Asbestose - Medizinische Experten

Asbestose ist eine Lungenerkrankung, die durch Ablagerung von eingeatmeten Asbeststaub in den Atemwegen hervorgerufen wird und daher auch als Asbeststaublunge bezeichnet wird. Sie ist durch eine bindegewebige Verhärtung des Lungengewebes (Fibrosierung) gekennzeichnet, die das Atmen zunehmend erschwert und auch zu Lungenkrebs führen kann.

Weitere Informationen finden Sie weiter unten.

Übersicht

Empfohlene Spezialisten

Asbestose - Weitere Informationen

Da sich die Lungenfibrose in aller Regel progredient verschlechtert, wird die Asbestose den bösartigen Staublungenerkrankungen (sogenannten Pneumokoniosen) zugeordnet. In den meisten Fällen sind bestimmte Berufsgruppen betroffen, weshalb die Asbestose zu den anerkannten meldepflichtigen Berufserkrankungen gehört. Sie ist nach der Lärmschwerhörigkeit die zweithäufigste berufsbedingte Erkrankung in Deutschland. Zwischen der Asbest-Exposition und der Manifestation von asbestverursachten Erkrankungen wie einer Asbestose, aber auch von bösartigen Tumoren in Lunge, Lungenfell oder Kehlkopf und Herzbeutel vergehen im Durchschnitt 30 Jahre, weshalb nach dem Asbest-Verbot 1993 erst 2020 mit einem deutlichen Anstieg von asbestbezogenen Erkrankungen in Deutschland gerechnet wird.

Die Symptome: abhängig von Dauer und Stärke der Exposition

Mit der Veränderung des Lungengewebes treten die ersten Symptome auf. Die zumeist fortschreitende Lungenfibrose geht mit einem langsam progredienten Reizhusten‚ Kurzatmigkeit, Atemnot (Dyspnoe) und Brustschmerzen einher. Oftmals ist ein Knistern über der Lunge zu hören. Zunächst tritt die Atemnot vor allem bei Belastung und tiefer Einatmung auf (Belastungsdyspnoe), im weiteren Verlauf auch in Ruhephasen (Ruhedyspnoe). Das in Bindegewebe umgewandelte Lungengewebe kann die Sauerstoffversorgung des Körpers nicht mehr hinreichend gewährleisten.

Die Sauerstoffmangelversorgung (Hypoxämie) wird anhand von sich verdickenden Fingernägeln (sogenannte Trommelschlegelfinger) und einer Blaufärbung von Haut und Schleimhaut sowie Lippen und Fingerenden (sogenannte Zyanose) sichtbar. Darüber hinaus fließt das Blut infolge der Gewebeverhärtungen jetzt langsamer durch die Lunge, sodass es sich bis zum Herzen stauen kann. Dadurch wird die Herzfunktion soweit gestört, das sich eine Herzschwäche – ein sogenanntes Cor pulmonale – entwickelt. Ein Cor pulmonale äußert sich in Form von Atemnot und Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme) im Bereich der Knöchel und Unterschenkel. In einigen Fällen sind auch lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen zu beobachten.

Ursachen und Risikofaktoren einer Asbestose

Eine Asbestose wird durch eingeatmeten asbesthaltigen Staub verursacht. Die Asbestfasern setzen sich im Lungengewebe – in den Lungenbläschen (Alveolen) – ab und gelangen in das Bindegewebe der Lunge, wo sich sich in sehr feine Fasern aufspalten. Im späteren Verlauf wandern diese auch in das Brustfell (Pleura). Die Asbestfasern sind extrem beständig und können von der Lunge und dem angrenzenden Gewebe nicht abgebaut oder ausgeschieden werden, wenngleich die Fresszellen des Immunsystems – die sogenannten Makrophagen – die inhalierten Asbestfasern aufnehmen und versuchen, die diese zu zersetzen. Stattdessen schütten sie Botenstoffe aus, die eine Aktivierung der sogenannten Fibroblasten (Hauptbestandteil des Bindegewebes) hervorrufen. Es bilden sich vermehrt Zellen des Bindegewebes, wodurch das Gewebe verdickt und unflexibler wird. Zudem werden durch die Botenstoffe weitere Abwehrzellen angelockt, die kleinste Entzündungsherde im Lungengewebe verursachen. Diese Gewebeschädigungen verursachen wiederum eine vermehrte Ausschüttung von Fibroblasten, wodurch die Gewebevernarbung weiter vorangetrieben wird. Aufgrund der zunehmenden Inflexibilität des Gewebes schrumpft die Gasaustauschfläche der Lungen (reduziertes Lungenvolumen), durch das vernarbte Gewebe kann weniger Sauerstoff ins Blut gelangen und so fällt in der Folge das Einatmen schwerer, insbesondere unter Belastung.

