Peritonealkarzinose - Medizinische Experten

Als Peritonealkarzinose wird der Befall des Bauchfells, welches den Bauchraum auskleidet, mit bösartigen Tumorzellen bezeichnet. Daher spricht man auch von Bauchfellkrebs.

Wie diese Krebserkrankung entsteht, durch welche Symptome sie sich äußert, und wie sie behandelt werden kann, erklärt der Text unten.

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Peritonealkarzinose - Weitere Informationen

Als Peritonealkarzinose wird der Befall der Auskleidung der Bauchraumorgane – des sogenannten Peritoneums oder Bauchfells – mit malignen (bösartigen) Tumorzellen bezeichnet. Zumeist sind die Tumorzellen beim Bauchfellkrebs Absiedlungen (Metastasen) eines anderen Tumors des Bauchraums, seltener stammen sie von einer Tumorerkrankung des Peritoneums selbst. Befall und Ausbreitung der Tumorzellen können stark variieren und beeinflussen Prognose und Verlauf der Erkrankung. So kann der Befall auf einige Knoten in ganz bestimmten Arealen des Bauchfells begrenzt sein (limitierte Peritonealkarzinose). Zumeist betrifft dies Bauchraumareale mit geringer Motilität (Fähigkeit zur aktiven Bewegung) wie beispielsweise den Zoekalbereich oder den Douglas-Raum. Häufiger sind größere Tumorknoten flächenhaft im gesamten Bauchfell sowie auf der Oberfläche der angrenzenden Organstrukturen verstreut (diffuse Peritonealkarzinose).

Die Symptome einer Peritonealkarzinose

Zu Beginn der Erkrankung zeichnen sich zumeist unspezifische Symptome wie Obstipation (Verstopfung) oder Abdominalschmerzen ab. Diese werden zwar vom Patienten wahrgenommen, beunruhigen ihn jedoch kaum. Oft wird zunächst mit Hausmitteln versucht, ihnen entgegenzuwirken. Die zunehmende Ausdehnung der Tumorzellen bedingt aber dann Verdrängungserscheinungen mit anschließenden Funktionsstörungen der angrenzenden Bauchraumorgane. Es kommt zu Ischurie (Harnverhalt), Einschränkungen der Darmtätigkeit und Darmverschlüssen (Subileus und Ileus) sowie zur Bildung von Bauchwasser (Aszites). Die Beeinträchtigung des Gastrointestinaltrakts (Magen-Darm-Trakt) geht häufig mit Übelkeit, Völlegefühl, Appetitlosigkeit und Brechreiz einher.

Bei einer Computertomographie kann eine Peritonealkarzinose anhand von knotigen bis schwartigen Verdichtungen des Bauchfells durch Kontrastmittelanreicherung sichtbar gemacht werden.

Die Ursachen einer Peritonealkarzinose

Der tumorbedingte Befall kann vom Bauchfell selbst ausgehen (primäres Peritonealkarzinom, peritoneales Mesotheliom). Zumeist ist Bauchfellskrebs aber Ausdruck eines fortgeschrittenen und metastasierten bösartigen Tumors eines anderen Organs des Bauchraums.

Das Bauchfell kleidet die Bauchhöhle (Organe und Bauchdecke) von Innen aus. Es bildet ein Sekret, das das Gleiten der Darmschlingen unterstützt. Über diese können sich auch Zellen ausbreiten, die von malignen Tumoren des Abdominalraumes – sogenannten Primärtumoren – stammen. Dieser Mechanismus kann insbesondere bei gastrointestinalen Krebserkrankungen wie Dickdarmkrebs (kolorektalen Karzinomen), Dünndarmkarzinomen und Pankreaskarzinomen (bösartige Geschwulst der Bauchspeicheldrüse) sowie bei Eierstockkrebs beobachtet werden.

Eine seltene Tumoreinheit, die ebenfalls zu Bauchfellkrebs führen kann, stellt das sogenannte Pseudomyxoma peritonei dar. Hierbei entwickelt sich der Krebs, wenn schleimbildende Tumore den Blinddarms (sogenannte Mukozele) perforieren und die Tumorzellen anschließend in das Bauchfell wandern. Wenngleich es sich dabei um einen benignen (gutartigen) Tumor handelt, ist der Verlauf mit dem eines langsam wachsenden malignen Tumors vergleichbar. Im fortgeschrittenen Stadium ist das gesamte Bauchfell mit gallertartigem Gewebe und Tumormassen angereichert.

