bauchaortenaneurysma/eingriff/vorbereitung-ablauf/index.htm