Early Asbestosis in a Retired Pipe Fitter

Risikofaktor Beruf

Die eine Asbestose auslösenden Asbestfasern wurden und werden in den meisten Fällen am Arbeitsplatz eingeatmet. Vor dem Verbot im Jahr 1993 existierten keine ausreichenden Schutzmaßnahmen, ganz im Gegenteil: Arbeitsschutzkleidung selbst enthielt teilweise Asbest.

Die folgenden Produktarten enthielten bis zum Verbot in aller Regel Asbest:

  • Vorgeformtes Isoliermaterial zur Wärmeisolierung von Rohren und Boilern
  • Feuerschutz aus Spritzasbest in Leitungen, (Decken-)Paneelen, Feuersperren, Stellwänden oder um Stahlbauten
  • säure- und hitzebeständige Dichtungen aus einem Gummi-Asbest-Gemisch
  • für Feuerschutz oder zur Wärmeisolierung, für Abtrennungen oder Leitungen verwendete Isolierbretter
  • Feuersperren in Deckenhohlräumen
  • Papier, Papierprodukte oder Filzmaterialien zur Isolierung von elektrischen Geräten oder als feuerfeste Deckschicht auf Holzfaserplatten (Asbestpapier)
  • Asbesttextilien wie Zwirne, Garne, Schnüre, Seile, Schläuche, Packungen, Tücher oder Kleidung
  • Zementprodukte in Flach- und Wellblech für Dach- und Wandverkleidungen, Dachrinnen, Regenwasserrohre sowie Wassertanks
  • Texturbeschichtungen wie Artex
  • Dachverkleidung aus Bitumen
  • Bodenfliesen aus Thermoplast oder Vinyl
  • Anstrichstoffe, Dichtungsmassen, Kunststoffharzpressmatten u. ä.
  • feuerfeste Arbeitsschutzkleidung
  • Reibbeläge wie Kupplungs- oder Bremsbeläge
  • Talkum (Pulverform von Talk bzw. Speckstein)

Weshalb einige Menschen erkranken und andere trotz nachgewiesener langjähriger Asbest-Exposition nicht, ist bislang nicht eindeutig geklärt. Als gesichert gilt allerdings: Kommen weitere Risikofaktoren hinzu, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung, insbesondere das Risiko für eine Tumorentstehung. So ist das Risiko für einen bösartigen Lungentumor bei vorbelasteten Menschen zehn- bis vierzigmal höher, wenn diese rauchen. Neben Soldaten weisen vor allem Handwerkerberufe, die früher oder auch heute noch beispielsweise im Rahmen von Abriss- und Sanierungsarbeiten mit Asbest in Kontakt kommen, ein erhöhtes Risiko für eine Asbestose oder andere asbestbedingte Erkrankung auf.

Hierzu gehören insbesondere:

  • mit Metallplatten arbeitende Handwerker bzw. Bauarbeiter (einschließlich im Schiffbau-Bereich),
  • Fahrzeugbauer (einschließlich Schienenfahrzeugbauer),
  • (Gas-)Installateure,
  • Zimmermänner,
  • Elektriker,
  • Bauarbeiter und Bauhandwerker,
  • Gipser,
  • Stahlerbauer und Blecharbeiter,
  • Maler sowie
  • Schweißer.

Die Behandlung einer Asbestose

Das Lungengewebe ist irreversibel geschädigt und kann zumindest mit heutigen Therapiekonzepten nicht geheilt werden. Das primäre Behandlungsziel besteht daher in der Verlangsamung der Fibrosierung des Lungengewebes sowie Linderung der Beschwerden durch eine zusätzliche symptomatische Therapie. An erster Stelle steht hier die Vermeidung von Asbeststaub sowie eine Raucherentwöhnung bei Rauchern, um eine zusätzliche Verschlechterung zu vermeiden. Für eine Asbestose stehen bislang noch keine pharmakologischen Therapieansätze zur Verfügung. Kortikosteroide und Immunsuppressiva haben sich sowohl in Mono- als auch in Kombinationstherapie nicht bewährt. Durch bronchialerweiternde Medikamente (sogenannte Brochialdilatoren) kann das subjektive Empfinden allerdings deutlich verbessert werden.

Unterstützend kann eine pulmonale Rehabilitation mit

  • aerober Konditionierung,
  • Beweglichkeits- und Krafttraining,
  • Schulungen zu Atem- und Entspannungstechniken,
  • Ernährungsberatung sowie
  • psychosozialer Betreuung
durchgeführt werden. Mit Fortschreiten der Erkrankung benötigen die Betroffenen zumeist eine Sauerstofftherapie. Sollte als Komplikation eine Krebserkrankung diagnostiziert werden, wird der Tumor in aller Regel chirurgisch entfernt und anschließend chemo- oder strahlentherapeutisch behandelt.

Standorte der Spezialisten

Klinikstandorte
Flughäfen