Die therapeutischen Maßnahmen bei einer Peritonealkarzinose

Die therapeutischen Maßnahmen bestehen zumeist in der Behandlung des Primärtumors, der Entfernung aller tumortragenden Organstrukturen im Bauchraum sowie der befallenen Areale des Bauchfells (Zytoreduktion bzw. kurz: CRS) und einer Spülung der Bauchhöhle mit einer erwärmten Chemotherapie-Lösung (hyperthermen intraperitonealen Chemotherapie (HIPEC)).

Das kombinierte Verfahren aus beidem ist besonders bei begrenztem Befall durch folgende Tumorarten ratsam:

  • primäres peritoneales Adenokarzinom
  • kolorektales Karzinom (Krebserkrankung des Dickdarms und des Dünndarms)
  • Magenkarzinom
  • Ovarialkarzinom (primäre sowie sekundäre Therapie)
  • peritoneales Mesotheliom
  • Pseudomyxoma peritonei
  • Dünndarmkrebs
  • Appendixkarzinom.

Ziel ist die Tumorfreiheit des Bauchraums. Im Rahmen der Peritonektomie werden dazu sämtliche befallenen Areale des Bauchfells chirurgisch entfernt. Während des Eingriffs wird jedoch eine Vielzahl an Tumorzellen in den Peritonealraum versprengt. Diese können in den operativ verursachten Wundflächen anwachsen und sich dort ansiedeln (Implantation von Tumorzellen). Um einer solchen Implantation vorzubeugen, wird noch während der Operation eine Zytostatika- bzw. Chemotherapeutikalösung (u.a. Cisplatin, Mitomycin C) in das Peritoneum eingebracht. Diese als intraperitoneale Chemotherapie bezeichnete Lavage (Spülung) hat eine hohe Zytotoxizität (Fähigkeit von chemischen Substanzen Zellen und Gewebe zu schädigen) und erleichtert die Penetration der Chemotherapeutika in das Tumorgewebe.

Die Tumorzellen sind besonders empfindlich und empfänglich für Zytostatika, wenn diese noch keinen sichtbaren Tumorhaufen gebildet haben. Die Chemotherapeutika können dann optimal auf sie wirken, weil noch keine Adhäsionen (Verwachsungen) vorhanden sind und die Tumorzellen nicht von Fibrin umschlossen sind. Zugleich wird eine gleichmäßige Verteilung der Chemotherapeutika im Peritonealraum sichergestellt und die Freisetzung von Wachstumshormonen, die andernfalls das Tumorwachstum fördern, gehemmt. Zusätzlich wird die Wirkung der Zytostatika dadurch erhöht, dass die Spüllösung unter hypothermen Bedingungen – auf 42 °C erwärmt – für 45 Minuten in den geschlossenen Bauchraum eingeleitet wird. Die Tumorzellen verfügen in aller Regel über eine schlechte Wärmeregulationsfähigkeit: Die lokale Überwärmung bedingt daher ein Anschwellen des Tumorgewebes, während die Durchblutung des umliegenden gesunden Gewebes gefördert wird. Es kommt zu einer Minderdurchblutung und Sauerstoffunterversorgung des Tumorgewebes (Tumorhypoxie), das dadurch noch anfälliger für die Wirkstofflösung wird. Zudem entwickelt sich ein saures Zellmilieu (Azidose). In der Kumulation führen diese Faktoren schließlich zum Absterben der Tumorzellen (Tumornekrose).

Diese Kombinationstherapie ist unter anderem nicht geeignet bei:

  • Ileus (Darmverschluss)
  • extra-abdominelle Metastasen (Metastasen außerhalb des Bauchraums)
  • floride (blühende) Infektion
Darüber hinaus können ein schlechter Allgemeinzustand, ein Subileus (noch nicht vollständiger Verschluss des Darms) sowie Metastasen an der Leber oder hinter der Bauchfellhöhle eine solche Behandlung ausschließen. Neben diesen Maßnahmen sind zumeist zusätzliche symptomatische Behandlungen (u. a. regelmäßige Aszitesdrainagen bzw. Parazentesen, Diuretika für die Ausschwemmung von Wasser über die Nieren, Behandlung der Übelkeit, gegebenenfalls intravenöse Ernährung mit hochkonzentrierten Speziallösungen und weitere palliative Therapiemaßnahmen) erforderlich.

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